Dienstag, 11. April 2017

"Mercy Thompson 10: Silence Fallen" von Patricia Briggs (engl.)

Das große Schweigen …
Nach den dramatischen Ereignissen in den Tri Cities, die den Marrok dazu gebracht haben, sich offiziell von Adams Rudel loszusagen, ist langsam wieder so etwas wie Ruhe eingekehrt. Mercy hätte ahnen sollen, dass es nur die Ruhe vor einem neuen Sturm ist, der sie bis ins ferne Italien … nun nicht „weht“, weil sie vor ihrer eigenen Haustür niedergeschlagen und entführt wird. Getrennt von ihren Liebsten muss sie sich alleine gegen die Meister von Mailand, den angeblich mächtigsten Vampir der Welt durchsetzen, der partout nicht verstehen will, was alle an Mercy finden und es auf sehr eigenartige Weise herauszufinden versucht. Zum Glück unterschätzt Bonarata, wozu eine Kojotin fähig ist. Mercy zeigt sich wie immer entschlossen, rasend schnell, gut darin zu überleben und darin, ihren Feinden eine Menge Ärger zu machen.
Ohne das Ende vorwegzunehmen: Wir alle können froh sein, dass Europa noch steht …

Ich liebe die Geschichten rund um die gewitzte VW-Mechanikerin Mercy Thompson und ihr Rudel und bin auch nach zehn Bänden und so einigen Kurzgeschichten noch süchtig nach „mehr“. Mit „Silence Fallen“ entführt Patricia Briggs nicht nur die Kojoten-Wandlerin, sondern auch den Leser der Serie auf ungewohntes Terrain. Mercy, die sonst eigentlich „nur“ und meist ungewollt Nord-Amerika in Aufruhr versetzt, verschlägt es zuerst nach Mailand und dann nach Prag. Allein, ohne Geld, Papiere und der Sprache(n) nicht mächtig, muss sie sich durchschlagen, bis Adam und ihre Freunde sie erreichen können. Sie wäre aber nicht sie selbst, wenn ihr dabei nicht ein paar der legendären übernatürlichen Gestalten über den Weg laufen würde, die in diesen Städten ihre Heimat gefunden haben.

Um es vorweg zuschicken: Mir hat das Buch gut gefallen und entsprechend werde ich es bewerten. Aber im Vergleich zu den anderen Bänden der Serie hat es jedoch ein „Problem“, dass dem Kern der Story und dem Setting geschuldet ist: „Silence Fallen“ ist eine Art Leitmotiv. Mercy verbringt viel Zeit in ihrer Kojotenform und das Gefährtenband ist allein durch die Entfernung nicht so „kommunikativ“ wie es sein könnte. Adam bringt natürlich nicht sein gesamtes Rudel mit nach Europa, dazu ist die Situation daheim zu prekär. Das alles führt dazu, dass mir der Teil der Serie, den ich sonst am meisten genieße, schmerzlich gefehlt hat: Die schnellen, mit trockenem Humor angefüllten Dialoge, die gerade in den letzten Büchern mehr als genial waren. Ich liebe dabei besonders die Szenen zwischen Adam und Mercy. Die gibt es hier nur am Anfang und am Schluss, nichtsdestotrotz sind sie für mich die Highlights der Geschichte. Ansonsten herrscht leider ziemlich oft das große Schweigen …

Auch wenn die Story nicht ganz an die letzten Bücher heranreicht (Die Messlatte lag auch sehr, sehr hoch!), ist sie immer noch richtig klasse. Es hat richtig Spaß gemacht, endlich den legendären Herrn der Nacht kennenzulernen, der scheinbar mühelos zahllose finstere Pläne parallel schmiedet und so dafür sorgt, dass er immer am Ende als Gewinner dasteht. Sehr gern hätte ich mehr von Kocourek, dem alten und neuen Meister von Prag erfahren, der für einen Vampir sehr ungewöhnlich ist.
Außerdem gibt es noch eine wirkliche Überraschung. Ok. Im Nachhinein ist es vielleicht keine Überraschung, aber mehr sage ich dazu sicher nicht. Schön selbst entdecken!!! ;)

Mir gefällt außerdem, dass keine Nebenfigur vergessen wird und auch Rudelmitglieder, die weiter unten in der Rangfolge stehen, es nach und nach schaffen, ein eigenes Profil zu entwickeln.

Fazit: Auch wenn mir persönlich „Silence Fallen“ im Vergleich zu den anderen Mercy Thompson Romanen sehr „still“ vorkam, so ist das hier doch großartige und spannende Urban Fantasy vom Feinsten. Die Story ist temporeich und punktet mit dem augenzwinkernden Witz, der für die Serie so typisch ist. Deshalb gibt es diesmal solide 4,5, aufgerundet 5 Sterne und eine Leseempfehlung.
Wie bei allen richtig guten Büchern kann man es – nachdem man die letzte Seite gelesen hat – kaum erwarten, wie es weitergehen wird.

Übrigens: Neueinsteiger können diese Story zwar lesen und verstehen, sie macht aber mindestens dreimal soviel Spaß, wenn man die Bücher in der richtigen Reihenfolge genießt.


Haben wollen? 

 Hier kann man die Bücher von Patricia Briggs kaufen: 
- "Silence Fallen“ (Band 10, engl.)

