Sonntag, 28. September 2014

"Herz gegen Ring" von Blake Heartland


Ein fairer Tausch?
Lukas trägt seit vier Jahren einen schwarzen Carbonring, den er niemals abnimmt. Das geheimnisvolle Schmuckstück scheint eine der wenigen Konstanten in seinem Leben zu sein. Was es aber damit auf sich hat, ahnt außer seinem Cousin und besten Freund niemand.

Blake Heartland hat mit "Herz gegen Ring" eine wunderschöne kleine Side-Story zum „Der Schlummerlandterrorist" hingelegt, in der die "männliche Schlampe" Lukas sich einmal in "Sexabstinenz" versucht. Es dauert allerdings nicht lange, bis es ihn wieder "juckt". Mit Theo und Andy an seiner Seite versucht er, sich ins Nachtleben zu stürzen, OHNE gleich im nächsten Darkroom zu landen. Das ist der Beginn einer für ihn völlig unerwarteten Wendung in seinem Leben.

Diese wunderschöne, kleine Geschichte und der Stil, in dem sie erzählt wird, finde ich persönlich so gut, dass ich sie schon mehrmals gelesen habe. Und jedes Mal bin ich von neuem gerührt, muss ich von neuem schmunzeln und fiebere ich von neuem mit Lukas, ob …

Denkste! ;D Selber lesen!!!

Fazit: Die verdiente Leseempfehlung steht ja oben schon und dazu gibt es von mir 5 Punkte.

P.S.: Mir sind in der Story einige kleine Rechtschreibfehler aufgefallen, allerdings nicht beim ersten Lesen. Da hat mich die tolle Story zu sehr fasziniert. Mein Lesevergnügen haben sie in keiner Weise gemindert und ich freue mich jetzt schon auf mehr Bücher von Blake Heartland.

(Bildquelle: amazon)

Samstag, 20. September 2014

"Der dunkle Kuss der Sterne" von Nina Blazon

Lichter und Schatten

Candas Leben ist vorgezeichnet. Sie wird einmal mit ihrem Geliebten Tian über die Türme der Stadt Ghan herrschen. Aber in der Nacht vor ihrer Hochzeit geschieht etwas Schreckliches: Canda ist plötzlich nicht mehr die Frau, die sie ihr Leben lang war und ihr Verlobter ist verschwunden.
Verraten von ihrer Familie und voller Trauer und Schmerz über den Verlust lässt sich Canda auf einen Bluthandel ein. Mit dem geheimnisvollen Amad macht sie sich auf eine scheinbar aussichtslose Suche.
Aber ihr Weg führt sie zu Orten, die ungesehen bleiben und zu Wahrheiten, die niemand erfahren sollte. Dabei beginnt in der glühenden Wüstensonne etwas zu wachsen, mit dem niemand gerechnet hat. Die Liebe findet immer einen Weg, heißt es. Aber wie verschlungen und schmerzvoll dieser sein kann, müssen Canda und Amad bitter erfahren.

Nina Blazon erzählt in "Der dunkle Kuss der Sterne" ein bittersüßes Märchen von Liebe und Verlust, von Treue und Verrat konsequent aus Candas Sicht. Zusammen mit ihr entdeckt der Leser, was sich hinter dem schönen Schein der Metropole Ghan in Wirklichkeit verbirgt. Wahrheiten können sehr schmerzlich sein und Entscheidungen, werden sie auch aus bestem Wissen und Gewissen getroffen, erweisen sich manchmal im Nachhinein als fatal.

Canda jagt ihrer angeblichen großen Liebe nach und sucht und findet doch im Grunde sich selbst. Ich bin ihr und Amad atemlos auf ihrem Weg durch die Wüstenhitze, über das Meer, schließlich durch Schnee und Hagel und zurück gefolgt. Nina Blazon wunderschöne, bildgewaltige Sprache hat mich in die Geschichte hineingezogen und ein wenig bin ich immer noch traurig, dass das Buch zu Ende ist, und ich wieder im hier und jetzt gelandet bin.

