Mittwoch, 28. Januar 2015

"Das Galgenweib" von Swantje Berndt


Wunderschöne Kurzgeschichte

Leon wartet gegenüber Jeremias mit einer unglaublichen Geschichte dazu auf, warum an einer alten Eiche stets das Wort „Sam“ in leuchtend weißen Buchstaben steht. Jeremias ist schüchtern, aber nicht blöd und glaubt seinem Freund kein Wort.
Doch eines Nachts führt ihn sein Heimweg an der Eiche vorbei und er lernt die wunderhübsche Samantha kennen, die ihm einen verführerischen Vorschlag unterbreitet …

Swantje Berndt hat mit „Das Galgenweib“ ein kleines Meisterwerk geschaffen. Mich fasziniert, wie sie auf wenigen Seiten eine komplette, in sich geschlossene Geschichte erzählt, die von lebendigen, glaubwürdigen Charakteren getragen wird. Ich kann mir den vorlauten Leon so gut vorstellen, wie seinen zurückhaltenden Freund Jeremias und habe ein klares Bild von Samantha vor Augen.

Das Ende werde ich natürlich nicht verraten. Nur so viel: Es ist bittersüß und macht Lust auf mehr, mehr von den sympathischen Helden dieser Geschichte zu erfahren, aber auch mehr von der tollen Autorin zu lesen.

Klar, dass ich für diese wunderschöne Kurzgeschichte gerne satte 5 Punkte und eine Leseempfehlung gebe!

Anmerkung: Ich habe die Story vor einiger Zeit schon einmal gelesen. In der neuen Ausgabe von 2015 sind die in einer anderen Rezi angemerkten Formatierungsfehler komplett behoben. Jetzt ist es ein pures, ungetrübtes Lesevergnügen, mit Jeremias dem Geheimnis der alten Eiche auf die Spur zu kommen …

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Freitag, 23. Januar 2015

"Kussbilanz" von Kooky Rooster




KussbilanzKüssen kann man(n) nicht alleine …
… heißt es so klug in einem Songtext. Ums Küssen drehen sich auch die 5 wunderbaren Kurzgeschichten in dieser kleine Anthologie von Kooky Rooster.

Der Klappentext von "Kussbilanz" verspricht: „Ungewöhnlich, bittersüß, herzzerreißend und ein bisschen abgedreht - wo Kooky draufsteht, ist Kooky drin.“ Das ist wahr! Und besser könnte man es nicht zusammenfassen. Das Buch ist für Fans ein Muss (und natürlich ein Vergnügen!!!) und für Neueinsteiger wunderbar geeignet, den unvergleichlichen Stil von Kooky Rooster kennen zu lernen.

Sonst warne ich an dieser Stelle manchmal vor drohender Suchtgefahr, die bestimmte Bücher auslösen.
Hier nicht! Es gibt Süchte, ohne die das Leben ärmer ist, und die man einfach ausleben sollte!

Noch ein paar kleine Details gefällig?

1. Krankhaft loyal
Basti hält Liebe für ein „Verschwörungsthteorie“. Wie sonst kann man in der modernen Welt einen Menschen dazu bringen, einfach alles für einen anderen zu tun? Liebe, davon ist Basti überzeugt, ist nur ein anderes Wort für emotionale Erpressung. Ohne Liebe müsste man sich doch viel mehr anstrengen und überhaupt … Jonas versteht zuerst gar nicht, was Basti da von sich gibt und dann auf einmal, was hinter seinen scheinbar abstrusen Worten steckt.

Diese Geschichte ist genial! Neben der Beschreibung von Liebe als angeblicher Verschwörungstheorie findet man selten eine bessere Analyse von den sozialen Zwängen, aber auch den Vorteilen, vom Leben in einer kleinen Dorfgemeinschaft. Was überwiegt, muss am Ende jeder für sich entscheiden …

Ich gebe es offen zu: Gleich die erste der Storys ist mein persönliches Highlight in diesem Buch.

(Das heißt aber nicht, das die anderen Geschichten schlecht sind, diese hier ist einfach nur … halt meine persönliche Lieblingsgeschichte! :D)

2. Kussbilanz„Kussbilanz“ ist tieftraurig, verboten romantisch und auf so vielen Ebenen gut, dass man diese Geschichte immer wieder lesen kann und doch nicht genug davon bekommt: Vordergründig geht es um zwei Menschen, die eine tiefe Sehnsucht teilen. Sie finden sich im internet …

Ganz nebenher werden noch so einige interessante Aspekte abgehandelt:

Was genau ist eigentlich der grundlegende Unterschied zwischen Küssen und Sex? Ist das eine nur Vorspiel und das andere die Hauptsache? Oder steckt doch viel mehr und etwas ganz anderes dahinter? Wobei muss / darf / kann man mehr Gefühl empfinden?

Sind Menschen in der Pseudoanonymität des internet eigentlich ehrlicher? Oder lügen sie noch mehr als im echten Leben? Oder vielleicht sogar beides gleichzeitig?

OK. Vielleicht ist auch diese Geschichte mein persönliches Highlight in dem Buch. Ich muss sie wohl noch einmal lesen. Oder noch mehrmals …

3. Corona
Zwei Männer treffen sich nach Jahren wieder und … etwas passiert. Aber passt das in die perfekte Welt hinein? In eine Welt, die einem kitschigen Werbefilm entsprungen zu sein scheint?

„Corona“ ist eine kluge Auseinandersetzung mit den Zielen, die wirklich zählen im Leben.

4. Herr meiner Sinne
Verliebt in den eigenen Chef! Das ist der Stoff, aus dem Romane gemacht werden!!! Blöd nur, wenn sich der Assistent nicht traut, sich zu offenbaren und der Chef offensichtlich keinen blassen Schimmer hat. Erst nach einem halben Leben kommt es zu einer völlig überraschenden Wendung.

Diese Geschichte finde ich unsäglich traurig. Lesen sollte man sie aber trotzdem! Vielleicht wird man ja überrascht …

5. E.Q. Null
E.Q. bedeutet „Emotionaler Quotient“. Auf einer Skala von eins bis zehn, ist eigentlich der Wert eins das höchste der Gefühle. Aber was passiert, wenn ein völlig neurotischer Spinner auf einen Alien trifft?

Hört sich das absurd an? Das ist es auch! Trotzdem macht es einfach Spaß, dem Neurotiker bei der exklusiven Beschreibung seiner Neurosen zu zuhören und mit ihm zum ersten Mal einen Rasen zu betreten. Sie verstehen hier gerade gar nichts?

Macht nichts! Dr. Rooster hat das Rezept ins Buch gepackt! Einfach die Geschichte lesen und alles wird klar. Sie werden sich wundern!!!


Fazit: Natürlich wieder einmal deutlich mehr als 5 Punkte. Leseempfehlung?

Leute!!! Wer dieses Buch nicht liest ist selber schuld! Natürlich gibt es eine begeisterte Leseempfehlung und diese Bitte an Kooky Rooster: Ich will möglichst schnell weitere Bände mit Kurzgeschichten lesen.

Autorenseite: Kooky Rooster

Verlag: bookrix

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Montag, 19. Januar 2015

"Der Sexgott am falschen Ort" von Norma Banzi


Der Sexgott am falschen OrtSchönheitsideale sind verschieden!

Der Surfprofi Ken hat Mist gebaut und muss deshalb einige Zeit in einer Kleinstadt in der tiefsten Provinz verbringen, weit weg von allen Versuchungen, aber auch von dem Meer, dass er so sehr liebt. Zu seiner Überraschung erblickt er eines Tages Jeff, der sein Herz augenblicklich schneller schlagen lässt, während sein Blut sich in Richtung Süden begibt. Jeff reagiert misstrauisch und schüchtern auf seine Flirtversuche. Hat hier etwa noch keiner diesen Sexgott für sich entdeckt?

