Mittwoch, 27. Mai 2015

"Blue Mountain - Das Herz des Wolfes"

Einfach nur niedlich …

Mitch ist ein großer, böser Wolf im wahresten Sinne des Wortes: Sein einziger weicher Punkt scheint die bedingungslose Liebe zu seinem Bruder zu sein, für den er buchstäblich über Leichen geht. Folgerichtig schickt der ihn aus, als eine Strafaktion ansteht, allerdings sind sich beide Männer bewusst, dass der Delinquent etwas ganz Besonderes sein könnte. Sein Duft scheint ihn als Mitchs langersehnten Gefährten auszuweisen.
Doch Simon ist zuerst ganz und gar nicht der sanfte Omega, von dem Mitch geträumt hat, sondern wehrt sich wie eine Furie gegen sein vorbestimmtes Schicksal …

Als absoluter Fan von Gestaltwandler-Romanen habe ich mich total gefreut, dass endlich eine der Gay-Geschichten, die im englischen zu Dutzenden vorliegen, übersetzt worden ist. „Blue Mountain – Das Herz des Wolfes“ präsentiert sich als zuckersüßer Kurzroman. Es ist einfach nur niedlich, wie der große, starke Mitch völlig entgeistert darauf reagiert, dass sein Gefährte ihn scheinbar nicht leiden kann (obwohl das von Natur aus nicht möglich sein sollte) und dann unendlich liebevoll versucht, ihn von seinen guten Absichten zu überzeugen. Der große, böse Wolf mutiert für Simon unversehens zum Schmusebären und zeigt die Zähne nur noch außerhalb des Hauses.

Mir hat die Story Spaß gemacht und ich habe sie gerne gelesen. Sie „krankt“ allerdings ein wenig daran, dass es keine echten Konflikte gibt. Mitch ist sofort hin und weg von Simon und bereit alles für ihn aufzugeben, weil das in seiner Natur als Gefährte liegt. Rückfälle in die Gewohnheiten seines alten Einsiedlerdaseins gibt es keine. Simon überwindet seine Traumata in wenigen Wochen, weil das häusliche Leben, ein Rudel und die Gefährtenbindung seiner Natur als Omega entsprechen. Alle sind glücklich …

Ich freue mich für Mitch und Simon und Cardeno C. gönnt den Beiden (und den Lesern) am Ende auch noch ein paar heiße Szenen. Was mir aber in dem Buch fehlt sind ein paar echte Konflikte oder unerwartete Wendungen und ein wenig Tiefe. Das ist total schade, weil sowohl die Haupt– als auch die Nebencharaktere richtig Potential haben, das leider aber nicht mal im Ansatz ausgeschöpft wird. Die Problematik, dass gleich drei (!) Alpha-Wölfe an der Spitze des Rudels stehen, wird nur angerissen, die interessanten Sozialstrukturen der Wandler nur angedeutet und die Wandlung von Mitch, der immer alleine gelebt hat, zum Super-Gefährten ist ein wenig sehr glatt. Auch Simon braucht anscheinend nur ein paar Wochen Zeit, gutes Essen und ein wenig Ruhe, um ein ganzes Leben voller Demütigungen und Enttäuschungen, nicht zu vergessen die Trauer um seine Mutter, hinter sich zu lassen.

Mein Fazit: Niedlich und gut zu lesen als leichte Lektüre für zwischendurch. Gefällt mir. Also 4 Punkte und eine Leseempfehlung, die speziell bei akuter Unterzuckerung gilt.


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 Hier kann man die (hauptsächlich englischsprachigen) Bücher von Cardeno C. kaufen: 
Auf Deutsch gibt es bisher:
- "Blue Mountain - Das Herz des Wolfes"
- "McFarlands Farm

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Dienstag, 26. Mai 2015

"Die letzte Zigarette" von Pinco Pallino

Das erste Mal ...

... erlebte Felix schon in seiner von Missbrauch geprägten Kindheit. Die hat er inzwischen längst hinter sich gelassen, aber die Zeit hat seine Wunden nicht geheilt und mittlerweile fügt er sich selbst systematisch weitere zu.
Bei Marcus wünscht sich Felix zum ersten Mal, er wäre in der Lage eine ganz normale Beziehung zu führen. Aber erstaunlicherweise ist es der unscheinbare Paul, der ihm gleich mehrere erste Male schenkt und ihn vielleicht dazu bringt, den Vorsatz mit dem Rauchen aufzuhören, das erste Mal ernst zu nehmen.

„Die letzte Zigarette“ von Pinco Pallino erzählt unsentimental, aber gerade deshalb sehr berührend, von einem schrecklichen Schicksal. Felix lebt sein Leben, aber die Vergangenheit überschattet es. Zu lesen, was mit Felix geschehen ist und was er sich heute selber antut, ist keine leichte Kost.
Mich hat das Buch trotzdem begeistert. An der Stelle, an der dich dachte, nun kann es fast nicht mehr schlimmer kommen, erlebt man als Leser zusammen mit Felix eine große Überraschung.
So beklemmend und furchtbar diese Geschichte auch beginnen mag, man sollte sie unbedingt lesen. Felix und Paul sind keine klassischen „Helden“. Sie sind weder besonders schön, stark oder erfolgreich. Ganz im Gegenteil …
Und doch zeigen sie wahre Stärke und echten Mut: Sie öffnen sich einem anderen Menschen, auf die Gefahr hin verletzt zu werden. Die beiden machen das nicht zum ersten Mal. Sie kennen das Leid und den Schmerz, den Andere einem zufügen können.

Ich habe wahrscheinlich hier schon viel zu viel verraten. Aber am liebsten würde ich noch seitenweise weiter von dieser klugen, berührenden Kurzgeschichte und ihren beiden Antihelden schwärmen, die mir unter die Haut und direkt ins Herz geschlichen sind. Sie steckt voller Schmerz und Trauer und doch voller Hoffnung auf Glück und wahre Liebe.

Fazit: Für dieses kleine Juwel gebe ich 5 Punkte. Leseempfehlung? Mehr als das! Ein Muss!!!

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- "Die letzte Zigarette"
- "Im freien Fall

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"Im freien Fall" von Pinco Pallino

„Das Leben ist eine Welle“

Chris und Janosch versuchen beide ihr Abitur nachzuholen, scheinen aber ansonsten nichts gemeinsam zu haben: Der eine ist ein ernsthafter junger Mann aus gutem Hause, der konzentriert auf ein Ziel hinarbeitet, der andere ein kiffender Unruhestifter mit Dreadlocks. Oder dealt er nur mit dem Stoff? Chris ist das zuerst einmal gleichgültig, bis er Janosch im „69“ trifft und doch eine Gemeinsamkeit entdeckt: Sie beide stehen auf Männer und suchen einen Partner für einen One-Night-Stand. Leider gibt es ein Problem: Sie sehen sich täglich in der Schule und sollen auch noch zusammen lernen. Dabei erfahren Chris und Janosch mehr voneinander, als sie zuerst wissen wollten. Sie müssen beide erkennen, dass sich hinter einer glatten Fassade dunkle Geheimnisse verbergen können und entscheiden, ob es sich lohnt umeinander zu kämpfen.