Die Geschichte ist auf jeden Fall auch für Jugendliche und junge Erwachsene geeignet. Aber sie hat einen ganz besonderen Zauber, der sie zeit- und alterslos macht. Sie bleibt im Gedächtnis haften und ist doch eines der Bücher, das man gerne mehr als einmal zur Hand nimmt, zum wieder in die fremde Welt einzutauchen.
Und sie macht nachdenklich: Licht und Schatten kennt jeder. Aber hier sind die Lichter und die Schatten plötzlich lebendiger, als es auf den ersten Blick scheint. Keiner der geschilderten Charaktere ist simpel. Sie sind vielschichtig, sie machen ihre Fehler, haben Schwächen, aber auch Stärken. Das macht sie alle so glaubwürdig und liebenswert, überraschenderweise hat man sogar ein gewisses Verständnis für "die Bösen". Jede Entscheidung legt im Grunde genommen den Weg neu fest ...

Fazit: Mindestens 10 von 5 Punkten. Unbedingt lesen!!!
"Der dunkle Kuss der Sterne" trifft den Leser mitten ins Herz ...
 
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Donnerstag, 11. September 2014

"Briefe von einem Werwolf"


Briefe von einem Werwolf
Ungewöhnliche Liebesbriefe
Marek liebt Kai über alles, aber ist tief davon überzeugt, dass der andere Mann ohne ihn besser dran ist. Denn in seinem Inneren lebt eine wilde Bestie! Marek ist ein Werwolf und sein Wolf hat Kai schon mehr als einmal verletzt. Das muss aufhören! Marek beschließt zu gehen und hinterlässt dem völlig verzweifelten Kai nur einen letzten Brief.
Womit aber keiner der beiden wirklich gerechnet hat, ist der Wolf. Mareks wildes Ich hat einen eigenen Willen und ein starkes Herz voller Sehnsucht.

Coco Zinvas „Briefe von einem Werwolf“ ist eine der wunderbarsten Geschichten, die ich in letzter Zeit genießen durfte. Man liest nicht von der tiefen Liebe und der Verzweiflung der Männer, man empfindet sie wirklich. Genauso spürt man die Gefühle des Wolfes. Er ist ein ganz eigenes Wesen und doch ein untrennbarer Teil von Marek, obwohl dieser ihn am Anfang hasst.
Die Geschichte erzählt also nicht nur davon, ob und wie zwei Männer zueinander finden, sondern es geht auch darum, wie man mit einem Ich leben kann, dass Aspekte hat, die einem nicht auf Anhieb gefallen.

Ob der bittersüße Ausgang der Story ein Happy End ist oder nicht, darüber kann man streiten. Aber Lesen sollte man sie auf jeden Fall! Die „Briefe von einemWerwolf“ gehen sehr zu Herzen.
Fazit: Ich bin völlig begeistert und sehr berührt. 5 Punkte reichen hier nicht!!! Unbedingt lesen.


Julia
Anmerkung: Von Coco Zinva gibt es derzeit noch eine weitere Geschichte, die aber nicht im Gay-Genre angesiedelt ist.
In ihrer Kurzgeschichte "Julia" erzählt sie intensiv und sehr berührend wie die Titelheldin zum Anker in Michas plötzlich sehr eingeschränkter Welt.

Die Geschichte macht nachdenklich. Auch wenn es um eine tiefe Liebe zwischen zwei Menschen geht, so ist die eigentlich interessante Frage die, wie achtsam man eigentlich mit Worten umgeht.
Allzu oft redet jemand daher, ohne zu realisieren, dass das Gegenüber sehr wohl versteht (oder auch nur verstehen könnte (!!!)), was da gerade gesagt wird. Worte können verletzten oder heilen. Worte sind mächtig.

Mich persönlich haben die Worte mitten ins Herz getroffen.
Leseempfehlung? Auf jeden Fall!

Montag, 8. September 2014

"Damals, heute & irgendwo dazwischen" von Melanie Hinz

Damals, heute & irgendwo dazwischen
Traumhaft! 

Als Mia sich von ihrem Mann verabschiedet, weil der für zwei Wochen auf eine Dienstreise muss, ahnt sie noch nicht, dass sich in dieser Zeit ihr ganzes Leben von Grund auf ändern wird. Sie trifft nicht nur ihre alte (und erste) Liebe Joe wieder, sondern findet auch noch etwas Unglaubliches heraus.