Jeff kann gar nicht glauben, wer sich da plötzlich für ihn interessiert! Ken scheint direkt aus seinen feuchten Träumen zu entstammen. Was bringt diesen göttlichen Mann nur dazu, Zeit mit ihm zu verbringen?

Der Sexgott am falschen Ort“ ist der zweite Teil der „Lake Beautown“-Reihe von Norma Banzi. Manche Leser werden Ken und Jeff schon als Nebencharaktere aus „Sonne, Strand, Cocktails und zwei knallharte Seals“ kennen. Hier erfährt man endlich, wie sie sich kennengelernt haben.

Ich war ziemlich gespannt auf ihre Geschichte, weil mit Jeff ein ungewöhnlicher Held präsentiert wird. Er ist … O.K.: Mit deutlichen Worten gesagt: Jeff ist ziemlich fett. Dieses Schicksal teilt er mit vielen realen Menschen, die sich in seinen Zweifeln und Ängsten gut wiederfinden werden. Wie so oft im echten Leben ist Jeff wegen seiner Figur das Opfer von Spott und Häme und bleibt zunächst einmal alleine. Allerdings sind natürlich nicht alle Übergewichtigen einsam und unglücklich. Der Ansatz, dass Jeff für Ken ein Schönheitsideal verkörpert, weil dessen kultureller Hintergrund nicht so auf schlanke Menschen fixiert ist, gibt eine gute Grundlage für die Geschichte ab. Was dann folgt, finde ich außerordentlich interessant. Wie sehr kann und will sich jemand für die Liebe ändern? Ist er danach überhaupt noch der gleiche Mensch? Oder ist eine Weiterentwicklung (gerade bei jungen Leuten) nicht ganz natürlich?

Norma Banzi erzählt die Geschichte von Jeff und Ken gewohnt offenherzig und mit deutlichen Worten. Natürlich dürfen auch ein paar explizite Szenen nicht fehlen, aber hier geht es doch her darum, wie sich aus spontanem, sexuellem Interesse eine Freundschaft und vielleicht auch mehr bildet.

Richtig witzig und sehr lebendig fand ich auch dieses Mal die Nebenfiguren. Sheriff Grant und seinen Lover Steve kennt man ja bereits aus „Der Weihnachtssheriff“, aber Jeffs auch Familie ist einen zweiten Blick wert. Seine selbstbewusste (übrigens mollige) Schwester Heather, sein gutmütiger Bruder und seine Eltern, die ziemlich pragmatisch versuchen, über die Runden zu kommen, sind klasse beschreiben. Der Umgangston in der Familie fällt eindeutig unter die Kategorie „Hart, aber Herzlich!“. Dabei kristallisiert sich nach und nach heraus, das Jeffs Mutter und Vater zwar echte Kleinstadtbewohner sind, aber trotzdem auf die gängige Moral pfeifen, wenn es um das Glück ihrer Kinder (oder um das eigene!) geht.

Ich mag diese Geschichte total. Wer hier der „Sexgott am falschen Ort“ ist, darauf gibt hier keine so eindeutige Antwort, wie ich am Anfang noch gedacht habe. Wenn man die Story aufmerksam liest, findet man eine Menge Menschen darin, die völlig unterschiedlichen Schönheitsidealen huldigen. Das hat mir richtig gut gefallen!!!

Deshalb erhält die Story vom mir fette 5 Punkte und eine dicke Leseempfehlung. Sie spricht es nicht offen aus, aber in meinen Augen ist dies ihr Fazit: Wenn sich ein Mensch in seinem Körper wohlfühlt, strahlt er seine ganz eigene Schönheit aus. Das Gewicht ist dabei zweitrangig und genau dann befindet sich der Sexgott wieder am richtigen Ort!



Bisher erschienen in der Lake Beatown - Reihe:

1. Teil: 
Der Weihnachtssheriff
2. Teil: 
Der Sexgott am falschen Ort


Link zur Homepage: Norma Banzi 

Bildquelle: amazon

Sonntag, 18. Januar 2015

"Liebe unaufhörlich (Jäger der Dessla 1)" von Alexa Lor

Komm in die Puschen, Mann!

Das möchte man als Leser Gor mehr als einmal zurufen, als der Anführer einer Truppe unsterblicher Jäger nach mehr als 300 Jahren endlich wieder auf seine totgeglaubte Liebste Inkia trifft. Sie hatten einander einen in der Kultur der Dessla besonderen Schwur geleistet, um eine entgegen aller Standesgrenzen ihr Leben zusammen verbringen zu können, wurden aber durch unglückliche Umstände und eine Intrige getrennt.
Das Gor gerade eine neue Gefährtin genommen hat, wäre bei den Dessla kein Grund, nicht auch mit Inkia zusammen zu leben. Aber diese ist nach einem Leben in Leibeigenschaft nun endlich frei. Wird sie Gor als Partner überhaupt noch wollen?
Als hätte er nicht gerade genug privaten Stress, scheint die ganze paranormale Welt verrückt zu spielen und Gor und seine Jäger wissen bald vor lauter Aufträgen nicht mehr, wo ihnen der Kopf steht …

Wie schon bei „Gefährlicher Geliebter“ , einem weiteren Buch von Alexa Lor, das im gleichen Universum spielt und eine Art Side-Story zu „Die Jäger der Dessla“ ist, habe ich einen Moment gebraucht um in die Geschichte einzusteigen. Und wieder muss ich sagen: Dieses Buch wird mit jeder Seite besser!

Inkia aus "Liebe unaufhörlich (Jäger der Dessla 1)" ist eine wirklich sympatische Heldin, die nie leicht hatte, sich aber nun endlich ein eigenständiges und selbstbestimmtes Leben mit einem Job, der sie erfüllt, und Freunden, mit denen sie sich gut versteht, aufgebaut hat. Nur ihr Herz gehört nach wie vor Gor, den sie über alles geliebt und dann verloren hat. Dass sein Tod eine Lüge war, ist ein Schock für sie. Aber für Inkia ist es gar nicht so einfach herauszufinden, wer sie belogen hat und warum.
Inkia strahlt eine ruhige Freundlichkeit aus, die wirklich sympathisch wirkt. Man glaubt sofort, dass mehr als ein Mann an ihr interessiert ist und fragt sich, warum sie noch so lange an dem ziemlich stoffeligen Gor festhält.

Mit Gor wird man nicht so schnell warm. Er scheint irgendwie überhaupt keine Ahnung von Frauen zu haben. Aber nach und nach enthüllt sich, dass er zwar immer gute Freunde hatte, aber nach Inkia niemals wieder sein Herz für jemanden wirklich öffnen konnte oder wollte. Seine Gefühle für sie sind heute noch genauso tief, wie vor dreihundert Jahren. Da er danach nie mehr geliebt hat, ist er am Anfang mit der Situation schlichtweg überfordert. Er hat schreckliche Angst, seine Inkia, die einzige Frau, die ihm je etwas bedeutet hat, könnte ihn zurückweisen.
Ich muss gestehen, diese kleine, allzumenschliche Unsicherheit hat mich schließlich dazu gebracht, Gor richtig zu mögen.

Alexa Lor konzentriert sich aber in diesem ersten Band der Serie nicht nur auf ihre beiden Helden, sondern stellt auch die anderen Jäger, ihre Freunde und Feinde, sowie die interessante Kultur der gesamten paranormalen Welt vor. Überraschenderweise spielt das Buch nicht im fernen Amerika, sondern im beschaulichen Bayern. Obwohl die Dessla und sogar die von uns unwissenden Menschen als Vampire bezeichneten „Wempyre“ gern in ruhigen Kleinstädten und bürgerlichen Mietshäusern leben, ist ihr Alltag so spannend, wie man das bei einem Roman dieses Genres erwarten kann.
Die interessanten Nebencharaktere lassen auf eine ganze Reihe weiterer Geschichten hoffen. Ich freue mich jetzt schon auf den im Mai erscheinenden Band 2 „
Liebe unwiderruflich“ in dem Krus hoffentlich sein Glück finden. Aber auch Temm und der „Angerol“-Mischling Manus sind hochinteressante Gestalten. Sogar der Wempyr Max und der Lykomorph Estobar sind alles andere als eindimensional und sorgen für eine echte Überraschung.

