Samstag, 29. November 2014

"Der Weihnachtssheriff" von Norma Banzi



Lebendig und liebevoll erzählt

Steve braucht nach einem Infarkt dringend eine Auszeit von New York und kauft in einer sehr ländlichen Gegend ein Haus am See. Bei seinem ersten Besuch landet er gleich im Graben und wird von der örtlichen Polizei „gerettet“.
Irritiert stellt Steve fest, dass der Sherif ein Weihnachtsmann-Kostüm trägt und dass ihn dies ziemlich heiß macht. Gott sei Dank ist Mason nicht sauer, sondern zuerst ein wenig amüsiert dann deutlich interessiert …
Aber kann das gut gehen? Ein typischer New Yorker Broker und eine heimatverbundener Kleinstadtsheriff?

Die Geschichte ist typisch für Norma Banzi: „
Der Weihnachtssheriff“ erzählt zwar in sich abgeschlossen, wie sie Steve und Mason Kennenlernen, miteinander Weihnachten feiern und vielleicht sogar mehr als eine Affäre gefunden haben, aber Teil der Story ist auch die Kleinstadt „Lake Beautown“ mit ihren eigenwilligen Bewohnern.

Bei Norma Banzi habe ich immer das Gefühl, dass die Figuren sehr echt sind. Egal, ob sie eine Haupt- oder Nebenrolle spielen, sie sind nie nur Stichwortgeber, sondern scheinen jeder eine ganz eigene Geschichte zu haben. Am liebsten würde ich gemütlich durch die Stadt spazieren und hier und da ein Schwätzchen mit ihren Bewohnern halten. Ein klein wenig wird sich mein Wunsch wohl erfüllen, weil weitere Bücher geplant sind, die dann in der „Lake Beautown“-Reihe veröffentlicht werden. Den Anfang machen übrigens Jeff und Ken, die beiden Surfer, die man schon aus "
Sonne, Strand, Cocktails und zwei knallharte Seals" kennt. Auf die Geschichte der beiden freue ich mich jetzt schon.

Übrigens habe ich ziemlich am Anfang von „
Der Weihnachtssheriff“ einmal gedacht: „Wow! Das ging jetzt aber sehr schnell …!“
Entsprechend ist das „erste Mal“ von Steve und Mason nicht besonders romantisch, aber doch der Anfang von etwas Besonderem. Norma Banzis Helden sind Menschen, die mitten im Leben stehen. Sie sehnen sich nach Liebe und Partnerschaft, aber sie haben auch ihre Verpflichtungen, ihre Familien und ihre Vergangenheit, die sie geprägt hat. Sie handeln nicht immer „politisch korrekt“ und nicht jedes Detail ihres Lebens wird in der Story ausgeleuchtet, man erfährt aber genug, um voller Spannung zu verfolgen, ob und wie die Männer ihr Glück finden.
Die Autorin schafft (zumindest für meinen Geschmack) immer wieder die Gradwanderung, eine Geschichte zwar rund zu machen und den Leser mit dem Gefühl eines Happy Ends zurückzulassen, gleichzeitig aber zu verdeutlichen, dass für die Helden nun nicht „das Licht ausgeht“, sondern sie ihr Leben weiter leben.
Ich freue mich jedes Mal, wenn ich in einer der Storys einen alten Bekannten wiedertreffe und so eine weiter kleine Episode aus dessen Leben kennenlernen darf.

Von mir erhält die Geschichte 5 glänzende Sheriffsterne. Empfehlung: Der Leser sollte von seinem Recht zu Schweigen Gebrauch machen und die vergnügliche Story rasch selber lesen. Das Recht auf einen Anwalt gibt es, er wird aber nicht nötig sein …


Bisher erschienen in der Lake Beatown - Reihe:
1. Teil: Der Weihnachtssheriff
2. Teil: 
Der Sexgott am falschen Ort

Link zur Homepage: Norma Banzi 


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Montag, 24. November 2014

"Sehnsucht des Augenblicks" von Nalini Singh


Augenblicke voller Zärtlichkeit!

Mit "Sehnsucht des Augenblicks" schenkt Nalini Singh ihren Lesern eine kleine Sammlung voller zärtlicher One-Shots. Die Szenen gehören zum Teil in die Gestaltwandler-Serie, zum Teil stammen sie aus "Gilde der Jäger".
Aufmerksame Fans werden einige der kleinen Storys auf Englisch schon kennen, da sie auf Nalini Singhs Homepage zu lesen waren, aber jede ist es wert noch (mindestens !!!) einmal auf Deutsch gelesen zu werden.

Ich bin wieder mal hin und weg: So unterschiedlich die kurzen Geschichten auch sind, jede für sich erzählt sehr berührend von der Liebe, die die Protagonisten füreinander empfinden. Dabei ist durchaus nicht nur das Gefühl zwischen den jeweiligen Paaren gemeint. Die Freundschaft und das Gefühl für Familie nehmen einen ebenso großen Raum ein.

Ein tolles Beispiel dafür ist gleich die erste Story: In "Weihnachten in der Küche" treffen sich gleich acht Personen und es ist wunderbar zu lesen, wie sie miteinander umgehen, sich liebevoll necken und Spaß miteinander haben. Einfach zum Träumen schön …

Cooper (einer meiner persönlichen Lieblinge) und Grace aus "Pakt der Sehnsucht" erhalten einen Bonus Epilog der … einfach heiß ist. Ich lache immer noch, weil ausgerechnet der knallharte Coop wieder einmal verboten romantisch agiert.

Einfach süß ist die Geschichte "Hoher Besuch für Naya" um die kleine Tochter von Lucas und Sasha, die Besuch von den Katastrophen-Zwillingen Roman und Julian erhält.

Dass meine absolute Lieblingsgeschichte eine gestrichene Szene ist, muss wohl daran liegen, dass sie von Judd und Brenna handelt. Der Mann aus Eis und seine Wolfsgefährtin, die ihn immer wieder zum Schmelzen bringt, sind für mich einfach das tollste Paar der Serie und ich freue mich über jeden, noch so winzigen Happen von den beiden.Ihre komplette Geschichte findet man in "Eisige Umarmung".

Fazit: Mindesten 10 von 5 Punkten und eine Leseempfehlung! Diese wunderbaren kleinen Szenen versüßen das Warten aufs nächste Buch und machen Lust wieder einmal in den schon erschienen Bänden der Serien herum zu schmökern.
Für Fans in meinen Augen ein Muss!
Neueinsteiger werden nicht ganz so viel Spaß an den Storys haben, auch wenn man sie wahrscheinlich auch für sich verstehen kann. Sie enthalten teilweise Spoiler. Wer davor keine Angst hat, sollte aber reinschauen, weil sie einen wunderbaren Einblick in den großartigen Schreibstil und die tolle, lebhafte Erzählweise der Autorin bieten.

P.S.: In meiner Begeisterung habe ich etwas vergessen! Es gibt einen winzigen Kritikpunkt! Leider konnte ich kein Inhaltsverzeichnis einsehen und habe mich die ganze Zeit auf eine richtig lange Story am Schluss gefreut. (Sieht man am kindle ja unten in der Leiste ...). Das war aber dann nix! Die letzten 20% des Textes sind eine Leseprobe für "Wolf Shadow - Dunkles Verlangen" von Eileen Wilks.
Ich hätte natürlich viel lieber noch etwas von meiner Lieblingsautorin gelesen ...

