Montag, 29. Februar 2016

"Das Auge des Fotografen" von Leann Porter

Heiße Romanze mit Urban-Fantasy-Elementen

Val ist Student und hat außerdem Schulden bei einem Kredithai. Deshalb muss er neben dem Studium in gleich zwei Jobs schuften. Für ein ausgefülltes Liebesleben bleibt kaum Zeit, außerdem schwärmt er für den heißen Antonio und will unbedingt mehr als die kurzen, gestohlenen Momente, die sie miteinander verbringen. Leider gibt sich sein Schwarm immer sehr distanziert. Trotzdem hilft Antonio Val in einer brenzligen Situation. Zwar fordert er als Gegenleistung Hilfe bei der Renovierung eines alten Hauses, aber Val dämmert ziemlich schnell, dass dies die ideale Gelegenheit ist, sich nicht nur ein wenig näher zu kommen. Auch Antonio scheint die erotischen Zwischenspiele sehr zu genießen.
Val sieht den siebten Himmel schon zum Greifen nahe, als Antonios Geschwister sich unerwartet einmischen und Missverständnisse, Lügen und Geheimnisse ihn abrupt auf den Boden der Tatsachen zurück holen. Plötzlich ist nicht nur eine Beziehung zu Ende, bevor sie richtig angefangen hat, sondern er schwebt in Lebensgefahr und auch seine Freunde werden bedroht.


Ich habe in letzter Zeit alles von Leann Porter gelesen und war restlos begeistert. Ich werde mich auch in Zukunft auf jedes Buch stürzen, dass die Autorin auf den Markt bringt, weil sie einen wundervollen Stil hat, mit tollen Charakteren aufwartet und Geschichten erzählt, die unter die Haut gehen. Dass sie erotische Szenen so sinnlich beschreibt, dass man nicht genug davon bekommen kann ist ein zusätzlicher Bonus. Dazu kommt noch ein augenzwinkernder Humor, der manchmal an unerwarteter Stelle aufblitzt, aber immer genau passt.

Trotzdem hatte ich mit „Das Auge des Fotografen“ meine Schwierigkeiten. Ich liebe sehr viele der Szenen und eigentlich alle Figuren in dem Roman. Besonders die heißen Spiele zwischen Antonie und Val sind wunderbar beschrieben. Ich habe das Buch kaum aus der Hand legen können und bin trotzdem am Ende ein wenig unzufrieden. Vielleicht liegt meine Messlatte bei Leann Porter mittlerweile auch einfach sehr hoch. Die Autorin hat nämlich nicht nur ein Händchen für tolle Geschichten, sie beherrscht auch noch ihr Handwerk perfekt. 

Fazit: Warum ich mit „Das Auge des Fotografen“ nicht zu 100 % glücklich bin, kann ich nicht sagen ohne ein wenig zu spoilern, deshalb meine Bewertung vorweg: Ich geben dem Buch 4 Punkte und eine Leseempfehlung für alle, die sinnliche Urban Fantasy mögen.
Wenn es jemals eine Fortsetzung gibt, werde ich die Bewertung vermutlich nach oben korrigieren.

Achtung! Ab hier SPOILER möglich!!!

Ich liebe sowohl Romanzen, als auch Fantasy. Eine Mischung ist also eigentlich optimal. Das „Das Auge des Fotografen“ wird konsequent aus Vals Sicht erzählt, also weiß ich als Leser auch immer nur das, was er weiß. Manchmal hatte ich sogar das Gefühl, der würde mir ein paar Infos vorenthalten. Ich bin mir nicht ganz sicher (Ehrlich nicht!), ob ich Leann Porter dafür bewundern soll, wie geschickt sie die Denkweise eines hormongesteuerte Studenten wiedergibt, der nichts anderes im Sinn hat als seinen Schwarm ins Bett zu zerren oder mich darüber ärgern soll, wie lange es dauert, bis sich Val mal wieder aufrafft über andere, auch wichtige Dinge nachzudenken. Es dauert zum Beispiel sehr lange, bis man erfährt, warum er eigentlich Schulden bei einem Kredithai hat. Es dauert auch lange, bis Val erkennt (und damit dann endlich auch der Leser) erkennt, dass Antonio nicht einfach der heiße Bruder eines Pizzabäckers ist. Erst als er Tonys andere Geschwister kennenlernt, dämmert ihm, das etwas „nicht stimmt“. Gemeinsam mit Val findet der Leser erst nach und nach heraus, worum es eigentlich geht.

Leider ist das Buch an der Stelle zu Ende, in der endlich alle Karten auf dem Tisch liegen.

Für eine Romanze wäre das ok, weil sich Val und Antonio nach einigen Krisen wieder zusammengerauft haben. Man spürt, dass sie sich lieben und die Chance auf eine gemeinsame Zukunft ergreifen wollen. Die Widerstände sind noch nicht komplett ausgeräumt, aber sie wollen jetzt zusammen kämpfen.
Was für mich nicht befriedigend endet, ist der Fantasy-Teil. Um im Bild mit den Karten zu bleiben: Jetzt, wo sie alle auf dem Tisch liegen, kann das Spiel eigentlich erst richtig los gehen. Der ist Fantasy-Plot richtig toll angelegt, mit Figuren, die deutlich mehr Tiefe haben, als man im ersten Moment glaubt und die sich wunderbar entwickeln. Leann Porter schafft es sogar, die Motive beider Seiten plausibel zu machen, statt auf simple Helden/Schurken-Klischees zu setzen. Aber hier bleiben in meinen Augen zu viele Dinge offen. Vielleicht wäre ich schon mit dem Hinweis auf einen geplanten zweiten Band zufrieden gewesen.

