Mittwoch, 25. Juni 2014

"Momentaufnahme mit Elf" von Gerry Stratmann

Worte berühren, Worte verführen ... 
 
Momentaufnahme mit Elf... zumindest immer dann, wenn sie von Gerry Stratmann kommen.
Endlich gibt es wieder einmal etwas Neues von ihm zu lesen! In "Momentaufnahme mit Elf" finden sich neben drei wunderbaren Kurzgeschichten auch eine Leseprobe für sein neues Buch "Fesseln - Lucky & Dave" sowie ein Ausblick auf die Fortsetzung von Nathan Jaegers "Strategie in Scherben"-Serie.

Kleine Details gefällig?
In "Momentaufnahme" wird eigentlich nur der Verlauf eines Abends geschildert. Aber wenn man jemanden wirklich liebt, ist jede noch so kleine Geste voller Sinnlichkeit, jede Bewegung macht die Lust auf mehr. Das ist hier so eindringlich geschildert, dass man die Hitze und die erotische Anziehungskraft zwischen Delan und Cade förmlich spürt ...

"Elfentraum" könnte auch "Autorentraum" heißen. Welcher Autor träumt nicht davon, einmal in die von ihm geschaffene Welt einzutauchen oder sie zum Leben zu erwecken? (Wir Leser wünschen uns das natürlich auch hin und wieder ...) Eric jedenfalls steht plötzlich in seiner erfundenen Realität und vor seinem absoluten Traummann.
Diese Geschichte ist natürlich voller Erotik. Aber sie hat auch noch eine zweite Ebene. Oder gar eine dritte? Man kann sie einfach genießen. Und dann genussvoll über ihren tieferen Sinn grübeln ...

"Du" beschreibt im Grunde nur eine kurze Zeitspanne. Aber sie wirkt lange nach ...
Diese Geschichte geht wirklich unter die Haut. Ich kann gar nicht in Worte fassen, wie sehr sie berührt, wie sehr sie betroffen macht. Die Verzweiflung, die geschildert wird, wirkt so real, dass sie den Leser mitten ins Herz trifft.

Zu den Leseproben nur so viel: Beide machen Lust auf mehr! Ich gestehe, dass ich mich besonders darauf freue, von Gerry Stratmann endlich einmal eine längere Geschichte zu lesen. Das kann ich kaum erwarten ...
Fazit: Wieder einmal deutlich mehr als 5 Punkte und auf jeden Fall eine Leseempfehlung!
 
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"Wilde Vögel fliegen" von den HomoSchmuddelNudeln

Wahnsinn!!!
 
Wilde Vögel fliegenAxel bleibt keine Wahl: Er muss bei einer Dokumentation über die Vogelinsel, die er über den Sommer betreut, mitarbeiten. Dazu kommen der Kameramann Pavel und der Journalist Laurenz für eine Woche auf seine einsame Insel.
Eigentlich hasst und fürchtet Axel Menschen. Er ist glücklich in seiner Einsamkeit und es graust ihm davor, sein Paradies zu teilen. Aber Pavels unkomplizierte Freundlichkeit besänftigt ihn und Laurenz ...
Ja, was empfindet er eigentlich für Laurenz?

Das Buch ist schwer zusammenzufassen. Nicht, weil die Geschichte kompliziert, schwierig oder unlogisch wäre, sondern weil ihre besondere Faszination von der wunderbaren Atmosphäre ausgeht, die Sissi Kaipurgay und Sandra Gernt eingefangen und zwischen die Zeilen gebannt haben. Während man liest, sieht man nicht nur die Männer über die windzerzauste Insel streifen, sondern man schmeckt förmlich die salzige Luft auf der Zunge und hört die schrillen Schreie der Möwen.

Das Meer ist, ob bewusst oder unbewusst, neben Axel und Laurenz ein weiterer Hauptcharakter. So sicher, wie Eben und Flut kommen und die Wellen an den Strand rollen, so unwiderstehlich fühlen sich die beiden Männer zu einander hin gezogen. Und genau wie im Watt Land und Wasser miteinander ringen, so kämpfen Axel und Laurenz mit ihrer Vergangenheit, um eine glückliche Zukunft zu haben. Dabei bleibt ihnen nicht viel Zeit: unaufhaltsam rückt der Tag näher, an dem Laurenz die Insel verlassen und Axel zurückbleiben muss. Wie soll es danach weiter gehen?

Es ist einfach Wahnsinn, wie toll sich hier die wunderbar plastische Beschreibung der Natur und die der Gefühle zweier Männer zu einem stimmigen Gesamtbild verflechten.
In Gedanken grabe ich immer noch meine Zehen in den Sand, gebe 5 Punkte, eine Leseempfehlung und sage einfach "Danke schön!" an die Autorinnen für die tolle Geschichte und den unerwarteten Strandurlaub.
 
Da das Buch ein Gemeinschaftsprojekt für die HomoSchmuddelNudeln ist, geht der Erlös komplett an den Verein Straßenkids e.V. in Hamburg. Die Autorinnen sowie alle anderen Mitwirkenden verzichten auf ihre Honorare.
 
Also los, Leute: Eine wahnsinnig tolle Geschichte lesen und dabei ganz nebenbei auch noch etwas Gutes tun!
 
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Freitag, 20. Juni 2014

"Ist es Liebe?" von Gabriele Oscuro

Es ist Liebe!!!
 
Ist es Liebe?: Miguel und LinusLinus verliebt sich auf den ersten Blick in Miguel und (Hey! Das hier ist eine Romanze!!!) natürlich ist Miguel NICHT unerreichbar.
Darum geht es aber auch in der Story eigentlich nur am Anfang und das ist gut so. Den Außenseiter, der sich in den Schulstar verliebt, den kennen wir sowieso alle schon. Zwar ist die erste Annäherung der beiden wirklich wunderbar beschrieben, aber wirklich interessant wird es da, wo bei den anderen Büchern Schluss ist: Linus und Miguel sind beide noch sehr jung, als sie sich kennenlernen. Sind sie nur verliebt, oder ist es wirklich schon echte Liebe, die sie füreinander empfinden?