Als sie versucht, ihre Verzweiflung und ihren Schock mit Alkohol zu betäuben, wacht sie erstaunlicherweise nicht mit einem Kater auf, sonder träumt einen merkwürdigen realen Traum.

Aber irgendwann ist jede Nacht vorbei und als Mia erwacht, ist ihr klar, dass es wie bisher nicht weitergehen kann. Aber wie kann und wie soll ihr Leben in Zukunft aussehen? Muss sich Mia nicht zuerst einmal selbst finden, bevor sie eine neue (alte?) Beziehung (weiter-)führen kann?

Wenn man alle Romane von Melanie Hinz kennt, kommen einem einige der Motive als dem Buch bekannt vor. Das heißt aber auf gar keinen Fall, dass es nicht spannend und interessant ist!!! Die Autorin hat in meinen Augen eine geradezu magische Gabe, lebendige Charaktere zu erschaffen. Mia, Clara, und wie sie alle heißen, sind nicht perfekt. Sie machen Fehler, müssen damit leben und daraus lernen.

Aber gerade weil sie so real wirken, finde ich ihre Geschichten so spannend. Mia ist für mich nicht nur eine Figur, sie scheint ein richtiger Mensch zu sein.

*Grins* OK. Joe ist ziemlich perfekt und der absolute Traummann. Aber, wie nicht zuletzt dieses Buch beweist, Träume sollte man nicht unterschätzen. Manchmal weisen sie auf etwas hin, dass der Verstand einfach bei Tag nicht wahrhaben will. Also: Ein Hoch auf alle Traummänner!


Übrigens: Ich habe die geschmackvollen, erotischen Szenen in den anderen Büchern von Melanie Hinz sehr gerne gelesen. Hier beschränkt sich die Sinnlichkeit eher auf die spürbare Sehnsucht zwischen Mia und Joe und auf zärtliche, sanfte Berührungen. Explizite Schilderungen gibt es nicht.

Haben sie hier gefehlt? Nein! "Damals, heute & irgendwo dazwischen" (Wie auch alle anderen Bücher vorher!) lebt von seiner wunderbaren Geschichte.

Begeistertes Fazit: Mindestens 5 Punkte, eine Leseempfehlung und die träumerische Hoffnung, dass es eine Fortsetzung gibt.

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Samstag, 6. September 2014

"Pakt der Sehnsucht" von Nalini Singh

Pakt der SehnsuchtSexy Grace und der große, böse Wolf

Ich muss gestehen, ich bin ein Fan von Coop, seit er das erste Mal in der Serie aufgetaucht ist. Eigentlich hatte ich ja auf ein eigenes Buch gehofft, nachdem irgendwo erwähnt wird, dass er um eine Gefährtin wirbt.

Hier wird nun erzählt, wie der knallharte, dominate Cooper sich unsterblich in die scheue, unterwürfige Grace verliebt. Seine Werbung passt zu ihm: Zielstrebig und unerbittlich. Ob ihm bewusst ist, wie wahnsinnig romantisch sie ist?
Grace ist zuerst ziemlich erschrocken darüber, wer sich da für sie interessiert. Als unterwürfige Wölfin ist sie sich unsicher, ob sie einen so starken Partner handeln kann, ohne sich dabei zu verlieren.

Noch nie hat sich Nalini Singh so intensiv mit einem submissiven Rudelmitglied auseinander gesetzt. Hier wird deutlich, was schon oft erwähnt wurde: Unterwürfige Rudelmitglieder sind genauso wichtig wie die dominanten! Sie haben ihre eigenen Stärken, ohne die ein gesundes Rudel nicht existieren kann.