Besonders gut gefallen hat mir schon in „
Gefährlicher Geliebter“, dass die Welt, die Alexa Lor den Lesern präsentiert, nicht so einfach in Schwarz und Weiß einzuteilen ist. Wenn man viel in diesem Genre liest, bleibt natürlich auch der Vergleich mit anderen Urban Fantasy Serien nicht aus. Ich mag die allseits bekannten Bücher und Serien auch sehr gerne und verschlinge jedes einzelne davon, aber manchmal finde ich es schade, dass die „Bösewichte“ dort eigentlich keine Chance haben, sich für die eine oder die andere Seite zu entscheiden. Das macht es zwar für die Helden moralisch leichter, sie zu killen, aber interessanter ist ein anderer Ansatz: Die „Guten“ und die „Bösen“ bei Alexa Lor sind nicht so klar zu unterscheiden. Es kommt immer auf die einzelne Person an, die Zugehörigkeit zu einer Gruppe ist noch lange keine Garantie für moralische Überlegenheit.
In „
Liebe unaufhörlich“ geht es zwar in erster Linie darum, wie sich Gor und Inkia (wieder-) finden, aber der Serienauftakt lässt schon erahnen, dass die gesamte Welt vor großen Veränderungen steht.
Ich freue mich wirklich darauf, zu lesen, was die Zukunft für die Jäger bereit hält, welche Allianzen die Dessla noch schließen werden und wie gewissen Personen ihre Ehrenschulden zurückzahlen wollen …

Ich glaube man merkt meiner Rezi meine Begeisterung und die gespannte Erwartung an, die sich beim Lesen aufgebaut hat. Ich geben jedenfalls für diesen tollen Serieneinstieg gerne 5 Punkte, eine Leseempfehlung und eine Warnung: Vorsicht! Suchtgefahr!

Wer davor keine Angst hat, hier zur Info eine Übersicht der
 Bücher von Alexa Lor:
Gefährlicher Geliebter 
Liebe unaufhörlich (Jäger der Dessla 1)
- Liebe unwiderruflich (Jäger der Dessla 2)


Bildquelle: amazon



Liebe unaufhörlichNur zu Info: So sah das alte Cover aus:

Bildquelle: Sieben Verlag

Freitag, 16. Januar 2015

"Winterlied" von Katjana May



Voller Magie ...

Ein eisig kalter Wintersturm zwingt die „Wanderer“ in der Burg Falkenflug unterzuschlüpfen, obwohl diese als verflucht gilt und ihre Bewohner den Fremden abweisend gegenüberstehen. Tir will die Beleidigungen nicht auf sich sitzen lassen, sucht seinen eigenen Weg, seinen Wert zu beweisen und erfährt dabei Dinge über sich selbst, die ihn überraschen.
Gemeinsam mit der Ailys, der blinden Tochter des Burgherren, kommt er einem uralten Geheimnis auf die Spur.

Ich bin durch Zufall über dieses Buch gestolpert und war davon völlig hingerissen! Die Geschichte ist auf so vielen Ebenen gut, dass ich gar nicht weiß, wo ich anfangen soll:

Zum ersten ist „Winterlied“ von Katjana May in einer wunderschönen Sprache verfasst. Wie die Melodien, mit denen die Wanderer die Burgbewohner unterhalten, schleichen sich die sorgsam gesetzten Worte unter die Haut und setzten sich dann mitten im Herzen fest. Dabei führen sie wunderbar leicht durch das Geschehen. Nie hat man das Gefühl, ein einziger Ton wäre falsch. Jedes Wort passt.

Dann fand ich die Symbolik einfach großartig: Der eiskalte Winter, die Stürme und die Dunkelheit, die im ersten Teil zusammen mit der Spannung immer mehr zunehmen und an Mittwinter ihren Höhepunkt finden. Zusammen mit den steigenden Temperaturen und der Erwartung des Frühlings, kommen auch Tir und Ailys der Auflösung des Geheimnisses immer näher …

Die Fantasy-Elemente und die Magie sind so wunderbar in das Geschehen eingewoben, dass man als Leser völlig verzaubert zurückbleibt und das Buch nicht aus der Hand legen kann, bis man weiß, wie die Geschichte ausgeht. Sie steckt voller unerwarteter, aber nie unglaubwürdiger Wendungen.

Alle Charaktere sind trotz der Kürze des Romans tief und vielschichtig angelegt. Weder Tir und Ailys, noch die Nebencharaktere sind eindimensional. Mich hat mehr als eine Szene zu Tränen gerührt, mal vor Glück und mal vor Mitgefühl. Besonders anrührend ist immer wieder, wenn die blinde Ailys die Musik der Wanderer hört und vor ihren Augen statt Dunkelheit auf einmal bunte Bilder erscheinen. Aber auch der Ausritt, den Tir ihr ermöglicht, ist so wundervoll beschrieben, dass man die Kälte, den Schnee, aber auch die Sonnenstrahlen auf der Haut zu spüren glaubt und das Glücksgefühl mit Ailys förmlich teilt.

Am liebsten würde ich hier noch seitenweise weiter schwärmen. Damit stehle ich aber dem Leser nur die Zeit, das „Winterlied“ selber kennen zu lernen.
Von mir gibt es hier auf jeden Fall deutlich mehr als 5 Punkte und eine völlig verzauberte Leseempfehlung. Was Tir und Ailys in diesem Winter erleben und erfahren, MUSS man unbedingt mit verfolgen!!!

Anmerkung: „Winterlied“ ist eine wunderschöne Liebegeschichte voller Magie. Man kann sie lesen und wird sich gut unterhalten fühlen, dass garantiere ich.
Sie hat aber bei aller Leichtigkeit zusätzlich eine Tiefe, die gerade unter den aktuellen Geschehnissen aus dem Buch etwas ganz Besonderes macht. Die Wanderer, die Gründe warum sie dazu geworden sind, und das Misstrauen der Burgbewohner gegenüber den Fremden und ihrer ungewohnten Kultur scheinen eine Parabel zu sein, die diese Geschichte verblüffend modern wirken lassen. Darf man daraus ein Märchen mit Happy End machen? Ich finde, ja!
Die Kernaussagen der Geschichte sind nämlich für mich ganz simpel diese: Anders ist nicht schlecht und wenn man sich mit gegenseitigem Respekt, statt mit Misstrauen oder Angst begegnet, kann man nicht nur voneinander lernen, sondern auch voneinander profitieren. Das kann man eigentlich gar nicht oft genug sagen …


Bildquelle: Bookshouse


Donnerstag, 15. Januar 2015

"Warrior Lover" Serie von Inka Loreen Minden

Jax - Warrior Lover Eine der heißesten SF-Serien, die es gibt!

Die Warrior Lover waren einer der Überraschungserfolge des Jahres 2013, in 2014 war man schon an den Erfolg gewöhnt und hat sich auf jede neue Folge gefreut. Die Jungs haben sich rasch in die Herzen ihrer Fans gekämpft und halten dort hartnäckig die Stellung.

Es gibt mittlerweile (Stand Oktober 2016) sechs (Kurz-)Romane und zwei Bonusgeschichten, die man am besten in der richtigen Reihenfolge liest:

Teil 1: Jax 
Teil 2: Crome
Teil 3: Ice
Bonusstory: Storm
Teil 4: Nitro
Bonusstory: Andrew und Emma
Teil 5: Steel 

Teil 6: Fury

Die Storys sind alle in sich abgeschlossen, gehören aber in einen übergreifenden Handlungsbogen. 