Mercy Thompson auf Deutsch:
- "Ruf des Mondes" (Band 1)
- "Bann des Blutes" (Band 2)
- "Spur der Nacht" (Band3)
- "Zeit der Jäger" (Band 4)
- "Zeichen des Silbers" (Band 5)
- "Siegel der Nacht" (Band 6)
"Tanz der Wölfe" (Band 7)
- "Gefährtin der Dunklheit(Band 8)
- "Spur des Feuers(Band 9, erscheint am 13. Juni 2017)

"Alpha & Omega" ("Partnerserie"):
- "Schatten des Wolfes(Band 1)
- "Spiel der Wölfe(Band 2)
- "Fluch der Wolfes(Band 3)
- "Im Bann der Wölfe(Band 4)

*Bildquelle: amazon

Montag, 10. April 2017

"The Chosen" von J.R. Ward (engl.)

Auserwählte und Entscheidungen

Die Auserwählte Layla ist nun Mutter von Zwillingen und könnte eigentlich glücklicher nicht sein. Ihre Kinder haben gegen jede Chance die dramatische Frühgeburt überlebt und nicht nur Qhuinn, der leibliche Vater der Beiden, sondern auch sein Mann Blay kümmern sich rührend um die kleine Familie. Leider sehnt sich Layla immer noch verzweifelt nach Xcor, den die Bruderschaft der Black Dagger gefangen hält. Eigentlich wollen sie ihn befragen – und dabei alles andere als zimperlich vorgehen – aber der Mann liegt seit Wochen im Koma. Gerade als er daraus erwacht, überschlagen sich die Ereignisse und nicht nur Layla muss sich entscheiden, welche Prioritäten sie in Zukunft setzten will.

Ich kann „The Chosen“ von J.R. Ward nicht besprechen, ohne zu spoilern, deshalb die Bewertung vorab: Vom mir gibt es solide 4 Punkte und eine Leseempfehlung für Fans. Das Buch gehört in die Reihe und ist ganz sicher nicht schlecht. Allerdings hat es mich nicht so begeistert, wie die letzten Bände.

Wer ein paar Details lesen möchte findet die weiter unten. Ich habe mich wirklich bemüht nicht alles zu verraten, aber „ganz ohne“ ging es diesmal eben nicht.

Ab hier SPOILER möglich:

Damit am Ende das Positive, was ja auch überwiegt, in Erinnerung bleibt, hier zuerst einmal die Kritikpunkte:
Wie immer erzählt J.R. Ward auch in „The Chosen“ nicht nur eine einzige Geschichte, sondern spinnt auch die der anderen Brüder weiter. Normalerweise liebe ich das und es ist für mich nervenzerfetzend, wenn mal wieder mitten in einer spannenden Szene der Fokus verschoben wird. Die Bücher werden damit zum echten Page-Turner. Hier habe ich es manchmal fast mit einem Schulterzucken zur Kenntnis genommen, weil … einige Dinge einfach so übertrieben pathetisch dargestellt wurden, dass ich mir nicht mal hypothetisch vorstellen konnte, dass dies nun nicht nur eine Verwicklung auf dem Weg zum HE ist. Und wieso sollte man sich aufregen, wenn`s doch eh am Ende anders kommt …

Wenn man die Serie kennt, wird eigentlich schon im Prolog klar, dass einige alte Feindschaften sich im Laufe der Story wahrscheinlich sowieso in Luft auflösen werden. Wo der Lösungsansatz für die Brüderschaft und die Bastards liegt, ist eigentlich auch offensichtlich.

Wirklich klasse sind die Szenen mit Xcor und Layla, von denen ich mir allerdings viel mehr gewünscht hätte. Xcor ist ein Tortured Hero, wie er im Buche steht, und es ist toll ihn auf den letzten Metern eines Weges zu begleiten, der sich schon in den letzten Büchern abzeichnete. Richtig gut gefallen hat mir auch, wie sich seine Beziehung zu seinen Anhängern und zu Wrath entwickelt. Damit kommen endlich einige neue und sehr interessante Figuren in den Fokus, aus die ich schon länger gespannt war und die Stoff für weitere Geschichten liefern können.

Layla ist – nach Payne – erst die zweite Frau, die die Titelfigur eines der Bücher ist und die erste „Nicht-Kämpferin“, die so in den Mittelpunkt rückt. Phury hat die Auserwählten zwar „befreit“, was sie nun mit ihrer Zukunft machen, müssen sie aber selbst entscheiden. Das ist ein Prozess, den man bei Layla wunderbar mitverfolgen kann. Sie bemerkt nach und nach, dass die Freiheit zu wählen, auch die Gefahr mit sich bringt, Verluste zu erleiden. Sie hasst den Gedanken, dass sie gezwungen ist, sich zwischen ihren Kindern und der Liebe ihres Lebens zu entscheiden. Der bloße Gedanke, Xcor nie wieder sehen zu dürfen, zerreißt sie förmlich. Gibt es wirklich keinen Ausweg aus diesem Dilemma?

Weniger gut hat mir gefallen, was sich Qhuinn leistet, dessen tragische Geschichte man über den ganzen Verlauf der Serie verfolgen konnte und dem man sein Happy End mit Blay wirklich von Herzen gönnt. Die Kinder sind eigentlich das Tüpfelchen auf dem i. Qhuinn scheint sich aber nicht bewusst zu sein, wie zerbrechlich Glück ist. Er hat ohnehin nicht immer die klügsten Entscheidungen getroffen, einer seiner Aussetzer in diesem Buch ist allerdings ein absolutes No-Go und er kommt damit – in meinen Augen – noch viel zu gut davon. Fast bleibt das Gefühl übrig, dass mit dem Gips und der Farbe, die die Folgen seiner kopflosen und hasserfüllten Aktion übertünchen, auch schon wieder alles vergessen ist. Das Layla, die mit ihren eigenen Schuldgefühlen kämpft, ihm verzeiht, ist verständlich. Die anderen Frauen (und Männern) im Haushalt, besonders die mit eigenen Kindern, haben diese Ausrede nicht und gehen doch recht schnell wieder zur Tagesordnung über. Das kann und will ich mir so eigentlich nicht vorstellen.

