Donnerstag, 8. Dezember 2016

"Der letzte Schwur" von Nalini Singh

Ein einzigartiges Geschenk!

Menschen, Gestaltwandler und Mediale haben gemeinsam geschafft: Allen Separatisten zum Trotz gibt es das weltumspannende „Dreigruppenbündnis“. Eine neue, hoffentlich friedliche Zeit wirft ihre Schatten voraus. Aber noch warten die Feinde im Verborgenen nur darauf, wieder zuzuzschlagen und die Grenzen zwischen den Rassen erneut unüberwindlich zu machen!
Der wohl bösartigste Plan besteht darin, Naya, die kleine Tochter von Lucas und Sasha, zu entführen oder gar zu töten. Wie kein anderer ist das Mädchen mit seiner Mischung aus Medialen- und Gestaltwandler-Genen ein Symbol der Hoffnung für ein gelungenes Miteinander. Zum Glück schützen starke Bande die Kleine Ihre Familie, deren Freunde und Verbündete stehen Seite an Seite, um zu bewahren, das sie endlich frei und offen leben und fühlen dürfen.

Der letzte Schwur“ ist aus vielen Gründen ein ganz besonderes Buch, das selbst in der großartigen Psy Changeling Serie von Nalini Singh einen ganz besonderen Platz einnimmt. Ich empfinde es als einzigartiges Geschenk an die Fans, in dem alle Helden, die man kennen- und liebengelernt hat, noch einmal ihren Auftritt haben. Dabei scheint es bei der Fülle der Charaktere kaum möglich zu sein, sie in einer sinnvollen Rahmenhandlung unterzubringen …

Aber wie so oft, schafft es Nalini Singh sich selbst zu übertreffen: „Der letzte Schwur“ bildet einen grandiosen Abschluss des ersten Teils der Serie und leitet gleichzeitig einen neuen, übergreifenden Handlungsbogen über. Da jeder der Helden einen kleinen Auftritt hat und sein Hintergrund ganz kurz noch einmal aufgegriffen wird, ist die Geschichte außerdem eine Art Kompendium zur Serie. Für Fans macht das einfach nur Freude, Neueinsteiger werden bei der Fülle der Informationen sicher nicht jede aufnehmen und einordnen können. Sie erhalten aber einen wunderbaren Einblick in die Komplexität und den Grundtenor der Serie. Natürlich darf man keine Angst vor Spoliern haben …

Mich hat die Geschichte wieder einmal restlos begeistert! Deshalb erhält das Buch von mir … keine Ahnung, wieviele Punkte. Es sprengt die Scala. 
Leseempfehlung? Unbedingt!!!

Übrigens:
Auch dieses Buch ist definitiv nicht das Letze der Serie (Juchu!!!). Es gibt noch ein paar Bedrohungen im Hintergrund, die unsere Helden vor neue und schwierige Aufgaben stellen werden. Ich freue mich schon unendlich darauf, sie bei der Suche nach Lösungen zu begleiten.

Eine winzig kleine Kritik habe ich allerdings dieses Mal auch: Natürlich ist es nicht einfach einen solchen Wälzer (ohne Anhang 658 Seiten) zu übersetzen und zu entscheiden, wie man gewisse Kunstbegriffe überträgt. Aber aus dem eleganten „Trinity Accord“ ein holpriges „Dreigruppenbündnis“ zu machen … Mh. Muss ich dann wohl mit leben. Auch den deutschen Titel kann ich nicht ganz nachvollziehen. „Der letzte Schwur“ hört sich so an, als würde man ihn auf einer Beerdigung leisten. Dabei sprüht das Buch nur so vor Leben und zeigt den Beginn einer neuen Zeit und einer Allianz, in der jeder seine Ehrenhaftigkeit unter Beweis stellt.


So! Für Neugierige hier noch ein paar weitergehende Infos:
Das „Dreigruppenbündnis“ steht noch ganz am Anfang, aber es gibt Feinde, die es von innen und von außen zerstören wollen und an verschiedenen dunklen Plänen dazu arbeiten. Außerdem fällt auf, dass der Verfall des Medialnetzes zwar gebremst, aber nicht komplett aufgehalten werden konnte und die Medialen damit weiter in großer Gefahr sind.