Inka Loreen Minden hat für ihre Kämpfer eine interessante und in sich schlüssige Zukunftsvision geschaffen:
Die Menschen leben unter gigantischen Kuppeln, die sie vor der verstrahlten Außenwelt schützen sollen. Doch die angeblich unbewohnbaren Zonen sind gar nicht leer! Sogenannte Outlander bewohnen sie und die Kuppelstädte schützen sich mit genetisch optimierten Kriegern. Jeder der sogenannten "Warrior" darf (oder muss, je nach Standpunkt) aber auch eine zweite Funktion erfüllen: Nach jedem Einsatz bringt man sie mit Sklavinnen und Sklaven zusammen, aus denen sie wählen und mit denen sie sich dann vor laufender Kamera vergnügen, um so die Massen zu unterhalten.
Rasch wird klar, dass eine durch und durch korrupte Oberschicht mit gnadenloser Härte Privilegien verteidigt, die sie sich ergaunert hat und die sich eigentlich längst überlebt haben sollten. Die Medien berichten aber nur, was die Regierung anordnet und genehmigt. Wie kann also die Wahrheit ans Licht kommen?

Der Warrior Jax ahnt etwas. Aber kann die Sklavin Sam ihm wirklich vertrauen? Und wo wird ihr wahnsinniger Ausbruch durch die Unterwelt der Stadt sie hinführen?

Crome hat es noch schwerer, einen Zugang zu Miraja zu finden. Er liebt sie, aber das System hat sie schon fast zerbrochen...

Ice dagegen dient dem Regime zuerst noch, ohne zu zweifeln. Dann aber hört er etwas, das sein Weltbild ins Wanken bringt. Veronica, deren Bodyguard er eigentlich ist, kommt ihm viel zu nahe. Dabei ist sie die Tochter eines hochrangigen Politikers. Liebe ist nicht vorgesehen...

Auch Storm ist der Obrigkeit treu ergeben und hat keinerlei Verständnis für seine abtrünnigen Kollegen. Seine Loyalität ist klar. Daran ändert sich zunächst auch nichts, als er erkennt, dass Mark, der zuerst nur sein Arzt und dann sein Liebhaber war, auf Seiten der Rebellen steht.

Nitro ist auch unter den Warriorn etwas ganz Besonderes, aber er ist nicht stolz darauf. Warum er sich selbst für ein gefährliches Biest hält und ob er trotzdem zu wahrer Liebe fähig ist, dass will die unerschrockene Sonja unbedingt herausfinden.

Andrew ist zwar kein Warrior, aber er ist eine der führenden Personen im Widerstand und mittlerweile Präsident White City. Er begehrt die wunderschöne Emma, aber die hat ein dunkles Geheimnis. Kann das gut gehen?


Steel - Warrior Lover 5Mit "Steel" und damit dem fünften Teil der Serie schlägt die Autorin in meinen Augen endgültig ein neues Kapitel auf: Die Gruppe um Jax hat es erfolgreich geschafft White City zu befreien und ist nun darauf aus, auch dem Rest der Welt zu zeigen, dass ein Leben außerhalb der Kuppeln möglich ist. Das alte Regime will allerdings nicht kampflos aufgeben und schreckt wie immer vor keinem Mittel zurück, um an der Macht zu bleiben.

Obwohl das Buch „Steel“ heißt, enthält es eigentlich drei Geschichten (!): Die von Steel und Rhona, die von Tarek und Yana und zusätzlich die von Jazz und Fire, die mir persönlich besonders nahe gegangen ist.


Ganz neu ist die Geschichte von Fury und Mel, die nach einem schwierigen Start versuchen, sich als Paar zu finden und gleichzeitig daran mitzuarbeiten, dass in der neuen Welt alle in Freiheit leben können.
In ihrem Buch wird außerdem die Story von Hunter, Tammy und ihrem Sohn Blaze weitererzählt.

Ich möchte nicht zuviel spoilern, aber alle drei sind spannend und mitreißend erzählt. Auch die Rahmenhandlung wird rasant weiter getrieben. Der ganze Zyklus war und ist nicht besonders zimperlich, wenn es um Sex und Gewalt geht. Im letzten Band musste ich allerdings an einigen Stellen wirklich schlucken. Das ist definitiv nichts für schwache Nerven, vor allem weile die Dinge nicht nur angedeutet, sondern beim Namen genannt werden.

Die Storys werden jeweils aus der Sicht der Mädels, bzw. aus der Sicht von Mark erzählt, so dass man als Leser(in) einen unverstellten Blick auf die prachtvollen Krieger hat. Klar, dass Inka Loreen Minden mit heißen Szenen nicht geizt.


Warum ich gerne immer wieder 5 Punkte vergebe? Ich konnte keine der Geschichte auch nur einen Moment aus der Hand legen und habe mit jedem der Jungs und der Mädels mitgefiebert, ob und wie sie glücklich werden. Verdient haben sie es alle.

Ich hoffe, dass ich noch den ein oder anderen Warrior Lover näher kennenlernen werde!


Autorenseite: Inka Loreen Minden

Gerade entdeckt ...
Für echte Fans der heißen Krieger: 




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Bildquelle: amazon

"Beast Lovers" von Inka Loreen Minden


Die Wölfe sind los …

Die Wolfswandlerin Hazel kommt nur nach Hause zurück, weil sie das Haus ihrer verstorbenen Mutter verkaufen muss. An ihre Heimatstadt hat sie keine guten Erinnerungen: Ihre Mutter hat sie misshandelt und sie lebte in ständiger Angst, weil zwischen den zwei Werwolfclans in der Stadt eine Fehde herrschte. Das ist auch der Grund, warum ihre erste große Liebe Nate niemals zu ihr stehen konnte. Den Grund, warum er ihr das Herz gebrochen hat, kennt sie nicht.
Aber zehn Jahre sind eine halbe Ewigkeit. Aus Teenagern sind Erwachsene geworden und es ist an der Zeit, alte Missverständnisse und Geheimnisse endlich aus der Welt zu räumen. Die Anziehung zwischen Hazel und Nate flammt sofort wieder auf. Hazel schenkt Nate ihren Körper. Aber darf sie ihm auch ihr Herz anvertrauen?

Nach den Warrior Lovern überrascht Inka Loreen Minden uns Leser nun also mit den „Beast Lovers“. Klar, dass ich bei meinem Faible für Gestaltwandler-Geschichten, nicht widerstehen konnte. Und ich bin nicht enttäuscht worden!

Der Einstiegsband (Um damit hier gleich die Schlussfrage der Autorin zu beantworten: Ja! Ich möchte weitere Geschichten lesen!) schafft es trotz seiner Kürze, den Blick auf eine interessante Grundsituation zu leiten. Die Wandler hier sind in der Wahl ihrer Lebenspartner freier, als das in anderen Geschichten des Genres oft der Fall ist. Sie haben die Möglichkeit, sich auch noch einmal zu trennen. Das eröffnet hier natürlich einige spannende Momente. Nate und Hazel müssen sich nicht nur zueinander hingezogen fühlen oder werden von einer geheimnisvollen Macht zusammengeführt, um einen lebenslangen Bund einzugehen, sondern sie müssen sich sehr bewusst für einander entscheiden. Damit bleiben ihnen dieselben Zweifel und Ungewissheiten, die auch eine normale Beziehung belasten können.
Bei Inka Loreen Minden kann man natürlich davon ausgehen, dass die Helden nicht nur tatkräftig für ihr Glück kämpfen, sondern es dann auch wirklich mit allen Sinnen genießen. Der Sex ist heiß und schweißtreibend und wird mit aller Deutlichkeit geschildert.