Fazit: Klare 10 Punkte. 5 reichen mal wieder nicht. Für Fans sowieso ein Muss, aber vielleicht auch gut für Leser geeignet, die sich unsicher sind, ob sie eine so umfangreiche Serie anfangen sollen, die (bis auf die Kurzgeschichten) unbedingt in der richtigen Reihenfolge gelesen werden sollte. Da hier aber die komplexe Rahmenhandlung kaum eine Rolle spielt, kann man reinschnuppern, ob einem Stil und die Thematik zusagen. (Vorsicht: Extreme Suchtgefahr !)
Wer Lust auf mehr hat, aber IMMER noch nicht davon überzeugt ist, die ganze Serie kennen zu müssen, sollte wenigsten noch die Geschichte von Zach und Annie Romantic Christmas - Verlockung lesen. Dies Geschichte ist übrigens auch in dem Sammelband Magische Verführung enthalten.

P.S.1: Für die JUNGS: Ihr müsst dieses Buch nicht mögen. Aber ihr solltet es dringend lesen. Eine bessere Kurzanleitung zum Thema "Wie bringe ich (m)eine Frau dazu, sich (immer wieder) in mich zu verlieben" findet ihr nicht. Es muss ja nicht immer das volle Programm sein, und bitte den erwähnten Geiger sparsam einsetzen, aber grundsätzlich ist alles brauchbar. (c;
P.S.2: Für die MÄDELS: Der Fantasy-Anteil ist hier natürlich nicht, dass Cooper ein Gestaltwandler ist. Der Fantasy-Anteil besteht darin, dass es einen so perfekten Mann gibt. Wenn es daheim nicht immer so klappt, nicht sauer sein. Wir erwarten ja auch nicht wirklich, dass die Jungs sich in einem Funkenregen in einen Wolf verwandeln. (c;

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"Im Netz der Sinnlichkeit" von Nalini Singh


Im Netz der SinnlichkeitDie Heilerin und der stille Beschützer
 
Lara, die Heilerin der SnowDancer Wölfe und Walker Lauren, der "große Bruder" von Judd aus Eisige Umarmung, tauchen schon im ersten Buch auf und sind zwei der starken Nebenfiguren, die die Serie von Nalini Singh so faszinierend machen. Nie hat man das Gefühl, sie wären nur Stichwortgeber, sondern sie sind immer real und präsent.

Lara und Walker habe sich im Laufe der Serie ineinander verliebt. Für die kompetente, aber auch sehr gefühlvolle Lara war es nicht einfach, wie schwer es Walker fiel, sich emotional zu öffnen. Obwohl er schon lange nicht mehr im Netz war, hatte Silentium ihn fest im Griff. Diese Kurzgeschichte setzt erst ein, nachdem Lara und Walker schon ein Paar sind.
Die Story passt zu Walker und Lara. Sie erzählt langsam und unspektakulär, aber doch eindringlich, wie beide darum ringen, sich als Paar einen Alltag aufzubauen. Gemeinsam haben sie ihre Liebe zueinander und das starke Bedürfnis, anderen zu helfen, sie zu schützen.

Aber das birgt auch Konfliktpotential: Lara ist ihrem Beruf / ihrer Berufung verpflichtet, für Walker steht an erster Stelle seine Familie, außerdem ist er Ansprechpartner für die Teenager im Rudel. Die Beiden können nicht einfach ihre junge Liebe genießen, sondern müssen auch Rücksicht auf die Ansprüche anderer nehmen.
Außerdem kämpft Walker mit den Dämonen seiner Vergangenheit. Die Abkehr von Silentium erlaubt es ihm zwar endlich zu lieben und glücklich zu sein, aber nun hält auch nichts mehr die Schuldgefühle zurück, die er in sich trägt.

Das die Zwei es schaffen, ihre Probleme zu lösen, ist klar. Das hier ist eine schließlich ein romantischer Fantasy-Roman. Das "Wie" ist aber wunderbar und anrührend zu lesen.

Von mir gibt es mal wieder 10 von 5 Punkten für Nalini Singh und ihre Gestaltwandler. Diese
Geschichte ist leise, nicht spektakulär. Aber gerade das macht sie auch lesenswert.

Fans der Serie werden sie lieben, da es viele kurze Auftritte der bekannten "Helden" gibt. Im Gegensatz zu z.B. Pakt der Sehnsucht ist diese Kurzgeschichte m.M. nach weniger für Neueinsteiger geeignet. Man kann sie natürlich in jedem Fall lesen und verstehen. Richtig zum Genuss wird sie aber mit dem Hintergrundwissen aus der Serie.