Sensibel und mit viel Gespür für Charaktere und Details beschreibt Gabriele Oscuro das, was nach dem ersten Kuss passiert. Kann die Beziehung den Alltag, die Probleme mit Freunden und in der Familie, oder sogar eine räumliche Trennung überleben?
Ich hatte eigentlich nicht wirklich Lust, das Buch zu lesen, aber zum Glück hat mich jemand dazu überredet. Wirklich zum Glück! Ich war berührt, bezaubert, begeistert. Was erst ganz unscheinbar und harmlos daherkommt, entwickelt eine unerwartete Tiefe, die einen gefangen nimmt. Ja, es ist "Liebe" die ich für diese Geschichte empfinde!

Deshalb gibt es von mir 5 Punkte und eine liebevolle Leseempfehlung. Ich hoffe wirklich in Zukunft noch mehr von der Autorin zu lesen!
 
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Sonntag, 15. Juni 2014

"Hard Mated" von Jennifer Ashley (engl.)

Hard Mated (Shifters Unbound)Schwierige Entscheidungen

Spike ist schon eine ganze Weile einer von Liams "Trackern". Trotzdem vertraut dieser ihm noch nicht wirklich, weil sie sich erst relativ kurze Zeit kennen und Spike vorher für Fergus gearbeitet hat. Liam steht im Gegensatz zu diesen, für eine gemäßigte Politik und versucht verschiedene Clans möglichst friedlich zu einigen, um sie so alle zu stärken. Entsprechend braucht er zwar auch Kämpfer wie Spike, setzt sie aber nur selten ein.
Spike lebt seine angeborene Aggressivität in halb legalen Kampfclubs aus. Dort holt ihn die Vergangenheit gleich von zwei Seiten ein: Zuerst erfährt er von der hübschen Myka, dass er Vater eines Sohnes ist, um den er sich in Zukunft kümmern muss, weil dessen Mutter im Sterben liegt, dann taucht ein alter Bekannter bei ihn auf und will ihn für eine hinterhältige Intrige gegen Liam gewinnen.
Spike ist ratlos: Was ist das Beste für die Zukunft seines Sohnes und wie soll er mit den Gefühlen umgehen, die Myka unerwartet in ihm wachsen lässt?

Diese Kurzgeschichte ist eine Side-Story zu der übergreifenden Rahmenhandlung. Man kann sie auch sehr gut verstehen, ohne die gesamte Serie zu kennen. (Sie macht aber noch mehr Spaß, wenn man in die Zusammenhänge eingeweiht ist!).
Die Story ist deshalb auch für "Neueinsteiger" richtig gut geeignet, die wissen wollen, ob ihnen Stil und Thematik von Jennifer Ashleys Shifters unbound" zusagen.

"
Hard Mated" ist auf jeden Fall eine meiner Lieblingsgeschichten aus dem Shifter-Universum. Man findet darin alles, was die Serie ausmacht: Eine spannende Handlung, sexy Helden und sehr, sehr berührende Szenen.
Von mir gibt es auf jeden Fall 5 Punkte und eine Leseempfehlung.

Nur zur Info: Dieser Band liegt auch schon auf Deutsch vor (
Die Gefährtin des Jaguars).

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Samstag, 14. Juni 2014

"Harvestine" von Clannon Miller


Harvestine: Sieben Jahre und vier Sommer (Gesamtausgabe)
Aschenputtel war gestern …


Emma ist zwölf, hat zwei mehr als furchtbare Schwestern und eine völlig gleichgültige Mutter. Ihr Leben ist alles andere als einfach. Aber als ihre Mutter eine Stelle auf dem Land als Krankenpflegerin erhält, fühlt sie sich zum ersten Mal frei und glücklich. Sie würde alles tun, um in der Schwarzmühle bleiben zu dürfen ...
Mit dem alten Baron kommt sie bestens klar. Aber der hat zwei Söhne, die beide auf ganz unterschiedliche Art von Emma fasziniert sind. Während der ruhige Leon ihren hellen Verstand und ihre blühende Fantasie mag, sieht sein Bruder Max in dem jungen, unschuldigen Mädchen schon eine Frau, die er unbedingt besitzen will.
So birgt schon der erste, traumhaft schöne Sommer in der Schwarzmühle die Saat der Katastrophe. Egal, wie hart Emma dafür kämpft, ihr Paradies zu erhalten, das Schicksal ist gegen sie.
Erst als erwachsene Frau kommt Emma zurück. Aber auch wenn sieben Jahre vergangen sind, so ist die Vergangenheit doch mehr als lebendig. Sie muss zuerst klären, was damals wirklich geschah, bevor sie eine Zukunft hat.

Wenn man anfängt, "Harvestine" von Clannon Miller zu lesen, glaubt man unversehens, sich in einer modernen Version von Aschenputtel zu befinden. Aber Vorsicht! Das hier ist nicht die Variante, die man als "Gute-Nacht-Geschichte" den Kindern vorliest!
Wie in den Originalen geht es auch hier teilweise grausam zu und schon im ersten Teil, der immerhin Emmas Kindheit / frühe Jugend beschreibt, zeigt sich eine düster-erotische Komponente. Das Ganze wird allerdings immer wieder geschickt aufgelockert, wenn man liest, wie Emma ihren teilweise chaotischen und furchtbaren Alltag in ihren Fantasiegeschichten verarbeitet und diese in unzähligen Schulhefen aufschreibt.
Während aber das Original-Aschenputtel recht schnell von ihrem Prinzen gerettet wird, scheint "Frau" sich im 21. Jahrhundert auf so etwas nicht mehr verlassen zu können. Die erwachsene Emma muss für ihre Liebe kämpfen und zuerst ist nicht einmal der Prinz auf ihrer Seite.
Der zweite und dritte Teil des Buches sind weniger märchenhaft erzählt, aber nicht weniger gut geschrieben. Ob und wie sich das furchtbare Drama aus dem ersten Teil auflöst werde, ich hier natürlich nicht verraten.