Im freien Fall“ von Pinco Pallino beginnt zwar, wie viele Kurzgeschichten des Autors, im Club „69“, ist aber deutlich länger als die anderen Storys in der Reihe und wie schon bei „
Die letzte Zigarette“ wird man dem Buch nicht gerecht, wenn man es „nur“ als Romanze ansieht.

Sowohl Chris, als auch Janosch haben schon einiges hinter sich. Beide zweifeln an ihrem eigenen Urteil, ob sie einem Menschen vertrauen können und sich auf ihn einlassen sollen oder nicht.

Chris versteiftes Knie ist nur ein äußeres Zeichen einer Narbe, die tief in sein Inneres hineingeht. Er hat völlig verzweifelt versucht, mit einem Kapitel seines Lebens abzuschließen und dies beinahe nicht überlebt. Pinco Pallino geht hier sehr sensibel auf das Thema Missbrauch von Schutzbefohlenen ein, dass immer noch viel zu oft totgeschwiegen wird, und schafft es, die Gefühle eines Betroffenen glaubhaft zu schildern, ohne Klischees zu bedienen.

Janosch muss seine eigenen Dämonen bekämpfen. Er ist ohne Vater aufgewachsen und hat auch seine Mutter früh verloren. Die Familie seines Onkels nimmt ihn zwar auf, hier findet er aber weder Trost noch Zuneigung und verfällt in ein Muster, dass ihn fast in den Abgrund reißt: Wenn man schon keine positive Aufmerksamkeit erhält, dann tut es auch negative.

Chris und Janosch sind in der Geschichte zwar schon volljährig, aber in dem Buch werden sie erwachsen. Beide beginnen, sich mit den Dämonen ihrer Vergangenheit auseinanderzusetzen und beide müssen erkennen, dass diese sie niemals loslassen werden, solange sie sie nicht wirklich gehen lassen. Nur dann liegt auch eine gemeinsame Zukunft im Bereich des Möglichen …

Im freien Fall“ beginnt ganz locker, scheint eine „typische“ Geschichte um einen Streber und einen Bad Boy zu sein. Aber das Buch gewinnt mit jeder Seite an Tiefe. Es ist nicht immer einfach zu lesen und wirkt noch eine ganze Weile nach. Die Story ist manchmal tieftraurig, aber sie hat auch wunderbar zärtliche und sinnliche Momente.
„Das Leben ist eine Welle“, behauptet Chris. Er muss es wissen. Wasser ist sein Element. Man kann gegen die Wellen ankämpfen, oder sich mit ihnen bewegen …
Ob und wie Chris und Janosch es schaffen, nicht unterzugehen und wo die Wellen des Lebens sie schließlich hinbringen, sollte man unbedingt selber lesen. Von mir gibt es jedenfalls mehr als 5 Punkte und eine Leseempfehlung!

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- "Die letzte Zigarette"

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"Die Verführung des Teufels" von Tharah Meester

Rauer Söldner mit sanfter Seele

Kendrick McLaughlin ist, wie sein Vater, ein Söldner. Narben zeichnen seinen Körper und sein Gesicht, was gewöhnlich dafür sorgt, dass die Menschen auf Abstand bleiben. Sein neuester Auftraggeber ist allerdings blind und damit versagt Ricks bewährte Strategie, niemanden nahe an sich heran zu lassen.
Isaacs Selbstsicherheit, seine positive Lebenseinstellung und sein Mut beeindrucken den harten Krieger gegen seinen Willen. Mit dem überraschend frechen Mundwerk des jungen Priesters kann er kaum mithalten und zu seinem Entsetzen bemerkt er, dass er in ihm nicht einfach einen Job, sondern eine echte Versuchung sieht.
Rick scheut keinen Kampf, den er mit dem Schwert ausfechten kann, aber seine Gefühle ängstigen ihn zu Tode …

Die Verführung des Teufels“ von Tharah Meester macht einfach Spaß. Vom ersten Moment an spürt man, dass die Funken zwischen dem eher mürrischen Söldner und dem lebhaften, unkonventionellen Priester hin und her springen. Richtig gut gefallen hat mir aber auch, dass die Charaktere eine unerwartete Tiefe haben. Rick versteckt seine sanfte Seite, die ihm aufgrund seines harten Gehabes niemand zutraut. Er drückt sie eher mit Gesten als mit Worten aus. Vertrauen ist nicht einfach für ihn und er versucht stets, die Gefahren in jeder Situation im Voraus abzuschätzen, um gewappnet zu sein. Bittere Erfahrungen haben sein Vertrauen in die Menschen erschüttert. Natürlich ist es faszinierend für ihn (und den Leser) auf einen Mann zu treffen, der ihn eben nicht nach seinem Äußeren beurteilen kann.

Isaac dagegen scheint mit sorglosem Optimismus durchs Leben zu gehen und wortwörtlich seinen Mitmenschen blind zu vertrauen. Aber in den Schatten seines sonnigen Gemüts lauern finstere Geheimnisse. Es ist nicht nur für Rick überraschend, was man alles hinter einem fröhlichen Lachen verbergen kann …

Als Leser verfolgt man mal amüsiert, mal wirklich gespannt, wie sich die beiden unterschiedlichen Protagonisten streiten, vertragen, vorsichtig annähern, verärgert Abstand suchen und sich schließlich eingestehen müssen, dass sie zueinander gehören. Aber ist es da nicht schon zu spät für die beiden?

Mein Fazit: Spannend, lustig, romantisch. Mit „Die Verführung des Teufels“ wird auch der Leser verführt, wieder einmal in die wunderbare, mittelalterlich angehauchte Welt des Fantasie-Landes Farefyr einzutauchen. Von mir gibt es verdiente 5 Punkte, eine Leseempfehlung und eine Warnung: Zeit einplanen! Die Geschichte wird gegen Ende so spannend, dass man sie nicht aus der Hand legen kann!

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 Hier kann man die Bücher von Tharah Meester kaufen, eine Auswahl meiner Lieblings-Farefyr-Geschichten habe ich direkt verlinkt:

Die Verführung des Teufels

Freitag, 22. Mai 2015

"Von der Herrin vermietet" von Kiara Grey

Misslungener Ausflug in die Fetisch-Szene

„Kiara Grey“ ist laut ihrem Autorenprofil ein Pseudonym einer deutschen Autorin. Sie schreibt außerordentlich fleißig Kurzgeschichten, für die Klappentexte bleibt da weniger Zeit. Sie sind fast zu jedem Buch identisch und weisen meist energisch darauf hin, dass die Bücher „sündig“ und „erotisch“ sein sollen.