Nalini Singh spannt den Bogen von der alten zur neuen Zeit in dieser Geschichte mit verschiedenen, kunstvoll miteinander verwobenen Handlungssträngen:

Der gibt es einmal die schon erwähnte Intrige, die Nayas Entführung zum Ziel hat. Natürlich nehmen Lucas und sein Verbündeten es nicht hin, dass jemand der Kleinen schaden will. Aber selbst die sanfte Sasha entdeckt ihre wilde Seite, als jemand ihr Baby bedroht. Es ist einfach genial, wie Nalini Singh es schafft, auch altbekannten Charakteren eine neue Facette hinzuzufügen, ohne unglaubwürdig zu wirken.

Außerdem müssen die Wandler und ihre Freunde zusammenarbeiten, um Leila, eine junge Angehörige des BlackSea Rudels, zu finden. Ob Leila noch lebt, weiß niemand. Unbekannte haben sie gekidnappt und halten sie gefangen. Mit vereinten Kräften suchen Gestaltwandler, Menschen und vor allem die Pfeilgarde fieberhaft nach ihr. Wie und wo sie schließlich wieder auftaucht, ist … nicht direkt ein Zufall, weil nur die intensive Vorarbeit aller das möglich gemacht hat. Ihr Retter dagegen ist eine echte Überraschung und der Beweis, dass Nalini Singh nicht eine einzige ihrer Nebenfiguren vergisst. (Ich liebe das!)

Einen guten Bogen in die Vergangenheit schlägt der Handlungsstrang um Xavier, der sich endlich aufmacht, um seine verlorenen Liebe Nina zu finden. Auf dem Weg zu ihr liest er noch einmal die vielen Briefe, die er über all die Jahre an sie geschrieben hat, aber niemals abschicken konnte. Zusammen mit Xavier kann man sich als Leser noch einmal an den weiten Weg erinnern, den die Welt gemacht hat, seit eine verzweifelten Mediale und ein charmanter schwarzer Kater in menschlicher Gestalt sich zum ersten Mal begegnet sind.

Natürlich wird auch endlich enthüllt, wie viele „Wolfsleoparden“ sich in Mercys Bauch verbergen. Die bringen ihre Mutter und den stolzen Vater mit der Weigerung, endlich das Licht der Welt zu erblicken, fast zur Verzweiflung, während das ganze Rudel voller Spannung auf die Geburt wartet und Wetten abschließt. Die Geburt ist für alle ein Symbol, wie nahe sich DarkRiver und SnwoDancer inzwischen stehen und soll mit einem rauschenden Fest gefeiert werden.

Doch wer kommt auf die Gästeliste? Die Wölfe und die Leoparden sind längst zwei Teile eines Ganzen geworden, aber auch andere Menschen, Mediale und Vergessene gehören untrennbar zu ihnen. Bande, so bunt und verschieden, wie die Individuen, die sie geknüpft haben, bilden ein starkes Netz, das gegen alle Widrigkeiten, die die Zukunft bringen könnte, halten wird.

„Der letzte Schwur“ ist ein wundervolles Buch. Bei aller Spannung und Dramatik überwiegen die positiven Gefühle, die Liebe und die Freundschaft. Die Geschichte berührt und geht zu Herzen. Ich hatte mehr als einmal Tränen in den Augen, sei es vor Glück oder auch vor Trauer, als man Abschied von einem liebgewonnenen, alten Freund nehmen musste.

Eine Botschaft wird übrigens mehr als deutlich: Nicht Rasse, Geburt, Geschlecht oder Herkunft machen eine Menschen gut oder schlecht. Hass und Gier gibt es überall. Aber genauso findet man Güte, Herzlichkeit, Loyalität und Ehre in allen Gruppen.

Man kann dieses Buch als den wunderschönen, farbenprächtigen, vorläufigen Höhepunkt einer großartigen Sage sehen und wird sich bestens damit unterhalten. Aber man kann aus ihm auch ein leidenschaftliches Plädoyer für Frieden, Freiheit und Freundschaft sehen, die ohne einander nicht möglich sind.

Haben wollen? 
 Hier kann man die Bücher von Nalini Singh kaufen: 
"Der letzte Schwur"

Bildquelle: amazon





Mittwoch, 7. Dezember 2016

"Renaldo – Zwischen Liebe und Kampf: Gods of War 2" von Xenia Melzer

Stolz und Geheimnisse

Casto hat sich mehr oder weniger damit abgefunden, dass der arrogante aber leidenschaftliche Halbgott Renaldo sein Schicksal ist. Die Leidenschaft brennt heiß zwischen den beiden stolzen Männern, egal, ob sie sich wütende Wortgefechte liefern oder sich in sinnlichen Spielen verlieren.
Leider gibt es Feinde und Neider, die ihnen ihr Glück missgönnen und es schließlich sogar schaffen einen Keil zwischen die Männer zu treiben …

Renaldo – Zwischen Liebe und Kampf“ ist der zweite Teil „Fantasy-Epos“ von Xenia Melzer. Die Geschichten bauen aufeinander auf, bzw.
schließen direkt aneinander an. Man muss eigentlich zwingend den ersten Band der Serie („
Casto - Gefährte des Feuers“) gelesen haben, um das vorliegende Buch verstehen zu können.