Clannon Miller hat schon in ihren beiden ersten Romanen eine ganz unvergleichliche Art zu schreiben gezeigt: Spannend, opulent, höllisch sexy und voller gut beobachteter und Charakter und Situationen. Dabei ließen sich die Bücher eigentlich nicht in eine bestimmte Kategorie einordnen: Romanze? Thriller? Komödie? Erotischer Roman? Von allem ein wenig und doch etwas ganz Eigenes.
Insofern passt ihr neues Buch in diese Reihe: "Harvestine" ist ein modernes Märchen, ein verzwickter Thriller, eine tiefromantische Love-Story und gleichzeitig die Geschichte zweier völlig verkorkster Familien. Das Buch könnte leicht ein Drama sein. Ist es aber nicht! Mit Ironie und Humor (und mit magischen und hin und wieder rotzfrechen Worten) verführt es dazu, laut zu lachen, wo man doch eigentlich einen dicken Kloß im Hals hat.
Dieses Buch hat mich begeistert und mir den Schlaf geraubt, weil ich unbedingt wissen wollte, wie es weitergeht. Es steckt voller unerwarteter Wendungen, bis am Ende ... (nein, ich verrate es nicht!)

"Harvestine" ist etwas ganz Besonderes. Ich liebe diese Geschichte wirklich und kann sie jedem nur ans Herz legen. 5 Punkte reichen für eine Bewertung nicht aus. Unbedingt lesen!!!
Aber Vorsicht! Zeit einplanen!!! Das Wort "episch" aus dem Klappentext steht da nicht zufällig. Der Preis von 3,48 für die kindle-Ausgabe ist ein (sehr kundenfreunlicher) Witz für ein Werk dieses Umfangs.

P.S.1: Ich könnte jetzt hier noch eine ganze Weile über das Buch und die vielen geschickten, wunderbaren Anspielungen schwärmen oder über die Dinge, die nicht ausgesprochen sind, und die man trotzdem finden kann. Aber das würde nur die Zeit stehlen, dieses moderne Märchen selber zu genießen.
P.S.2: Für Insider: "Harvestine" von Clannon Miller kenne ich jetzt. Nun möchte ich eigentlich am liebsten alle drei Teile von "Harvestine" von E.M. Short lesen. Die Abenteuer von Sagya Drachentochter sollen ja wirklich der Hammer sein ...

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"First Day - Die Mission" von Clannon Miller



Ganz großes Kino!!!

First Day - Die MissionIm Gegensatz zu den meisten anderen habe ich "First Day", also den zweiten Teil der Geschichte um Julia, zuerst gelesen, weil mich der Klappentext hier erheblich mehr gereizt hat. Gefunden habe ich einen Roman, der mich an einen amerikanischen Blockbuster erinnert, ganz großes (Popcorn-) Kino also! Und das meine ich durchaus positiv!

So ganz ernst kann ich die beiden superreichen, super aussehenden und super kampferprobten Helden nicht nehmen, aber das mindert das Lesevergnügen keine Sekunde.
Die beiden haben nämlich genügend Macken, um nicht zu unsympathischen Abziehbildern zu verkommen: Dem coolen und kampferprobten Ex-SEAL Marc sinkt tatsächlich regelmäßig bei Julia nicht das Herz in die Hose. Er vermisst eher sein Hirn und handelt nur noch aus ... sagen wir mal dem Herzen heraus. Julia dagegen hat eine lange Trauerzeit hinter sich und verspürt zum ersten Mal wieder Gefühle. Natürlich hat sie Angst, verletzt zu werden, aber dem erotischen Feuerwerk, das sich zwischen ihr und Marc entzündet, kann und will sie nichts entgegensetzen.
Abgerundet wird die Love-Story von einem Thriller-Anteil um den russischen (Super-)Schurken Morosow.

Für mich punktet Clannon Miller auch hier mit ihren hintersinnigen Humor. Wenn (fast) alle Angestellten von Julia, die ihren ersten Mann natürlich kannten, sie andauernd daran erinnern, was "... der Herr Mahler wohl dazu sagen würde..." oder ihr Ex-Bodygard Silvio nicht nur dreckige Sprüche klopft, sondern auch noch herrlich politisch unkorrekt ist, kann man sich einfach nur amüsieren. Und mal ehrlich: Wer hätte nicht auch genau das schon mal gerne gemacht, was Julia mit ihrem zunächst alles andere als freundlichen Schwiegervater in Spe in dem Club anstellt???

Wäre dies wirklich ein Film, würde man sagen, dass alle Darsteller ihre Rollen mit großer Spielfreude ausfüllen. Man liebt und leidet mit ihnen und kann das Kino nicht verlassen ... ich meine das Buch nicht aus der Hand legen, bis der letzte Vorhang gefallen bzw. die letzte Seite gelesen ist.

Fazit: Von mir gibt es 5 Punkte, eine Leseempfehlung und eine Oscar - Nominierung.
Natürlich habe ich im Anschluss sofort "First Night - Der Vertrag" gelesen. Das Buch hat mir genauso viel Spaß gemacht.

P.S.: Wer den Roman zu ernst nimmt, dem empfehle ich stattdessen "James Bond" zu lesen. Als Fachlektüre, um etwas über den MI 6 zu lernen...