Nun sitze ich da und frage mich, was aus Flo und Kai / Karran, was aus Barran, was aus Antonios Geschwistern und - nicht zuletzt - aus Val selbst wird. Schließlich hat er immer noch ein ziemlich großes Geheimnis vor Antonio, das in dem Buch seine Handlungen entscheidend beeinflusst, ohne aufgelöst zu werden. Dieses merkwürdig offene Ende wirkt auf mich sehr unrund, fast abgehackt, und hat die Geschichte einen Punkt gekostet.

Falls es einmal eine Fortsetzung geben sollte, sehe ich das wahrscheinlich anders und werde nicht nur diese Story noch einmal lesen, sondern auch neu bewerten. Ich WILL unbedingt mehr von Val, Antonio, ihrer Liebe und den Kämpfen in die sie und ihre Freunde verstrickt sind, erfahren.

Sich noch einmal in das Buch zu vertiefen ist übrigens keine Strafe. Im Gegenteil. Erwähnte ich schon, wie heiß Antonio und Val zusammen sind? Nur einmal? Das kann man nämlich nicht oft genug sagen. Alleine dafür lohnt es sich die Geschichte, besonders aber gewisse Szenen, immer wieder zu lesen …

aben wollen? 
 Hier kann man die Bücher von Leann Porter kaufen:
- "Das Auge des Fotografen" (Urban Fantasy)

- "Die Sturmfalken von Olbian" (High Fantasy)
- "Die Rache des Sidhe" (High Fantasy)

- "Cooler als Caipirinha" (Gegenwartsliteratur, Romanze)
Fleckenteufel und Drachentöter“ (Gegenwartsliteratur, Romanze)

Ich mag jedes der Bücher, empfehle aber besonders "Die Sturmfalken von Olbian" und Fleckenteufel und Drachentöter“ die es beide auf die Liste meiner "All Time Favorites" geschafft haben.

Bildquelle: Dead Soft Verlag
(Ein Besuch auf der Homepage des Verlages lohnt sich. Immer!!! 
Selbst wenn er neue Begehrlichkeiten weckt ... *sfz*)

Samstag, 27. Februar 2016

"Der Tanz unserer Herzen" von ... ???

Alles neu (aufgelegt), alles gut?

„Der Tanz unserer Herzen“ ist eine Neuauflage des Buches „Dance – Der Tanz unserer Herzen“. So etwas ist legitim. Das darf man und die Autorin weist auch im Klappentext ausführlich darauf hin. Ich habe die Geschichte allerdings nicht von unter dem Autoren-Pseudonym „Liah Winter“ kennengelernt, sondern als Story von „Sam Nolan“. Nun ist es unter dem Namen "Lailah Voltaire" erschienen.

Ich habe das Buch damals angefangen und irgendwann völlig entnervt zur Seite gelegt, weil es sich als eine einzige Anhäufung von Tippfehlern und Wortwiederholungen erwiesen hat. Wenn mir so etwas auffällt, muss es schon massiv sein, da ich mit Sicherheit kein Profi in Sachen fehlerfreier Rechtschreibung bin.

Nun gut, neues Buch, neues Glück, neuer Versuch! Sozusagen eine zweite Chance, schließlich waren die Charaktere nicht uninteressant und irgendwie wäre es ja schon schön gewesen, zu wissen, ob und wie die beiden zueinander finden …

Tatsächlich sind jetzt im Text deutlich weniger Rechtschreibfehler, dafür gibt es an den richtigen Stellen Kommas.

Was sich leider nicht im Geringsten geändert hat, ist die Angewohnheit der Autorin, sich zu wiederholen und dabei auch noch ständig die gleichen Worte zu benutzen.

Alleine im ersten Absatz (geschätzt ca. 300 Worte) steht 10 (!!!) Mal das Wort „hier“ und 6 Mal das Wort „aber“. Darüber könnte ich vielleicht noch hinwegsehen (oder lesen), wenn nicht auch immer wieder Kleinigkeiten wiederholt werden würden. Kommt eine neue Formulierung in einem Satz vor, kann man sich darauf verlassen, sie im gleichen Absatz mindestens noch einmal zu lesen.

Das Buch hat offensichtlich für diese Neuauflage einen Korrektor gesehen. Was ihm immer noch fehlt ist ein guter Lektor, der den Finger auf die Stellen legt, die den Lesefluss und damit den Spaß an der Geschichte empfindlich stören.

Das gefällt mir so (immer noch) nicht. Deshalb nur 2 Punkte und keine Leseempfehlung.


Zum Vergleich:
"Der Tanz unserer Herzen" (Erschienen im Februar 2016, das Buch gibt es nicht mehr)
"Dance - Der Tanz unserer Herzen" (Erschienen 2014, z.Z, nicht verfügbar. Klappentext usw. sind aber lesebar.)