Da die Rezi leichte Spoiler enthält, die Bewertung vorab: 
Gegen den starken ersten Teil, der mich begeistert hat, fällt diese Episode ein wenig ab. Es reicht aber immer noch für knappe 4 Punkte. Eine Leseempfehlung gibt es nur, wenn man – wie schon gesagt – Band eins kennt und sich damit abfindet, dass das Ende dieses Teils noch abrupter ist, als beim letzten.

Ab hier SPOILER möglich:

Während ich den ersten Teil geradezu verschlungen habe, weil mich die ungewöhnliche Beziehung zwischen Renaldo und Casto fasziniert hat, muss ich gestehen, dass sich im zweiten Teil eine gewisse Ermüdung eingestellt hat: Die beiden lieben und bekämpfen sich immer noch mit der gleichen Leidenschaft wie am Anfang, aber irgendwie scheint die Beziehung zu stagnieren. Keiner der beiden ist in der Lage, für die Liebe auf seinen Stolz zu verzichten oder sich zumindest ein wenig zurückzunehmen. Obwohl sie nun schon 5 Jahre zusammen sind, reden die beiden immer noch nicht offen miteinander. Casto zögert sehr lange, das Geheimnis um seine Herkunft zu enthüllen. Erst eine böse Intrige, die ihn fast das Leben kostet, lässt Renaldo und ihn erkennen, was sie einander wert sind. Aber sogar Castos unerwartete Freilassung aus dem Sklavenstand ändert im Grunde nichts zwischen den beiden. Sogar die Bezeichnungen bleiben gleich und Renaldo braucht lange, bis er sich traut mit Casto darüber zu reden, was es bedeutet, dass er sein Herz sein könnte.

Leider fallen auch die tollen Szenen mit Lys und die spannenden und lebendig erzählten Kampfszenen eher knapp aus. Richtig leid hat es mir getan, dass kein Wort dazu kam, wie Renaldo damit umgeht, nun Lys wahre Natur zu kennen.
Dafür erfährt man wieder einiges von den Emeris, den unsterblichen Begleiter der Halbgötter. Viel Raum nimmt außerdem die Geschichte von Sic ein, Castos einzigem Freund unter den Sklaven. Was Sic erleben und erdulden muss, ist allerdings unheimlich grausam und schon fast nicht mehr zu ertragen.
Überhaupt nimmt die Thematik „Regeln“ und „Bestrafung“ einen sehr großen Raum in der Geschichte ein. Worauf Xenia Mälzer hinauswill ist klar. Ob man dabei immer so deutlich werden muss, ist die andere Seite. Die Folterszenen betonen die Grausamkeit, zu der die Halbgötter fähig sind, unterstreichen ihre Nicht-Menschlichkeit. Ob das zu einem „Helden“ passt, wenn nicht ein Gegengewicht dazu aufgebaut wird, ist fraglich.
Besonders betroffen hat mich das Schicksal von Sic, der in seiner schüchternen aber unerschütterlichen Liebe zu dem Schmied Noran eine der sympatischsten Figuren in der Geschichte ist. Wie sehr er leiden muss, weil er einen dummen Fehler gemacht wird, ist wirklich grausam und kaum nachzuvollziehen, wenn man darüber nachdenkt, dass sogar der Halbgott Renaldo selbst einer Täuschung zum Opfer fallen konnte.

Nachdem ich soviel „gemeckert“ habe, hier das positive: Die Geschichte ist spannend, bildgewaltig erzählt und macht Lust auf mehr. Obwohl ich Cliffs oder offene Enden eigentlich hasse, bin ich jetzt schon wieder gespannt, wie es mit Casto, Renaldo und dem Rudel weitergeht.