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Sonntag, 23. November 2014

"Baby Boy"



Oh weia …

Ich gebe zu: Schon der Untertitel ("Ein homosexuell erotische Romantik" (!!!) oder auch "Deutsche Sprache = Schwere Sprache") hätte mich warnen können. Aber ich war neugierig und der Nachmittag was verregnet …

Justin ist vom Land (Das muss in Amerika echt völlig hinter dem Mond liegen!) und kommt in die große Stadt. Er ist jung und braucht Geld, traut sich aber noch nicht einmal vor die Tür, um sich einen Job zu suchen.
Seine einzige Ablenkung ist das Gestöhne aus der Nachbarwohnung. (Lautmalerisch geschickt mit unzähligen Ahhhhs, Arghs und Aghs in Szene gesetzt!). Als er seinen (natürlich jungen und attraktiven) Nachbarn kennen lernt, macht der ihm einen überraschenden Vorschlag.

OK. Der Vorschlag ist jetzt nicht wirklich überraschend, wenn man den Klappentext gelesen hat. Verblüffend ist allerdings, wie wenige Worte man doch braucht, um diese sogenanntes Buch zu schreiben. Damit meine ich hier gar nicht die Anzahl, sondern den relativ beschränkten Wortschatz, der benutzt worden ist.


Kleines Beispiel gefällig:
Zitat: ... "Schrei!", schrie die ältere Stimme, ehe die jüngere Stimmer lauter stöhnte. "Schrei!" sagte die ältere Stimme … Zitatende

Meine Stimmung hat das ewige Geschrei und Gestöhne der verschiedenen Stimmen jedenfalls empfindlich gestört.
Kann sein, dass die Story als Filmchen oder Comic funktioniert, aber als Buch? Tut mir leid, aber ein Mindestmaß an wohlgewählten Worten ist bei einem Roman (!) schon notwendig.

Die Geschichte gefällt mir nicht, also 2 Punkte.
Leseempfehlung? Echt jetzt?
(Arghhhhh, schrie die innere Stimme und stöhnte laut.)

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Anmerkung: Das Buch gibt es in gefühlt 25 Varianten zu kaufen. Die Rezi gilt eigentlich für jede davon.

"Arabian Nights" von Luca B. Seeger




Bäumchen, wechsel dich!

Zuerst einmal das Positive: Luca B. Seger kann schreiben, und zwar richtig gut!

"Arabian Nights" ist allerdings keine erotische Romanze. Wenn auf 59 Seiten vier Männer und eine Frau in wechselndes Konstellationen ihr "Vergnügen" miteinander haben, bleibt SEHR wenig Raum für Rahmenhandlung oder gar eine Charakterzeichnung. Für solche Bücher gibt es ein Wort: Po***.

Dagegen habe ich gar nichts, wieso auch? Hin und wieder lese ich das sogar ganz gerne.

Was mich aber hier richtig sauer gemacht hat, war Folgendes: Gerade weil Luca B. Seger so gut mit Worten umgehen kann, merkt man fast gar nicht, was einem da präsentiert wird, und was in dieser Form für mich persönlich ein No-Go ist:
Mit leichter Hand wird ausführlich geschildert, das für beide Seiten erfüllender Sex statt findet. Ist doch toll, oder? Aber wenn man genauer hinschaut, findet man mehr als nur eine Vergewaltigung, eine Entführung, Erpressung, sexuelle Belästigung von Abhängigen und (das setzt dem ganzen die Krone auf) Kindesmissbrauch.
(Zitat: " ... Von klein auf hatte er das getan. Abbas hatte ihm schon früh gezeigt, wo sein Platz war, nämlich unter ihm und das nicht nur in übertragenem Sinne ...").

Das sich nach diesen Übergriffen alle völlig befriedigt fühlen und "mehr" wollen, ist schon fast perfide. Das ist ein Schlag ins Gesicht jeder Person, die "nein" gesagt hat oder sich, wie der junge Diener Djadi (Wie alt ist der eigentlich?), das noch nicht einmal getraut hat und trotzdem gegen den eigenen Willen benutzt wurde.

Von Luca B. Seger / Alegra *** möchte ich eigentlich gerne noch mehr lesen. Aber solange in den Büchern sexueller Missbrauch als normal und sogar erfüllend dargestellt wird, werde ich die Finger davon lassen. Das kann und will ich nicht akzeptieren.

Diese Story bekommt von mir ganz knappe 2 Punkte. Keine Empfehlung!!!

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"Alien Breed 3.2 Player" von Melody Adams

 Der Psychopath und die Psychiaterin

Player ist isoliert von den anderen Alien Breed aufgewachsen und seine „Mutter“ hat ihn zu einem sadistischen Psychopathen gemacht. Heute versteht er, dass seine Taten unverzeihlich waren, auch wenn er es früher nicht besser wusste.

Freiwillig will er sich einer Therapie unterziehen und lernt so Holly Westham kennen. Obwohl es nicht sein darf, fühlt sich die Psychiaterin von ihrem Patienten angezogen.

Normalerweise halte ich mich mit schlechten Rezensionen zurück, weil ich denke: „Dieses Buch ist nicht für mich geschrieben!“. Hier schreibe ich trotzdem mal eine, weil ich mich richtig geärgert habe. Kann sein, dass ich weiter unten SPOILERe, deshalb die Bewertung vorweg:

Von mir gibt es maximal ganz knappe 2 Punkte. Die Geschichte gefällt mir nicht und eine Leseempfehlung gebe ich hier auf gar keinen Fall. (Ich stehe übrigens mit meiner Meinung ziemlich alleine da. Aktuell hat das Buch sechs begeisterte 5 Sterne Rezis bei einem großen online-Händler, meine Einzelmeinung hängt in der Warteschleife fest ...)

Wen es interessiert, warum ich nach der Lektüre so sauer war, findet die Erklärungen hier:


Zuerst einmal das: Die Story „Bad Boy mit gequälter Seele, der endlich eine Frau findet, die ihn versteht“ hat natürlich immer wieder einen großen Reiz. Sie hat ihn auch auf mich, sonst hätte ich dieses Buch nicht gekauft und gelesen. Auch die Idee um die „Alien Breeds“ finde ich interessant und damit fällt die Story genau in mein Beuteschema.

Player“ ist nicht die erste Geschichte der Serie, die ich gelesen habe, jedes Mal wieder in der Hoffnung, dass die tollen Ansätze und Ideen endlich in GENAU DIESEM Band zu einem richtig guten Buch werden. Aber „Player“ ist definitiv mein letzter Versuch, mich mit der Serie anzufreunden. Mir reicht es jetzt.

Schon von Anfang an hatte ich das Gefühl, dass sich Melody Adams von einigen amerikanischen Serien, speziell von einer, hat inspirieren lassen. (Wer in diesem Genre liest, wird die Parallelen der Hintergrundgeschichte, der Namensgebung der Breeds und ihrer Organisation und mancher Nebenfiguren erkennen). Aber OK. Inspiration ist erlaubt und muss nicht schlecht sein. Die Autorin sagt ja schließlich von sich selbst, dass sie schreibt, was sie gerne liest.

„Player“ ist mir aber richtig übel aufgestoßen, weil von einer sinnvollen Geschichte fast nichts mehr übrig war. Die Story ist völlig flach, in sich voller Widersprüche und scheint nur dazu zu dienen, Player und Holly in Situationen zu bringen, in denen sie es miteinander … können. Die Techniken werden dann ziemlich ausführlich geschildert. Erotisch ist das leider nicht wirklich, weil die Charaktere so wenig überzeugen und damit auch nicht nahe gehen.