Zur Info: Die Story ist auch in dem Buch Geheime Versuchung enthalten.

Dieses Buch um Lara und Walker, der ein stiller Beschützer ist, nimmt einen besonderen Platz in meinem Herzen ein. Er ist Jemand, der sich ruhig und ohne groß darüber zu reden, immer darum bemüht, dass sich jeder wohl gefühlt, auch wenn er selbst dafür zurückstecken muss. Dabei geht nicht darum, es jedem recht zu machen, sondern darum, einem Menschen den Rücken zu stärken, damit er sein Leben leben kann.

"Pfade im Nebel" von Nalini Singh

Pfade im NebelMelancholisch, berührend, zärtlich … einfach wundervoll!

Der Pfeilgardist Vasic sieht sich selbst nicht schon lange nicht mehr als Menschen. Der mechanische Arm, den er trägt, hat damit weniger zu tun, als seine völlig abgetöteten Emotionen. Er atmet zwar, aber er funktioniert wie eine Maschine. Er lebt nicht, er überlebt nur.
Vasic ist sich darüber im Klaren, worauf er zusteuert: einen Totalausfall. Er ist nicht wütend das, was dann geschehen wird: Defekte Maschinen werden ausgemustert, wenn sich eine Reparatur nicht lohnt. Kein Problem für Vasik. Sein Silentium ist von frühester Jugend an mit gnadenloser Härte in ihn hinein trainiert worden. Nur so konnte er all die schrecklichen Dinge ausführen und überleben, die sein Dienst in der Garde von ihm gefordert haben.
Aber dann passiert etwas, was mit dem er nicht gerechnet hat: Er trifft Ivy ...

Ivy Jane ist eines der kleinen, schmutzigen Geheimnisse des Medialnets: Sie ist eine Emphatin, eine sogenannte E. Am Beginn von Siletium versuchte man gnadenlos, diese Kategorie auszurotten, aber dann zeigte sich, dass die Rasse der Medialen ohne die E's nicht überleben kann. Also wurden sie unter strengen Auflagen am Leben gelassen, ihre Fähigkeiten allerdings wurden grausam unterdrückt. Niemand durfte erfahren, warum einige Mediale ihr Silentium unwillkürlich immer wieder brachen. Für fast alle war Rehabilitation die Folge und auch Ivy hat dies einmal erlebt. Es hat sie fast umgebracht.

Nun hat aber im Medialnet eine totale Machtverschiebung stattgefunden. Kaleb Krychek ist Alleinherrscher. Für die Medialen überraschend und ungewohnt erlaubt er es, Probleme offen zu diskutieren.
Auch das Nachdenken, wozu die E's da sein könnten, ist plötzlich erlaubt. Nicht nur er kommt auf den Gedanken, dass sie möglicherweise den schleichenden Verfall des Pys-Net verlangsamen und die furchtbaren Gewaltausbrüche eindämmen könnten.

Also bildet er eine experimentelle Einheit aus E's und Pfeilgardisten. Letztere sollen die Emphaten gleichzeitig schützen und überwachen, da es keinerlei Erfahrungen oder Aufzeichnungen zu ihrer Kategorie gibt.
Aden bestimmt, dass Vasic die Pfeilgardisten anführen soll. Er hofft, dass sein Freund durch die neue Aufgabe ein wenig von seiner Hoffnunglosigkeit verliert.
Also findet sich Vasic unversehens in einem winterlich kalten Obstgarten wieder und trifft dort eine Frau, die zum ersten Mal in seinem Leben seine Gefühle erwachen lässt. Zuerst hat er noch keinen Namen, für das, was da geschieht, aber Vasic ist nicht dumm. Kühl analysiert er seine körperlichen und psychischen Reaktionen und wird sich langsam bewusst, dass er sein Leben zu früh in einem anderen riskanten Experiment weggeworfen hat. Während seine Zeit ihm wie Sand durch die Finger rinnt, beginnt er zu verstehen, was Liebe sein könnte.