Haben wollen? 
 Hier kann man die Bücher von Xenia Melzer kaufen: 
"Casto - Gefährte des Feuers: Gods of War 1" (Hier geht es zu meiner Rezi: *klick*)
- "Renaldo – Zwischen Liebe und Kampf - Gods of War 2"

Bildquelle: amazon

Dienstag, 6. Dezember 2016

"Zuflucht im Käfig" von Tempeste O’Riley

Danke, Sir …

Kade ist sehr erfolgreich in seinem Beruf, sein Privatleben dagegen ist mehr oder weniger gestorben, seit er nach einem brutalen Überfall im Rollstuhl sitzt. Selbst seine Freunde schaffen es nicht, ihn aus seinem Schneckenhaus zu ziehen. Was sie nicht wissen: Kade sucht und braucht keinen netten Freund, sondern einen richtigen Mann, der ihm beim Sex knallhart dominiert.

Als er Deacon kennenlernt, weiß Kade sofort, dass sie die gleichen Spiele mögen. Zu seiner Überraschung zeigt der Dom Interesse. Bei Kade halten sich Verlangen und Angst die Waage. Nun liegt es bei Deacon: Kann und will er Kade als seinen Sub akzeptieren? Und für wie lange?

Zuflucht im Käfig“ von Tempeste O’Riley ist … ehrlich gesagt wenig anders, als ich es bei einen BDSM-Roman erwartet habe. Hier geht es nicht in erster Linie darum, Lust und Schmerz zu vermischen oder Grenzen auszutesten, auch wenn einige Praktiken beschrieben werden. Kade und Deacon wissen im Grunde genau, was sie wollen und worauf sie stehen. Sie beide sind schon lange in der Szene aktiv, auch wenn Kade sie nach seinem Unfall gemieden hat. Die beiden werden sehr schnell miteinander intim, sie verlieben sich allerdings erst nach und nach und genau darum geht es in der Geschichte. Der Kern der Story sind nicht die Bondage- und SM-Szenen, oder das Vertrauen, dass man braucht, um sich völlig zu unterwerfen. Kade hat keinerlei Zweifel, Deacon seinen Körper anzuvertrauen. Sein Problem liegt woanders: Weil er kein Selbstvertrauen mehr hat, kann er sein Innerstes auch niemand anderem hingeben.

Die Idee und die Geschichte sind richtig interessant, allerdings hätte ich mir ein wenig mehr „Show-don’t-tell“ gewünscht. So wie sie geschrieben ist, kann man als Leser zwar verfolgen und auch nachvollziehen, was passiert. Man spürt Kades Empfindungen aber nicht so, als würde man sie selbst erleben, dazu bleibt man als Leser zu sehr auf Distanz.

Wunderschön geschildert ist allerdings, welche Mühe sich Deacon gibt, auf seinen Partner einzugehen. Hier wird wirklich deutlich, dass in gegenseitigem Einvernehmen und mit etwas Fantasie nahezu alles möglich ist.

Übrigens: Dies ist die höflichste und softeste BDSM-Story die ich je gelesen habe. Dom und Sub bedanken sich quasi ununterbrochen beieinander für alles Mögliche und es wird nach jeder Session ausgiebig gekuschelt. Ok. Wer fand, dass „Shades of Grey“ hart war, wird sich meiner Meinung vielleicht nicht anschließen, aber richtig dreckigen, verschwitzten Sex findet man in dieser Story allenfalls, wenn man das Kopfkino dazuschaltet.

Mein Fazit in Punkten auszudrücken, war hier nicht leicht. Ich wollte das Buch unbedingt lesen, habe aber nicht das gefunden, was ich erwartet habe. Trotzdem hat mir die Story als zuckersüße Romanze gefallen, in der halt hin und wieder ein Rohrstock zum Einsatz kommt und blaue Seile außerordentlich kunst- und fantasievoll genutzt werden.

Dafür gibt es von mir 4 Punkte und eine Leseempfehlung Die richtet sich allerdings eher an romantische Gemüter, als an Leute eine knallharte BDSM-Story suchen.


Haben wollen?
 Hier kann man das Buch von Tempeste O'Riley kaufen:
- "Zuflucht im Käfig"

Bildquelle: amazon

Montag, 5. Dezember 2016

"Die Fährte der Wandler" von Leann Porter

Wer bist du wirklich?