Ich hatte auf jeden Fall meinen Spaß mit dieser spannend-erotischen Kurzgeschichte und der kurzen, aber nicht weniger heißen Bonusstory. Deshalb gibt es von mir 5 Punkte und eine Leseempfehlung.
Außerdem Folgendes: Die Story(s) ist (sind) in sich abgeschlossen, es gibt aber durchaus einen übergreifenden Handlungsbogen. Wie oben schon gesagt: Ich will gerne mehr über Wolfwandler, den „unheimlichen“ Gabriel und die Geheimnisse von Hazels verstorbener Mutter wissen ...)

Autorenseite: Inka Loreen Minden

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Mittwoch, 14. Januar 2015

"Verbunden - Helen & Ben 1" von Greta Ley


Romantische Liebe in einer fremdbestimmten Welt

Das Regime beschützt seine Bürger und bestimmt dafür im Gegenzug jedes noch so kleine Detail ihres Lebens. Helen hinterfragt dieses System nicht. Als Tochter eines hochrangigen Beamten tut sie alles, um ihre Eltern zufrieden zu stellen.
Das sogenannte „Seelenlose“ den Menschen als Sklaven dienen, ist für die junge Frau so selbstverständlich, wie die ständige Überwachung, der sie sich bereitwillig unterwirft.
Als angehende Ärztin muss sie in einer Prüfung ein einziges Mal einen Seelenlosen zähmen, danach sollte sie dies eigentlich nie wieder tun müssen. Voller Entsetzen stellt sie fest, dass man ihr einen extrem wilden und gefährlichen Mann zugeteilt hat. Helen kann nicht anders und leitet die schmerzvolle Prozedur ein. Aber Ben geht ihr nicht mehr aus dem Kopf …
Ben ist auf einer geheimen Mission, als man ihn gefangen nimmt. Er weiß, was man mit ihm machen wird und hat dieses Risiko bewusst in Kauf genommen. Womit er nicht gerechnet hat, ist eine wunderschöne, junge Ärztin namens Helen. Er erkennt sofort, dass sie etwas ganz Besonderes ist. Seine Gefühle intensivieren sich, als das Schicksal sie erneut zusammenführt. Aber kann und darf er darüber sein eigentliches Ziel vergessen?

Verbunden – Helen und Ben 1“ ist entgegen meiner Erwartungen keine typische Vampir-Love-Story sondern eine interessante Dystopie mit einem leichten Fantasy-Anteil. Greta Ley präsentiert eine Welt, die nur auf den ersten Blick fremdartig wirkt. Wie weit sind wir eigentlich noch von einer totalen Überwachung entfernt, die uns unter dem Deckmantel des Strebens nach Sicherheit verkauft wird?
Die Einteilung der Menschen in ein Zweiklassen-System ist beklemmend. Hier zeigt sich deutlich, wieviel Macht Sprache haben kann: Es ist vielleicht für einen guten Demagogen nicht schwierig zu begründen, warum ein „Unsterblicher“ eine Gefahr für Menschen ist. Die Bezeichnung „Seelenloser“ macht es aber erst möglich, ihn wie ein (seelenloses!) Ding zu behandeln, ihn unter schrecklichen Schmerzen zu verstümmeln und ihn damit zu „zähmen“, ihn als Sklave in Fesseln zu legen und nach Belieben zu benutzen. Das dahinter etwas ganz anderes steckt, wird dem Leser relativ schnell klar …
Auch die Gedanken zur Medizin finde ich in der Geschichte außerordentlich spannend. Die Ausbildung der Ärzte konzentriert sich mehr oder weniger auf eine einzige „Heilmethode“. Das Wissen um andere Behandlungsmöglichkeiten ist völlig verloren gegangen und Helen muss sich sogar dafür verantworten, dass sie einen jungen Patienten durch Bens Hilfe mit einer „antiken Technik“ rettet. (Wenn das nicht mal Parallelen zur heutigen „Gerätemedizin“ und den bedenkenlosen Einsatz von Antibiotika als Allheilmittel aufzeigt …)
Fast schon perfide und heute gar nicht mehr so schwer vorstellbar ist die Reglung, dass nur „perfekte“ Menschen sich fortpflanzen dürfen. Ihre Gene sollen keinerlei Defekte aufweisen und die Befruchtung findet im Labor statt. Beklemmend ist hier die Definition von „Defekt“. Wer legt das eigentlich fest?

Dass all diese Einschränkungen bei den Menschen Widerstand hervorrufen, verwundert natürlich nicht. Aber bei einem System, dass allmächtig zu sein scheint, ist es mehr als schwierig, sich aufzulehnen. Man kann den Leuten, die sich angepasst haben, weil sie um ihr Leben fürchten, oder aber, weil sie es einfach nicht besser wissen, keinen Vorwurf machen. Das wird in der Geschichte sehr deutlich.
Unter dem Aspekt der Dystopie verdient die Geschichte von Greta Ley auf jeden Fall 5 Punkte.

Leider gibt es in meinen Augen ein kleines „aber“:
Die wachsende Beziehung von Helen und Ben nimmt im Buch einen großen Raum ein. Sie sind ja schließlich auch die Titelhelden. Allerdings haben sie mich mehr als einmal irritiert. Beide wirken sehr (!!!) jung. Bei Helen ist das fast noch verständlich, schließlich ist sie extrem behütet aufgewachsen. Ben dagegen ist über 500 Jahre alt und gilt als außerordentlich gefährlich. Dass ein solcher Mann trotz seiner aufkeimenden Liebe zu Helen sich so angepasst gibt, fand ich sehr schwer vorstellbar. Erst mit Hilfe von Helens Bruder Vik schaffen es die beiden schließlich, … (*grins* Nö. Mehr sage ich nicht. Das wäre sonst ein echter Spoiler!)

Vielleicht lese ich mittlerweile zuviele "erotische" Romanzen, aber die Unschuld, mit der sich Helen und Ben sehr lange begegnen, fand ich für zwei verliebte Erwachsene nicht wirklich glaubwürdig. Für mich wurde erst sehr spät im Buch klar, warum Sex für Helen zu Beginn eigentlich kein Thema war. Bei Ben habe ich es (ehrlich gesagt) bis zum Schluss nicht so richtig verstanden. Dabei geht es mir hier nicht darum, krampfhaft irgendwelche expliziten Szenen in das Buch einzufügen, sondern eher darum, dass Teile der Geschichte schließlich auch aus Bens Sicht erzählt werden. Von ihm hätte ich schon den einen oder anderen Gedanken zum Thema erwartet.

Gerade weil auf deutliche Schilderungen verzichtet wird und in der Liebesgeschichte die Betonung eher auf der romantischen Seite liegt, dass Buch sich aber intensiv mit den Folgen beschäftigt, die das Leben unter einem totalitären System nach sich ziehen könnte, ist die Geschichte in meinen Augen auch für junge Leser geeignet. Dazu passt, dass sich Helen im Laufe der Zeit mehr und mehr von ihren Eltern emanzipiert, eine Thematik also, die vor allem für Jugendliche interessant ist.

Fazit: Insgesamt habe ich voller Spannung verfolgt, ob und wie Helen und Ben, trotz aller Widerstände durch das übermächtige Regime, einen Weg finden ein Paar zu werden und in Freiheit zu leben. Die Welt, die Greta Ley entworfen hat, finde ich faszinierend. Die Love-Story hat in meinen Augen kleinere Schwächen, die allerdings gegen Ende weniger werden, weil sich dort einige Dinge aufklären.

Zusammengefasst finde ich das Buch gut und es erhält damit von mir 4 Punkte und eine Leseempfehlung, die auch für Jugendliche gilt.
Der Titel „Verbunden – Helen und Ben 1“ weist darauf hin, dass es noch eine weitere Folge geben wird. Ich bin ehrlich gespannt, wie es weitergeht und möchte unbedingt wissen, wie sich die Welt, in der sie leben, weiterentwickelt.