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"First Night - Der Vertrag" von Clannon Miller


Ein (un)moralisches … Aschenputtel
First Night - Der Vertrag
Eine Million für die erste Nacht mit einem gutaussehenden Millionär? Warum zögert die Studentin Julia eigentlich noch? Nun, weil sie einerseits nur aus Liebe mit einem Mann schlafen will und anderseits riesige Angst davor hat, sich ernsthaft zu verlieben.

"First Night" von Clannon Miller sticht aus zwei Gründen aus der Masse der erotischen Liebesromane heraus, die man auf dem e-book-Markt findet:
1. Der Roman ist ganz erheblich länger als die meisten anderen Bücher, die zu diesem Preis angeboten werden.
2. Er ist wirklich genau dass, was der Klappentext verspricht: Heiß, süß, witzig und spannend!

Spätestens, wenn Julia bei "C&C" (!!!) preiswerte Klamotten kauft oder Thomas den angeschlagenen Discounter "Sparfox" übernehmen will, weiß man, dass man den Roman einfach mit einem Augenzwinkern lesen muss. Und er macht richtig Spaß!
Kleiner Insider: Den Namen des Politikers, den Julia als Bennis Vater im Verdacht hat, muss man sich einfach auf der Zunge zergehen lassen... (Ähnlichkeiten mit lebenden Personen sind natürlich nicht beabsichtigt ;D ...)

Jo, die zwei Helden sind manchmal ein wenig klischeehaft, aber deshalb nicht weniger sympathisch. Außerdem haben sie genügend Macken, um nicht zu Abziehbildern zu verkommen. Wenn der große Herr Mahler mal wieder voller Wut sein Handy zerdeppert oder sich mit der eigentlich unschuldigen Studentin im Dirty talk übt, schwankt man zwischen Lachen und Faszination. Die Story wird nie langweilig, schnulzig oder primitiv und verkommt auch nicht zur Komödie. Sie ist eine gelungene, erotische Liebesgeschichte mit einem leichten Thrilleranteil, die deutlich vielschichtiger und intelligenter ist, als es auf den ersten Blick scheint und den Leser richtig gut unterhält!

Von mir gibt es jedenfalls 5 Punkte und eine Leseempfehlung!

Anmerkung: In vielen Rezensionen wird angemerkt, dass die Geschichte viele Rechtschreibfehler enthält. Das ist mir nicht aufgefallen. Entweder die Story hat mich zu sehr gepackt, oder die Überarbeitung hat etwas genutzt. Und ja, hin und wieder ist vielleicht, sagen wir mal ... eine kleine juristische Unschärfe drin. Aber das hat mich nicht wirklich gestört. Wenn der Roman, wie so viele andere, in den USA gespielt hätte, wäre es vermutlich niemand aufgefallen und ein klein wenig "dichterische Freiheit" gestehe ich persönlich der Autorin jetzt einfach mal zu!


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Freitag, 13. Juni 2014

"Liebe ist grenzenlos" von Mathilda Grace


Liebe ist grenzenlos (Gezeiten der Liebe)
Ein Tabu?

Der Klappentext von "Liebe ist grenzenlos" verrät nur im Ansatz worum es in dieser Geschichte geht: Wie geht man damit um, wenn man erfährt, dass Menschen die man von ganzem Herzen liebt, ein Tabu leben.
Was tut man, wenn man weiß, dass ihre Liebe verboten ist und sie sie niemals öffentlich zeigen können? Wenn sie an´s Tageslicht kommt, droht nicht nur gesellschaftliche Ächtung, sondern sogar das Gefängnis.

Magnus und Nate erfahren etwas über ihre Söhne Ben und Zach, dass ihre Familie zerstören könnte. Aber wie immer bei Mathilda Grace kämpfen die Menschen darum, einen Weg zu finden um ihre Liebe zu leben.

Mich hat diese Geschichte sehr berührt, nicht nur wegen der Zärtlichkeit, sondern auch weil sie mir anhand eines der letzten noch existierenden Tabus noch einmal glasklar vor Augen geführt hat, dass es niemals nur schwarz und weiß gibt und Dinge, die heute selbstverständlich sind, noch vor wenigen Jahren ebenfalls öffentlich geächtet waren.
Die Freiheit, seine Liebe jederzeit offen zeigen zu dürfen, ist kostbar. Dieses Recht sollte jeder Mensch haben.

Von mir gibt es jedenfalls 5 Sterne und eine Leseempfehlung für "Liebe ist grenzenlos".
Die Story ist übrigens eine der Side-Storys zu der großartigen "Ostküstenreihe". Zeitlich ist sie nach Band 9 "Einsame Herzen (DieOstküsten-Reihe)" angesiedelt und außerdem eine direkte Fortsetzung zu "Mittsommernacht (Gezeiten derLiebe)"

Homepage der Autorin: Mathilda Grace

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Mittwoch, 11. Juni 2014

"Shield of Winter " von Nalini Singh (engl.)

So unfassbar zärtlich …

Shield of Winter: A Psy-Changeling Novel (PSY-CHANGELING SERIES)
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Vasic sieht sich selbst nicht als Menschen, sondern als Maschine. Er atmet, aber er lebt nicht und er ist sich darüber im Klaren, worauf er zusteuert: einen Totalausfall. Er ist nicht wütend das, was dann geschehen wird: defekte Maschinen werden ausgemustert, wenn sich eine Reparatur nicht lohnt. Kein Problem für Vasik. Sein Silentium ist von frühester Jugend an mit gnadenloser Härte in ihn hinein trainiert worden. Nur so konnte er als die schrecklichen Dinge überleben, die man von ihm verlangt hat.
Aber dann passiert etwas, was niemand erwartet hat: Er trifft Ivy ...