Edit vom 05.04.2016: Langsam wird es lustig! Das Buch ist im März 2016 erschienen und heißt jetzt "Der Tanz unserer Herzen: Der Tanz unserer Herzen - Gay Romance" und ist (wieder mal) von Sam Nolan.


Hier der link: *klick*

Und nein, ich stalke weder das Machwerk, noch die Autorin, ich bin darüber gestolpert, als ich mir die Bestsellerliste beim großen A angesehen habe.  

Das Cover sieht jetzt so aus, geändert hat sich im Vergleich zu der Ausgabe vom Februar nur der Autor.

Nur so am Rande: Die Wiederholungen wurden HIER (!!!) immer noch nicht ausgemerzt. Die Rezi passt also noch ...

Bildquelle: amazon

Freitag, 26. Februar 2016

"Ein Wolf in der Küche" von Kim Fielding

Werwolf vs. Hinterwäldler

Dylan ist ein erfolgreicher Architekt, hat ein gutes Verhältnis zu seinem Bruder und seiner Schwägerin und eine tolle Wohnung mitten in der Stadt, die als Besonderheit ein Zimmer mit stahlverstärkter Tür und einem kompliziert zu bedienendem Schloss enthält. Man braucht Hände um es zu öffnen und über die verfügt Dylan einmal im Monat nicht: Bei Vollmond verwandelt er sich in einen Wolf, der jagen und töten will. Das Tier hasst sein Gefängnis und auch der Mann ist langsam nicht mehr glücklich damit.

Raus aufs Land, wo der Wolf rennen kann, ohne jemanden zu verletzen! Das scheint die einzige Lösung zu sein. Dylan findet sein Traumhaus und ausgerechnet der Nachbar, der ihm eigentlich zu nahe wohnt und ihn fast davon abgehalten hätte, das Haus zu kaufen, erweist sich als wahrer Glücksfund. Chris kann nicht nur alles reparieren, erweist sich als guter Handwerker und ist ein toller Koch, er sieht auch noch klasse aus.

Langsam kommen die beiden Männer sich näher. Doch Dylan traut sich nicht, sein Geheimnis zu verraten, und Chris versteht sein Schweigen völlig falsch. Haben ein einsamer Werwolf und ein schüchterner Hinterwäldler wirklich die Chance auf eine gemeinsame Zukunft?

Ein Wolf in der Küche“ von Kim Fielding ist ganz klar eine humorvolle Romanze und kein Horror-Roman, trotzdem unterscheidet sich die Story deutlich von den Gestaltwandlergeschichten, die gerade so in Mode sind. Werwölfe, auch Dylan, sind gefährlich und haben sich in ihrer tierischen Form nur sehr begrenzt unter Kontrolle. Ihr Biss ist entweder tödlich oder bringt einen neuen Werwolf hervor. Kim Fielding schafft es grandios, Dylans „wölfisches“ Verhalten glaubwürdig zu schildern. Die Szenen mit Dylan als Wolf sind teilweise … mit derbem Witz geschrieben, aber das Gesamtbild ist stimmig. Sie sind genauso toll zu lesen, wie die in denen er als Mensch agiert.

Interessanterweise ist Dylans "Wolfsein" zwar ein wichtiger Bestandteil der Story, aber nicht ihr Kern. Im Grunde geht es um zwei sehr einsame Männer, die die Hoffnung auf einen Partner fürs Leben eigentlich schon aufgegeben haben.

Da die Story aus Dylans Sicht erzählt wird, kann man mit ihm zusammen hemmungslos Chris anschmachten. Das macht Spaß, weil der Mann nicht nur gut aussieht (Ohne es zu wissen, gerade das macht es so unwiderstehlich …) sondern auch noch total sexy ist. Kim Fielding beschreibt seinen Körper und die erfreulichen Dinge, die Dylan und er miteinander anstellen, unvergleichlich heiß. Die expliziten Szenen gehen über die Beschreibung von Stellungen oder Techniken weit hinaus und sind ein wahres Fest für die Sinne.

Wunderschön ist es, wie sich die beiden Männer nach und nach einander öffnen. Das gegenseitige Interesse ist zw
ar von Anfang an da, aber zuerst sind die beiden eher Kumpel, die gemeinsam arbeiten, dann werden sie Freunde mit gewissen Extras und merken schließlich, dass sie alles füreinander sein könnten. Es ist einfach klasse, wie sie umeinander herum schleichen. Beide glauben, nicht gut genug für den jeweils anderen zu sein, können aber auch nicht voneinander lassen. Dylan hat dabei natürlich vor allem Angst, dass er Chris verletzen könnte, wenn er mal wieder mit Klauen und Zähnen durch die Gegend rennt, Chris ist sein Leben lang immer wieder verlassen worden und glaubt nicht, dass ihn jemand wirklich lieben könnte.

Das Buch konzentriert sich sehr auf Dylan und Chris, deshalb bleibt wenig Raum für die Nebencharaktere. Die sind zwar solide angelegt, gewinnen aber nicht wirklich an Tiefe. Darunter leidet der kleine Thrillerplot ein wenig, der sich um Dylans eifersüchtigen Ex-Freund dreht.