Player ist ein völlig gestörter Charakter. Das erkennt er selber und unterzieht sich freiwillig (!) einer Therapie. Dann arbeitet er allerdings sehr lange nicht mal für 50 Cent daran mit. Wächter (nicht etwas Krankenpfleger) begleiten ihn immer zurück aus den Therapiesitzungen in sein Zimmer. Die braucht man eigentlich aber nicht, weil er sowieso völlig problemlos das Fenster im vierten Stock öffnen und herausklettern kann. Ich rege mich hier nicht über den 4. Stock und seine Fähigkeiten auf, sondern über den Widerspruch in der Situation und dem Setting. Ist das jetzt eine geschlossene Abteilung mit offenen Fenstern, oder wie? Die sehen in der Realität aus gutem Grund ganz deutlich anders aus …

Egal. In der Anstalt / dem Krankenhaus werden schließlich nicht nur die Fenster und die meisten Türen offen gelassen, auch die Personalakten sind für jeden zufällig vorbeischneienden interessierten Mitbürger völlig frei zugänglich. Datenschutz? Nie gehört …

Genau so ein wandelnder Widerspruch in sich ist Holly. Von der Verletzung sämtlicher ethischer Grundsätze rede ich mal gar nicht. Das ist Bestandteil dieser Geschichte und dass das kommen würde, wusste man schon nach der Lektüre des Klappentextes. Aber das eine Psychiaterin, die sich von Berufswegen den ganzen Tag damit beschäftigt, warum Menschen bestimmte Verhaltensweisen an den Tag legen, ihre eigenen Handlungen nicht ein einziges Mal hinterfragt oder gar reflektiert, dass kommt mir einfach total unwahrscheinlich vor. Holly ist als Figur in sich nicht schlüssig und wirkt deshalb total eindimensional, platt, flach … (Ich könnte das noch fortführen, aber ich glaube man versteht, was ich sagen will).

Die gute Frau lässt es nicht nur zu, dass die Grenze zwischen Arzt und Patienten von Player überschritten wird, sie entdeckt dabei auch noch ganz plötzlich und unerwartet ihre devoten Neigungen und ihre Lust am Schmerz. Das der erste Akt keine Vergewaltigung ist, kommt nur daher, dass sie sich in Player bereits verliebt hat. Sie selber ist sich darüber im Klaren, dass er nicht aufhören wird, egal was sie sagt oder macht. Ich fand es sehr schwer vorstellbar, dass sie eigentlich keinen Moment Angst hat, bzw. dieser sehr schnell vom Verlangen überlagert wird.
Das ist danach übrigens kaum anders.

Player und Holly lösen seine (nicht ihre, sie hat keine …) Probleme mit Sex. Mehr passiert in der Geschichte nicht. Entwicklungen der Hauptpersonen? Fehlanzeige!

Das finde ich richtig schade. Ich habe mir von der spannenden Grundidee eine ganze Menge versprochen und die expliziten Schilderungen wären doppelt so heiß, wenn Charaktere ein wenig glaubwürdiger wären. Dann würde man nämlich so richtig mit ihnen leiden und lieben.

Der Schluss der Story bringt mich schon fast wieder in Versuchung. „Beast“ wird vorgestellt. Aber ich werde mir fest auf die Finger hauen, bevor ich die nächste Geschichte kaufe.

Was die Serie in meinen Augen wirklich dringend braucht, ist ein gutes Korrektorat, das die interessanten Ideen würdigt und die logischen Fehler aufdeckt. Wenn es dann auch noch dafür sorgt, dass die Charaktere der Alien Breed und ihrer Frauen auch ein wenig an Tiefe gewinnen, wäre das nicht richtig klasse. Dann bin auch ich wieder dabei.

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"Zuckerstangen und Herzchenwaffeln" von Coco Zinva


Zuckersüß und herzig

Chris hat sich mit seiner Familie überworfen und beschließt aus der Not eine Tugend zu machen: Wenn schon kein richtiges Weihnachtsfest, dann gar keines und zur Rechtfertigung wird gleich noch der innere Grinch von der Leine gelassen.

Aber sein einsames Schmollen findet ein abruptes Ende, als mitten in einem Schneesturm Anton, bunt und glitzernd wie eine Christbaumkugel, vor der Tür seiner eigens angemieteten einsamen Hütte steht.

Chris WILL Anton nicht mögen. Aber wieso denkt er dauernd an zuckersüße Weihnachtsnaschereien, wenn er den anderen Mann sieht? Und irgendwie hat Anton ihn auch völlig überrumpelt mit diesem Angebot, doch einfach mit seiner Familie Weihnachten zu feiern. Schließlich mag er das Fest gar nicht. Aber Anton, der ist schon irgendwie niedlich …

Leider macht Chris einen ganz entscheidenden Fehler und muss sich dann überlegen, was ihm Anton wirklich bedeutet und wie er es schafft …

*grins*

Ein paar kleine, weihnachtliche Geheimnisse sollte jeder beim Lesen der Geschichte „Zuckerstangen und Herzchenwaffeln“ von Coco Zinva schon noch selber entschlüsseln.

Der quitschige Anton und der eher mundfaule, nörgelige Chris sind ein tolles Gespann. Die Dynamik zwischen den beiden macht richtig Spaß und das Buch ist zwar um Weihnachten herum angesiedelt, es ist aber so humor- und gefühlvoll geschrieben, dass es zu jeder Jahreszeit genießen kann.

Von mir gibt es hier 5 gutgelaunte Weihnachtssterne und eine zuckersüße Leseempfehlung. Was es mit den Herzchenwaffeln auf sich hat, findet man dann heraus.

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Anmerkung: Jede Geschichte, die ich bisher von Coco Zinva gelesen habe, war auf ihre Weise besonders, hat mich tief berührt und sich in mein Gedächtnis eingegraben.
Sie schafft einzigartige Charaktere, die oft gebrochen sind und trotzdem weiter kämpfen.

Das ist bei "Zuckerstangen und Herzchenwaffeln" zwar auch ein kleines bisschen der Fall, aber diese Geschichte besticht am meisten durch ihren feinen Humor und eine gewisse weihnachtliche Leichtigkeit.






"Du weißt es nur noch nicht" von T.A.Wegberg


"Der Tag an dem ich meine Familie zu zerstören begann, war ein Mittwoch“

So lautet der erste Satz einer sehr ungewöhnlichen Geschichte, die sich jeder Kategorie entzieht, schwer zu beschreiben, doch unheimlich spannend zu lesen ist.