Am Anfang gibt es außerdem einige Szenen mit Thor, der auch gegen Ende noch einmal eine wichtige Rolle spielt. (Warum? Wie gesagt, wer die Serie kennt, kommt schnell dahinter …) Die Art und Weise, wie er sich mit dem Verlust von Wellsie auseinandergesetzt hat, mag man, oder man mag sie eben nicht. Natürlich heilt auch eine neue Liebe diese alte Wunden und seine Trauer nicht, allerdings dachte ich eigentlich nicht, dass Thor immer noch auf einem so schmalen Grad wandert.

Throe dagegen ist ja immer noch auf der Flucht vor den Black Daggern, lässt es sich dabei aber vergleichsweise gut gehen. Zumindest bis er ein geheimnisvolles Artefakt findet, dass eine sehr, sehr merkwürdige Auswirkung auf ihn hat. Anscheinend wird er gerade als der neue „Böse“ aufgebaut. So richtig ernst nehmen kann ich ihn aber irgendwie (noch) nicht. Dazu fehlt ihm das Charisma, das man bei seinem ehemaliger „Boss“ Xcor von der ersten Sekunde an spürte.

Die anderen Handlungsfäden werden diesmal eher knapp angerissen.
Assasil kämpft weiterhin mit den Dämonen, die die Folgen seiner Sucht sind. Trez erlebt eine riesige Überraschung. Und Vishous …
Hm. Was der gerade so denkt, hat mich wirklich überrascht. Trotzdem war es klasse, mal wieder ein wenig mehr von dem absolut coolsten der Brüder zu lesen.
Während die anderen Jungs recht kurz kommen, haben die Mädels diesmal einen starken Auftritt und machen sogar vor Wrath keinen Rückzieher mit ihren Forderungen.

Zum Abschluss: Ich hätte in dem Buch gerne mehr von Layla und Xcor als Paar gelesen, weil sie beiden eine unheimlich interessante Beziehung haben, in der ein überraschendes Kräftegleichgewicht herrscht. Außerdem kommen mir die anderen „Bastards“ ein wenig zu kurz.

Zwei weiter interessante Stränge aus den letzten Büchern werden gar nicht oder so gut wie gar nicht aufgegriffen: Was ist denn nun aus dem geretteten Blutsklaven geworden? Und wann erfährt man mehr über Jo?

Ansonsten ist dies eine solide und spannende Geschichte aus dem mittlerweile riesigen „Black Dagger – Universum“, die wirklich zu empfehlen ist, auch wenn sie nicht unbedingt das Highlight der großartigen Serie darstellt. Aber schließlich liegt die Latte auch ziemlich hoch, oder?

Wie allen Bücher bisher macht auch „The Chosen“ auf jeden Fall Lust darauf, nicht nur eine, sondern eine ganze Menge weiterer Geschichten rund um die Bruderschaft der Black Dagger und den Blinden König zu lesen.


Haben wollen? 

 Hier kann man die Bücher von J.R. Ward kaufen: 

- "The Chosen“ 

Als letztes auf Deutsch erschienen sind:
- "Krieger im Schatten" (Band 27)
- "Ewig geliebt" (Band 28)

P.S.: Es gibt das Buch aktuell in zwei Ausgaben. Die verlinkte ist preiswerter, darunter stehen aber einige Rezis, die gar nicht zu dem Buch, sondern zu dem Kompendium gehören, das J.R. Ward vor ein paar Jahren herausgegeben hat. Also nicht irritieren lassen ...

Bildquelle: amazon

"In Erfüllung seiner Pflicht" von Mathilda Grace

Intellektueller Filter

Garrett fällt aus allen Wolken, als an einem Augusttag plötzlich sein totgeglaubter Verlobter Tyler vor der Tür steht. Vor der Tür des Hauses wohlgemerkt, das er zusammen mit Ty gekauft hat, aber nun mit Kade bewohnt. Kade, der so eine Art Bruder und der beste Freund von Ty war, mit Garrett um ihn getrauert hat und nun Garretts neuer Partner ist.
Schnell wird klar, dass Tyler zwar die unmenschlichen Bedingungen, unter denen er die letzten fünf Jahre gefangen gehalten wurde, überlebt hat, aber nicht nur körperliche, sondern auch seelische Narben mit sich trägt, die noch lange nicht verheilt sind.
Garrett und Kade sind überfordert. Und plötzlich steht auch ihre Beziehung auf dem Spiel ...