Aufgewogen wird dies in meinen Augen, weil die beiden Hauptpersonen wirklich toll dargestellt werden. Sie zeigen genau die richtige Mischung aus Stärke und Verletzlichkeit, um mit ihnen zu lieben und zu leiden. Kim Fielding erzählt ihre Geschichte mit Schwung und Humor, der mich mehr als einmal dazu gebracht hat, laut zu lachen.

Mein Fazit:Ein Wolf in der Küche“ ist eine erstklassige, etwas ungewöhnliche und sehr humorvolle Werwolf-Romanze mit sympathischen, sexy Helden. Von mir gibt es verdiente 5 Punkte und eine Leseempfehlung, die ausdrücklich Leute einschließt, die sonst mit Gestaltwandlern wenig anfangen können.


Anmerkung: Bei dem Namen „Kim Fielding“ klingelte irgendetwas weit hinten in meinen Gehirnwindungen. Tatsächlich habe ich schon eine andere Story der Autorin gelesen, die von Stil und der Thematik her völlig anders ist, mir aber auch sehr gefallen hat. „Sprachlos“ ist eine faszinierende Kurzgeschichte, deren Preis allerdings für die Seitenzahl gesalzen ist. Auch „Ein Wolf in der Küche“ hat eigentlich ein Preis/Seiten-Verhältnis, das ich nicht besonders gut finde. Allerdings konnte ich nach der Leseprobe die Finger nicht von dem Buch lassen und weiß jetzt schon, dass ich auch die beiden Fortsetzungen lesen werde, sobald sie auf Deutsch erscheinen.

Noch was: In meinen Rezis sage ich ja selten etwas zu dem Cover, weil ich mich in der Regel sofort auf den Text stürze. Cover locken mich zwar an, sind mir aber im Grunde egal, wenn der Inhalt stimmt. Dieses hier war mir aber mehr als einen Blick wert. Es gefällt mir außerordentlich gut und passt ausgezeichnet zu der Geschichte um Dylan und Chris.


Haben wollen?
 Hier kann man die Bücher von Kim Fielding kaufen:
Die meisten liegen allerdings bisher nur in Englisch vor.
- "Ein Wolf in der Küche"
- "Sprachlos"

Bildquelle: amazon

"Sprachlos" von Kim Fielding

Wortlos, nicht sprachlos!

Travis ist ein einfacher Mensch und er ist einsam. Vielleicht beobachtet er deshalb seine Umgebung genauer als andere und bemerkt einen Gitarrenspieler, der fast jeden Tag an einer bestimmten Stelle sitzt.
Irgendwann spricht er ihn an und eine ungewöhnliche Freundschaft beginnt. Welche Sprache benutzt man, wenn Worte nicht zur Verfügung stehen?

Mich fasziniert kaum ein anderes Thema so sehr wie „Kommunikation“, deshalb konnte ich trotz des für die kurze Geschichte ziemlich gesalzenen Preises nicht die Finger von dem Buch lassen. Kim Fielding erzählt konsequent aus Travis Sicht. Da ich kein anderes Buch der Autorin kenne, kann ich nicht genau sagen ob die einfache Sprache, in der es geschrieben ist Absicht oder vielleicht typisch ist. 

Zu Travis passt sie jedenfalls sehr gut. Dessen Freund Clifton war Schriftsteller. Die Form der Aphasie, an der er leidet, ist zwar unwahrscheinlich, aber für das Buch natürlich außerordentlich interessant. Clif versteht zwar, was sein Gegenüber sagt, kann aber weder Worte weder äußern noch aufschreiben. Also macht er sich mit Hilfe von Karteikarten und seiner Mimik und Gestik verständlich.
Die beiden Männer sind unglaublich alleine und finden ineinander endlich jemanden, mit dem sie „reden“ können und der ihnen zuhört. Das ist sehr berührend geschildert.
Die Liebe, die langsam wächst wird sehr deutlich, auch ohne dass Kim Fielding explizite Szenen schildert. Der Sex wird eher angedeutet. Aber natürlich ist nicht immer alles so einfach und am Ende muss sich Travis fragen, was für ihn wichtiger ist. Sein Stolz oder aber die Chance auf Glück in einer ungewöhnlichen Partnerschaft.

Fazit: In der Geschichte steckt eine Menge Zucker, aber es sind auch genügend ernste Momente geschildert um sie richtig interessant zu machen. Sie hat mir gut gefallen, also 4 Punkte.
Leseempfehlung? Mh. Grundsätzlich ja. Aber sie ist für den aktuellen Preis sehr kurz. Mir 
ganz persönlich war sie es wert.

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Donnerstag, 25. Februar 2016

"Edwardianische Zeit" - Beitrag zur Bogtour "Sunford - Verführung eines Gentleman"

Die Frage zum heutigen Gewinnspiel findet man am Ende  des Textes ...