Ivy war niemals perfekt im Sinne von Silentium, auch wenn sie nicht ahnt, warum dass so ist. Als sie Vasic zum ersten Mal in seiner Pfeilgardisten-Uniform vor sich stehen sieht, glaubt sie, man hätte dies endgültig erkannt und sie für eine weitere Rehabilitation vorgesehen. Lieber will sie sterben. Aber dann begreift sie, dass die Zukunft begonnen hat, und niemand mehr wegen seiner Gefühle verfolgt wird. Die Erkenntnis, dass sie eine E ist, stellt eine Offenbarung für sie dar. Und der kühle, beherrschte Pfeilgardist, der auf sie aufpassen soll, weckt tief in ihr etwas, dass eine Psy eigentlich nicht fühlen darf ...

Zuerst habe ich gedacht: OK! Das kennst du! Schließlich ist auch Sascha aus dem ersten Band der Serie eine E, die sich ihren Gefühlen stellen muss. Und mit Judd und Kaleb haben zwei wirklich eiskalte Männer gezeigt, wie viel Feuer sie im Herzen tragen können. Aber Nalini Singh hat hier (wieder einmal!) ganz besondere Helden erschaffen, die, wie im richtigen Leben, trotz eines ähnlichen Schicksals eigene Entscheidungen treffen, weil sie wirklich einen eigenen Charakter haben.

Sascha in "Leopardenblut" wollte ihre Gefühle gerne zulassen, lebte aber in der scheinbaren Gewissheit, dass dies ihren Tod bedeuten würde.
Judd war zwar auch Pfeilgardist, hatte aber immer die enge Bindung zu seiner Familie und dann mit Brenna eine Partnerin an seiner Seite, die wusste, dass Gefühle etwas Positives sind.
Kaleb zeigte sich zwar äußerlich ein Leben lang eiskalt, vibrierte aber innerlich vor Zorn darüber, was ihm und Sahara angetan wurde.

Ivy hat, im Gegensatz zu Sascha, klar vor Augen, dass ein Leben mit Gefühlen lebenswert und möglich (!) ist. Sie konnte sich immer auf ihre Familie stützen und kennt natürlich auch Saschas Geschichte.
Vasic dagegen ist wirklich, bis auf die aus gemeinsamem Schmerz geborene Beziehung zu Aden, von frühester Kindheit an alleine gewesen. Er glaubte nie daran, eine Zukunft zu haben oder auch nur eine zu verdienen. Wenn er auf seine Hände schaut, sieht er nur das Blut, dass er vergossen hat, auch wenn das in dem guten Glauben geschah, für eine höhere Sache zu kämpfen.

Ich habe niemals gedacht, dass ausgerechnet Vasics Geschichte so voller bittersüßer Zärtlichkeit sein könnte! Seine totale Hoffnungslosigkeit, der Glaube, dass er rein gar nichts mehr zu verlieren hat, öffnen ihn auf überraschenderweise für seine Gefühle. Er ist doch sowieso verloren, oder? Was soll also noch geschehen?
Sein starker Beschützerinstinkt, den auch die grausame Ausbildung nicht auslöschen konnte, warnt ihn aber davor, sich wirklich an Ivy zu binden. Er glaubt ja, so gut wie tot zu sein und will die Frau, die sein Herz erobert hat, vor dem Schmerz des Verlustes bewahren.

Gut, dass E's so stur sind. Da bildet auch Ivy keine Ausnahme.

Das Buch ist mir (wieder einmal) total unter die Haut gegangen. Vasic kämpft scheinbar auf verlorenem Posten und Ivy will dies einfach nicht wahrhaben. Wo Kaleb's Geschichte vibrierte vor Zorn, da berührt Vasic 's auf einer ganz anderen Ebene. Winzige, federleichte Berührungen zwischen ihm und Ivy sind so wunderbar geschildert, dass sie mitten ins Herz treffen. Es gibt Szenen, in denen der scheinbar so eiskalte Mann, der von sich selber sagt: "Der Tag, an dem ich fühle, ist der Tag an dem ich sterbe!" durch kleine, und doch so bedeutsame Gesten zeigt, dass sein Herz eben nicht nur ein Muskel ist.