Juri hält sich in der goldenen Stadt Sanka mehr schlecht als recht mit kleinen Diebstählen über Wasser. Das wird zunehmend schwieriger für ihn, weil er eine geheimnisvolle Krankheit in sich trägt und der Magode die fähigsten Heiler aus der Stadt verbannt hat. Verzweifelt versucht Juri, den berühmten „Wolfsmann“ Goran davon zu überzeugen, ihn zu den D’Elen zu bringen, da man die sagenumworbene Heimatstadt der Heiler nur mit Hilfe eines fähigen Führers findet.
Goran liebt nichts mehr als seine Freiheit, außer natürlich Arion, seinen Wolfsgefährten. Leider sind die Wandler in den Städten verhasst und die wildesten Gerüchte kursieren über sie. Eigentlich hat Goran keine Lust, sich mit einen jungen Dieb abzugeben, der ihn anfleht, ihm den Weg zu den Heilern zu zeigen. Aber irgendetwas an Juri berührt ihn tief und ausgerechnet Arion will, dass er dem jungen Dieb eine Chance gibt.
Wirklich niemand ahnt zunächst, dass ihre langsam wachsende Freundschaft eine finstere Intrige gefährdet, deren Erfolg die Zukunft aller Menschen und Sidhe für immer verändern würde …

Mit „Die Fährte der Wandler“ gewährt Leann Porter einen neuen, spannenden Einblick in die faszinierende Welt von Danu, in man schon in „Die Sturmfalken von Olbian“ oder „Die Rache des Sidhe“ kennenlernen durfte. Dabei ist jedes der Bücher in sich abgeschlossen und kann als Stand Alone gelesen werden.

Diese Geschichte erzählt von Juri, Arion und Goran sowie ihren Freunden und Feinden. Sie ist Fantasy vom Allerfeinsten. Man liest sie nicht, sondern taucht von der ersten Seite an in das Buch ein und erlebt auf satten 700 Seiten mit, welche Abenteuer die Männer bestehen und welche Geheimnisse sie aufdecken.

Dabei beginnt das Buch zwar spannend und temporeich und der Kern scheint schnell klar zu sein: Nicht nur Juri braucht einen fähigen Heiler, alle Menschen Sankas haben unter dem Bann zu leiden. Goran soll dafür sorgen, dass der Magode ihn aufhebt, indem er dessen Tochter zurückholt, die seit einige Jahren in der Stadt der D’Elen lebt und deren Weigerung zurückzukommen die Ursache für die Misere ist. Aber ist das wirklich so einfach? Wieviel mehr dahinter steckt, erschließt sich erst nach und nach.

Mir gefällt an dieser Geschichte (wie ab allen anderen von Leann Porter) besonders, dass sich die Helden langsam und glaubhaft entwickeln. Überraschenderweise gilt das nicht nur für Juri, sondern auch für den gestandenen Sidheführer Goran und seinen Wolfsgefährten Arion. Es gilt übrigens genauso für viele der lebendigen Nebenfiguren, wie den Kräuterkundigen Almil, für Nelifer und sogar den scheinbar so coolen Al’Thane, den Anführer der legendären Wache des Magoden.

Jeder der Männer findet im Verlauf der Ereignisse Dinge über sich selbst heraus, die ihm nicht unbedingt gefallen, mit denen er aber umgehen muss.

Besonders offensichtlich ist das natürlich bei Juri. Er ist noch jung und ohnehin auf der Suche nach den Geheimnissen, die sich um den Tod seiner Eltern ranken. Man ahnt zwar als Leser schnell, was hinter seiner Krankheit stecken könnte, die letzte Gewissheit fehlt aber lange. Als Juri herausfindet, was mit ihm „nicht stimmt“, stellt das sein ganzes Sein in Frage und er muss sich selbst ganz neu definieren. Zum Glück hat er mehr Freunde, als er geglaubt hat.

Ähnlich geht es Goran, der zu der Einsicht gelangt, dass er wahrscheinlich einen großen Fehler gemacht hat und sich nun plötzlich selbst hinterfragt. Auch er muss einen Weg finden, wie er mit dieser neuen Erkenntnis umgehen kann.

Erstaunlicherweise ruht Arion, der Wolfwandler, der ja eigentlich per Definition eine geteilte Persönlichkeit zu haben scheint, am meisten von allen in sich selbst. Es ist unheimlich toll zu lesen, wie seine zwei Formen eins sind. Dabei ist „lesen“ eigentlich das falsche Wort: Man sieht vor dem inneren Auge den Mann, der ein Wolf ist und den Wolf, der ein Mann ist. Das mag sich merkwürdig anhören, ist aber so. Juri fragt Arion mehr als einmal, wer er nun wirklich ist, was er als seine wahre Gestalt ansieht, und Arion versteht die Frage nicht wirklich. Er ist Arion, egal ob er auf zwei oder auf vier Beinen durch den Wald läuft.