Zu Beginn des vergangenen Jahrhunderts …

Sunford – Die Verführung eines Gentleman“ von Celia Jansson spielt im Sommer des Jahres 1905 in einem (fiktiven) idyllischen Örtchen in Somerset, England. Nicht nur das britische Reich, die ganze Welt befindet sich in einem Umbruch, der mehr und mehr an Tempo gewinnt. Seit dem Tod von Königin Vitoria im Jahre 1901, die immerhin 63 Jahre lang über das Empire herrschte, sitzt Edward VII auf dem Thron. Die Technisierung der Welt schreitet unaufhaltsam voran, die Gesellschaft hat sich aber noch nicht wirklich an die Moderne angepasst und die prüden Moralbegriffe von Viktoria halten sich in vielen Bereichen auch weiterhin.

Das kleine britische Örtchen „Sunford“ kann man als beispielhaft für den stattfindenden Wandel sehen. Zwar scheint die Zeit hier noch stillzustehen, aber auch Sunford kann sich natürlich dem Schritt ins neue Jahrhundert nicht auf Dauer entziehen. Leonard Knightley, einer der beiden Protagonisten der Geschichte, möchte unbedingt, dass die Eisenbahn endlich bis in sein Heimatdorf kommt. Er arbeitet daran, Investoren und politische Entscheidungsträger für sein Projekt zu begeistern, um so eine Verbindung des Örtchens in die Metropole London gewährleisten.

Manchmal habe ich mich beim Lesen gefragt, ob er sich bewusst ist, welche Gefahr die direkte Verbindung ins schnelllebige London für seinen geruhsamen Rückzugsort bedeuten könnte. Den kann man bisher nämlich nur per Pedes, im Sattel oder mit der Kutsche erreichen. Die ersten Automobile gibt es zwar auch schon, sie sind aber noch eine exotische Sensation. Fahrräder sind eher Luxusgegenstände, die dem Vergnügen dienen, als Lastesel, die kein Futter brauchen.

1905 sind Eisenbahnen und dampfgetrieben Lokomotiven nichts wirklich Neues mehr. Die erste öffentliche Dampfeisenbahn transportiert schon seit 80 Jahren Erz und später auch Personen auf der Strecke zwischen Stockton und Darlington. Interessant an der Geschichte der britischen Eisenbahn ist, dass– anders als in Deutschland – in erster Linie Privatpersonen die Konzession erhalten Strecken zu bauen und zu betreiben. Darin steckte natürlich ein großes Gewinnpotential, das Menschen aus den unterschiedlichsten Schichten anlockt und nicht wenige der Pioniere reich macht. Leonard verfügt bereits über ein gewisses Vermögen, das er in verschiedene Projekte investiert. Er ist aber im Gegensatz zu Vincent, dem Objekt seiner Begierde, kein Adliger und verfügt damit nicht über dessen Privilegien.

Das kann ihn in große Schwierigkeiten bringen, wenn seine Homosexualität bekannt wird, die seit der prüden Königin Viktoria nicht nur verpönt, sondern gleich verboten ist. Mehr zu diesem speziellen Thema gibt es morgen im Rahmen der Blogtour bei Koriko auf “Like a Dream“.


Eine wichtige Rolle in „Sunford“ spielt Leonards Schwester Florence. Sie ist eine sehr moderne, belesene Frau, die sich nicht mit der Rolle als Hausfrau und Mutter abfinden will. Florence interessier sich sehr für die Frauenrechtsbewegung und die 1903 von Emmeline Pankhurst gegründete „Women’s Social and Political Union (WSPU)“, die sich für die Einführung des Frauenwahlrechts stark machte. Damit weigert sie sich, genau wie ihr Bruder, sich den geltenden Normen zu unterwerfen. Celia Jansson macht ihren Durst nach Freiheit deutlich, indem sie sie Fahrrad und Auto fahren lässt, was im Dorf jedes Mal für Klatsch sorgt. 


Sunford ist eine kleine, in sich geschlossene Welt. Heute, im Zeitalter von internet, wo Nachrichten nur noch Sekunden brauchen, um die ganze Welt zu erreichen, vergisst man leicht, dass dies noch nicht lange der Fall ist. Für die Dorfbewohner ist London weit weg. Das Tagesgeschehen dort interessiert sie nur am Rande, die Politik, aber auch die gesellschaftlichen Ereignisse betreffen sie kaum und haben keinen wirklichen Einfluss auf ihr Leben.

England befindet sich auf dem Höhepunkt des Imperialismus und führt in allen Teilen der Welt Kriege. In Europa entwickelt sich zunehmend eine Rivalität mit Deutschland, die 1914 im ersten Weltkrieg enden wird. Auch hier spielt die Eisenbahn übrigens eine wichtige Rolle. Nicht nur in England werden überall Strecken ausgebaut, auch weltweit versuchen die verschiedenen Nationen mit dem Bau von Schienenwegen ganze Länder unter ihre Herrschaft zu bringen.

Für Sunford bedeutet die Eisenbahn nur eine schnelle Anbindung in die Hauptstadt und evtl. die Erschließung den dortigen Marktes für die Produkte der Region. Weltweit sieht dies natürlich anders aus. Die Eisenbahn bedeutet für den jeweiligen Erbauer nicht nur den Zugriff auf Rohstoffe, sondern auch die Möglichkeit schnell Truppen und Material in Krisenregionen zu bringen.