Ich mag die Geschichten von Mathilda Garce unheimlich gerne und habe mich auf dieses hier besonders gefreut, weil eines meiner aktuellen Lieblingsbücher ein ähnliches Thema behandelt: Ein Soldat überlebt eine traumatische Gefangenschaft, kämpft mit PTBS und findet sich zwischen bzw. mit zwei Männern wieder, die ihm alles bedeuten.
Im direkten Vergleich wird eines schnell klar: „In Erfüllung seiner Pflicht“ ist sehr, sehr gut recherchiert. Realistisch wird beschrieben, mit welchen Problemen die ehemaligen Soldaten und auch ihre Angehörigen oft zu kämpfen haben. Jedoch stellt sich während des Lesens eine gewisse Distanz ein, weil die Hauptperson in dem Buch eben nicht der traumatisierte Ex-Soldat Ty, sondern Garrett ist, der die Geschichte aus der Ich-Perspektive erzählt. Entsprechend kommen Tys Gefühle und Problem beim Leser nicht direkt an, sondern nur durch eine Art „intellektuellen Filter“. Man erfährt immer nur, wie Garrett Ty sieht oder was er über ihn denkt. 

Natürlich könnten auch Garretts Erlebnisse und Eindrücke sehr berührend sein. Der Leser darf sie aber (leider) sehr oft gar nicht „unmittelbar“ miterleben. Garrett „schildert“ seine Gefühle und Reaktionen auf Tys Aus- oder Zusammenbrüche nämlich regelmäßig erst in der Retrospektive, nachdem oder während er gezwungen ist, noch einmal darüber nachzudenken, sei es im Gespräch mit seinen „Jungs“, mit seinem Bruder Cord, der Psychologe ist und entsprechend bedeutungsschwere Fragen stellt, oder mit dem Traumaspezialisten Connor.
Entsprechend ist man als Leser bei vielen Szenen nicht mitten im Geschehen, sondern eher in der Rolle eines stillen Zuhörers am Rande, der einem Erlebnisbericht lauscht.
Überraschend unspektakulär ist übrigens die Auseinandersetzung mit der „Beziehung zu dritt“, obwohl gerade bei den dreien Konfliktpotential vorhanden wäre. Vielleicht überwiegen aber einfach Tys gesundheitliche Probleme alles andere. Oder vielleicht liegt es daran, dass Garrett und Kade Tyler sehr lange nicht wie einen Erwachsenen, sondern eher wie einen Teenager behandeln. Erst ganz am Ende ändert sich ihr Verhältnis ein wenig und ich würde wirklich gerne lesen, wie die drei zu einer harmonischen und gleichberechtigten Beziehung finden. Zu diesem Buch passt es allerdings, dass die Männer erst auf dem Weg zu ihrem Happy End sind. Es gibt echte Hoffnung, aber es werden wahrscheinlich auch immer wieder Probleme und Rückschläge kommen, mit denen sie kämpfen müssen.

In Erfüllung seiner Pflicht“ entzieht sich meinem üblichen Bewertungsschema. Es wirkt stellenweise eher intellektuell und als berührend, obwohl es um ein hochemotionales Thema geht und PTBS hier in Romanform beschrieben wird. Das Buch packt den Leser aber trotzdem. Es macht betroffen und regt dazu an, sehr lange und intensiv darüber nachzudenken. 
Wenn ich vor dem Kauf ein wenig genauer hingeschaut hätte, wäre mir übrigens sicher aufgefallen, das Mathilda Garce das Buch gar nicht (wie von mir angenommen) unter „Liebesromane“ gelistet hat. Es wäre extrem unfair diese wirklich toll geschriebene und lesenswerte Geschichte abzustrafen, weil sie eben nicht die herzerreißende Romanze ist, die ich erwartet habe. 

4 Punkte heißt deshalb bei mir deshalb dieses Mal: Sollte man lesen. Wirklich. Das Buch rückt vieles in eine andere Perspektive und macht extrem nachdenklich.

Haben wollen? 
 Hier kann man die Bücher von Mathilda Grace kaufen: 

- "In Erfüllung seiner Pflicht"


Ich kann's mir nicht verkneifen, auch wenn es eigentlich nicht zu dem ersten Thema dieses Buches passt. Aber vielleicht braucht man gerade danach was fürs Herz. Etwas bei dem am außerdem herzlich lachen kann ...

Ich liebe die "Nachbar für's Herz"- Serie von Matty Grace!

Stachlige Schönheit
Durchblick gesucht
(h)Eiskalt erwischt
Spiel auf Risiko
- „Zaun an Zaun"
- „Tinkerbell"
- „Ein bisschen Escort"
- „Pinselspiele"

Neuigkeiten von Mathilda Grace findet man hier: mathilda-grace.blogspot.de

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Mittwoch, 22. März 2017

"Sunset Park" von Santino Hassell

New York … und die Menschen, die die Stadt ausmachen!
Raymond ist zuerst stinksauer, als er erfährt, dass sein Bruder Michael mit seinem Geliebten Nunzio zusammenziehen und das elterliche Haus vermieten will. Deshalb muss er sich nämlich eine eigene Wohnung suchen. Und einen Job, um sie zu bezahlen. Blöd nur, dass es nicht gerade seine Stärke ist, Verantwortung für sich selbst zu übernehmen oder eine gut bezahlte Stelle auch zu behalten, wenn er zufällig mal eine gefunden hat.
Als David, der schwule Arbeitskollege seines Bruders, ihm vorschlägt eine WG zu gründen, zögert Ray nicht lange. Erstens mag er David, auch wenn der sich manchmal wie eine menschliche Klette aufführt, und zweitens … wäre es eine perfekte Gelegenheit endlich einmal auszuprobieren, ob Sex mit Männern ihm auch in der Praxis so gut gefällt wie in den Videos, die er sich heimlich anschaut.
Alles in allem könnte es eine perfekte Freundschaft mit gewissen Vorzügen sein, aber leider macht die raue Wirklichkeit an den Türen der WG nicht halt. Sind die Ansprüche, die Ray und David an ihr Zusammenleben und ihre Zukunft stellen, zu unterschiedlich?