Ivy Jane ist eines der schmutzigen Geheimnisse des Psy-Net: Sie ist eine Emphatin, eine "E". AM Beginn von Siletium versuchte man, ihre Kategorie auszurotten, aber als klar wurde, dass die Rasse ohne die E's nicht überleben kann, wurden sie unter strengen Auflagen am Leben gelassen. Niemand durfte erfahren, warum manche Psy einfach nicht geeignet für Silentium waren und dass es sie alles kostet, wenn sie versuchen, damit zu leben.
Erst die gewaltige Umwälzung, die das Net durchgemacht hat und die Kaleb Krychek als Herrscher zurücklässt, erlaubt es, wieder offen darüber nach zudenken, wozu die E's überhaupt da sind. Könnten sie vielleicht sogar den schleichenden Verfall des Pys-Net aufhalten und die furchtbaren Gewaltausbrüche eindämmen?
Kaleb lässt es auf einen Versuch ankommen und bildet eine experimentelle Einheit aus E's und Pfeilgardisten, die sie gleichzeitig schützen und überwachen sollen. Vasic soll die Arrows anführen und findet sich dann unversehens in einem winterlich kalten Obstgarten gegenüber einer Frau, die zum ersten Mal in seinem Leben seine Gefühle erwachen lässt. Zuerst hat er noch keinen Namen, für das, was da geschieht, aber Vasic ist nicht dumm. Kühl analysiert er seine körperlichen und psychischen Reaktionen und wird sich langsam bewusst, dass er sein Leben zu früh in einem anderen riskanten Experiment weggeworfen hat. Während seine Zeit ihm wie Sand durch die Finger rinnt, beginnt er zu verstehen, was Liebe sein könnte.
Ivy war nie perfekt im Sinne von Silentium. Als Vasic zum ersten Mal in seiner Pfeilgardisten-Uniform vor ihr steht, glaubt sie, man hätte dies endgültig erkannt und sie für eine weitere Rehabilitation vorgesehen. Lieber will sie sterben. Aber dann begreift sie zum ersten Mal wirklich, dass die Zukunft begonnen hat, und niemand mehr wegen seiner Gefühle verfolgt wird. Die Erkenntnis, dass sie ein "E" ist, ist eine Offenbarung für sie. Der kühle, beherrschte Arrow, der auf sie aufpassen soll, weckt etwas tief in ihr, dass eine Psy eigentlich nicht fühlen sollte ...

Wer glaubt, diese Geschichte wäre auch nur im Ansatz bekannt, der täuscht sich gewaltig. Auch wenn bereits mehrere Bücher aus Nalini Singhs Pys/Changeling-Universum existieren, die scheinbar eine ähnliche Thematik haben (der eiskalte Held, der seine Gefühle zulassen muss), so ist dieses Buch doch ganz anders als seine Vorgänger. Judd, der ja auch durch das knallharte Training der Arrows gegangen ist, hatte mit Brenna eine Gestaltwandlerin an seiner Seite, die Gefühle kannte und wertschätzte, auch wenn sie vielleicht aktuell Angst davor empfand und er war immer tief in seiner eigenen Familie verankert. Kaleb war zwar äußerlich eiskalt, vibrierte aber innerlich vor Zorn darüber, was ihm und Sahara angetan wurde.
Vasic dagegen ist wirklich, bis auf die aus gemeinsamem Schmerz geborene Beziehung zu Aden, immer alleine gewesen. Er glaubt nicht daran, eine Zukunft zu haben oder auch nur zu verdienen. Wenn er auf seine Hände schaut, sieht er nur das Blut, dass er vergossen hat, in dem gutem Glauben für eine höhere Sache zu kämpfen.
Ich habe niemals gedacht, dass ausgerechnet Vasics Geschichte so voller bittersüßer Zärtlichkeit sein könnte! Seine totale Hoffnungslosigkeit, der Glaube, dass er rein gar nichts mehr zu verlieren hat, öffnen ihn auf der einen Seite für seine Gefühle. Er ist doch sowieso verloren, oder? Auf der anderen Seite drängt sein starker Beschützerinstinkt ihn dazu, sich nicht wirklich an Ivy zu binden, weil er einfach keine Zeit mehr hat und glaubt, sie so vor Schmerz zu bewahren.
Gut, dass E's so stur sind ...

Das Buch hat mich mitten ins Herz getroffen. Vasic kämpft scheinbar auf verlorenem Posten und Ivy will dies einfach nicht wahrhaben. Wo Kaleb's Geschichte vibrierte vor Zorn war, da berührt Vasic 's auf einer ganz anderen Ebene. Kleine, federleichte Berührungen zwischen ihm und Ivy sind so wunderbar geschildert, dass sie mitten ins Herz treffen. Es gibt Szenen, in denen der scheinbar so eiskalte Mann, der von sich selber sagt: "Der Tag, an dem ich fühle, ist der Tag an dem ich sterbe!" durch kleine, und doch so bedeutsame Gesten zeigt, dass das Herz eben nicht nur ein Muskel ist, auch wenn man das noch so oft erzählt bekommt.
Und genau dahin hat auch mich die Geschichte von Vasic und Ivy getroffen: Mitten ins Herz! Nach mittlerweile 13 Bänden in der Serie stellt sich keinerlei Ermüdung ein. Im Gegenteil! Shield of Winter" ist eines der Highlights einer ohnehin grandiosen Reihe.

Bewertung? Keine Ahnung! 5 Punkte bedeutet "Gefällt mir sehr!", aber das trifft es noch nicht mal im Ansatz. Das Buch ist wunderbar, zärtlich, spannend, erotisch, berührend, mitreißend, einzigartig, ... Kurz gesagt: Für mich sprengt es die Bewertungsskala bei Weitem.
Ich kann es schon jetzt kaum erwarten, es auch auf Deutsch zu lesen.
Leseempfehlung? Nö. Das hier ist eine Pflichtlektüre. Aber es gehört zu den Pflichten, die pures Vergnügen sind!