Ich habe eine Romanze erwartet, weil das Buch in einer Vorschlagsliste zwischen anderen genau dieses Genres aufgeführt war. Es beinhaltet zwar auch eine Liebesgeschichte, das Kernthema ist aber eigentlich ein anderes.
Jesper wird mit Vierzehn von Entführern brutal aus seinem gewohnten Leben gerissen und für vier Wochen gefangen gehalten. Er wird, bis auf einige wenige Übergriffe, nicht körperlich misshandelt, aber das Kidnapping und die Zeit, die er völlig isoliert in einem Raum verbringt, hinterlassen tiefe Spuren. Irgendwann darf Jesper gehen, aber er ist niemals wieder frei.
Die Entführung und deren Folgen lassen ihn nie mehr los. Auch noch zehn Jahre später bestimmt das erlittene Trauma sein Leben. Er hat eine Angststörung entwickelt, die es ihm fast unmöglich macht, seinen Alltag zu bewältigen. Selbst Einkaufen oder Arztbesuche sind eine grausame Prüfung. Soziale Kontakte hat er überhaupt keine, weil er einfach nicht mehr weiß, wie er auf einen Menschen zugehen soll oder auch nur, wie er normale Reaktionen werten soll. Panikattacken und Flash-Backs überfallen ihn immer wieder.
Als es plötzlich an seiner Tür schellt, kann er nicht ahnen, dass sich sein Leben grundlegend ändern wird. Seine neuen Nachbarn stellen sich vor und reißen ihn aus seiner einsamen Routine heraus. Nicolai und Lydia nehmen ihn, wie er ist, beziehen ihn in ihr Leben mit ein und scheinen ihn wirklich zu mögen. Jesper schöpft Hoffnung.
Doch immer wieder geschehen kleine, irritierende Dinge, die ihn an seinem Verstand zweifeln lassen. Kann er Nicolai und Lydia wirklich trauen?

Die Geschichte von Jesper hat mich von der ersten Seite an völlig in ihren Bann gezogen. Aus der Ich-Perspektive heraus schildert er abwechselnd, was ihm als Kind passiert ist und wie sich sein Leben im Heute abspielt. Jesper erzählt erstaunlich gelassen und die Ereignisse rund um seine Entführung mit dem Abstand, den zehn Jahre mit sich bringen. Aber vielleicht gerade deshalb gehen seine Worte tief unter die Haut. Er wirkt an keiner Stelle unglaubwürdig, lächerlich oder um Mitleid heischend, ganz so, als wolle er es dem Leser selbst überlassen, sich ein Bild zu machen. Seinem eigenen Urteil traut Jesper schon lange nicht mehr und ist immer völlig überrascht, wenn ihn jemand erst nimmt oder sogar sympathisch findet.
So entwickelt sich nach und nach das Bild eines jungen Mannes, der unverschuldet in einen dunklen Abgrund gefallen ist und aus eigener Kraft einfach nicht mehr daraus hervor kommt. An keiner Stelle wirken Jespers Ängste oder sein zwanghaftes Verhalten für den Leser befremdlich. Man wünscht dem jungen Mann einfach nur, dass er ein wenig Glück findet.
Ich konnte mich keine Sekunde von dem Buch lösen, bis ich erfahren habe, ob und wie er es schafft, sich aus den Schatten seiner Vergangenheit zu lösen. Eine echte Romanze ist das Buch nicht. Vielleicht kann man es als eine Mischung aus Liebesgeschichte, Drama und spannendem Pyscho-Thriller beschreiben.

Fazit: Von mir erhält "Du weißt es nur noch nicht" mindestens 5 Punkte und eine Leseempfehlung.

Das war meine erste Geschichte von T.A. Wegberg. Seine Veröffentlichungen fallen eigentlich nicht in mein Beuteschema, wenn ich mir die Klappentexte so anschaue. Allerdings hat mich die sensible und doch angenehm sachliche Auseinandersetzung mit dem Thema „Sozialphobie“ so fasziniert, dass ich wohl auch die andern Bücher nach und nach lesen werde. Daraus eine spannende Geschichte mit sympathischen Helden zu machen, empfinde ich als echte Meisterleistung. Respekt!


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Samstag, 22. November 2014

"Salzig wie das Meer" von Coco Zinva


Intensiv und berührend
Salzig wie das Meer“ von Coco Zinva erzählt die Geschichte zweier Männer die gemeinsam die Hölle erleben. Sie werden befreit, aber sie nehmen das Furchtbare, was ihnen passiert ist mit in die Freiheit …
Fazit: Mehr als 5 Sterne und eine Leseempfehlung. Auf keinen Fall verpassen!

Achtung: Die folgende Rezi kann SPOILER enthalten, weil die Story sehr kurz ist!

Ich habe die „Salzig wie das Meer“ jetzt schon mehrfach gelesen und bin jedes Mal wieder tief berührt von dem Schicksal der beiden Männer und völlig fasziniert, wie es einer Autorin gelingt, mich in der Kurzgeschichte (die genauer betrachtet nur ein One-Shot ist) so zu „packen“.

Coco Zinva verzichtet auf einen ausführlichen Hintergrund oder Details. Man erfährt eigentlich gar nicht, was den beiden Männern passiert und warum sie gefangen gehalten werden. Aber das Grauen in der kalten Zelle, ihre Angst und ihre Liebe zueinander sind mit jedem Wort spürbar. Unwillkürlich malt man sich als Leser sein eigenes Horrorszenario davon, was geschieht, wenn einer der beiden vom anderen weggezerrt wird.

Die Befreiung kommt unerwartet. Aber danach ist noch lange nicht alles „gut“. Jonahs und Lucas Körper sind nicht mehr gefangen, aber sie sind gezeichnet. Ihr Geist traut dem Frieden noch lange nicht und viele ihrer Reaktionen sind nicht logisch, sondern entstehen als blinder Reflex, geboren aus ihrem Trauma.
Wie sie trotzdem zusammen ein klein wenig Glück finden, ist einfach nur wunderschön zu lesen. Davon kann man (ich!) nicht genug bekommen.

Ich habe vor einiger Zeit bei einer ähnlich intensiv geschriebenen Kurzgeschichte einer anderen Autorin behauptet: „Mehr davon will ich nicht lesen!“ Ich konnte mir einfach nicht vorstellen, dass man ein so hohes Niveau und eine solche Intensität über einen längeren Zeitraum halten kann.

„Man“ vielleicht nicht, ein guter Autor aber schon, das weiß ich inzwischen.
Coco Zinva ist in meinen Augen ebenfalls eine großartige Autorin, die mich mit jeder Veröffentlichung mehr begeistert. Deshalb (und nur deshalb) hoffe ich, dass ich irgendwann einmal die „ganze Geschichte“ von Jonah und Luca lesen darf. Bis dahin gebe ich mich damit zufrieden, die bereits erschienen Bücher mehrmals zu genießen.


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Hier der link zu Blog der Autorin!

Donnerstag, 20. November 2014

"(h)Eiskalt erwischt" von Mathilda Grace


„Geht Cola aus Armani wieder raus?“

Eigentlich ist Tim weder besonders dumm, noch besonders ungeschickt. Aber ausgerechnet in Anwesenheit seines neuen Chefs passiert ihm ein peinliches Unglück nach dem anderen. Doch lernt der Kerl daraus? Nein! Michael scheint auch noch die Nähe des Unglücksraben zu suchen und fordert damit neue Katastrophen geradezu heraus …

Auch "(h)Eiskalt erwischt", der dritte Teil der „Nachbar für's Herz“-Reihe von Mathilda Grace, ist einfach umwerfend komisch. Man lacht und leidet mit Tim, wenn der völlig verzweifelt versucht, neuen Missgeschicken aus dem Weg zu gehen und doch immer wieder nur ins nächste Fettnäpfchen tritt.
Ob Cola und gut oder schlecht aus einem Armani-Anzug herausgeht, wird in der Geschichte nicht abschließend geklärt. Es ist aber auch im Grunde egal. Diese Story ist einfach klasse erzählt, total witzig und wieder einmal verliert nicht nur der Nachbar sein Herz, sondern vor allem auch der Leser.