Seit „Sutphin Boulevard“ bin ich ein absoluter Fan von Santino Hassell und seinen atomsphärisch dichten „Geschichten aus den fünf Stadtbezirken“ von New York. „Sunset Park“ knüpft zwar direkt an die erste Story an, kann aber auch durchaus als Stand Alone gelesen werden. Wie schon im ersten Buch schafft es der Autor, den Leser von der ersten Seite an zu packen und nicht mehr loszulassen, bis man weiß, ob und wie Ray und David sich zusammenraufen können.

Mich fasziniert, dass ich ein Buch nicht aus der Hand legen konnte, obwohl ich die beiden Helden am Anfang nicht einmal besonders mochte. Raymond lässt sich treiben, hat keine Ziele und scheint sich auch ansonsten vor jeder Entscheidung zu drücken. David … kommt einem in dem ersten Buch nicht gerade als der sympathischste Mensch der Welt vor. Es gelingt Santino Hassell aber schnell, die Emotionen und Ängste der beiden greifbar zu machen. Interessanterweise entdeckt man ihre Stärken erst nach und nach, ganz so als würden sie erst in dem Moment sichtbar, in denen sich die Männer darüber klar werden, wo sie liegen. Ray und David sind zwar keine Teenies mehr, aber erst im Laufe der Geschichte werden die beiden wirklich erwachsen und lernen für sich, ihre Wünsche und Hoffnungen einzustehen. Sie haben sich beide auf ganz unterschiedliche Art treiben lassen und finden nun ihren Platz im Leben.

Die Beziehung der beiden ist auf eine ganz eigene Art sinnlich und körperbetont, gerade weil für Ray schwuler Sex Neuland ist. Zwar vergnügt er sich schon lange damit, zuzuschauen, selbst ausprobiert hat er ihn aber bisher noch nicht. Interessanterweise scheint David, der sich oberflächig betrachtet sehr offensiv gibt, zögerlicher zu sein. Auch wenn Ray zuerst noch herausfinden muss, was genau er mit seinem Leben machen will, auf sein Selbstbewusstsein und darauf, wie wohl er sich in seinem (^^ absolut heißen!) Körper fühlt, hat das wenig Einfluss.

Auch in „Sunset Park“ gibt es wieder eine Menge New Yorker Lokalkolorit, weitab der Touristenrouten. Diesmal geht es allerdings weniger um die verschiedenen Orte in der Stadt, als vielmehr um die unterschiedlichen Kulturen, die dort leben und teilweise stark voneinander abweichende Lebensweisen und / oder – einstellungen haben. Dabei ist Hassell nicht plakativ, sondern beherrscht "Show, don't tell" in Reinform. Man hat das Gefühl, keinen Moment das Gefühl belehrt zu werden, im Gegenteil mal lernt die Menschen wirklich kennen. Sie werden in ihrer Vielfalt sehr greifbar, nicht nur die Hauptcharaktere, sondern auch Nebenpersonen, wie z.B. Rays ehemaliger Chef Rolly. Hassell zeigt dabei nicht die Glitzerwelt der oberen Zehntausend, sondern die bunte Mischung aus hart arbeitenden Männern und Frauen in allen möglichen Jobs, die jeden Tag versuchen in der Stadt, die niemals schläft irgendwie zu überleben. „Sunset Park“ führt den Leser nicht - wie „Sunset Boulevard“ – in die Clubs und das Nachtleben der Stadt, sondern zeigt das alltägliche Leben in den lebhaften Straßen, in den Cafes, auf den öffentlichen Plätze und in den Parks, in denen die Menschen ihre Freizeit verbringen.

Das Buch ist sicher keine typische Romanze und ich weiß nicht so ganz genau, wo ich es einordnen soll. Es ist aber auf jeden Fall wirklich lesenswert. Wie Santino Hassell im Nachwort zugibt, glaubt er nicht an perfekte Beziehungen. Gerade das macht seine Geschichten so unheimlich spannend. Die Wege, die seine Helden gehen, sind nicht glatt und einfach, sondern verschlungen und voller Stolperfallen. Wie das echte, meist eben unperfekte, Leben halt …

Fazit: Von mir gibt es wieder begeisterte 5 Punkte und eine Leseempfehlung. Ich bin jetzt schon auf den nächsten Band gespannt. Natürlich habe ich schon mal gespinkst um wen es geht und festgestellt, dass ich die Helden den nächsten Buches … kein bisschen leiden kann. Bisher zumindest. Aber Santino Hassell hat mich schon zweimal überrascht, dazu verführt, die Bücher zu verschlingen mir Menschen nahegebracht, die ich eben nicht auf den ersten Blick mochte. Das können nicht viele Autoren schon von sich behaupten!


Haben wollen?
 Hier kann man die Bücher von Santino Hassell kaufen:
- "Sutphin Boulevard (Band 1, Michael und Nuzio)
- "Sunset Park“ (Band 2. Raymond und David)

Ich bin ein bisschen erstaunt, wie unterschiedlich man ein Buch sehen kann. Ganz anders als ich haben "Gaylesen" und "Sabrina's Welt der Bücher" die Geschichte beurteilt.
Ich glaube, die Charaktere von Santino Hassel liebt man, oder man hasst sie. Gleichgültig lassen sie niemanden, der sie liest.