Zitat: „Kribbelnd, prickelnd, scharf... Die Wertung obliegt der Einstellung des Lesers zur schönsten Sache der Welt.“



OK, eine Chance könnte man den Geschichten ja einfach einmal geben, hin und wieder entdeckt man gerade bei den Selfpublishern echte Perlen …

Sorry! Dieses Buch gehört definitiv nicht dazu! Schon in der Leseprobe (und das wird im Verlaufe des Buches nicht besser …) fallen die ersten Rechtschreib- und Grammatikfehler auf, falsche oder nachlässige Formatierung runden das Bild eines schnell herunter getippten Textes ab, der scheinbar durch keine Korrektur gelaufen ist. Das erklärt dann wahrscheinlich auch gleich die unzähligen Wortwiederholungen.

Aber kommt es nicht letztendlich mehr auf den Inhalt an? Genau!!! Der ist doch das Wichtige an einem Buch, oder?

Erotisch soll der Inhalt sein, verspricht mir der Klappentext. Darunter verstehe ich eine gewisse Sinnlichkeit, ein paar Gefühle, nicht die rein mechanische Beschreibung irgendwelcher Handlungen.

Genau das bekommt man allerdings leider in der Titelstory geliefert: „Von der Herrin vermietet“ ist eine Geschichte, die wohl verschiedene Fetische beschreiben soll. Allerdings bleibt die Erotik dabei völlig auf der Strecke. Ganz egal, ob man die beschriebenen Handlungen, Kleidungen und Praktiken anregend findet oder nicht, durch die völlig lieblose Aneinanderreihung liest sich die Geschichte so prickelnd wie die Bedienungsanleitung eines Staubsaugers. Die „TV“-Herrin und ihr Sklave ziehen sich unzählige Male um und präsentieren dabei verschiedenste Latex-Fummel. Das wirklich interessant gewesen wäre, ist was die beiden dabei empfinden. So wie sich die Story liest: Wohl eher nichts, deshalb wechseln sie wohl auch vor lauter Langeweile wie Barbie-Puppen dauernd die Klamotten …

In „Der letzte Kunde“ will ein Mann kurz vor Feierabend noch rasch einen kleinen Einkauf im Erotik-Shop tätigen. Die Inhaberin ist erstaunlich gewieft, aber der Kunde erlebt gerade deshalb eine erotisch Überraschung. Diese Geschichte ist eindeutig das Highlight des Buches und durchaus lesenswert.

„Fesselnde Gier“ ist letze und längste Story im Buch. Sie beginnt recht vielversprechend, verliert aber dann an Spannung. Im Grunde genommen liest sich die Geschichte, ähnlich wie die erste, als hätte jemand über einen Fetisch recherchiert und wolle nun eifrig alle Ergebnisse auf ein paar Seiten unterbringen.

Fazit: Sorry, dieses Buch hat mich nur von einem überzeugt: Weiteres „Bett-Geflüster“ (So heißt die Serie …) von Kiara Grey möchte ich nicht lesen. Hier scheint die Qualität eindeutig unter der Quantität zu leiden.
Schade eigentlich. Die Ideen hinter den Geschichten sind nicht schlecht und sie könnten nach einem vernünftigen Lektorat und Korrektorat das sein, was der Klappentext verspricht: „Kribbelnd, prickelnd, scharf ...“

Eine Leseempfehlung bekommt dieses Buch auf keinen Fall von mir!

Wer sich trotzdem selber überzeugen will, kann das natürlich gerne tun. Zum Profil der Autorin geht es hier: Kiara Grey

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"Micah: Gefährten Bande" von Tina Filsak

Abgründe voller Blut, Gewalt und … Erotik!

Tina Filsak ist in mit den Informationen zu „Micah“ im Klappentext sehr sparsam und auch die Leseprobe enthüllt nicht wirklich, auf was man sich mit diesem Buch einlässt.

Ich kann und will die Geschichte nicht besprechen, ohne ein wenig mehr zu verraten, deshalb meine Bewertung vorab:

Mit „Micah“ beginnt eine großartige, breitangelegte Serie, die mich jetzt schon voller Spannung auf den zweiten und hoffentlich auf viele weitere Teile hoffen lässt.
Von mir gibt es deshalb mindestens 5 Punkte und eine Leseempfehlung, die allerdings nicht für zarte Gemüter gilt, die mit BDSM und der Verbindung von Schmerz und Lust nichts anfangen können.


Ab hier SPOILER möglich:

Micah hat mit seinem Leben abgeschlossen. Sein größtes Geheimnis ist seine Emphatie, bei Berührungen kann er sich nicht von den Emotionen der anderen Menschen abschotten und seine mühsam errichteten Barrieren sind seiner Krankheit zum Opfer gefallen. Die Diagnose lautet Krebs im Endstation. Micah hat alle Brücken hinter sich abgebrochen, um niemand mit seinem Sterben zu belasten.

Das einzige Vergnügen, das er sich noch gönnt, sind die allabendlichen Besuche in einem Pub. Dort trifft er auch zum ersten Mal auf Darius. Zwischen den beiden ungleichen Männern entwickelt sich eine Freundschaft, in der Micah allerdings von Anfang an klar macht, dass mehr es nie zu mehr als netten Gesprächen kommen wird.

Er ahnt nicht, dass Darius kein Mensch ist. Erst als sich nach einem homophoben Überfall die Situation dramatisch zuspitzt, weiß sich Darius keinen anderen Rat mehr. Mit einer Gabe seines Bluts rettet er Micah zwar das Leben, setzt aber etwas in Gang, mit dem keiner gerechnet hat: Der junge Musiker ist ein Dhampir, ein Halbvampir, dessen Wandlung nun beginnt. Außerdem bindet Darius Micah gegen seinen erklärten Willen als Gefährten an sich. Er kann ja nicht ahnen, wie hart Micah um seine Freiheit gekämpft hat und dass er lieber tot sein möchte, als nicht mehr frei über sein Leben bestimmen zu können.

Darius hat nur den schwachen Micah kennengelernt, der im Angesicht seines Todes jede Hoffnung aufgegeben hatte. Nun findet er sich als Gefährte eines jungen Mannes wieder, der seinen eigenen Kopf und seine ganz eigenen Vorstellungen von der Zukunft hat. Eine auf Treue beruhende Zweierbeziehung kommt darin nicht vor, da ist Micah kompromisslos. Außerdem weiß er schon lange, dass er eine außerordentlich dominante Ader hat, die er mit Darius teilt. Können zwei Männer mit dieser Veranlagung überhaupt Partner sein?