P.S.: Natürlich wird auch die spannende Rahmenhandlung weiter voran getrieben und man begegnet, wie immer, einigen der liebgewonnen Helden aus den anderen Bänden. Mein persönlicher Favorit Judd hat einige sehr starke Szenen, aber auch von Kaleb und Sahara erfährt man eine Menge. Hier ist es besonders schön zu sehen, wie die Beiden als Paar funktionieren, nachdem nun allmählich der Alltag einkehrt, und wie Kaleb mit seiner Macht über das Psy-Net umgeht.
Ebenfalls wie immer, ist es außerdem faszinierend zu lesen, dass es bei Nalini Singh keine Zufälle gibt. Scheinbar belanglose Bemerkungen aus den vorherigen Bänden werden wieder aufgegriffen und Handlungsfäden fast unmerklich weiter gewoben.
Vielleicht kann man das Buch auch verstehen, wenn man es für sich alleine stehend liest, gerade weil sich nach dem großen Knall im letzten Band die Welt neu ordnet. Aber warum sollte man auf darauf verzichten, auch den Rest der grandiosen Serie zu lesen?

Montag, 9. Juni 2014

"Ver-liebt" (Teil 4) von Nathan Jaeger

Ver-flixt!

Ver-liebt: Staffel 1 - Folge 7 und 8Ich hasse Fortsetzungsromane, ganz ehrlich!!! Aber natürlich musste ich wissen, wie es Mario, Motte, Krümel und Nate weitergeht! Also habe ich wie jedes Mal die beiden neuen Folgen in einem Rutsch verschlungen und sitze nun hier, völlig frustriert und etwas geschockt, weil ich es nicht abwarten kann, zu lesen, wie die vier aus DIESER Situation wieder herausfinden.

Während Lessi" Motte und Krümel endlich reinen Tisch machen und zusammenfinden, türmen sich dunkle Wolken am Liebes-Horizont von Mario und Nate auf.
Durch Zufall erfährt Mario etwas über die Vergangenheit, das ihn sich selbst und sein ganzes Leben in Frage stellen lässt. Er ist nun fest davon überzeugt, Nate nicht verdient zu haben und glaubt nicht mehr länger daran, dass eine gemeinsame Zukunft überhaupt möglich sein könnte. Die beiden schliddern also in eine handfeste Krise ...
Aber auch andere Menschen hüten alte Geheimnisse, die sich auf das aktuelle Leben der Jungs auswirken. Was mag nur in Marios Vater vorgehen?

Auch der vierte Teil der Serie überzeugt wieder durch einen tollen, lebendigen Erzählstil. Es ist einfach klasse, das Geschehen aus der Sichte aller vier Hauptcharaktere zu erleben. Das Ende ist diese Mal ein wirklich fieser Cliff-Hanger.

Die vier Ver-liebten bekommen auf jeden Fall wieder 5 Punkte und eine Leseempfehlung.
An Nathan Jaeger sende ich hiermit eine dringende Bitte: Bitte, bitte schnell weiterschreiben! Das Warten auf die Fortsetzung ist nach diesem Ende noch schlimmer als sonst!!!


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Freitag, 6. Juni 2014

"At home - with you" von Savannah Lichtenwald

Leon lernt die Liebe kennen…

At home - with youSchon seit  der ersten Geschichte von Savannah Lichtenwald um die Clique im „Charleston“ scheint Leon eher  … naja wohl eher in die Kategorie „Mistkerl“ zu fallen. Er ist sozusagen der „böse“ Zwilling des schüchternen Jannik, der sich in „Not – at home“ in Helge, den Besitzer der Cocktail-Bar, verliebt. Auch wenn sich dort schon zeigte, dass Leon auch seine guten Seiten hat, scheint er seine ätzende Art und seine offene Verachtung für die Liebe noch lange nicht ad acta gelegt zu haben und äußert wenig Verständnis dafür, wie offen seine Freunde ihr Glück zeigen.
Leon hat nach einem Überfall ein vernarbtes Bein, was seine „Chancen“ in der Szene mindert und beruflich läuft es gerade auch nicht so rund: Andauernd muss er sich darüber ärgern, dass seine Ideen für eine Werbekampange von dem zuständigen PR-Berater einfach nicht abgesegnet werden. Alles in Allem ist seine Laune im Keller, bis er Kay, einen alten Freund von Marvin kennen lernt. Der hübsche, blonde, junge Mann lässt ihn einfach nicht mehr los.

Was an Kay ganz Besonderes ist, wieso Leon seine Überzeugungen überdenken muss und warum die sich die beiden plötzlich näher sind, als ihnen eigentlich lieb ist, ergibt eine anrührende Geschichte. Hier finden sich zwei Männer, die es nicht leicht hatten im Leben und ihre Wunden auf der Haut und im Herzen davongetragen haben. Können sie vielleicht zusammen heilen?
Savannah Lichtenwald hat einen ganz besonderen Erzählstil. Ihre Geschichten und ihre Helden sind so real, dass man sich vorstellen kann, mit ihnen im „Charleston“ an der Theke zu stehen und einen der Cocktails zu genießen. Die Storys stecken voller liebenswürdiger Details, die sich zu einem wundervoll stimmigen Gesamtbild zusammenfügen. Und es gibt eine Szene (ich verrate hier nicht worum es genau geht, aber so etwas finde ich in 9 von 10 Fällen total kitschig) in einem Orchideen-Haus, die ist so wundervoll beschrieben, dass ich neuerdings jedes Mal lächle, wenn die duftenden Exoten sehe…

Ok, ich könnte jetzt noch ein wenig weiter schwärmen, z.B. von dem tollen Zitat am Anfang, das nicht nur zu der Geschichte richtig gut passt, sondern dass man sich ruhig zu Herzen nehmen sollte, aber das würde nur die Zeit dafür stehlen, die Geschichte von Leon und Kay zu lesen. Ruhig mehrmals. Man entdeckt immer wieder nette Kleinigkeiten, die man überlesen hat und die die Geschichte noch besser machen.