Viel mehr als für die Politik interessieren sich vor allem natürlich die Damen für die Londoner Mode. Einerseits ist sie vom Jugendstil inspiriert und betont die weiblichen Kurven mit der S-Linie, die durch Korsetts unterstützt wird, andererseits verbietet die Prüderie Haut zu zeigen. Von Abendkleidern einmal abgesehen, sind Kragen hochgeschlossen und lange Ärmel bedecken die Haut bis zum Handgelenk. Wer sich in dem Buch manchmal über Leonards und sogar Vincents Zurückhaltung wundert, sollte bedenken, dass es noch wenige Jahre zuvor – unter Königin Viktoria – verpönt war, von „Beinen“ auch nur zu sprechen. Dies galt als sexuell anstößig, weshalb man „Gliedmaßen“ sagte. Die Prüderie ging teilweise so weit, dass sogar Stuhlbeine (!) verhüllt wurden, weil ihr Anblick sexuelle Lust hervorrufen könnte …

Die Herren der Schöpfung tragen 1905 natürlich Hosen und dazu, je nach Anlass Frack oder Sakko. Westen waren obligatorisch, die früher üblichen hohen, unbequemen Kragen sind mittlerweile durch niedrigere und bequemere abgelöst worden. Der Reißverschluss war schon erfunden, hatte aber seinen Weg in die Alltagkleidung noch lange nicht gefunden. Wenn Leonard und Vincent sich also aus ihren Kleidern schälen, müssen sie eine Menge Knöpfe öffnen!



Zum Schluss:

Ich muss gestehen, dass mich Ich „Sunford“ noch einmal und mit erheblich mehr Vergnügen gelesen habe, nachdem ich mich mit dem zeitgeschichtlichen Hintergrund befasst habe. Sehr gespannt bin ich auf die Zusammenfassung zum Thema Homosexualität in dieser Zeit im Rahmen der Blogtour. 

Die Geschichte von Vincent und Leonard ist mit Sicherheit von dem realen Skandal um Oscar Wilde inspiriert, der ein paar Jahre zuvor die Londoner Gesellschaft in Aufruhr versetzt hat. Die Doppelmoral, verschärft durch die Tatsache, dass bei Adel und dem Rest der Bevölkerung mit zweierlei Maß gemessen wurde, erhöht die Dramatik der Geschichte und lässt die Reaktionen und die Angst vor einem erzwungenen Outing noch einmal verständlicher werden.



Die Gewinnfrage des Tages:
Oft hört man ja: "Früher war alles besser!"
Wenn man sich ein wenig mit der Vergangenheit auseinandersetzt kommt man schnell dahinter, dass dies mit Sicherheit nicht so war. Trotzdem hat der Gedanke einen gewissen Charme, zumindest mal "vorbeizuschauen". 

Wenn Zeitreisen in die Vergangenheit möglich wären, welche Zeit würdet ihr gerne besuchen? Warum?

Zu Gewinnen gibt es auch heute wieder ein Print-Exemplar von "Sunford". Man kann übrigens auf jedem der Blogs im Rahmen der Tour teilnehmen und so seine Gewinnchancen erhöhen!
Einfach die jeweiligen Fragen in den Kommentaren bis zum 3. März 2016; 23.59 Uhr beantworten, e-Mail-Adresse hinterlassen und schon landet man im Lostopf.
Die Gewinner werden am Ende bekannt gegeben!

Achtung: Mail-Adresse nicht vergessen oder direkt an mich schicken. 

Quellen: Wikipedia, Chronik des 20. Jahrhunderts, diverse Geschichtsbücher
Bildquellen: Wikipedia, Sieben-Verlag (Cover)

Mittwoch, 24. Februar 2016

"Sunford – Verführung eines Gentleman" von Celia Jansson

Unerwartet und doch am Ende unverzichtbar …
Leonard Knightly ist ein wohlhabender Unternehmer in seinen besten Jahren, erfolgreich und … schwul. Das ist im prüden England Anfang des 20. Jahrhunderts ein Verbrechen, das mit Zuchthaus geahndet wird. Seine Sehnsucht nach Nähe unterdrückt Leonard so gut es geht, nur hin und wieder lässt er sich zu belanglosen Affären hinreißen. Alles sehr diskret und niemals auf mehr als reinen Sex angelegt, Liebe oder gar eine Partnerschaft scheinen unerreichbar zu sein.

Als er den jungen Adligen Vincent kennenlernt, fühlt er sich von ihm angezogen, glaubt aber niemals daran, eine Chance zu haben, Außerdem möchte er Vincent auf keinen Fall kompromittieren. Fast gegen seinen Willen verbringt er trotzdem immer mehr Zeit mit dem stets gut gelaunten Mann.

Die Frage ist, wer in diesem Spiel der Verführer und wer der Verführte sein wird. Können die Männer wieder aufeinander verzichten, nachdem sie einander unerwartet gefunden haben?

Die Geschichte „Sunford - Verführung eines Gentleman“ von Celia Jansson lässt sich in drei Teile gliedern.