Bildquelle: bookshouse
 

Dienstag, 13. Januar 2015

"Tales of the Shareem: Volume 1" von Jennifer Ashley (engl.)

Tales of the Shareem, Volume 1 (English Edition)
Serieneinstieg! Teil 1 bis 3 im Sammelband

Die Shareem sind gezüchtet und genetisch manipuliert worden, um Frauen zu gefallen und ihren Genuss zu bereiten. Aber dann wurden sie „verboten“ und entkamen nur knapp ihrer Vernichtung. Sie leben nun am Rande der Gesellschaft, kaum geduldet und oft ausgenutzt, als Bürger zweiter Klasse.

Der vorliegende Sammelband enthält die ersten drei Teile der Serie, um die sexy Helden in einem SF-Szenario:

Teil 1: Rees
Leider muss man sagen, dass der Einstiegsband um „Rees“ und Talon der schwächste Teil der Serie ist. Hier sollte man nicht zuviel „Tales“ also „Geschichten“ über die Shareem erwarten. Die Handlung fokussiert sich sehr stark auf die Aneinanderreihung, von mehr oder weniger heißen Szenen.
Entsprechend bleibt wenig Raum, die Charaktere zu zeichnen. Rees und Talon bleiben blass, ihre Gefühle und Gedanken werden nur angerissen.

Trotzdem gehört ihre Story zum übergreifenden Handlungsbogen und ist auch nicht so schlecht, dass sie keine Leseempfehlung erhält. Rees spielt im weiteren Verlauf immer wieder eine Rolle und man sollte seine Geschichte schon kennen.

Teil 2: Rio
Rio, der beste Freund von Rees, ist ein sogenannter „Klasse 3 Shareem“. Deren Spezialität ist BDSM.
Rio hat das Leben auf Bor Narga und die damit verbundenen Schikanen total satt. Er möchte den Planeten unbedingt verlassen, obwohl dies für Shareem streng verboten ist. Bei einem seiner Fluchtversuche stolpert er über Nella und rettet ihr das Leben.
Nella stammt von einem andren Planeten und hat keine Ahnung, was oder wer Shareem sind. Es ist ihr auch gleichgültig, sie vertraut niemandem. Ausgerechnet der harte Rio erteilt ihr auf seine ganz eigene Weise Legionen im Vertrauen. Aber kann diese Beziehung auf Dauer funktionieren?

Hier gibt es auf weniger Seiten gefühlt genauso viel ziemlich ausführlich geschilderten Sex aber deutlich mehr Geschichte. Ich bin froh, dass ich nach dem ersten Teil nicht aufgegeben habe. Rio ist ein interessanter Charakter, aber noch mehr Spaß gemacht hat mir die eigensinnige und mutige Nalla. Die beiden sind ein tolles Paar und spielen im Verlauf der Serie noch eine wichtige Rolle.
Der zweite Teil der Serie ist in meinen Augen deutlich besser als der erste. Ab hier war mir klar, dass ich die „Tales of the Shareem“ unbedingt alle lesen muss …

Teil 3: Aiden und Ky
Für ein Lächeln, das er einer Adligen zuwirft wird Aiden eingesperrt. Für Shareem sind nahezu rechtlos und es gibt keine andere Strafe als Tod für jedes Vergehen. Ky versucht alles, um seinen besten Freund zu retten und landet doch nur bei ihm in der Zelle.
Zum Glück ist Brianne nicht so hochmütig und gedankenlos, wie die beiden zuerst glauben. Aidens Verhaftung beruht auf einem Missverständnis, das Brianne aufklärt. Aber Ky ist immer noch sauer. Er verlangt eine Entschuldigung die es in sich hat.
Aiden, Ky und Brianne stellen für sich fest, dass drei auf keinen Fall einer zu viel ist.
Teil 3 der Shareem-Serie hat mir richtig, richtig gut gefallen! Hier halten sich heiße Sex-Szenen und Romantik die Waage. Man liebt und leidet mit Brianne, Aiden und Ky und fragt sich die ganze Zeit, ob und wie sie es schaffen werden, die inneren und äußeren Zwänge zu überwinden, die sie gefangen halten. Alle drei Hauptpersonen machen eine echte und nachvollziehbare Entwicklung durch. Der spannende Handlungsbogen sorgt dafür, dass man das Buch nicht aus der Hand legen kann, bis man weiß, wie die Geschichte ausgeht.
Der dritte Teil der Geschichte enthält von mir uneingeschränkte 5 Punkte und auf jeden Fall eine Leseempfehlung.

Insgesamt bringen es dieser Sammelband mit Rees, Rio, Aiden und Ky und mit ihren Geschichten auf 4 Punkte. Die Serie ist nicht besonders anspruchsvoll, sondern bietet einfach kurzweilige und sexy Abenteuer auf einem fernen Planten. Genau richtig, um sich für eine Weile aus dem Alltag zu verabschieden …

Links zu den einzelnen Büchern der Serie: 
- Rees (Rezi)
- Rio (Rezi)
- Aiden und Ky (Rezi)
- Braden
- Calder (Rezi)
- Justin (Rezi)
- Kieran
- Maya & Rylan

- Sammelband (Teil 1 bis 3) (Rezi)
- Sammelband (Teil 2 bis 4)

Bildquelle: amazon

"Gefährlicher Geliebter" von Alexa Lor

Zweite Auflage, überarbeitet und mit einen wunderschönen, neuen Cover erschienen:


Ich habe die Geschichte von Sean und Torben mittlerweile mehr als einmal gelesen und freue mich total, dass der Main-Verlag, der jetzt die Rechte an dem Buch hat, eine Fortsetzung verspricht.



Viel mehr als eine Romanze!

Sean gibt nach außen hin den treusorgenden Familienvater und den braven Biologen. Aber das einzig echte Gefühl, das er zeigt, ist die Liebe für seine kleine Tochter Molly. Ansonsten ist sein Leben eine einzige Lüge. Seine Ehe ist eine Farce, eigentlich sehnt er sich danach, seine Homosexualität endlich ausleben zu können. Seinen Job hasst er. Ohne es wirklich zu wollen, ist er in der Hierarchie der Firma aufgestiegen und hat nun eine Position inne, die mit der Erforschung und Rettung von Leben nur wenig zu tun hat. Von seiner eigenen Neugier in die Falle gelockt, muss er grausame Tests an Vampiren durchführen, deren Existenz der Öffentlichkeit vorenthalten wird. Sie gelten als blutrünstige Bestien …
Sean will diese Aussage nicht hinterfragen, bis er eines Tages Tarben als Versuchsobjekt in seinem Labor findet. Von Tarben kann er sich nicht distanzieren, indem er in ihm nur eine Nummer sieht und ihn als ein „es“ bezeichnet, als ein Ding. Tarben hat einen Namen. Er kennt Tarben als Mann. Er weiß, wie es sich anfühlt, wenn Tarben ihm intim berührt. Tarben hat sich in Freiheit ihm gegenüber nicht wie eine gefährliche Bestie, sondern wie ein leidenschaftlicher Liebhaber verhalten. Sean bekommt Tarben einfach nicht aus dem Kopf und fasst einen Entschluss, der nicht nur sein Leben für immer verändert …

Man kann „Gefährlicher Geliebter“ von Alexa Lor als spannende Urban Fantasy Romanze mit einen guten Schuss Thriller lesen, sich in der Aktion und den heißen Szenen verlieren und atemlos verfolgen, ob und wie es Sean und Tarben schaffen, gegen jede Chance aus dem Labor zu entkommen und einen Platz zu finden, an dem sie in Sicherheit leben können. Die Geschichte ist temporeich erzählt, die Charaktere sind schlüssig und die Welt, die Alexa Lor entwirft, ist richtig interessant. Die Gesellschaft der Vampire mit ihren traditionsgebundenen Adelsfamilien und der herrschenden Monarchie erinnern übrigens ein wenig an J.R. Ward, es finden sich aber auch genug interessante Unterschiede. Besonders gefallen hat mir, dass es noch weitere paranormale Spezies gibt, die mehr oder weniger entspannt miteinander umgehen. (Ich bin nun jedenfalls auf „Liebe unaufhörlich (Jäger der Dessla 1)“ neugierig, eine Serie der Autorin, die im selben Universum spielt).