Fazit: Ich bin jedenfalls hin und weg, geben immer noch grinsend mindestens 5 Punkte und eine gut gelaunte Leseempfehlung.

Wer die anderen „Nachbarn fürs Herz“ noch nicht kennt, kann sie hier treffen:
1. „Stachlige Schönheit (Nachbar fürs Herz 1)“ (Immer noch eine meiner absoluten Lieblingsgeschichten)
2. „Durchblick gesucht (Nachbar fürs Herz 2)“ (Überraschend anders, als man es erwartet …)

Übrigens: Aus Jeans und T-Shirts geht Cola problemlos raus. Kaffee auch. Vielleicht sollte Tim Michael einfach zu lässigere Kleidung überreden. Zur Sicherheit wäre es auch nicht schlecht, wenn er seine private Haftpflicht dezent aufstocken würde …
Ich persönlich rate davon ab, während der Lektüre der Geschichte Cola oder Kaffee zu konsumieren. Es könnte passieren, dass man das Getränk vor Lachen über den Tisch … naja, den Rest kann man sich denken!


Homepage der Autorin: Mathilda Grace

Haben wollen? 
 Hier kann man die „Nachbar fürs Herz“-Bücher von Mathilda Grace kaufen: 
Stachlige Schönheit
Durchblick gesucht
(h)Eiskalt erwischt
Spiel auf Risiko

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"3517 Anno Domini: Wir waren Götter" von Raik Thorstad



Wuchtiges Epos

Ragnar ist der einzige Sohn eines gottgleichen Herrschers. Sein Leben ist voller Luxus und voller Langeweile, weil sein Vater ihn von allen Staatsangelegenheiten fern hält, obwohl er doch der Thronfolger ist.
Dann bekommt er einen sogenannten „Lustdiener“ geschenkt. Die sind selten und kostbar, weil sie kerngesund sein müssen und mühsam modifiziert werden, um ihre Lebensspanne der ihrer Besitzer anzugleichen. Ragnar freut sich unglaublich darauf, einen „eigenen“ Mann zu besitzen, der ihm Gesellschaft leistet und außerdem für seine Befriedigung zuständig ist. Sex mit Fremden ist nämlich wegen der überall kursierenden Seuchen ein unkalkulierbares Risiko.
Aber Aiden reagiert ganz anders, als Ragnar es erwartet hat. So sehr er den Luxus und die medizinische Versorgung auch zu schätzen weiß, die mit seinem neuen Status einhergehen, so kann er doch nicht vergessen, dass er nun ein Sklave ist, ein Spielzeug, dass sich allen Launen seines Herren zu unterwerfen hat. Man kann ihn mit Hilfe eines Chip in seinem Gehirn manipulieren und Ragnar hat die Fernbedienung. Aiden hasst den Gedanken, dass er sich selbst und seinen Gefühlen nicht mehr trauen kann.
Ist die Faszination, die der für Ragnar empfindet echt oder nur eine chemische Reaktion, die künstlich erzeugt wurde?

3517 Anno Domini: Wir waren Götter“ von Raik Thorstad ist ein breit angelegtes Epos, das anhand der Beziehung der beiden Männer, die unterschiedlicher nicht sein könnten und doch auch überraschend viele Gemeinsamkeiten haben, eine spannende Geschichte erzählt, die weit über eine einfache Love-Story hinausgeht.
1500 Jahre in der Zukunft hat der Mensch seine Umwelt fast völlig zerstört. Die Schere zwischen reich und arm klafft weiter auseinander als je zuvor und alle „Errungenschaften“ der der Zivilisation stehen eigentlich nur einer winzigen Gruppe von Privilegierten zur Verfügung. Voller Gier wollen diese allerdings immer mehr und mehr …
Demokratie ist längst Geschichte. Aber die einfachen Menschen haben nicht ganz vergessen, dass es einmal anders war. Ihre Sehnsucht nach Freiheit lässt sie Risiken auf sich nehmen, die sie das Leben kosten oder aber ein neues Leben ermöglichen könnten. Längst gibt es einen geheimen Widerstand gegen die gottgleichen Herrscher der Stadt.

„3517“ ist eine der besten Dystopien, die ich in letzter Zeit gelesen habe. Die Gesellschaftssysteme, die politischen Gegebenheiten und der naturwissenschaftliche Background sind ausnahmslos in sich logisch und schlüssig dargelegt. Als Leser taucht man ein in eine fremde, menschenfeindliche Welt und ist völlig fasziniert. Die düsteren Bilder der feuchten Quartiere der sogenannten Unterwelt brennen sich ebenso ein, wie das Entsetzen über die absolute Gewissenlosigkeit des gottgleichen Herrschers Takir. Besonders spannend finde ich, dass Takir nicht einmal von Grund auf „böse“ ist. Aber er verfügt über unendlichen Reichtum und unendliche Macht, ohne dass ihn jemand Grenzen setzt. Er wird sozusagen von sich selber korrumpiert.
Auch wenn das Hauptaugenmerk der Story auf der Beziehung zwischen Aiden und Ragnar liegt, so ist es doch mindestens genauso spannend zu lesen, welche Auswirkungen Umweltzerstörung, Machtkonzentration und fehlende Kontrolle auf ein politisches System haben könnten.
Das Szenario ist furchterregend!
Zum Glück beinhaltete das Buch auch einen kleinen Funken bittersüßer Hoffnung, die für mich in jede wirklich gute Geschichte gehört.

Fazit: Ich würde am liebsten noch seitenweise schwärmen. Aber erstens wächst damit die Gefahr von Spoilern und zweitens stehle ich so den Lesern die Zeit, selbst in dieses wuchtige Epos voller Intrigen und Geheimnisse, voller Machtspiele und Verlangen, einzutauchen und die spannende Geschichte zu genießen.
Das Buch erhält von mir auf jeden Fall 5 Punkte und eine begeisterte Leseempfehlung.

P.S.: "3517" ist wirklich in sich abgeschlossen. Aber falls es jemals eine Fortsetzung geben sollte, so bin ich wieder dabei. Ich würde furchtbar gerne erfahren, was aus der Festungsstadt wird und wie es in … (das verrate ich hier nicht!) weiter geht. Auch nach fast 600 Seiten habe ich noch lange nicht genug von Ragnar, Aiden und der Welt in der sie leben!

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Dienstag, 18. November 2014

"Funcking Love: Say my Name!" von Bonnyb. Bendix

Die Liebe geht seltsame Wege …

Sascha ist stocksauer auf seinen Freund Jay. Er glaubt sicher zu wissen, dass dieser ihn betrügt. Voller Wut will er sich mit einem Club-Besuch ablenken und durch eine Kette von unglaublichen Ereignissen landet er mitten in einer Bühnenshow.
Sein Partner dort heißt zufällig ebenfalls Jay und plötzlich da wieder dieses erste aufregende Flattern im Bauch. Aber sind „Verliebt sein“ und „Liebe“ das Gleiche? Und wenn nicht, was ist dann am Ende mehr wert?

In „FuckingLove: Say my Name” beschreibt Bonnyb. Bendix mit gewohnt leichter Hand und launig-frechen Worten, welche ungewöhnlichen Wege die Liebe manchmal geht. Die Geschichte hat mir gut gefallen und es hat Spaß gemacht, sie zu lesen, auch wenn sie mir an ein oder zwei Stellen ein wenig konstruiert vorkam.
Für die Story ist es wichtig, dass die beiden Männer „Jay“ heißen. Mich hat es aber ehrlich gesagt zuerst völlig verwirrt und für die „Moral“ der Geschichte spielt es eigentlich keine Rolle.