Fazit: Klare 5 Punkte und die Empfehlung das Buch ruhig mehr als einmal zu lesen!!!

Zur Info hier kurz der Hinweis auf die Reihenfolge der Serie:
1. At home (Marvin und Steven)
2. Not at home (Helge und Jannik)
3. At home - with you (Leon und Kay)
 
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"Not at home" von Savannah Lichtenwald

Liebe auf den allerersten Blick

Not - At home: Nur ein MalIch bin ein Fan der Geschichten von Savannah Lichtenwald, seit ich „At home – Für 128 Jahre“ gelesen habe. Hier liegt nun endlich eine Fortsetzung der Geschichte um die Clique im „Cosmopolitan“ vor.
Helge, der Besitzer des Bistros, ist eine zutiefst romantische Seele. So hat er sich auf den ersten Blick in den schüchternen Jannik verliebt. Leider kommt er ihm aber überhaupt nicht näher, denn der Mann versteckt sich förmlich hinter seiner riesigen verspiegelten Brille und ist nie ohne seinen Zwillingsbruder Leon anzutreffen. Leon präsentiert sich gerne als richtiges Ar***loch. Ob er Jannik unterdrückt?
Erst als etwas Schreckliches passiert, bemerkt Helge, dass nichts so ist, wie es aussieht. Aber haben er und Jannik wirklich eine Chance?

Die Story ist einfach gut. Sie geht zu Herzen, sie ist manchmal lustig und hat genügend Tiefe um im Gedächtnis haften zu bleiben. Eindringlich wird hier klar gemacht, was es anrichten kann, wenn ein Mensch nur auf sein Äußeres reduziert wird.
Zusätzlich hat es natürlich Spaß gemacht, zu lesen, was aus Steven und Marvin geworden ist.  Man muss ihre Geschichte nicht kennen, um diese hier zu verstehen, aber es erhöht natürlich den Lesegenuss. Ich hoffe jedenfalls, dass die anderen  Jungs (und das Mädel) aus der Clique auch irgendwann nicht mehr allein sein werden und darauf dass ich auch davon lesen darf…

Noch zwei kleine Hinweise zum Schluss: Das Zitat am Beginn des Buches sollte man nicht einfach überlesen, sondern sich zu Herzen nehmen und auch diesmal lohnt sich wieder ein Blick auf die sorgfältig ausgewählten Kapitelüberschriften.
Die Geschichte sollte man unbedingt lesen. Sie steckt nämlich voller Hoffnung…

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"At home - Für 128 Jahre"

„Zuhause ist da, wo man geliebt wird.“

At home: Für 128 JahreDas muss Marvin Steven erst einmal erklären, denn ein wirkliches Zuhause hat dieser bisher weder gekannt noch gesucht.
Aber alles ändert sich, als zufällig der eher sanfte Marvin und der harte Steven aufeinandertreffen. Unterschiedlicher können zwei Männer nicht sein: Der eine ist eher ruhig, wünscht sich eine feste Beziehung und hat einen durchgeknallten Ex-Freund am Hals, der ihn stalkt.
Der andere steckt voller Unrast, kann sein Leben nicht schnell genug leben und versucht seine innere Leere mit Whiskey und einem enormen Verschleiß an Frauen zu füllen.
Überrascht entdecken die beiden Gemeinsamkeiten (kleiner Insider: in Maßen, in Unmaßen und maßlos; wer die Story liest, wird verstehen, was ich meine) und stellen fest, dass die Zeit wie im Flug vergeht, wenn sie sie nur mit einander verbringen.
Langsam müssen sich beide eingestehen, dass sie mehr als Freundschaft für einander empfinden. Aber wie kann das sein? Kann es eine gemeinsame Zukunft geben?

Savannah Lichtenwald erzählt immer abwechselnd aus Marvins und Stevens Perspektive und nimmt so den Leser mit, wie und warum sich die beiden Männer näher kommen. Es ist wunderschön, manchmal lustig und stellenweise verboten romantisch. Besonders die körperliche Annäherung der beiden ist so zärtlich und erotisch beschrieben, dass es schon lange kribbelt, bevor ES wirklich passiert.

Von mir gibt es  5 Punkte und ein klare Leseempfehlung.
Einen Extra-Punkt obendrauf gibt es für die liebevoll gestalteten Kapitelüberschriften, die sich alle auf Wetter und wundersamer weise auch auf die Stimmung in den einzelnen Abschnitten beziehen. Natürlich kann man Kapitel auch durchnummerieren, das ändert für den Leser erst einmal nichts am Lesevergnügen. Aber für mich zeigt sich hier noch einmal die Liebe zum Detail, die auch an anderen  Stellen im Buch zu finden ist und daraus etwas ganz besonderes macht.

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Donnerstag, 5. Juni 2014

"Stockholm ist keine Stadt" von Bonnyb Bendix

Stockholm ist keine StadtWarum?

Warum? Das ist die Frage, die ich mir beim Lesen dieses Buches immer wieder gestellt habe.
Warum tut ein Mensch das einem andern Menschen an? Warum handelt, warum empfindet, warum schlägt, warum liebt der eine den anderen? Warum habe ich das Buch überhaupt gelesen???

"Stockholm ist keine Stadt" ist kein schönes Buch. Es ist grausam, unbequem, manchmal sperrig erzählt und aus vielen Gründen schwer zu lesen. Und doch: Ich konnte es nicht eine Sekunde aus der Hand legen und habe es in einem Rutsch verschlungen, weil ich unbedingt wissen wollte, wie sich die Story entwickelt und wie sie endet.
Es fällt mir schwer, die richtigen Worte zu finden. Die Geschichte von Jamie ist berührend, aber nicht auf die rührselige Art. Sie geht tief unter die Haut, setzt sich fest, nagt an einem und lässt einen nicht mehr los.