Ich muss gestehen, dass ich weder Tarben noch Sean am Anfang besonders sympathisch fand. Beide wirken eher kühl. Während Tarben wenigsten ehrlich ist und dafür auch eine Menge negative Reaktionen in Kauf nimmt, scheint Seans Leben eine einzige Lüge zu sein. Er hat sich sein ganzes bisheriges Leben treiben lassen und ist so in einer Ehe und einem Job gelandet, die er eigentlich gar nicht will.
Es ist aber unheimlich spannend zu lesen, wie die beiden Männer nach und nach verstehen, dass sie „Alles“ füreinander sein könnten, aber dass sie darum, wie um ihr Leben, hart kämpfen müssen. Traben und Sean nehmen das Schicksal in ihre eigenen Hände und wachsen dabei über sich selber hinaus. Mir sind sie dabei so sehr ans Herz gewachsen, dass ich auf eine Fortsetzung des Handlungsbogens rund um die Vampire und die Firma Phober hoffe, in der ich die Beiden, aber auch die interessanten Nebencharaktere, noch einmal wieder treffe.

Nun komme ich zu einem Aspekt, der mir von Anfang an außerordentlich gut gefallen hat: Natürlich ist das hier in erster Linie ein spannender Fantasy Roman, der vor allem der Unterhaltung dient (und der hin und wieder in Hollywood-Manier mehr Opfer fordert, als man zählen möchte ...).
Aber er hat auch einen sehr ernsten Hintergrund: Ausgrenzung von Randgruppen und Entmenschlichung, unter dem Deckmantel der dafür missbrauchten Wissenschaften. Allein der Firmenname „Phober“ ist ein deutlicher Hinweis. Die Firma schürt zuerst Ängste (Phobien) und macht dann Geschäfte damit, eine angebliche Lösung anzubieten. Die Beschreibung der Forschungen, die eigentlich Folterungen sind, ist grausam deutlich. Umso beklemmender ist es, zusammen mit Sean festzustellen, dass sie keinem echten Zweck dienen und dass die wirklich interessanten Fragen zum Vampirismus nie gestellt worden sind. Ob man mit den genannten Methoden eine vernünftige Antwort bekommen hätte, ist sowieso zweifelhaft.
Wie im richtigen Leben gibt die Zugehörigkeit zu einer bestimmten Gruppe / Rasse erst einmal keinerlei Auskunft darüber, ob eine Person „gut“ oder „böse“ ist. Das zeigt sich erst in ihren Handlungen …

Fazit: „
Gefährlicher Geliebter“ von Alexa Lor ist ein interessantes, aber kein einfaches Buch. Die Beschreibungen der Grausamkeiten, aber auch der Liebe, die Sean und Tarben empfinden, sind zu intensiv, als dass man die Geschichte lesen und gleich wieder vergessen könnte. Bei aller Spannung und Unterhaltung, die geboten werden, bleibt es doch nicht aus, dass man nachdenklich wird. Die Welt ist halt nicht nur schwarz und weiß.
Mir jedenfalls hat das Buch mit jeder Seite besser gefallen. Deshalb gebe ich hier 5 Punkte und eine Leseempfehlung. Diese allerdings mit der kleinen Einschränkung, dass man hier keine locker-flockige Vampir-Romanze findet, sondern eine Geschichte, die bei aller Leidenschaft stellenweise sehr hart ist und die einen länger nicht loslassen wird.

Anmerkung: Die Geschichte wird abwechselnd aus der Perspektive von Sean und von Tarben erzählt. Dabei ist man als Leser sehr (!) nah am Geschehen dran und darf sogar an den bisweilen recht unverblümten Gedanken der beiden teilhaben. Das sorgt dann hin und wieder für ein Schmunzeln, dass man als Leser bei der Intensität der Geschichte braucht, damit sie nicht ins Drama abrutscht.


Haben wollen?
 Hier kann man die Bücher von Alexa Lor kaufen:
Gefährlicher Geliebter 
Liebe unaufhörlich (Jäger der Dessla 1)
- Liebe unwiderruflich (Jäger der Dessla 2)
Bildquelle: amazon


Gefährlicher Geliebter
Nur zur Info: So sah das alte Cover aus:

Bildquelle: Sieben Verlag

Samstag, 10. Januar 2015

"MomentAufnahmen1" von Mathilda Grace


MomentAufnahmen 1 (Die Ostküsten-Reihe 15)Wieder einmal ein „Blick in Familienalbum“!
Mit der Ostküsten-Reihe hat Mathilda Grace etwas ganz besonderes geschaffen! Die riesige, lebendige Wahlfamilie rund um den neugierigen Anwalt Adrian Quinlan lässt einen nicht mehr los, wenn man sie einmal kennengelernt hat.
Zum Glück scheint es der Autorin da wie uns Lesern zu gehen und so kommen in regelmäßigen Abständen Kurzgeschichtensammlungen, die mal komisch, mal sehr berührend kleine Episoden aus dem Leben der liebgewordenen Helden erzählen. Ich persönlich werde wohl nie genug davon bekommen.

"MomentAufnahmen1" enthält tolle 5 Storys. Hier ein paar Infos zu jeder einzelnen:

1. Schuld war nur der Tintenfisch:
Ausgerechnet vor Daniels Geburtstagsparty, bei der sich die ganze Familie trifft, wartet Nick mit einem riesigen blauen Fleck am Hals auf, der verdächtig an einen gewaltigen Knutschfleck erinnert. Wilde Spekulationen machen die Runde und die Jungs können es wieder einmal nicht lassen, zu wetten, was oder wer die Ursache sein könnte …
Eine typische, witzige Ostküsten-Geschichte! Macht einfach Spaß!!!

2. Handwerken für Profis:
Adrian, der Mann mit den tausend Verbindungen und den zwei linken Händen, will unbedingt seinen eigenen Hobbyraum. Noch schlimmer ist, dass er ihn höchstpersönlich bauen will. Professionelle Hilfe muss her, zur Sicherheit außerdem eine medizinische Fachkraft und ein gekonntes Ablenkungsmanöver, um den Superanwalt zu beschäftigen und die drohende Katastrophe zu verhindern. Kilian lässt sich etwas einfallen.
Auch das ist eine der eher komischen Geschichten in der Sammlung. Bringt einen zum Schmunzeln ...

3. Ein Weihnachtswunsch:
Nick und Tristan wollen mit Noah, Tom und Eric das Weihnachtswochenende in einer gemütlichen Hütte in Kanada verbringen. Leider ergibt es sich, dass ausgerechnet Nick und Eric dort über Nacht alleine festsitzen. Aus einem belanglosen Geplänkel darüber, warum Eric Weihnachten so sehr hasst, wird ein lange fälliges Gespräch, in dem Eric seinem Schwiegervater schreckliche Dinge aus seiner Vergangenheit enthüllt, die ihn immer noch nicht loslassen.
Diese Geschichte ist unheimlich intensiv und geht unter die Haut. Wenn man die Serie kennt, konnte man sich vieles zusammenreimen. Aber es hier noch einmal kompakt zu lesen, war sehr, sehr berührend. Erics Schmerz und der Zusammenhalt in der Familie werden dabei mehr als deutlich.