Darius muss sich damit auseinandersetzen, dass sein Kampfgefährte Dio, der Mensch Rodney und der Wandler Tommy ihre eigenen Bindungen zu Micah haben bzw. aufbauen.


Wenn man den Klappentext und die Leseprobe liest, glaubt man zuerst noch, eine Gay-Variante des alten Motivs „Starker-Vampir-rettet-schutzbedürftige-Schöne“ gefunden zu haben. Ganz am Anfang scheint das Buch auch auf eine klassische Romanze zwischen zwei Männer hinauszulaufen. Allerdings wird schnell klar, dass Micah trotz der Zuneigung, die er für Darius empfindet, nicht bereit ist, ein Leben im goldenen Käfig zu führen. Er hat zu hart darum gekämpft, seine Kindheit voller Gewalt, Demütigungen und Missbrauch hinter sich zu lassen und seine Freiheit geht ihm über alles.

Micahs ist auf seine eigene Weise ein Krieger. Aber als Emphat kann und will er sich auch nicht vor den Gefühlen seiner Freunde verschließen. Besonders bei dem ruhigen Dio spürt er von der ersten Sekunde an, dass stille Wasser tief sind. Dazu im Gegensatz nutzt Rodney eine lärmende Fassade, um seine intimsten Wünsche zu tarnen.

Obwohl die Geschichte eindeutig ein BDSM-Roman ist, steckt sie auch voller sanfter und sehr zärtlicher Momente, sie ist aber nicht unbedingt romantisch. Das Leben der Männer ist zu hart, ihre Vergangenheit zu gewalttätig und sie stillen ihren Hunger nach Berührungen nicht mit Blümchensex. Micah hat Gefallen daran, seine Partner zu dominieren, er ist nicht abgeneigt, ihnen Schmerzen zuzufügen, wenn sie dies von ihm verlangen. Bei den Spielen fließt Blut und beide Seiten genießen es.

Mir hat gefallen, dass das Buch eine Menge verschiedener Arten von Sex schildert, ohne zu werten. Eine wichtige Grenze zwischen Gewalt und Sex wird allerdings deutlich gezogen: Zu Beginn muss jeder der Partner sein Einverständnis geben. Hingabe und Vertrauen, aber auch feste Regeln sorgen dafür, dass in dem Spiel mit Dominanz und Unterwerfung, mit Qual und Lust, mit Schmerzen und erotischen Reizen am Ende jeder seine Erfüllung findet.

„Abgründe voller Blut, Gewalt und Erotik“ zeigen sich in dem Buch. Viele der Männer haben Missbrauch am eigenen Leib erlebt und müssen irgendwie damit klar kommen. Einfach ist das nicht und Totschweigen oder Ignoranz sind der falsche Weg. Verständnis und Akzeptanz scheinen eher von Bedeutung zu sein.

Die Geschichte macht aber auch deutlich klar, dass die „Abgründe von Blut und Erotik“ auf keinen Fall finster sein müssen. „Micah“ gewährt offenherzige Einblicke in die Welt des BDSM und bringt sogar Praktiken näher, die dem Leser vielleicht völlig fremd sind. Tina Filsak gelingt es dabei, die Erotik der Handlungen deutlich zu machen, auch wenn man sie vielleicht nicht von Anfang an verstehen kann. Nicht eine der Schilderungen beschränkt sich auf den rein mechanischen Ablauf einer Session, sondern bei allen ist das Gefühl dahinter mindestens genauso wichtig und kommt auch beim Leser an.

Mich hat das Buch fasziniert. Ich möchte unbedingt wissen, wie es mit Micah, mit Darius und Dio, mit Rodney, Tommy und den anderen Vampiren, Wandlern und ihren Gefährten weitergeht. Natürlich will ich erfahren, ob der gesamte Rat in die finsteren Machenschaften verstrickt ist, die sich andeuten und was die Sonnentempler damit zu tun haben. Aber ich bin ehrlich: Ich will auch unbedingt mehr von den absolut heißen Spielen lesen, die sich Micah für seine Freunde und Gefährten immer wieder einfallen lässt.

Fazit:Micah“ ist ein spannender, sehr erotischer Roman voller überraschender, aber niemals unglaubwürdiger Wendungen. Ihn zu lesen, ist fast, wie an einem von Micahs sorgsam inszenierten Spielen teilzunehmen: Man weiß nie, was als nächstes kommt. Vieles ist grausam, aber wenn man das Buch abbricht, enthält man sich auch die tiefe Befriedigung vor, zu wissen, wie die Geschichte (hoffentlich nur vorläufig!) endet.



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 Hier kann man die Bücher von Tina Filsak kaufen: 
- "Micah: Gefährten Bande" (Band 1)
- "Micah: Schottische Überraschung" (Band 2)

SpinOff zu Micah: "Dämonenherz und Katzenjammer" (Spielt nach Band 2)

"Sha" und  "Lorvaa" (Fantasy-Serie)

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Montag, 18. Mai 2015

"Beschädigt" von Eliana Wagner

Kann man Vertrauen wieder lernen?

Als Jana Adrian trifft, liegt ihr Leben in Scherben. Sie hat jedes Vertrauen in Männer, aber vor allem das Vertrauen in sich selbst verloren. Trotzdem muss sie für ihren Sohn stark sein, denn die Vergangenheit ist zwar vorüber, aber sie streckt noch immer ihre mächtigen Schatten nach den beiden aus. Der kleine Ben trauert um seinen verlorenen Vater und kennt die schreckliche Wahrheit über die Umstände, die zu seinem Tod geführt haben, nicht.

„Beschädigt“ von Eliana Wagner ist eine erotische Romanze und so kann man dieses Buch auch lesen. Eine junge Frau mit traumatischer Vergangenheit versucht für sich und ihren kleinen Sohn auf den Scherben der Vergangenheit irgendwie die Zukunft aufzubauen. Zum Glück hat sie eine Familie, die zu ihr steht und trifft auch noch den perfekten Mann …

Aber ganz so einfach ist es nicht, zumindest habe ich die Geschichte nicht nur so gelesen. Natürlich hat Jana Schreckliches erlebt. Aber sie ist weder blind noch dumm. Sie weiß, dass Adrian der Richtige für sie sein könnte und er lässt auch keinen Zweifel an seinen Absichten. Das eigentlich Spannende an dem Buch liegt für mich in einer anderen Thematik: Wenn wir ehrlich sind, wissen wir alle, dass die erste Liebe nicht immer bzw. nicht bei allen für ewig halten wird und das jede Trennung Naben hinterlässt. Natürlich ist das, was Jana erlebt hat, mehr als extrem, aber die Problematik bleibt:

Wie schafft man es, erneut einem Menschen zu vertrauen, wenn man bereits einmal mit seinem Urteil völlig falsch gelegen hat? Das kann man nicht mit dem Verstand machen und dem Herz vertraut man gerade nicht wirklich. Noch schwieriger, sich auf eine neue Beziehung einzulassen wird es, wenn Kinder da sind, die natürlich oft auf den Ex-Partner eine völlig andere Sicht haben und nicht verstehen, dass plötzlich jemand anderes seinen Platz einnehmen soll.