Auch wenn Nalini Singh mit mittlerweile bekannten Motiven arbeitet, stellt sich auch nach 13 Bänden in der Serie stellt sich keinerlei Ermüdung ein. Im Gegenteil! "Pfade im Nebel" ist schon wieder ein Highlight in der ohnehin grandiosen Reihe.

Fazit:

Leseempfehlung? Welche Frage!!! Natürlich unbedingt lesen!!!

Bewertung? Keine Ahnung! Wenn 5 Punkte bedeutet "Gefällt mir sehr!", muss ich erheblich mehr geben. Das Buch ist wunderbar, zärtlich, spannend, erotisch, berührend, mitreißend, einzigartig, ... Kurz gesagt: Für mich sprengt es die Bewertungsskala bei Weitem.

P.S.1: Für Neueinsteiger: Ich habe lange überlegt, ob dieses Buch evtl. für Neueinsteiger geeignet ist, da es das erste ist, dass nach dem "großen Knall“ spielt. Ich denke aber, dass viele interessante Nebenstränge und Bemerkungen fast unverständlich sind, wenn man die Vorgeschichte nicht kennt. Darunter leidet weniger das Verständnis dieses Buches, als dass einem eine riesiger Teil des möglichen "Gesamtgenusses" entgeht. Man sollte sich von der Anzahl der Bücher nicht abschrecken lassen! Die Serie macht einfach süchtig und ist wunderschön zu lesen. Bei Nalini Singh gibt es übrigens keine Zufälle! Scheinbar belanglose Randbemerkungen aus den ersten Bänden werden wieder aufgegriffen, Nebenpersonen erhalten ihre eigenen Geschichten und mit kleinen Szenen bleiben auch die Helden aus den ersten Bänden wirklich lebendig.

P.S. 2: Für Fans: Natürlich wird auch hier die spannende Rahmenhandlung weiter voran getrieben. Man trifft, einige der liebgewonnen Charaktere aus den vorangegangenen Bänden. Mein persönlicher Favorit Judd hat einige sehr starke Szenen, aber auch von Kaleb und Sahara erfährt man eine Menge. Besonders schön ist es dabei mit zu erleben, wie die Beiden als Paar funktionieren, nachdem nun allmählich der Alltag einkehrt, und wie Kaleb mit seiner neuen All-Macht über das Medialnet umgeht.

P.S. 3: Für die Hard-Core-Fans: Ich habe das Buch schon auf Englisch gelesen, die deutsche Übersetzung aber wie immer sehnsüchtig erwartet. Das ich wieder restlos begeistert bin brauche ich nach der Rezi wohl nicht extra zu betonen. Ich hatte aber diesmal ein wenig Sorge, weil statt Nora Lachmann, die die wunderbare Sprache der Autorin in meinen Augen immer genau getroffen hat, nun mit Patricia Woitynek eine neue Übersetzerin verantwortlich ist. Die Ausdrucksweise hat sich meiner Meinung nach auch etwas verändert. Sie ist schon ein wenig anders geworden aber, man gewöhnt sich daran.
Beim allerersten Satz habe ich allerdings dann doch gezuckt: Niemand (!!!) hatte je die "Wahl“, Pfeilgardist zu werden. Diese Entscheidung haben andere getroffen und mit unnachgiebiger Härte von diesen durchgesetzt. Tatsächlich hat der Satz in der Originalausgabe eine etwas andere Aussage. Diese Feinheiten fallen einem auf, wenn man die gesamte Serie in- und auswendig kennt, hätten aber eigentlich auch schon nach dem Lesen gerade dieses Buches klar sein können.

Es gibt mindestens zwei weitere sachliche Fehler, bei denen ich mich etwas geärgert habe. Das tut aber dem Gesamtgenuss keinen Abbruch. Das Buch ist einfach wahnsinnig gut. und macht Lust auf mehr. Ich kann es jetzt schon kaum erwarten, wie die Geschichte weiter geht und wer wohl der Held / die Heldin des nächsten Buches sein wird.

Bildquelle: amazon