4. Tränen schweigen nicht:
Noah geht mit seiner Beziehung zu Eric und Tom weder hausieren, noch schämt er sich dafür. Als zwei Jugendlich ihn für seine Sexualität beschimpfen, nimmt er sie zuerst noch hoch. Er kann nicht ahnen, welche Folgen das nach sich ziehen wird …
Diese Geschichte hat eigentlich zwei Kernthemen: Einerseits die alltägliche Homophobie und die Frage, wie man damit umgehen sollte, und andererseits die die Problematik, ob und wie man die eigenen Kinder zu selbstständigen und toleranten Menschen erziehen und doch gleichzeitig beschützen kann.

5. Strafe muss sein:
Zum Abschluss wird es noch einmal abwechselnd richtig witzig und total heiß: Noah fordert Eric mit einem fiesen Trick heraus und bekommt dafür dessen dominante Ader und seine harte Hand zu spüren. Das Ergebnis ist mehr als befriedigend für beide, auch wenn Noah befürchtet, mindestens eine Woche nicht sitzen zu können …

Fazit: Ich bin mal wieder restlos begeistert. Die Jungs sind mir so ans Herz gewachsen, dass ich wirklich jeden Schnipsel von ihnen genieße. Es ist einfach wunderschön sich vorzustellen, dass es bei allen Dramen, die das Leben bereit hält, Menschen gibt, die immer für einen da sind. Liebe überwindet vielleicht nicht alles. Sie hilft aber über vieles hinweg. Genau das vermittelt Mathilda Grace in der Serie.

Klar, dass ich hier gerne mehr als 5 Punkte und eine Leseempfehlung gebe. Fans werden sich auf jeden Fall über das Wiedersehen mit ihren Helden freuen.
Ich bin aber hier nicht ganz überzeugt, ob die Geschichten auch für Neueinsteiger geeignet sind und so sehr unter die Haut gehen, wie sie es tun, wenn man über das Vorwissen aus der Serie verfügt.
Deshalb folgender Tipp: Mit „Liebe ist jenseits von Gut und Böse (Die Ostküsten-Reihe 1)“ anfangen und sich freuen, dass man diese großartige, bunte, verrückte Wahlfamilie noch Kennenlernen darf ...


Homepage der Autorin: Mathilda Grace

Bildquelle: amazon

Freitag, 9. Januar 2015

"Magische Flammen" von Astrid Freese

Liebe, Magie und ein uraltes Geheimnis

Alina ist an einem absoluten Tiefpunkt angelangt: Ihr geliebter Vater liegt im Sterben, seine Security-Firma, in der auch sie arbeitet, steht vor der Pleite und sie träumt immer wieder von einem Mann, den sie nicht einmal kennt.
Aber dann steht er plötzlich leibhaftig vor ihr und statt in ihm ganz nüchtern den Klienten zu sehen, fliegt ihr ganzes Herz ihm zu. Damian lebt sehr zurückgezogen. Seine Welt sind die Melodien, die ihn ständig begleiten und die ihn zu einem äußerst erfolgreichen Komponisten machen. Die Bilder die seinen Kopf bevölkern, versucht er zu ignorieren, weil er Angst hat, verrückt zu werden. Doch als er Alina sieht, trifft es ihn wie einen Blitz! Er kennt diese Frau, obwohl er sie im realen Leben nie zuvor gesehen hat, und er begehrt sie mehr, als alles andere auf der Welt!
Nach einer berauschenden Nacht entdeckt Damian etwas, das ihn wieder an seinem Verstand zweifeln lässt und sein Leben buchstäblich völlig auf den Kopf stellt. Völlig verzweifelt findet er sich in einer fremden Welt wieder. Ist er endgültig verrückt geworden? Damian will unbedingt zu Alina zurück und kann nur hoffen, dass auch seine Geliebte um ihre gemeinsame Zukunft kämpfen wird …

Ich muss gestehen, dass es mir „Magische Flammen“ von Astrid Freese nicht ganz leicht gemacht hat. Den Einstieg fand ich richtig gut, dann habe ich mich ein wenig schwer getan. Die Liebe zwischen Alina und Damian ist schon zu einen sehr frühen Zeitpunkt im Buch „einfach da“, völlig überwältigend und mit opulenten Worten beschrieben. Natürlich träumen die beiden schon ewig voneinander, aber ich habe mich als Leser gefragt: Was soll denn jetzt noch kommen?

Keine Sorge! Da kommt noch was!!! Von dem Zeitpunkt an, als Damian seiner Alina entrissen wird, ist die Geschichte nicht mehr nur gut, sondern mitreißend und völlig genial. Die wortgewaltige Beschreibung einer fremden Welt aus Eis und Schnee,in der sich Damian wiederfindet, die Zusammenhänge zwischen Melodien und Magie, die klirrende Kälte und sein verzweifelter Kampf, zurück zu seiner Geliebten zu gelangen, haben mich atemlos zurückgelassen.
Auch Alina bleibt nicht untätig. Sie begreift, dass der Schlüssel zu einer gemeinsamen Zukunft mit Damian in ihrer Vergangenheit liegen muss und stellt sich endlich dem Schmerz, den sie damit verbindet. Alleingelassen und mit dem Gefühl, dass die Zeit ihr davonrennt, jagt sie den Hinweisen auf ein uraltes Geheimnis hinterher und deckt eine für sie unglaubliche Wahrheit auf. Dabei gerät sie in den Fokus einer bösartigen Macht.

Die Geschichte wird abwechselnd aus Damian und Alinas Perspektive erzählt. Dabei ist der Wechsel mehr als einmal so geschickt gewählt, dass ich lautlos vor mich hin geflucht habe. Das Buch aus der Hand legen? Unmöglich, bevor ich nicht wusste, wie diese Szene aufgelöst wird … Und die danach … Und die nächste … (Kurz gesagt: Schlaf wird überbewertet!)

Damian und Alina müssen ihren Kampf mit den schier übermächtigen und skrupellosen Gegnern nicht alleine ausfechten: Astrid Freese stellt ihnen lebendige und interessante Helfer an die Seite, die ihren eigenen Teil zur Auflösung der Geheimnisse beitragen. Sie sorgen außerdem dafür, dass die Geschichte nicht zur Schwarzweißmalerei gerät, in der die Guten nur „gut“ und die Finsterlinge nur „böse“ sind. Gerade Paidrick und Kathleen zeigen, dass eine falsche Entscheidung auch revidiert und verziehen werden kann, wenn die darauf folgenden Handlungen wieder darauf abzielen, das Richtige zu tun.

Mein Fazit: „Magische Flammen“ ist eine sehr gelungene Genre-Mischung aus moderner und klassischer Fantasy, einer romantischen Liebesgeschichte und einem kleinen Schuss Erotik. Den für mich schwierigen Einstieg machen der Hauptteil und der Schluss des Buches auf jeden Fall wett.
Deshalb vergebe ich hier gerne mehr als 5 Punkte und eine begeisterte Leseempfehlung.

Ich freue mich jetzt schon darauf, diese Geschichte noch einmal zu lesen. Ich glaube, dann betrachte ich den Anfang mit ganz anderen Augen. Auf jeden Fall will ich mindestens noch einmal erleben, wie Damian und Alina gemeinsam um ihre Zukunft kämpfen, die Geheimnisse um die Vergangenheit entschlüsseln und aus klirrender Kälte mit den Flammen einer großen Liebe eine verheißungsvolle Zukunft entstehen lassen.


P.S.: Es gibt zu dem Buch eine kostenlose XXL-Leseprobe: Die fand (und finde) ich gut. Den eigentlichen Zauber, den hat diese Geschichte aber erst eine paar Seiten später über mich geworfen und mich dann nicht mehr daraus entlassen ...


Bildquelle: www.bookshouse.de