Zu Beginn wird der Sommer aus Leonards Sicht geschildert. Seinem zurückhaltenden Wesen entsprechend beginnt die Geschichte sehr ruhig und langsam. Leonards Homosexualität ist ein Geheimnis, das er um jeden Preis wahren will, weil ihn die Enthüllung gesellschaftlich und beruflich ruinieren würde. Er verschließt diesen wichtigen Teil seines Selbst so tief und mit so eiserner Disziplin in sich, dass er auch in anderen Situationen nicht mehr offen und spontan reagieren kann. Private Treffen mit anderen Menschen strengen ihn an, weil er immer etwas von sich verbergen muss. Nur die idyllische Umgebung seines geliebten Heimatortes Sunford schenkt ihm ein wenig Frieden, der durch Vincents Ankunft allerdings gehörig gestört wird.

Der zweite Teil erzählt im Grunde die gleiche Geschichte noch einmal, allerdings aus Vincents Sicht. Damit ändert sich auch plötzlich der Blickwinkel des Lesers ganz entscheidend. Situationen, die eigentlich schon bekannt sind, bekommen auf einmal ein völlig neues Gewicht. Überraschenderweise ist es keinen Moment langweilig, sondern sogar außerordentlich spannend, zu erfahren wie Vincent den Sommer erlebt hat. Dass er kein unschuldiger Junge ist, was eigentlich schon klar, was ihn aber wirklich nach Sunford verschlagen hat, ist dann doch eine Überraschung. Als sein Geheimnis enthüllt wird, ist der Zauber des Sommers gebrochen.

Der dritte Teil des Romans erzählt abwechselnd aus Leonards und Vincents Sicht, wie die damit umgehen, dass sie sich unerwartet und sicher auch ungewollt in einander verliebt haben. Beide glauben nicht, dass es eine gemeinsame Zukunft für sie gibt, aber beide können auch nicht in ihr altes Leben zurück. Sie müssen sich entscheiden, ob sie wirklich auf die Liebe und vor allem auf einander verzichten können. Die gemeinsame Zeit hat beide tief berührt und für immer verändert.

Der Roman besticht nicht nur mit den beiden solide angelegten Charakteren, sondern auch mit sympathischen Nebenfiguren. Hier ist natürlich allen voran Leonards kluge und für ihre Zeit erstaunlich unabhängige Schwester Florence zu nennen. Im Gegensatz zu Leonard hat sie keine Angst davor, die Gesellschaft zu brüskieren, um ihre Ziele zu erreichen.

Sehr interessant und außerdem wunderschön beschrieben sind die Schauplätze, an denen die Story spielt. Der ländliche Friede von Sunford ist ebenso spürbar wie die laute Hektik von London. Celia Jansson ist es ausgezeichnet gelungen, die besondere Atmosphäre beider Orte einzufangen. Besonders die Beschreibungen von London mit seinen Subkulturen in der Zeit zwischen Jahrhundertwende und dem Ausbruch des zweiten Weltkrieges sind unheimlich interessant. Bigotterie und Klatsch findet man übrigens im kleinen Dorf genauso wie in der großen Metropole.

Sunford - Verführung eines Gentleman“ ist so mehr Romanze als historischer Roman. Trotzdem spürt man den Atem der längst vergangenen Zeit, wenn man das Buch liest sehr deutlich. Die geschickte Verknüpfung mit realen Personen und Ereignissen macht die Geschichte sehr authentisch. Man muss sich ein wenig auf den Roman und die Zeit in der er spielt einlassen, um die Motive und Handlungen von Leonard und Vincent wirklich nachvollziehen zu können. Leonards Reserviertheit und Vincents Geheimniskrämerei machen das nicht immer einfach.

Aber es lohnt sich! „Sunford“ ist kein Buch, das man begeistert verschlingt, sondern eines, das man in Ruhe genießen sollte. Es ist klug angelegt und geschrieben. Wenn man der Geschichte ein wenig Zeit gibt, wächst sie einem sehr ans Herz. Hier kann sollte man sich ruhig ein Beispiel an Vincent nehmen: Voller Freude entdeckt er am Wegesrand tausend kleine Wunder und öffnet damit auch Leonards Augen für Schönheit, die dieser vorher schon lange nicht mehr wahrgenommen hat.

Mein Fazit:
Sunford - Verführung eines Gentleman“ hat auch mich verführt. Von Seite zu Seite habe ich immer mehr Gefallen an der Story gefunden. Der Anfang ist ein wenig zäh, erst ab dem zweiten Teil nimmt die Story merklich Fahrt auf. Obwohl man die Handlung ja eigentlich schon kennt, ist es unheimlich spannend, sie noch einmal aus einer ganZ anderen Perspektive zu erleben.
So hat sich fast unmerklich von „Gefällt mir“ zu „Gefällt mir sehr“ hochgearbeitet und erhält damit 5 Punkte und eine Leseempfehlung.



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- "Sunford - Verführung eines Gentleman"


Bildquelle: Sieben Verlag

Dienstag, 23. Februar 2016

"Die Rache des Sidhe" von Leann Porter

Schicksalhafte Begegnung

Der Elf Silvio muss als kleiner Junge mit ansehen, wie seine Familie von Menschen ermordet wird. Sidhe sind rechtlos und so kümmert es niemanden, dass ihn seine vermeintlichen Retter als halbes Kind in ein Bordell verkaufen und ihm ein Bronzearmband als Zeichen der Sklaverei anlegen. Es verwundert nicht, dass Silvio als Erwachsener von nur zwei Gedanken beherrscht: Rache und Freiheit!
Dafür verkauft er nicht nur seinen Körper, sondern handelt auch mit einer weiteren, hochbrisanten Ware: Mit kühler Berechnung Silvio verkauft vertrauliche Informationen nicht nur einmal, sondern gleich mehrmals …

Als er in Joran einen der Mörder seiner Familie zu erkennen glaubt, verliert er sich in seiner Wut und stürzt sich mit der festen Absicht auf den Mann, ihn zu töten. Joran jedoch ist ein geübter Kämpfer, der einen Elf mit einem Messer spielend besiegt. Überraschenderweise schlägt er Silvio nicht den Kopf ab, sondern lässt ihn sogar laufen.