Für mich ist das Buch nicht nur eine Romanze, sondern es geht vor allem um die Heilung einer wunden Seele. Jana braucht ihre Zeit und das wird wunderbar dargestellt. Die Narben wird sie für immer behalten, genau wie ihre Erinnerungen. Aber beides sieht mit Zeit und Abstand weniger dramatisch aus.

Beschädigt“ hat mich fasziniert, weil es bei aller Dramatik auch Hoffnung macht. Vielleicht ist der zweite Versuch ja der, bei dem alles perfekt läuft und das Glück für immer hält …

Fazit: Dramatisch, berührend, manchmal sehr romantisch und am Schluss überraschend sinnlich. Dafür gibt es vom mir 5 Punkte und eine Leseempfehlung.


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"Beschädigt" (e-book)

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Sonntag, 17. Mai 2015

"Big Blind: Alles im Spiel" von Tim Spohn

Sankt David und sein Ritter

David lebt in einer Berliner „Homo-WG“ (seine Worte) und seine Aufgabe ist es, dafür zu sorgen, einen zahlenden Mitbewohner für das kürzlich frei gewordene Zimmer zu suchen. Kai, gerade mit seinem Rucksack von einer Weltreise zurück, noch ohne Studienplatz und vor allem ohne Job, scheint nicht der geeignete Kandidat zu sein. Trotzdem nimmt David ihn mit heim und sorgt sogar dafür, dass er eine Nacht lang kostenlos in der WG schlafen kann. Seine soziale Ader lässt sich einfach nicht abstellen …
David hadert mit seinen Gründen, Kai in die WG zu holen: Einerseits findet er ihn der ersten Sekunde an unheimlich anziehend und kommt nicht dagegen an ihn heimlich anzuschmachten, andererseits hat er überhaupt keine Lust auf die Komplikationen mit einer Hetero zusammenzuwohnen, der ihm gegenüber zwar nicht ganz gleichgültig ist, aber offen zugibt, dass er sich eine ernsthafte Beziehung zu einem anderen Mann nicht vorstellen kann.
Zwischen Job, Studium und sozialem Engagement findet David kaum genug Zeit zum Schlafen, geschweige denn dafür, sein Liebesleben auf die Reihe zu bekommen. Zum Glück sind die Jungs und Mädels in seiner WG nicht nur Mitbewohner, sondern auch die besten Freunde, die sich ein Mensch vorstellen kann.

Ich bin ohne wirkliche Erwartungen an diese Geschichte heran gegangen, eigentlich sogar ohne den Klappentext groß zu lesen, weil mich schon das letzte Buch von Tim Spohn völlig in seinen Bann geschlagen hat. Im Gegensatz zum „Faustus-Institut“ (Wann kommt eigentlich endlich die Fortsetzung???) enthält „Big Blind“ keinerlei Urban-Fantasy Elemente, sondern ist ein zeitgenössischer Roman über junge Erwachsene und ihre Suche nach einem Platz im Leben. Gemeinsam haben sie alle eigentlich nur eines: ihre Homosexualität. Diese bedingt aber bei den meisten erhebliche Probleme mit den Eltern und / oder der Umgebung, die nicht immer freundlich reagiert. Die WG bildet eine eingeschworene Gemeinschaft, in der sie sie selbst sein können und bietet ihnen den Rückhalt, den die Familien nicht geben können oder wollen.
Tim Spohn schafft es, eine wunderbare Liebesgeschichte, voller Zärtlichkeit und auch voller Romantik zu präsentieren, ohne den Zweifel, den Stress und die Probleme zu verschweigen, mit denen David und seinen Mitbewohner zu kämpfen haben. Manche der Schwierigkeiten sind hausgemacht, wie die vom Davids Freund Nik, der mit 25 schon Angst vorm Alter hat, oder auch die von David selber, der immer zuerst an andere und erst ganz zum Schluss an sich und seine Bedürfnisse denkt.
Andere werden durch die Erwartungen und Vorurteile der Familien in die WG hereingetragen. Es ist nicht fair, dass alleine die sexuelle Orientierung dazu führt, dass der junge Freddy von seinen Eltern regelrecht gehasst wird und der ruhige, kompetente Berkan seine Neigungen nur im Geheimen ausleben darf. Auch wenn die WG immer wieder für ihre Bewohner da ist, so können sie doch ihre Familien und deren Erwartungen nicht einfach vor der Tür lassen. Sie tragen die Menschen im Herzen und es ist schwierig und schmerzhaft, sich damit auseinanderzusetzen, dass diese Liebe nach dem Outing nicht mehr erwidert oder vielleicht sogar in abgrundtiefe Abneigung umschlagen wird.
David hat übrigens ein anderes Problem: Er weiß, wie und wo er ohne Probleme schnellen, anonymen Sex bekommen kann. Aber er sehnt sich nach einem festen Partner, einem Menschen mit dem er über Gott und die Welt reden kann, mit dem er abends einschläft und morgens aufwacht. Dass er sein Herz ausgerechnet an den heterosexuellen Kai verliert, lässt ihn panisch werden. Vor lauter Sorge, dass diese Beziehung keine Zukunft haben könnte, will er sie erst gar nicht beginnen.

Mich hat „Big Blind“ begeistert. Ich pokere nicht und weiß nicht wirklich, was der Begriff in Zusammenhang mit dem Spiel bedeutet. Mir gefällt er trotzdem als Titel für das Buch außerordentlich gut. David, Kai und ihre Mitbewohner und Freunde wissen (so wie wir alle) nicht wirklich, was die Zukunft bringen wird. Blind und mit aufgeregt klopfendem Herzen müssen sie (und wir) es wagen, einen Schritt nach dem anderen zu gehen, wohl wissend, dass jede Handlung Konsequenzen hat. Manche sind unerwartet, dramatisch und schrecklich. Andere wieder so wunderbar, dass es sich lohnt, sich in „blindem“ Vertrauen fallen zu lassen, oder - um vielleicht doch wieder in den Poker-Jargon zu fallen - alles aufs Spiel zu setzen.