Fazit: Gefällt mir gut, also 4 Punkte und eine Leseempfehlung.

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Sonntag, 16. November 2014

"The Dragon and the Wolf" von Mandy Rosko (engl.)


Spannendes Prequel

Westley ist der designierte Nachfolger seines Vaters als Führer eines Werwolf-Clans. Von ihm wird erwartet, dass er sich eine Gefährtin sucht und Erben zeugt.

Als er in die Hände grausamer Jäger fällt, die alles töten, was nicht menschlich ist, wird er von dem Drachenwandler Chris gerettet. Natürlich ist er dem Mann dankbar, doch Chris weckt auch Gefühle in ihm, die weit darüber hinausgehen.

Aber was empfindet der andere Mann für ihn? Drachen leben angeblich alleine und binden sich niemals. Soll sich Westley zu seinen Gefühlen bekennen und damit als Gay outen, wohl wissend, dass sein Vater dies niemals akzeptieren wird?



Schon im Klappentext wird darauf hingewiesen, dass „The Dragon and the Wolf“ von Mandy Rosko ein Prequel zu „The Legend oft the Werewolf“ ist. Die Story ist richtig gut geschrieben und gibt Einblicke in ein interessantes Urban-Fantasy-Universum, die Lust darauf machen, weitere Geschichten zu lesen.

Was mich allerdings ein wenig gestört hat, ist das dumpfe Gefühl, eine nicht in sich abgeschlossene Story gelesen zu haben. Prequel hin oder her, am Ende dieser Geschichte sind sehr, sehr viele Handlungsfäden noch offen. Ich war völlig verblüfft, als nach 85% plötzlich „The End“ da stand und anschließend nur noch eine Leseprobe für den das nächste Buch zu finden war.

Fazit: Netter Lesehappen für Zwischendurch und knappe 4 Punkte, weil die Geschichte halt nicht wirklich für sich alleine steht.

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"Der Drachenprinz" von Mandy Rosko


Da brennt nix , es pappt nur …

Der Drachenprinz Azoth verbüßt seit 1000 Jahren seine Strafe wegen eine schrecklichen Tat: Er hat am Hochzeitstag seine Braut und deren Familie ermordet.
So wurde er dazu verdammt, einsam und alleine in einer Höhle über die Schätze seines Volkes zu wachen. Dann taucht völlig unerwartete seine tot geglaubte Braut wieder in seinen Armen auf. Wird sie ihm verzeihen können?
Diana ist eine schüchterne Grundschullehrerin, die entgegen dem Klappentext KEIN ereignisloses Leben führt. Sie bekommt nämlich andauernd sehr ungewöhnlichen Besuch, den sie allerdings mit erstaunlicher Gelassenheit hinnimmt. Die Natur scheint ihr eigentlich freundlich gesonnen, bis sie sich eines Tages in einem reinen Horrorscenario wiederfindet. Sie glaubt, ihr letztes Stündlein hätte geschlagen, aber sie erwacht relativ unverletzt in Azoths Bett.
Leider fehlt ihr die Erinnerung an ihre Vergangenheit. Diese kommt erst nach und nach zurück. Aber ein alter Feind trachtet ihr noch immer nach dem Leben …

Ich bin seit Wochen um diese Fantasy-Geschichte herumgeschlichen, wie die Katze um die Sahne. Ein gefangener Drachenprinz, eine schreckliche Hochzeitsnacht voller Blut und Geheimnisse, ein ungewöhnliches Schicksal, dass ihn mit seiner tot geglaubten Frau wieder zusammenbringt und ein alter, bösartiger Feind - das hört sich für mich nach einer großartigen Mischung voller Spannung, Drama, Mystik und Erotik an.
Leider heißt „Gut gemeint“ nicht immer auch „Gut gemacht“. Für mich liest sich das Buch, als hätte Mandy Rosko die Zutaten genommen, mit ganz viel Zucker aufgefüllt, in die Küchenmaschine gesteckt und auf den Schalter gedrückt. Nach kräftigem Umrühren ist ein süßlicher, pappiger Einheitsbrei herausgekommen. Brennendes Feuer und andere interessante Aromen werden total zugezuckert …

Azoth ist über 1000 Jahre lang ein Gefangener. Sein einziger Begleiter ist sein verhasstes Drachen-Ich. Das scheint aber seine Seele kaum zu berühren. Kaum liegt Diana wieder in seinen Armen, ist er der zärtlichste und perfekteste Liebhaber der Welt. Das Trauma, so lange völlig alleine zu sein, war für mich einer der interessantesten Aspekte der Geschichte. Es wird aber kaum angerissen.
Stattdessen häufen sich Schilderungen über praktische Extras der riesigen Gefängnishöhle(?) ohne Decke. Das Ding ist ein Luxusknast, wie geschaffen eine Frau zu verwöhnen. Blöd nur, dass die Prinzessin so lange verschollen war …
Ich bin richtig enttäuscht. Mandy Rosko kann interessante Charaktere mit Ecken und Kanten schaffen, die mitreißen und neugierig auf ihre Geschichten machen. Ich habe von ihr „The Dragon and the Wolf, A Prequel Novella (Things in the Night) (English Edition)“ auf Englisch gelesen, das mir gut gefallen hat.

Hin und wieder blitzen auch in „Der Drachenprinz“ tolle Ideen auf. Leider wird keine davon wirklich weiter verfolgt. Die Story ist mir viel zu glatt und oberflächlich. Der Zuckerguss über dem Einheitsbrei hinterlässt einen faden Nachgeschmack und Azoth und Diana keinen bleibenden Eindruck. Die beiden berühren mich einfach nicht. Ich habe mich fast gefreut, dass die Geschichte so kurz ist, für einen Bücher-Junkie wie mich ein eher ungewöhnlicher Gedanke.

Fazit: Hat mir nicht gefallen, also 2 Punkte. Leseempfehlung? Nö!!!

Samstag, 15. November 2014

"Blutstreue" von Ardy K. Myrne


Blutschwüre und Ehre

Die Schlacht ist gewonnen, aber der König ist tot und sein dunkler Verbündeter, der Sangui Arames, scheint ebenfalls nicht überlebt zu haben. Man erweist ihm auf Befehl des neuen Regenten Onor hin noch nicht einmal die Ehre eines Begräbnisses.
Dessen Sohn Kaylynn versteht den dumpfen Hass seines Vaters nicht und das Schicksal des Dämons, der an ihrer Seite gekämpft hat, lässt ihm keine Ruhe. Er kehrt auf das Schlachtfeld zurück und erfährt dort Geheimnisse, die sein ganzes Weltbild verändern. Seine Ehre verlangt, dass er einen Blutschwur erfüllt, den sein gefallener Onkel geleistet hat. Wird ihn das sein eigenes Leben kosten?

Blutstreue“ ist eine spannende High-Fantasy-Geschichte voller mystischer Gestalten. Ardy K. Myrne entwirft für ihre „Kurzroman“ (es ist eher eine Kurzgeschichte) eine faszinierende Welt voller interessanter Charaktere, die mich richtig neugierig auf „mehr“ zurückgelassen hat.
Auch wenn die vorliegende Story ist in sich abgeschlossen ist, so wirkt sie doch für mich wie ein gut gemachter Trailer, der auf die eigentliche Geschichte vorbereiten soll. Das Ende ist unerwartet und so interessant, dass ich sofort zugreifen werde, wenn es jemals eine Fortsetzung geben sollte. Potential ist genug vorhanden!