Sorgsam verborgen, hinter fantastischen Bildern und einer spannenden Geschichte flüstert dieses Buch dem Leser zu, offen und ehrlich vor allem zu sich selbst zu sein. Alle Menschen (und Sidhe) haben Eigenheiten und Fehler. Wichtig ist es, daraus zu lernen, manche davon zu akzeptieren und doch darauf zu achten, möglichst niemandem zu schaden. Auch Helden sind nicht unfehlbar, ihre wahre Größe zeigt sich darin, selbstlos das Beste für alle aus einer Situation zu machen. Das Buch zeigt aber auch, wie wichtig Freunde sind. Sie geben einem Kraft, wenn man selber gerade keine mehr hat.

Übrigens: Zwar ist die Story ist unter „Liebesromane“ gelistet, sie ist aber mit Sicherheit keine klassische Romanze. Eher zeigt sie, dass es Liebe in ganz unterschiedlichen Formen gibt und ist ein Plädoyer dafür, sie zuzulassen, selbst wenn sie anders aussieht, als man erwartet hat.

Die Fährte der Wandler“ ist bildgewaltig, spannend, berührend, wunderschön. Sie ist manchmal abgrundtief traurig. Die Geschichte hat mich zum Lachen und zum Weinen gebracht, während ich atemlos Seite für Seite verschlungen habe. Ich liebe sie!

Fazit: Echt jetzt? Ich bin restlos begeistert! 5 Punkte reichen hier nicht mal im Ansatz. Juri, Goran, Arion und ihre Freunde sind so lebendig und präsent, dass man sie lange nicht vergessen wird, auch wenn die letzte Seite gelesen ist. „Die Fährte der Wandler“ ist eines der Bücher, die man mit Sicherheit mehr als einmal aufschlagen wird, weil mal nicht genug davon bekommen kann. Leseempfehlung? Immer!

Haben wollen? 
 Hier kann man die Bücher von Leann Porter kaufen, die in der fantastischen Welt Danu spielen:


- "Die Fährter der Wandler"
- "Die Sturmfalken von Olbian"
- "Die Rache des Sidhe"

Für Leute, die nicht auf Fantasy stehen, empfehle ich:
- "Cooler als Caipirinha"
Fleckenteufel und Drachentöter

Bildquelle: amazon

Dienstag, 29. November 2016

"The Creature" von Justin C. Skylark

B-Movie in Buchform?!

Um das vorweg zu schicken: B-Movies sind irgendwie eine ganz eigene Kunstform, die unheimlich Spaß machen können. Warum mich „The Creature“ an einen erinnert, erkläre ich weiter unten.

Jannik arbeitet als Assistent in der Rechtsmedizin. So schnell schockt ihn nichts mehr. Allerdings sind eine verschwundene Leiche und ein Mord in seiner Abteilung auch für ihn nicht alltäglich. Kein Wunder, dass er nervös wird, als er aus der leer stehenden Wohnung nebenan plötzlich merkwürdige Geräusche hört. Was dahinter steckt, hätte er sich allerdings in seinen wildesten Träumen nicht vorstellen können. Als er Tyr kennenlernt, ist sein ruhiges Leben ein für alle Mal vorbei …

Justin C. Skylark lässt Jannik die Geschichte in der Ich-Form erzählen. Zusammen mit ihm versucht der Leser hinter Tyrs Geheimnisse zu kommen. Dabei sind die Sätze manchmal schon fast stakkotoartig kurz. Das passt zu dem Thriller-Anteil ganz gut, hat aber bei mir auch den „B-Movie-Eindruck“ noch verstärkt.

Die Idee hinter der Story ist absolut faszinierend und funktioniert. Für mich steckten genug naturwissenschaftliche Fakten drin, um sich vorstellen zu können, dass sie möglich sein könnte. Der leicht trashige Eindruck kommt von einer anderen Seite: Ich habe das ein- oder andere Mal ungläubig über Janniks Reaktionen (und auch die von Dr. Byrne) gelacht bzw. den Kopf geschüttelt. Im Detail kann ich drauf natürlich nicht eingehen, ohne zu spoilern. Aber soviel muss erlaubt sein: Ich bin immer noch überrascht, was man angeblich so alles aus einer Strichzeichnung herauslesen kann. Und: Solche Reaktionen und Aktionen, wie Jannik sie zeigt, nachdem Tyr bei ihm auftaucht, kommen im wirklichen Leben wohl … niemals vor, in B-Movies sind sie funktionaler Grundbestandteil. Wenn man sich einmal darauf eingelassen hat, macht die Story einfach nur noch Spaß.

Überhaupt nicht trashig dagegen sind die in sich schlüssigen Überlegungen zu der Kultur, aus der Tyr stammt, und die Demontage von vielen Vorurteilen.