Bildquelle: amazon


Dienstag, 14. März 2017

"Mitten im Irgendwo" von Roan Parrish

Ein Nerd und ein sanfter Riese geben ein unmögliches Paar ab. Oder?

Daniel hat niemals irgendwo dazu gehört. Zumindest fühlt es sich für ihn so an. Seine Familie versteht ihn nicht, weil er sich für englische Literatur begeistert, statt Football zu schauen und Bier aus Dosen zu trinken. Für Freundschaften hat er kaum Zeit, weil er sich sein Studium mit diversen Jobs selbst finanziert. Und er hat seine Heimatstadt Philadelphia noch nie verlassen, bevor er sich als Prof an einem winzigen College mitten in Michigan bewirbt. Dabei ist er mit seinem Hintergrund und den vielen Tattoos, die er sorgfältig unter langärmeligen Hemde verbirgt, sicher kein typischer Intelektueller.
Als Dan zufällig Rex trifft, ahnt er nicht einmal, dass der riesige Mann in Holzfällerklamotten sein Schicksal sein könnte. Wenn er sich nur darauf einlassen würde …


Um es vorwegzunehmen: „Mitten im Irgendwo“ von Roan Parrish ist einfach klasse! Man stolpert mit Daniel, aus dessen Sicht die Geschichte in der Ich-Perspektive erzählt wird, über Rex, der scheinbar ein wandelndes Klischee ist: Ein riesiger Hinterwäldler mit einem Gewehr, der in einer einsamen Holzhütte lebt. Sofort spulen sich vor Daniel geistigem Auge sämtliche Horrorfilme, die er je gesehen hat, ab.

Die Story bedient auf den ersten Blick so viele Vorurteile, dass man erst nach und nach dahinter kommt, was die Menschen wirklich antreibt. Da sind zuerst einmal die manchmal leicht skurrilen Bewohner der Kleinstadt Holiday, die den schwulen, tätowierten, koffeinsüchtigen Neubürger mit Argusaugen beobachten. 
Aber auch die Lehrer und Studenten am College scheinen nicht immer sicher zu sein, was sie von Dan zu halten haben. Oder ist es am Ende Daniel selber, der nicht genau weiß, wo sein Platz im Leben ist und deshalb misstrauisch darauf wartet, von allen anderen weggeschoben zu werden? 

"Mitten im Irgendwo“ steht dementsprechend nicht nur für den winzigen Ort im Hinterland, in den es Daniel verschlägt, sondern auch für sein Selbstbild. Dan ist so lange seinem Traum hinterhergerannt, dass er dringend einmal innehalten und sich umschauen muss. Ist sein altes Ziel, für das er so hart gearbeitet hat, eigentlich noch aktuell?

Der ruhige, auf seine stille Art unheimlich hilfsbereite Rex scheint auf den ersten Blick sehr in sich selbst zu ruhen. Mit seiner Bodenständigkeit und seinen geschickten Händen bildet er den perfekten Gegenpart zu dem nerdigen Dan, der zwar widerwillig auch alles über Autos gelernt hat, aber sich ansonsten handwerklich völlig unbegabt zeigt und beim Kochen ein Totalversager ist. Warum auch Rex ein wenig im „Nirgendwo“ hängt, erschließt sich dem Leser erst nach und nach. Man findet es zusammen mit Dan heraus, der bei aller Klugheit eine ganze Weile braucht, um Rex und seine Motive zu durchschauen.

Mitten im Irgendwo“ ist eine spannende, vielschichtige Geschichte, die von ihren ungewöhnlichen Charakteren lebt, von denen Roan Parrish mit Worten lebendige Bilder zeichnet. Es macht wirklich Spaß, die beiden Männer kennenzulernen und sie ein Stück auf ihrem Weg zu begleiten. Obwohl Dan und Rex erwachsen sind, mit beiden Füssen im Leben stehen und problemlos für sich selbst sorgen können, so machen sie doch mit- und füreinander eine große Entwicklung durch. Dabei begleiten sie ihre neuen und alten Freunde. Die Nebencharaktere sind übrigens nicht nur Stichwortgeber, sie haben ihre eigene Tiefe und machen unheimlich neugierig auf weitere Geschichten „aus dem Nirgendwo“.

Fazit: Mich hat die Geschichte berührt und begeistert. Deshalb gibt es von mir 5 Punkte und eine Leseempfehlung.
Ich freue mich jetzt schon besonders auf die Übersetzung Story um Dans Bruder.

P.S.: Ich liebe das wunderschöne Cover. Das sticht mir schon ins Auge, seit das Buch auf Englisch am Markt ist ...

 Haben wollen?
 Hier kann man die Bücher von Roan Parrish kaufen:
- "Mitten im Irgendwo"

Ihr glaubt mir nicht, wie toll das Buch ist? 
^^ Ok, dann schaut doch einfach hier nach:

- Labberladen 
- Mattys Schmöckerecke (Endlich sind wir noch mal einer Meinung ...)
- Sabrinas Welt der Bücher

Bildquelle: DreamspinnerPress 

Montag, 13. März 2017

"Black Dagger 28: Ewig geliebt" von J.R. Ward

Tod, Geburten und (Neu-)Anfänge

Nach dem bombastischen Schlachten in „
Krieger im Schatten“ geht in „Ewig geliebt“ die Geschichte um Rhage und Mary zunächst einmal etwas ruhiger weiter. Sie ist aber deshalb nicht weniger intensiv! Die beiden kämpfen einen ganz anderen und ebenso wichtigen Kampf, der sich schon im ersten Teil andeutete: Gibt es für sie doch eine Chance, Eltern zu werden, obwohl das rein körperlich bei Mary ausgeschlossen ist? Und was würde das für die beiden und ihre Beziehung bedeuten?