Fazit: Die Geschichte in „Big Blind“ ist ganz einfach und doch unendlich vielschichtig. Sie ist berührend, eindringlich, manchmal richtig heiß und einfach wunderbar erzählt. Der Handlungsbogen ist rund und doch habe ich eigentlich noch lange nicht genug davon. Die Charaktere wirken so lebendig und echt, dass ich ihnen von Herzen alles Gute wünsche und hoffe, irgendwann, irgendwie noch einmal etwas über ihr Schicksal zu erfahren. Der Roman ist eine Romanze, keine Frage. Aber er hat auch etwas von einem richtig gut geschriebenen Entwicklungsroman.
Ich könne jetzt noch eine ganze Weile weiter schwärmen. Mache ich aber nicht. Ich gebe hier 10 von 5 Punkten und eine wirklich begeisterte Leseempfehlung. Dann erfährt man selber, warum David von seinen WG-Mitbewohnern den Beinamen „Sankt“ bekommen hat und wer am Ende sein Ritter sein wird.

P.S.: Warum das etwas nostalgisch anmutende Titelbild richtig gut zu einer Geschichte passt, die eigentlich hauptsächlich im Berliner Nachtleben spielt, offenbart sich am Schluss des Buches.

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"Big blind" (e-book)
"Big blind" (Taschenbuch)

link zum Blog: "Verbloggt  - Tim Spohn"

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Samstag, 16. Mai 2015

"Der Trucker - Wenn sich das Herz nach mehr als einem Menschen sehnt" von Norma Banzi

Sind drei eine(r) zuviel?

Fran weiß seit ihrer Hochzeit, dass ihr Mann bisexuell ist. James musste ihr aber schwören, seine Liebe zu Männern niemals in Lake Beautown auszuleben. Was auf seinen Touren passiert, bleibt dort, bis er eines Tages vor der Entscheidung steht, wie er seinem besten Freund und Gelegenheitsliebhaber aus einer verzweifelten Situation heraus helfen kann.
Andrew ist zunächst entsetzt, als er bemerkt, wo James ihn hingebracht hat um sich auszukurieren, und befürchtet, dass Fran ihn im hohen Bogen wieder vor die Tür setzten wird. Doch die ist unerwartet freundlich.
Die Regeln in dem Spiel, das über lange Jahre ausgezeichnet funktioniert hat, sind plötzlich nicht mehr fest. Wie wird es mit James und Fran weitergehen? Und mit James und Andrew? Muss er sich entscheiden, oder übernimmt seine Frau das für ihn. Andrew kann nur abwarten und hoffen …

Ich war unheimlich neugierig auf diese Geschichte, seit ich „
Der Sexgott am falschen Ort“ gelesen habe. Wer in dem Buch aufgepasst hat, kennt die Antwort auf die Frage ‚Sind drei eine(r) zuviel?‘ im Grunde schon oder kann sie sich zumindest denken, da beide Storys zeitlich gesehen parallel laufen.

Norma Banzi hat den Untertitel „Wenn sich das Herz nach mehr als einem Menschen sehnt“ nicht zu Unrecht gewählt. James sehnt sich nach Sex mit einem Mann, am liebsten mit Andrew, aber er will seine auch Fran nicht verlassen. Die ist schon seit er denken kann, seine beste Freundin und die geliebte Mutter seiner Kinder. Im Grund weiß James was er will, nur das die Gesellschaft Konstellationen ächtet, die aus mehr als zwei Partnern bestehen.

Geschichten über Polyamorie sind heute nichts Ungewöhnliches mehr, aber oft beschränken sie sich entweder auf eine Aneinanderreihung von expliziten Szenen oder aber auf die idealisierte Darstellung von göttlich aussehenden Millionären, die wahrscheinlich vor Langweile mit einem Partner oder einer Partnerin nicht ausgelastet sind.


In „Der Trucker“ wird etwas anderes erzählt: Auch James, Andrew und Fran ist Sex wichtig. Sie mögen ihn und sind durchaus erfinderisch in ihren Spielen. Aber sie sind ganz normale Menschen mit alltäglichen Probleme und Sorgen. Alle drei müssen hart arbeiten um ihr Überleben und das ihrer Familie zu sichern und schaffen es doch kaum, über das Existenzminimum heraus zu kommen. Sie sind vom Wohlwollen von Auftraggebern und Kunden abhängig und leben in einer kleinen Gemeinde, nicht in der Anonymität der Großstadt. Den Nachbarn bleibt nicht lange verborgen, dass Andrew kein ‚normaler‘ Untermieter ist. Das Getrasche lässt im kleinen Lake Beautown nicht lange auf sich warten …

Ich fand es unglaublich spannend zu lesen, wie die drei nach einem Weg suchen, der für sie und ihre Familie richtig ist und bin immer noch begeistert von dieser ungewöhnlichen Geschichte, die weit weg vom Mainstream erzählt, ob und wie sich die Sehnsucht eines Truckers nach mehr als einem Menschen erfüllt. Toll finde ich auch, dass sowohl James und Andrew, als auch Fran eine nachvollziehbare Entwicklung durchmachen. Alle drei stehen eigentlich mit beiden Beinen fest im Leben und schaffen es doch, die richtigen Schritte zu gehen, um der Erfüllung ihrer persönlichen Träume näher zu kommen.

Fazit: 5 Punkte und eine Leseempfehlung, die für die gesamte „Lake Beautown“ Serie gilt. Man muss die Bücher nicht unbedingt in der richtigen Reihenfolge lesen, da jedes in sich abgeschlossen ist.

P.S.: Zu meinem absoluten Liebling in der Serie entwickelt sich allmählich Masan Grant, der „
Weihnachtssheriff“. Er hat in der Geschichte um James, Andrew und Fran ein paar göttliche Szenen und ich kann es jetzt schon nicht erwarten, wieder vom ihm und seiner Stadt zu lesen.

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 Hier kann man die "Lake Beautown"-Reihe (und natürlich auch alle anderen Bücher) von Norma Banzi kaufen:

1. Teil: Der Weihnachtssheriff
2. Teil: 
Der Sexgott am falschen Ort
3. Teil: Der Trucker


Link zur Homepage: Norma Banzi 

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Mittwoch, 13. Mai 2015

"Orchideenzauber" vom Mathilda Grace

Schatten der Vergangenheit

Severin, genannt Sev, lässt sich von seinem Kumpel Bomer überreden einen Auftrag in Kanada anzunehmen. Kaum angekommen, merkt er, dass Bomer ihn hereingelegt hat: Auf der Baustelle herrscht totales Chaos, der Auftraggeber glänzt durch Abwesenheit und über ihn kursieren wilde Gerüchte, die sich alles andere als gut anhören.
Trotzdem nimmt Sev den Job an uns schafft es tatsächlich, eine wenig Ordnung in das Projekt zu bringen. Außerdem findet er einen netten jungen Lover. Alles scheint also Bestens zu sein. Einziger Wermutstropfen ist, dass er schon am Telefon ständig mit seinem Chef aneinandergerät und als Jack endlich auf der Baustelle auftaucht, fliegen die Fetzen. Oder sind es Funken? Hass und Liebe sind beides starke Gefühle und im Fall von Sev und Jack scheinen sie mehr als dicht beieinander zu liegen.