Mir hat die Story richtig gut gefallen, vielleicht auch, weil ich gerade in der richtigen Laune dazu war.
Deshalb er halten Jannik und Tyr von mir gutgelaunte 5 Punkte und eine Leseempfehlung, nicht nur für B-Movie-Fans gilt.


Übrigens: Das hier war einer der bei mir seltenen Kauf-nach-Cover-Aktionen. Das Bild hat mich gepackt und nicht mehr losgelassen, bis ich wusste, welche Geschichte sich dahinter verbirgt.

Haben wollen?
 Hier kann man die Bücher von Justin C. Skylark kaufen:
- "The Creature"

Bildquelle: amazon

Montag, 28. November 2016

"Das andere Ende der Brücke" von Elisa Schwarz

Der weite Weg zurück

Mich hat die Geschichte fasziniert. Sie ist sehr konsequent aus der Sicht von Patrick erzählt, so dass man als Leser sehr nah dran ist an seiner abgrundtiefen Verzweiflung, seiner vorsichtigen Hoffnung und seinem unsicheren, ersten Schritten zurück ins Leben. Es ist manchmal echt schwierig zu lesen, wie sehr Patrick leidet. Man hofft mit ihm, freut sich über seine kleinen Fortschritte und muss doch auch immer wieder sehen, dass es Rückschritte gibt.
Ich bin mir nicht sicher, wie ich in Worte fassen soll, was das Buch bei mir ausgelöst hat. Jeder der einmal einen geliebten Menschen verloren hat, muss nicht nur mit der Trauer und dem Verlust umgehen, sondern auch mit den Reaktionen und Erwartungen der Umgebung, die nicht immer versteht, wie sehr und wie lange eine seelische Wunde schmerzen kann und dass jeder anders trauert. Es gibt auch keinen festgelegten Zeitraum, zu dem etwas „verarbeitet“ sein muss. Patrick muss seinen eigenen Weg finden, manchmal macht er keine Fortschritte, sondern Rückschritt und manchmal verrennt er sich. Zum Glück hat er etwas Unbezahlbares: Richtig gute Freunde, die zu ihm stehen, auch wenn es nicht immer einfach ist und eine Familie, die ihn unterstützt, ohne ihn zu ersticken.
Wie wichtig das ist, macht das Buch auf dezente Art deutlich. Manchmal merkt man erst hinterher, was einem da gerade sehr sanft nahe gebracht worden ist. Einige der Szenen gehen mir immer noch nahe, arbeiten in mir und wirken weiter.

Das andere Ende der Brücke“ könnte sehr traurig sein und ist nicht immer einfach zu lesen. Aber es berührt. Ich glaube nicht, dass Patricks Geschichte jemanden gleichgültig lassen kann. Man wird diese Story lieben oder hassen.
Ich fand sie toll und merke das unter anderem daran, dass ich immer noch über das Buch nachdenke, mich an einzelne Szenen erinner und außerdem das Gefühl habe, dass es mich noch sehr lange begleiten wird. Ich habe es mit absoluter Sicherheit nicht zum letzten Mal gelesen. Elisa Schwarz findet unglaublich tolle Bilder für viel typische Situationen in der Trauer. Sie sind umso besser, weil sie perfekt in die Handlung eingebettet werden und sich ihre tiefere Bedeutung oft erst sehr viel später erschließt. Sagte ich schon, dass ich die Geschichte mit jeder Seite mehr geliebt habe?

Fazit: Von mir gibt es auf jeden Fall mindestens 5 Punkte und … eine echt begeisterte Leseempfehlung, obwohl ich mir hier sicher, dass die Story nicht jedem gefallen wird. Sie und die Art, wie sie erzählt wird, sind weit weg vom Mainstream sind. Mein Tipp: Unbedingt ausprobieren, sich auf die Geschichte einlassen und mit Patrick den weiten Weg zurück ins Leben gehen.

P.S.: Ich bin immer noch fasziniert von den vielen unterschiedlichen und unheimlich vielschichtig geschilderten Menschen, die Patrick auf seinem Weg begleiten und würde unheimlich gerne mehr über sie und ihr Schicksal erfahren. Allen voran interessiert mich natürlich, was hinter der Beziehung von Steffen und Bill steckt, aber auch wie es Paul und seinem ungewöhnlichen Liebesleben weiter geht. Bitte, bitte schnell mehr davon!!!