Ich gebe hier faszinierte 5 Punkte und eine Leseempfehlung. 

Bildquelle: amazon

Freitag, 14. November 2014

"Ben: Liebe am Abgrund" von Kooky Rooster

Dunkle Abgründe voller Grausamkeiten 

Ben ist völlig fertig. Mit sich, mit dem Leben, mit der Welt. Dafür sorgt sein mehr als psychopatischer Bruder Jochen mit immer neuen, perfiden Angriffen auf seinen Körper und – viel schlimmer - auf seinen Geist. Eigentlich will Ben nur noch, dass alles vorbei ist. Als es in einer eiskalten Winternacht endlich soweit sein könnte, halten ihn plötzlich starke Arme fest. Das ist der Beginn einer … Freundschaft?
Nein. Ben hat keine Freunde, niemand liebt ihn, er ist Abschaum. Das hat ihm Jochen äußerst erfolgreich eingetrichtert. Aber Paul scheint das nicht zu verstehen. Er kommt immer wieder auf Ben zu, lässt nicht locker und fühlt sich auch in den schlimmsten Situationen nicht abgestoßen.
Für Ben ist Paul der Himmel, wo Jochen die Hölle ist.
Doch was passiert, wenn Himmel und Hölle aufeinandertreffen? Ein Kampf auf Leben und Tod beginnt!

Ben: Liebe am Abgrund“ von Kooky Rooster ist nicht wirklich eine Romanze, sondern hat viel von einem sehr düsteren Psycho-Thriller. Das Grauen in Form von Jochen lauert hinter jeder Ecke. Manchmal ist er es in Persona, aber oft genügt schon ein Erinnerungsfetzen, um Ben in bodenlose Angst zu stürzen. Völlig absurde Details, die immer wieder in seiner gequälten Seele aufblitzen, machen das auch für den Leser erschreckend realistisch.
Es gibt den Spruch: „Die Erinnerung ist das einzige Paradies, aus dem man nicht vertrieben werden kann!“
Was aber, wenn die Erinnerung ein vergifteter Sumpf ohne Ausweg ist? Ein Abgrund, aus dem man sich nicht befreien kann?
Pauls Liebe wird für Ben zum Leuchtfeuer. Doch auch Paul ringt mit den Dämonen aus seiner Vergangenheit und Jochen versucht alles, um zu verhindern, dass Ben sich aus seiner Unterdrückung löst. Der Weg ans Licht ist lang und qualvoll.
Die Geschichte ist nicht einfach zu lesen und die kleinen Glücksmomente, die hin und wieder aufblitzen, werden meist umgehend von einer neuen Welle des Entsetzens hinweg gespült. Kooky Roosters unvergleichliche Fähigkeit, treffende Bilder zu finden, sorgt dafür, dass man als Leser jedes Mal mitgerissen wird. Man findet sich in einem Sog, einem unerbittlichen Strudel wieder, fühlt mit Ben das Grauen nahen und kann doch, genau wie er, nicht entkommen. Man muss einfach weiterlesen, Zeile um Zeile verschlingen, weil man wissen will, was als Nächstes passiert.
Die Geschichte packt und wirkt nach. Was Ben und Paul erlebt haben, ist extrem, weil sie mit voller Absicht misshandelt wurden. Aber es zeigt nur überspitzt, wie sehr sich unbedachte Worte oder gezielte Beleidigungen und körperliche Misshandlungen in die Seele hineinfressen und wie schwer es ist, Demütigungen hinter sich zu lassen, um ein gesundes Selbstbewusstsein zu entwickeln.

Das Bewertungssystem, mit dem eine Rezension eingeordnet werden soll, versagt für mich bei diesen Buch. Eigentlich dürfte ich der Geschichte nur einen Stern geben. Sie gefällt mir nämlich überhaupt nicht.
Ich hasse den Gedanken, dass es Menschen wie Jochen gibt oder geben könnte, und ich bin entsetzt darüber, was Ben und Paul erlitten haben, wie zerstört ihre Seelen sind.

Aber es gibt auch einen anderen Aspekt: „Ben: Liebe am Abgrund“ ist großartig geschrieben und hat mich weit aus meiner persönlichen Wohlfühlzone weit herausgezogen. Ich bin Ben und Paul in den Abgrund gefolgt und habe voller Angst gefiebert, ob es für sie einen Ausweg gibt und wohin sie sich danach wohl wenden werden.
Ich will hier das Ende der Story natürlich nicht spoilern. Aber es passt und es gefällt mir. Die Vergangenheit verlässt uns alle, genau wie bei Ben und Paul, nie. Wir können nur versuchen, Schritt für Schritt unsere eigene Zukunft zu erobern, die alten Monster und Abgründe hinter uns zu lassen, neue zu meiden und stattdessen versuchen, zu den schönen Dingen im Leben zu gelangen und sie zu genießen.

Die Geschichte von Ben und Paul ist mir tief unter die Haut gegangen. Wenn sie nicht so grandios geschrieben wäre, hätte ich den weiten Weg mit den beiden niemals zurücklegen können. Das „gefällt mir sehr gut“ und damit muss ich dem Buch dann doch 5 Punkte geben.

Leseempfehlung? Keine Ahnung. Die Geschichte ist wahnsinnig intensiv erzählt. Aber sie ist wirklich nichts für schwache Nerven. Wer keine Angst davor hat, sich in die dunklen Abgründen der menschlichen Psyche entführen zu lassen, findet hier spannende Unterhaltung.
Vorsicht! Wenn man einmal angefangen hat zu lesen, kann man nicht mehr aufhören!
Wie Ben kann man dann dem Grauen nicht mehr entkommen und muss sich zusammen mit ihm fragen, wie man aus dem Abgrund wieder herausfinden soll. Man MUSS das Buch zu Ende lesen …

Autorenseite: Kooky Rooster

Bildquelle: amazon

Mittwoch, 12. November 2014

"Pips Physiologie" von Cosima Thomas

 Viele kleine Freundenblubber …

OK!!! Ich muss es einfach vorweg gestehen: Ich liebe dieses Buch!

Pip und Ronja sind nun schon über ein Jahr ein Paar und haben eine stabile Beziehung aufgebaut. Da geschieht etwas Schreckliches, dass beide zuerst einmal wieder an den Rand eines Abgrundes bringt. Aber Pip hat gut aufgepasst und von Ronja gelernt. Diesmal muss er nämlich die Stärke finden, die sie beide brauchen, um gemeinsam die Zukunft zu meistern.
(Wenn ich einen ganz winzigen Kritikpunkt an der Geschichte habe, dann diesen: Natürlich kommen die meisten Leute über den Verlust, den Pip und Ronja erleben, hinweg. Aber vergessen wird man ihn nie und der Alltag stellt sich in der Regel auch weniger schnell wieder ein …)

Pip und Ronja jedenfalls sind fest entschlossen glücklich zu werden. Ist es ein Spoiler, wenn ich erzähle, dass es ihnen gelingt? Ich finde nicht. Weil das Besondere an dieser Geschichte gar nicht unbedingt ist, das sie es schaffen, sondern WIE sie es zusammen erreichen und WAS sie dabei empfinden.