Allerdings sucht Sev keine Beziehung. Er kämpft zu sehr mit den dunklen Schatten seiner Vergangenheit, um sich auf einen anderen Menschen einzulassen und auch Jack hütet ein Geheimnis, dass seine Beziehung zu Sev zerstören könnte …

„Orchideenzauber“ ist der mittlerweile dritte Band der Kanada-Reihe von Mathilda Grace. Die Serie ist eine Art Spin-Off der Ostküstenreihe und erlaubt damit vergnügte Blicke auf die altbekannte Helden, vor allem natürlich auf Adrian, der seine vorwitzige Nase auch in Kanada in alles steckt und es nicht lassen kann, sich auch dort einzumischen.

Die Geschichte hat einen ganz eigenen Tenor. Sie wird konsequent aus Severins Sicht erzählt, der erst mal überhaupt keine Beziehung sucht, sondern nur unkomplizierte Affären. Mathilda Grace scheut sich nicht, deutlich zu schildern, was er mit seinem jungen Liebhaber anstellt und auch seine Bekanntschaft zu Jack ist zuerst mehr von Lust, als von Liebe geprägt.
Severin will sich lange nicht eingestehen, dass er dabei ist, sein Herz zu verlieren …

Die Geschichte ist an einigen Stellen ziemlich hart. Sev hat nicht nur ein furchtbares Geheimnis, er hat zwei. Damit muss nicht nur Jack klarkommen, auch als Leser muss man das erst einmal sacken lassen. Eigentlich hätte ich mir hier noch ein wenig mehr Raum gewünscht, eine etwas tiefere Auseinandersetzung mit den Themen, weil beide außerordentlich schwierig sind. Im mir wirken sie jedenfalls noch nach und ich frage mich ernsthaft, wie man mit einem solchen Schicksal umgehen oder gar fertig werden kann.

Der Schluss des Buches ist dagegen wirklich zuckersüß. Er hat mir wirklich Spaß gemacht und zeigt vielleicht doch die einzige Möglichkeit, die es gibt, wenn das Leben einen so in die Knie gezwungen hat wie Severin und Jack: Aufstehen und nach vorne schauen, am besten mit einem Menschen den man liebt.

Fazit: Mit „Orchideenzauber“ hat sich auch der dritte Teil der Kanada-Reihe 5 Punkte und eine Leseempfehlung verdient. Er macht außerdem Lust, gleich noch einmal die ersten beiden Bände lesen. Die Reihenfolge ist dabei übrigens nicht unbedingt wichtig, da jedes Buch in sich abgeschlossen ist.


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Herbstgeflüster“ 
Kalt wie Eis
Orchideenzauber

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*frech grins* 
Ich kann´s mir nicht verkneifen:
Hier noch ein kleiner Lesetipp für die Freunde von Severin. Damit sie wissen, wie sie mit seinen kostbaren Schönheiten sachgerecht umgehen ....

Zum Abo gehts hier: "Orchideenzauber - Jahresabo" 




Dienstag, 12. Mai 2015

"Liebe ohne Morgen - Tyne 1" von Gabriele Ketterl

Rotzfreche Göre trifft Gentleman-Vampir

Susan, auch bekannt als „Lady Chaos“ schafft es immer wieder, sich in schier ausweglose Situationen zu manövrieren, um sich dann daraus mit ihrem an sich hellen Köpfchen und ihrem frechen Mundwerk wieder zu retten.

Beides hilft ihr allerdings nur begingt, als sie in einer alten Schlossruine in Schottland eine falschen Schritt macht und stolpert. Sie landet nicht nur im Kerker des alten Gemäuers, sondern auch in den Armen eines waschechten (und äußerst verführerischen) Highlanders. Allerdings steckt Susan diesmal wirklich in der Tinte: Erstens ist sie buchstäblich aus der Zeit gefallen und in einem anderen Jahrhundert gelandet und zweitens ist der attraktive Daniel kein gewöhnlicher Mann: Nach einer schrecklichen Schlacht wurden er und seine beiden Brüder vom Merlin höchstpersönlich in Vampire verwandelt. Die Macht und der Reichtum der MacFarlanes rufen immer wieder Neider auf den Plan, deshalb sitzen aktuell alle drei in verschiedenen Kerkern.

Aber der Sheriff weiß nicht wirklich, wozu die Männer in der Lage sind und mit Susan hat er schon gar nicht gerechnet. Schaffen es die Brüder mit Hilfe der frechen Studentin, als Sieger aus der Fehde hervor zu gehen? Dunkle Geheimnisse drängen ans Licht. Dabei ist die Sonne für Vampire doch eine tödliche Gefahr, oder?

Und wie geht es mit Susan und Daniel weiter? Die beiden spüren, dass sie etwas Besonderes verbindet, aber kann und will Susan im 18. Jahrhundert glücklich werden? Mal ganz abgesehen davon, dass sie ein sterblicher Mensch ist und Daniel ein Vampir, der theoretisch ewig leben könnte …

Mit der Serie um die „Highland Vampires“ legt Gabriele Ketterl einen erfrischenden Genre-Mix vor. Der erste Band um die charismatischen MacFarlane Brüder ist eine bunter Mischung aus Zeitreise-Roman, Historical und Vampir-Romanze.

Ich war, gerade wegen des Zeitreise-Anteils, zuerst sehr skeptisch. Bei mir müssen sich alle Romane diese Genres, besonders wenn sie auch noch in Schottland spielen, an Diana GabaldonsOutlander“-Saga messen und … meistens schneiden sie nicht besonders gut ab, weil sie auch mich wie eine schlecht gemachte Kopie wirken.

Allerdings bin ich hier wirklich positiv überrascht worden: Gabriele Ketterl hat einen ganz eigenen Tenor und Stil. Die rotzfreche und jugendlich unbekümmerte Susan ist so weit weg von der deutlich reiferen und lebenserfahrenen Claire, dass man nicht eine Sekunde das Gefühl hat, einen müden Abklatsch zu lesen. Auch Daniel (und seine Brüder) machen neben Jamie Fraser aus „Feuer und Stein“ keine schlechte Figur. Sie sind sexy genug, damit man sie als Leserin vergnügt anzuschmachten kann, und haben trotzdem durch ihr schweres Schicksal den leichten Touch von Totured Heros.

Besonders viel Spaß macht das Buch immer dann, wenn die Ansichten und Denkweisen der Gentleman-Vampire und die ohnehin schon unkonventionelle Art von Susan aufeinander stoßen.

Fazit: Alles in Allem ist „Liebe ohne Morgen – Tyne 1“ ein leichter, unterhaltsamer Lesespaß. Von mir gibt es 5 Punkte und eine Leseempfehlung.
Natürlich werde ich nicht spoilern, aber der Schluss hat es in sich! Ich bin wirklich gespannt, wie es mit den MacFarlane Brüdern weitergeht!