Haben wollen?
 Hier kann man die Bücher von Elisa Schwarz kaufen:
- "Das andere Ende der Brücke"

Bildquelle: amazon

Donnerstag, 24. November 2016

"Coffin Nails MC 1: Teifelsritt" von K.A. Merikan

Der Schöne und das Biest
“Tooth”, Vize-Präsident der gefürchteten Coffin Nails ist nicht begeistert, als sein Chef ihn zum Aufpasser seines unehelichen Sohnes ernennt. Der ist er 19, hat aber schon eine Karriere auf dem Strich und als Stripper hinter sich. Zähneknirschend willigt Tooth ein und lernt Lucifer – genannt Luci – schnell viel besser kennen, als er eigentlich möchte.

Luci findet, dass er bisher ausgezeichnet alleine zurecht gekommen ist. Auf seine Zunge kann er sich dabei immer verlassen, egal ob er sie für einen raschen verbalen Angriff oder für einen schnellen Blow*** einsetzt.
Leider ist der absolute heiße Biker, in dessen Obhut er sich plötzlich wiederfindet, scheinbar sowohl gegen seine Worte, als auch gegen seine Verführungskünste immun. Allerdings wirft er Luci auch nicht raus, egal was der anstellt …

Mit „Teufelsritt“ wurde der erste Band aus der Serie „Coffin Nails MC“ von K.A. Merikan ins Deutsche übersetzt. Im Englischen gibt es mittlerweile eine neun Storys und dort ist dies der zweite Band. Jedes Buch scheint aber in sich abgeschlossen zu sein. Die Übersetzung dieser Geschichte ist meiner Meinung nach deutlich besser gelungen, als die von „Liebhaber auf Zeit“, der anderen Story, die von dem Autorenduo, das sich hinter K.A. Merikan verbirgt, schon auf Deutsch zu haben ist. Sie enthält zwar noch kleinere Fehler, über die kann man aber gut hinweglesen.

Mir gefällt an beiden Geschichten, dass sie ungewöhnliche, aber in sich stimmige Charaktere präsentieren, die ihren eigenen Weg suchen.

Teufelsritt“ überzeugt mit einer Storyline, die nicht unbedingt den gängigen Klischees entspricht. Neben dem Thriller-Plot, der sich wie ein roter Faden durch die Geschichte zieht, könnte man von der Grundstruktur hier an „Der Schöne und das Biest“ denken. Allerdings muss man sich immer wieder fragen, wer denn nun der Hübsche und wer das Biest ist. Gerade am Anfang hat sicher nicht nur Tooth mehr als einmal das Gefühl, dass ein gewisser Jemand in der Story ein außerordentlich dreckiges Mundwerk hat. Natürlich ist auch Tooth nicht wirklich ein Biest, aber er zögert nicht, Luci für seine Unverschämtheiten zu bestrafen. Das hat jedoch auf den einen überraschenden Effekt. Luci war wirklich immer auf sich allein gestellt und Tooth Konsequenz tut ihm gut. Dass Luci es außerdem genießt, wenn er die ungeteilte Aufmerksamkeit des heißen Bikers hat, verschweigt er klugerweise zunächst.

Das Buch ist zwar im Kern eine echte Romanze und es gibt einige sehr niedliche und sogar ein paar wirklich lustige Szenen, allerdings sorgt schon das Setting dafür, dass es nicht zu fluffig wird. Die Coffin Nail sind keine Chorknaben. Waffen, Drogen und Folter gehören zu ihrem Alltag. Gerade Tooth bringt als Verhörspezialist des jeden zum Reden. Er hat aber auch kein Problem damit, jemandem, der es in seinen Augen verdient hat, für immer zum Schweigen zu bringen.

Ob und wie Luci es schafft, den „sexy Killer“ für sich zu gewinnen und welche Gefahren die beiden und der Club dabei überwinden müssen, sollte jeder selbst für sich entdecken.

Fazit:Teufelsritt“ gibt einen interessanten Einblick in die Serie und macht durchaus Lust auf mehr. Von mir gibt es gute 4 Punkte und eine Leseempfehlung. Man sollte allerdings keinen allzu schwachen Magen, ein Herz für Outlaws und Spaß an rotzfrechen Sprüchen haben.

Haben wollen?
 Hier kann man die Bücher von K.A. Merikan kaufen:
- "Teufelsritt
- "Liebhaber auf Zeit“ (Heißt auf engl. "Mr. Jaguar", ist z.Z. immer noch kostenlos zu haben und hat mir auch gut gefallen. Zu meiner Rezi geht es hier: *klick*)

Bildquelle: amazon