Natürlich müssen sie in ihre Überlegungen mit einbeziehen, dass Rhage nicht alleine in seiner Haut wohnt. Kann man darauf vertrauen, dass das Biest Kinder nicht eher als netten Snack sieht?

Bei Layla steht ja schon fest, dass sie Mutter wird und dass ihre Kinder gleich zwei Väter bekommen: Qhuinn und Blay. Doch plötzlich steht nicht nur ihr Leben auf dem Spiel, sondern auch dass ihrer ungeborenen Zwillinge. Gib es eine Chance, alle drei zu retten?

V ist ganz sicher, dass er nie Vater werden will. Zu verkorkst ist die Beziehung zu seinen Eltern. Als er trotzdem nach langer Zeit wieder einmal seine Mutter besucht, macht er eine schockierende Entdeckung, die – wieder einmal - die Welt der Vampire auf den Kopf stellen könnte.

Auch wenn es so aussieht, als hätte J.R. Ward in diesem Buch Elternschaft zum Kernthema gemacht, so gibt es doch auch außerdem einigen interessante und nicht eben jugendfreie Nebenstränge. Am besten hat mir persönlich der um Assail gefallen, der sich nun endlich voll und ganz zum König und den Brüdern bekennt. Allerdings befindet er sich nach wie vor in einer gefährlichen Abwärtsspirale. Als er auf einer seiner Missionen etwas findet, mit dem keiner gerechnet hat, nimmt er kurzentschlossen das Gesetz in die eigenen Hände. Das scheint sein Ende zu sein. Doch er erlebt eine Überraschung …

Zhadist hat in diesem Zusammenhang ein paar absolut tolle Szenen, die einfach toll zu dem Mann passen, der er inzwischen geworden ist. Doch so sehr er auch mittlerweile in sich selbst ruht, einige Dinge erschüttern den knallharten Krieger immer noch bis ins Mark!

Neben den altbekannten Charakteren, werden zwei sehr interessante neue vorgestellt. Ok. Der (bzw. die) eine tauchte schon im letzten Buch auf, allerdings werfen neue Infos plötzlich ein ganz anderes Licht auf die Situation und machen klar, warum die Person so wichtig ist.

Ewig geliebt“ ist eine gelungene Mischung aus Action, Spannung, sehr emotionalen Szenen und wunderschönen Erinnerungen an die erste Zeit zwischen Mary und Rhage. Natürlich fehlen auch ein paar kochend heiße Situationen nicht. J.R. Ward scheut sich weder sanften, zärtlichen Sex zu schildern, der ein Ausdruck purer Liebe ist, noch knallharten, dunklen, der nur dem Triebabbau dient.

Vielleicht ist das ja das Besondere an den Büchern um die „Black Dagger“: Sie zeigen das Leben und die Gefühle der Menschen (und der Vampire) in seiner ganzen Bandbreite. Keine der Männer und Frauen ist eindimensional, sie alle kämpfen mit dunklen Seiten oder Erinnerungen. J.R. Ward verschweigt nicht, dass es auch schwere Zeiten geben kann, wenn man die Liebe seines Lebens schon gefunden hat. Diese machen die guten aber umso kostbarer. Knallhart und zärtlich ist bei den Brüdern kein Widerspruch, weil sie die beiden Seiten ihres Charakters in ganz unterschiedlichen Situationen zeigen.

Dafür, dass die Story nicht zu kitschig-gefühlsdusselig wird oder ins Drama abgleitet, sorgt ein anderer Aspekt: Die Brüder haben einen manchmal etwas brachialen Humor und scheuen sich nicht, den auszuleben. Wie und warum der dazu führt, dass es „Ariell, die Meerjungfrau“ in dieses Buch schafft … muss schon jeder für sich selbst herausfinden.

Fazit:
Ewig geliebt“ ist der wundervolle, berührende Abschluss der zweiten Geschichte um Rhage und Mary. Sie ist in sich abgeschlossen und doch gleichzeitig ein neuer Anfang. Wie do oft bei J.R. Ward möchte man sich nicht trennen, will eigentlich am liebsten nicht aus der Welt der „Black Dagger“ auftauchen, sondern erfahren wie es mit den vielen liebgewonnenen (oder verhassten) Charakteren weiter geht. Ich gebe hier wieder einmal mehr als 5 Punkte und eine Leseempfehlung. Wer sich die „Black Dagger“ entgehen lässt, der verpasst wirklich eine der großartigsten Urban Fantasy Serien, die man finden kann.

Und ich bin jetzt schon unglaublich gespannt, wie es weiter geht. Der nächste Band wird auf Englisch „The Chosen“ heißen und geht wohl schwerpunktmäßig um Layla. Wie man J.R. Ward kennt, werden aber mit Sicherheit auch die Schicksalsfäden der anderen Helden und Heldinnen gekonnt weiter gesponnen. Die Geschichte um Wrath und seine treuen Krieger ist noch lange nicht zu Ende erzählt!



Haben wollen? 