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"Liebe ohne Morgen – Tyne 1" 

Bildquelle: www.bookshouse.de






Donnerstag, 7. Mai 2015

"Snakes Rache" von Justin C. Skylark

Der einsame Rächer

Der junge Snake kann den sinnlosen Tod seines Vaters durch drei Gesetzlose nicht verhindern. Er selbst wird so schwer verletzt, dass er nur knapp mit dem Leben davonkommt. Doch er kann nicht vergessen, welches Unrecht man seiner Familie angetan hat und schwört Rache. Darauf richtet er sein ganzes Leben aus, Raum für andere Gefühle bleibt nicht.
Unbeirrt verfolgt er sein Ziel und die Menschen, denen er unterwegs begegnet, scheinen nun von Bedeutung zu sein, wenn sie ihm nützlich sind.
Irritiert stellt Snake aber fest, dass es Männer und Frauen gibt, die sich durch seine Kälte nicht abschrecken lassen. Vor allem der junge Will bezeichnet ihn als „Freund“ und hält ihm die Treue …


Die Geschichte von Snake ist so wild und rau wie das Land und die Zeit in der sie spielen. Snake versucht, seine Gefühle komplett zu unterdrücken. Nur seine Rachegelüste lässt er zu …
Kann ein Buch schweigsam sein? Die Geschichte von Justin C. Skylark kommt ohne ausufernde Dialoge aus und wirkt vielleicht deshalb so authentisch. Snake ist kein Mann vieler Worte. Man spürt förmlich, wieviel Zeit er alleine in den weiten der Prärie verbringt und wie schwer es ihm fällt, jemanden an sich heran zu lassen, wenn er in eine der lauten, wuseligen Städte kommt.
Snake geht seinen Weg, egal wie weit der ist und wie lange er dafür braucht. Die große Frage ist nicht nur, ob er sein selbstgestecktes Ziel erreichen kann, sondern auch was er danach machen wird. Schließlich gibt es nichts anderes in seinem Leben …

Der Schluß den Buches, den ich natürlich nicht verraten werde, passt einfach wunderbar zu der ganzen Geschichte und bricht nicht mit dem Tenor in dem sie erzählt ist. Ich mag ihn total …

Justin C. Skylark macht schon im Klappentext darauf aufmerksam, dass das Buch in erster Linie ein Western ist und Snakes sexuelle Orientierung nicht unbedingt die größte Rolle spielt. Entsprechend fehlen auch explizite Szenen. Trotzdem ist sie nicht unwichtig. Snake will kaum Gefühle zulassen, bis er seine Rache vollzogen hat und er darf, der Zeit geschuldet, in der er lebt, nicht offen zeigen, dass er am eigenen Geschlecht interessiert ist. Das führt dazu, dass er sich wahrscheinlich noch viel mehr in sich selber zurückzieht.

Homosexualität war im Wilden Westen einerseits verpönt und anderseits ein offenes Geheimnis. Ich finde dies spiegelt „Snakes Rache“ wunderbar wieder.

Mein Fazit: Toller, melancholischer Western um einen Mann, der einen weiten, einsam Weg geht, bevor er schließlich an seine Zukunft zu denken wagt. Mich hat die Geschichte gepackt. Sie ist mir 5 Sterne wert und bekommt vom mir eine Leseempfehlung für Western-Fans.

Die Freunde von erotischen Romanen, die gerne eine riesige Portion Romantik und vielleicht auch noch ein wenig Kitsch in einer Geschichte mögen, werden hier nicht unbedingt glücklich werden, dazu sind die Charaktere zu rau und zu kantig.


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"Berührung der Nacht" von Lara Adrian

Der Ritter in strahlender Rüstung


Mathias Rowan ist geradezu der Prototyp eines anständigen, pflichtbewussten Mannes. Sein Wort und seine Ehre sind im wichtig, Pflichterfüllung ist fast eine Religion für ihn.
Dabei ist Mathias nicht einmal der Typ, der sich streng und ohne Hirn an gedruckte Gesetze hält, er hat sich dem tieferen Sinn dahinter verschrieben, um die Bösen zu bekämpfen und die Schwachen zu schützen. Er ist wie einer der Ritter in strahlender Rüstung, der sich einem Ideal aus uralter Zeit verschrieben hat.
Nova scheint das genaue Gegenteil des ernsten Mathias zu sein, wild und unangepasst, nicht bereit sich irgendeiner Regel zu halten. Aber auch sie erkennt auf den ersten Blick, dass Mathias etwas Besonderes ist. Ein Tattoo, vielleicht zuerst als Scherz gemeint, wird zu einem starken Symbol ihrer Beziehung.

Um es vorweg zu nehmen: Das Buch ist klasse und die Luft brennt förmlich, als die beiden aufeinandertreffen. Ich habe die Geschichte verschlungen und bin völlig begeistert!!!
Nicht nur Mathias und Nova sind toll, auch die anderen Jungs der Londoner Truppe machen neugierig auf weitere Geschichten aus der englischen Metropole.

Damit komme ich allerdings zum ersten, ziemlich dicken „aber“: Die Story ist in sich abgeschlossen, der Handlungsbogen rund. Trotzdem habe ich noch lange nicht genug vom Mathias und Nova! Ich will einfach viel mehr von den beiden lesen, ich sehe vor meinen Augen förmlich heiße Wortgefechte und noch heißeren … ähm … Sport? Die beiden passen grandios zueinander und sind doch so gegensätzlich, dass es einfach Spaß machen würde, viel, viel mehr über ihre Beziehung zu lesen. Ich hoffe wirklich, dass Lara Adrian den Lesern irgendwann eine Fortsetzung zu „Berührung der Nacht“ schenkt!
Wie bewerte ich die Story also nun? Für sich gesehen auf jeden Fall mehr als 5 Punkte und eine absolute Leseempfehlung, mit der kleinen Warnung, dass man von Mathias und Nova am Ende der Story mit Sicherheit noch lange nicht genug hat …

Nur zum zweiten „aber“, das mit der eigentlichen Geschichte gar nix zu tun hat:
Lieber Lyx-Verlag!
Ich bin ein echter Fan eurer Bücher. Gerade nach diesem hier habe ich mich auf die Werbung am Ende richtig gefreut.
Es ist aber ziemlich … nennen wir es mal „enttäuschend“, wenn man eine Leseprobe zu einem neuen Buch erwartet, hier angekündigt ist „Verlockung der Dunkelheit“, und man statt dessen noch mal den Anfang von „Berührung der Nacht“ präsentiert bekommt. Das ist doch bestimmt ein Fehler, oder?
Bitte sagt „Bescheid“, wenn das behoben ist, damit ich die Leseprobe, auf die ich so neugierig bin, endlich verschlingen kann!
Vielen Dank im voraus!



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