Warum ist Jamie in diese Situation geraten und warum reagiert er so und nicht anders darauf?

Bonnyb Bendix lässt Jamie aus der Ich-Perspektive erzählen und doch ist das, was er sagt, manchmal seltsam distanziert, so als würde er über etwas reden, dass gar nicht ihm selber passiert ist oder aber schon vor sehr, sehr langer Zeit. Das ist vielleicht gut so. Das Buch ist auch so furchtbar aufwühlend, so dass noch mehr Nähe nicht zu ertragen wäre.
Die Geschichte ist weder schön noch logisch. Aber sie beschäftigt sich auch mit einer vom Verstand her unfassbaren Thematik. Jamie merkt, dass er seinem Entführer verfällt, den er eigentlich hassen sollte. Warum nur hat der eine solche Macht über ihn? Intellektuell weiß er, was das Stockholm-Syndrom ist. Aber das hilft ihm kein Stück dabei, mit seinen widersprüchlichen Gefühlen klar zu kommen.

Jamie, aber auch David und Marek müssen damit fertig werden, dass es im Leben nicht auf jedes "Warum?" eine Antwort gibt und dass Menschen eben nicht immer schön und logisch handeln. Das muss auch der Leser von "Stockholm ist keine Stadt" akzeptieren. Die Geschichte ist fiktiv, aber wie im richtigen Leben reagieren Menschen nicht immer so, wie man es erwarten könnte und nicht alles nimmt ein gutes Ende.

Warum sollte man das Buch eigentlich lesen?
Ich persönlich lese normalerweise zur Entspannung und wünsche mir Charaktere die ich mag, mit denen ich leiden und lieben kann. Ich verliere mich in den Büchern. Aber "Stockholm" hat mich gepackt und nicht mehr losgelassen. Auch hier war ich verloren. Ich denke immer noch darüber nach, diskutiere innerlich mit mir selber und offen mit anderen. Macht das nicht auch ein gutes Buch aus?
Wer eine "schöne" erotische Romanze erwartet, wird enttäuscht werden. Wer sich aber einem sehr schwierigen Thema in Form einer gut geschriebenen Geschichte nähern will, ist genau richtig.

Bonnyb Bendix schafft es klar zu machen, was richtig und was falsch ist, ohne zu werten. Und warum ein Mensch ein bestimmtes Gefühl entwickelt, darüber sollte sich sowieso niemand ein Urteil erlauben. In dem Buch geht es aber auch darum, über sich hinaus zu wachsen und Verantwortung zu übernehmen. Das hat hier übrigens nichts mit der Verantwortung vor dem Gesetz zu tun, sondern damit, ob und wie man mit der eigenen Vergangenheit und den eigenen Handlungen fertig wird.

Fünf Sterne bedeuten normalerweise "Gefällt mir sehr!". Das trifft es hier nicht. Die Geschichte ist mir dazu zu grausam und zu unbequem. Aber warum sollte ich die fünf Sterne nicht einmal dafür geben, dass mich ein Buch tief getroffen und nachdenklich gemacht hat. Warum eigentlich nicht?
Leseempfehlung? Ja! Aber auf keinen Fall für Leute mit schwachen Nerven.


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Montag, 2. Juni 2014

"Click for Love" von Abbi W. Reed

Schon tausendmal gelesen?


Click for LoveDer gutaussehende Sportler und der Nerd. Kennen wir das nicht? Gibt es darüber nicht schon gefühlt 1.000 Geschichten? Wozu dann "Click for Love" von Abbi W. Reed auch noch lesen???
Klare Antwort: Das Buch ist einfach klasse!!! Es ist witzig, intelligent, immer wieder überraschend und hat dabei mehr als nur eine Spur Tiefsinn.

Der Draufgänger Adam und zurückhaltende Keith sind schon lange befreundet, als Adam eine Ahnung davon bekommt, was Keith so sorgfältig vor ihm geheim hält. Eigentlich will er daraufhin nur herausfinden, ob Keith wirklich schwul ist. Aber überraschenderweise lernt er anonym und im internet Seiten an seinem Freund kennen, die er so nie vermutet hätte. Adam ist fasziniert. Plötzlich sieht er Keith auch im "real life" mit ganz anderen Augen. Aber was ist wichtiger? Ihre Freundschaft oder Sex? Oder müssen sie sich vielleicht gar nicht entscheiden?

Die aberwitzigen Situationen, die sich ergeben, wenn Adam versucht, sich Keith einmal im net und dann wieder im real life zu nähern und schließlich auf sich selber eifersüchtig ist, reizen dazu, beim Lesen laut und herzhaft zu lachen.

Aber die Story hat auch eine zweite Ebene, die nachdenklich macht und die in dem Buch humorvoll und ohne erhobenen Zeigefinger beleuchtet wird: Wie viel geben wir eigentlich von uns selber preis? Gerade im internet ist es verführerisch, nur genau die Dinge zu posten, die der andere hören will und / oder die uns selber gut dastehen lassen. Keine Lust mehr auf das Gespräch? Wird es zu peinlich, zu intensiv, zu intim? Kein Problem, gehen wir doch einfach erst mal einfach offline ..

Ob und wie Adam und Keith es schaffen, sich ihre Freundschaft zu bewahren, werde ich hier nicht verraten.
Aber so viel sei gesagt: Deutlich mehr als 5 Punkte und eine Leseempfehlung!!! Das Buch macht richtig Spaß und außerdem Lust darauf, mehr von der Autorin zu entdecken. Ich bin jedenfalls begeistert.


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