 Hier kann man die Bücher von J.R. Ward kaufen: 

- "Krieger im Schatten" (Band 27)
- "Ewig geliebt" (Band 28)





Am liebsten würde ich hier noch eine ganze Weile weiter schwelgen. Aber ich glaube, statt dessen ... werde ich das Buch einfach noch mal lesen. Oder gleich die ganze Serie. Zumindest aber die Bücher von Rhage und Mary und die von Zadist und Bella. Und vielleicht noch ...
Egal. Die Black Dagger gehören eh fast zur Familie und wie auf Familienfeiern gibt es so einige alte Geschichten, von denen es sich lohnt sie immer wieder zu hören / lesen.





😉 Extra für eine liebe Leserin hier noch eine etwas dezentere Variante der Cover. Die ersten Bücher gibt es mittlerweile in der zweiten, preiswerteren Ausgabe, bei der die im deutschen eher willkürlich geteilten Bände wieder zusammengefasst worden sind.

Die Story von "Zsadist & Bella" hier ist (immer noch!) eine meiner Lieblingsgeschichten aus dem "Black Dagger"-Universum.


Bildquelle: amazon

Sonntag, 12. März 2017

"Glück oder Pflicht (Beloved 4)" von Andrew Grey

Masken …

Außer der Maske des “Lone Rangers” trägt Aubrey fast nichts mehr, wenn er mit seinen Auftritten fertig ist. Diese nimmt er allerding niemals ab …
Im Alltag trägt er eine ganz andere, eine unsichtbare Maske: Dort ist er für seine Eltern und Nachbarn der brave, wenn auch schüchterne, heterosexuelle Sohn, der hart arbeitet, um Ranch zu erhalten. Aubrey glaubt, mit einem Outing alles zu verlieren. Schließlich lebt er mitten im sogenannten „Bilble Belt“ der USA, wo manche Ansichten noch direkt aus den 50zigern stammen. Mit zwei Dingen hat er allerdings nicht gerechnet: Auch andere verbergen ihr wahres Wesen hinter unsichtbaren Masken und ausgerechnet Garrett, sein bester Freund aus Kindertagen, steht plötzlich im Publikum des Clubs. Was nun?

Glück oder Plicht“ ist der vierte Romane der „Beloved“-Reihe von Andrew Grey. Man kann die Bücher wirklich auch einzeln lesen, es gibt keine Überschneidungen.

Die Story um Aubrey und Garrett fängt sehr langsam und ruhig an. Sie lässt dem Leser genug Zeit, sich selbst ein Bild von der Situation zu machen, in der die beiden Männer leben. Es wirkt nicht eine Sekunde lang aufgesetzt, warum sich zwei erwachsene Männer im 21sten Jahrhundert nicht trauen, ihren Eltern und Nachbarn die Wahrheit über ihre sexuelle Orientierung zu sagen. Die beiden schwenken nicht die Regenbogenflagge (auch wenn man sich das manchmal in den bigotten Kirchenveranstaltungen wünscht), sondern versuchen ihre ganz eigenen Träume zu verwirklichen. Es tut manchmal schon fast weh, wie sie sich verzweifelt nach Zärtlichkeit sehnen und gleichzeitig unheimliche Angst vor der Entdeckung haben.

Auch wenn das Buch von zwei schwulen Männern handelt, so hat es doch eine Ebene, die für jeden Menschen, ganz unabhängig von Alter und Geschlecht gilt: Wieviel gibt man im Alltag von sich preis? Wie sehr verbiegt man sich, um den Ansprüchen der Umgebung gerecht zu werden? Und wie hoch ist der Preis, den man dafür zu zahlen bereit ist?

Aubrey und Garrett tragen Masken, die nichts mit dem Stofffetzen zu tun hat, der auf der Bühne Aubreys Gesicht verbirgt. Aber sie sind nicht die einzigen. Und das ist – neben der berührenden Liebesgeschichte zwischen den beiden – das wirklich interessante an dem Buch. Teils leise, teils provokant laut werden auch anderen Menschen in der Story die Masken vom Gesicht gerissen, Masken, die sie teilweise sogar vor sich selbst nie abnehmen wollten. So erleben auch die Verwandten und Freunde von Aubrey und Garrett ihre eigenen, ganz individuellen „Outings“. Es ist schmerhaft, eigenes Versagen einzugestehen, befreiend plötzlich man selbst sein zu dürfen und überraschend, wie andre auf die neue Offenheit reagieren.

Manche Menschen allerdings werden ihre Masken wohl immer aufbehalten. Auch das verschweigt die Story nicht. Richtig schlimm sind die, die nach außen den rechtschaffenen Bürger geben und sich im Geheimen nicht scheuen, Schwächere grausam zu unterdrücken. Garrett kann ein Lied davon singen …

Mein Fazit: Dieser Story muss man ein wenig Zeit geben, sich auf sie einlassen. Dann findet man neben einer leicht melancholischen Liebesgeschichte zwischen zwei tollen Männern, eine sehr, sehr kluge Auseinandersetzung mit dem Thema, wieviel jeder vom uns eigentlich von sich preis gibt.
Dafür gibt es von mir 5 Punkte und eine Leseempfehlung.

Haben wollen?
 Hier kann man die Bücher von Andrew Grey kaufen:
- "Glück oder Plicht“ (Beloved 4)

Die anderen Bücher der "Beloved"-Serie stammen nicht von Andrew Grey. Ich muss gestehen, dass ich auch bisher noch keines davon gelesen habe. Hier trotzdem ein kleiner Überblick:

- "Der Millionär von nebenan" (Beloved 1 von M.J. O'Shea)
- "Erst die Hochzeit, dann die Liebe" (Beloved 2 von Shira Anthony)
- "Was das herz sich wünscht" (Beloved 3 von Eli Easton)

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