Mir ganz persönlich hat dieses Buch einfach gut getan.
Auch der erste Band der Serie von Cosima Thomas, „Pips Anatomie“, den man unbedingt vor „Pips Physiologie“ gelesen haben sollte, ist eine tolle Geschichte. Er beleuchtet sehr eindringlich Pips dunklen Stunden und seine negativen Gedanken.
Hier aber ist der Fokus ganz anders: Pip lernt mit Ronja an seiner Seite endlich Schritt für Schritt wieder Freude und Vertrauen zu zulassen.
Ich habe den beiden ganz furchtbar gerne auf ihrem Weg zugeschaut. In mir sind lauter kleine Freudenblubber aufgestiegen, immer dann wenn die beiden mal wieder ein besonders schönes oder ein verboten romantisches Erlebnis hatten. Dabei fand ich das Buch an keiner Stelle kitschig. Ok. Vielleicht ein ganz winziges bisschen. Aber nie zuviel. Gerade genau richtig …

Wer nach einem handfesten Drama sucht, der sollte nach Band 1 mit der Serie aufhören und sich den zweiten Band lieber sparen. Aber wer auch seine Freude daran hat, zu beobachten, wie zwei Menschen richtig, richtig glücklich miteinander werden, wird hier seinen Spaß haben. Übrigens fehlt es der Story nicht an Tiefgang: Ganz nebenbei erzählt sie nämlich, wie wichtig und wie richtig Akzeptanz sind und dass auch Menschen mit einem Handicap fast alles im Leben erreichen können.

Fazit: Die Geschichte hat für mich einen Wohlfühlfaktor von deutlich mehr als 5 Sternen und bekommt eine gutgelaunte Leseempfehlung. Das Glück ist nur so aus den Seiten heraus geflossen und hat eine alte Weisheit bestätigt: Geteiltes Glück ist doppeltes Glück.
Danke für eine riesige Portion davon! Ich strahle immer noch wie die Lampen, die Ronja immer im ganzen Haus entzündet …

.Bildquelle: amazon

"Pips Anatomie" von Cosima Thomas



Angst, Zorn und Zärtlichkeiten


Philipp, von allen „Pip“ genannt, ist ein toller Typ: groß, gutaussehend, durchtrainiert und mit ausgezeichneten Manieren. Er hat keine Probleme damit, eine Frau abzuschleppen, hatte er auch früher nie. Nur heute verbirgt er ein Geheimnis, das man ihm auf den ersten Blick nicht ansieht. Beim ersten Blick trägt er nämlich Klamotten. Beim Sex allerdings nicht mehr, das liegt in der Natur der Sache.
Ronja verliebt sich auf den berühmten allerersten Blick in ihn und Pip sonnt sich glücklich in der unerwarteten Zuneigung. Aber er ist sich sicher, dass auch sie die Flucht ergreifen wird, wenn sie erfährt, was mit ihm los ist. Nur das Ronja ganz anders zu sein scheint, als alle anderen Frauen, die er kennt.
Besonders sein Ex Leo ist völlig verblüfft, als sie heraus findet, wer nun Pips Leben teilt und versucht so einiges, um ihn zurückzugewinnen. Allerdings scheint ihre plötzlich wiedererwachte Zuneigung ganz und gar nicht ohne Hintergedanken zu sein.

Mit „
Pips Anatomie“ hat Cosima Thomas eine sehr ungewöhnliche Liebesgeschichte geschaffen, die auch mit offenherzigen Szenen nicht spart. Dabei geht die Autorin nicht unbedingt ins Detail, verschweigt aber auch nicht, wie wichtig Sex für Pip und Ronja ist und was die beiden mögen.
Das die Story alles andere als „normal“ ist, liegt auch, jedoch nicht nur, an … naja an Pips Anatomie halt. Seine Anatomie ist ein Teil seines Problems. Der Kern versteckt sich aber viel tiefer unter der sichtbaren Oberfläche, als Pip das wahrhaben will. Dort verbirgt er seine geheimen Ängste und den unbändigen Zorn, der ihn hin und wieder überkommt, wenn er über sein Schicksal nachdenkt.
Ronja wirbelt wie ein Sturm in sein Leben und bringt Sonnenschein, Lachen und Zärtlichkeiten mit. Aber auch sie hat Geheimnisse und Schwächen, die sich erst nach und nach enthüllen.

Das Buch ist sehr langsam erzählt und doch faszinierend und spannend. Ich konnte es kaum aus der Hand legen.
Hier geht es nicht nur um die Geschichte eines Pärchens, das sich trifft, verliebt und fertig. Pip hat ein Trauma hinter sich und obwohl der Titel auf seine „Amatomie“ anspielt, so ist doch seine Psyche das eigentliche Thema. Jeder, der einmal eine schwere Verletzung oder Krankheit erlebt hat, weiß wie sehr diese sich nicht nur körperlich auswirkt, sondern auch Narben auf der Seele hinterlässt. Die sind fast schwerer zu pflegen, als die auf der Haut. Sehen kann man sie auf den ersten Blick nicht und eine Salbe auftragen hilft auch nicht wirklich …
Das vorliegende Buch erzählt das komplette erste Jahr, in dem sich Pip und Ronja immer besser kennenlernen. Die Beiden legen in den zwölf Monaten zusammen einen weiten Weg zurück und ihre Narben haben Zeit, ein wenig zu heilen. Natürlich ist Vorsicht geboten! Die alten Wunden könnten jederzeit wieder aufbrechen!

„Pip ist eine Mogelpackung“ schreibt die Autorin im Klappentext. Vielleicht ist er das. Aber nicht so, wie man es im ersten Moment erwartet. Wie bei einem eher schlicht eingepackten Geschenk enthüllt sich erst beim sorgfältigen Auspacken, welchen Schatz man da vor sich hat.
Das erste Date zwischen Pip und Ronja kommt rasch. Das zweite auch und beim dritten passiert es ja angeblich …
Ihre gemeinsame Geschichte fängt aber damit erst so richtig an!
Vielleicht sind Pip und Ronja als Team fast zu gut um wahr zu sein. Das stört aber nicht. Als Protas in einem Roman sind sie ganz genau richtig, damit die Leser mit ihnen lieben und leiden können. Dabei haben sie genügende Tiefe incl. Macken, um realistisch und glaubwürdig zu wirken.

Mir hat diese Geschichte so gut gefallen, dass ich jetzt auch unbedingt noch die Fortsetzung „
Pips Physiologie“ lesen möchte.
Fazit: 5 Punkte und eine Leseempfehlung. Das ist übrigens eines der Bücher, die ich nicht in atemloser Spannung verschlungen, sondern ganz langsam und genüsslich gelesen habe.

Opa Erwin erhält vom mir zusätzliche 5 Sympathiepunkte, ganz für sich alleine. Wahrscheinlich bekommt er einen Lachanfall, wenn er das lesen sollte. Aber für mich steht er stellvertretend für eine ganze Generation von Männern (und Frauen), die ich persönlich gerade noch so kennenlernen durfte und die ein schweres Schicksal mit bemerkenswertem Mut gemeistert haben. Meinen Respekt dafür haben sie auf jeden Fall!

Übrigens: Wer glaubt, Frauen wie Leo würde es in Wirklichkeit gar nicht geben, kann sie glücklich schätzen. Dann kennt er keinen von den Menschen, die sogar als entfernte Bekannte unglaublich anstrengend sind. Glückwunsch!
Sie existieren nämlich leider auch in der Realität.