Hat Silvio sich etwa in ihm getäuscht? Wieso er ausgerechnet dem erklärten Feind seine Heilgabe enthüllt hat, versteht der Elf erst recht nicht. Was ist bloß Besonderes an Joran?

Nachdem ich „Die Sturmfalken von Olbian“ von Leann Porter gelesen hatte und restlos begeistert war, wollte ich die Welt der Sidhe noch nicht wieder verlassen. „Die Rache des Sidhe“ spielt im selben Universum wie die „Sturmfalken“, kann aber völlig unabhängig davon gelesen werden. Es gibt auch keine Cross-Over oder Personen, die in beiden Geschichten auftreten.

Die Rache des Sidhe“ ist eine Mischung aus High-Fantasy und typischer M/M-Romanze mit einer spannenden Rahmenhandlung. Leann Porter schafft es immer wieder interessante und lebendige Charaktere zu erschaffen, die den Leser für sich einnehmen und die viel tiefschichtiger sind, als man zunächst glaubt.

Joran ist der ältere der Beiden, wirkt aber jünger und naiver. Er hat, wie Silvio, früh seine Eltern verloren und sucht seinen Platz im Leben. Bei den „Weißen Reitern“, einer Mischung aus Polizei und Soldaten, die für Recht und Ordnung sorgen, glaubt er seine Berufung gefunden zu haben. Die Begegnung mit Silvio macht ihm klar, dass er nicht wirklich zufrieden ist. Echte Freunde hat er bei seiner Truppe kaum, weil er seine Homosexualität verschweigen muss.

Es gibt wenig, was Silvio in seinem Leben noch nicht gesehen oder getan hat. Trotzdem – und auch wenn sein Ruf etwas anderes behauptet – ist er noch nicht völlig abgestumpft. Er träumt von Freiheit, auch wenn er weiß, wie das diese für einen Bordellsklaven fast unerreichbar ist. Die Begegnung mit Joran erschüttert ihn bis ins Mark.

Die Begegnung der beiden mag Schicksal sein. Ihr wachsendes Interesse aneinander ist es nicht. Auch wenn anfangs die körperliche Anziehung überwiegt und sie es sich nicht eingestehen wollen: Joran und Silvio sehen in dem jeweils anderen etwas, was ihnen fehlt. Joran hat sich bisher eher treiben lassen und ihn fasziniert Silvios trotziges Aufbegehren gegen ein Schicksal, dass ihm keine Chancen zu lassen scheint. Der wiederrum will nicht einmal mehr vor sich selbst zugeben, wie sehr er sich nach einem Menschen sehnt, der ihn liebt. Jorans sanfte und beständige Zuneigung berühren etwas tief in Silvio, von dem er nicht wusste, dass er es noch besitzt: Der Kern seines Herzens.

Die Story konzentriert sich sehr auf die beiden Helden. Trotzdem wird sie von lebendigen Nebencharakteren, allen voran natürlich dem undurchsichtigen Drago abgerundet. Der Mann scheint so viele gute wie schlechte Seiten zu haben und macht neugierig. Dass er hin und wieder eine schwarze Maske trägt, ist schon fast ironisch.



Fazit: Mir hat „Die Rache des Sidhe“ gut gefallen. Deshalb erhält die Story verdiente Punkte und eine Leseempfehlung. Sie lebt übrigens von den Gefühlen der beiden Männer und enthält weniger explizite Szenen, als man das bei einer Geschichte um einen Bordellsklaven vielleicht erwarten könnte. Leann Porter spart zwar nicht mit offenen Worten, aber der Sex ist kein Selbstzweck, sondern fügt sich in die Rahmenhandlung ein und bringt sie voran, egal ob Liebe oder Silvios „Beruf“ der Grund dafür sind.

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- "Die Rache des Sidhe"

Für Leute, die nicht auf Fantasy stehen, empfehle ich:
- "Cooler als Caipirinha"
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Bildquelle: amazon

"QUEER gelesen 2016" - Lesefestival in Mainz



Von Freitag, den 22.04. – bis Sonntag, den 24.04.2016 in der "Bar jeder Sicht" – dem LGBTIQ-Szenetreff in Mainz das Lesevestival "QUEER gelesen" statt.

Informationen rund um die teilnehmenden Autoren und das Programm findet man hier:
 *klick*

Bildquelle: http://www.queer-gelesen.de/

Montag, 22. Februar 2016

Blogtour zu "Sunford - Verführung eines Gentleman" von Celia Jannson



Hier noch einmal die Direktlinks zum anklicken:

21.2. lesenliebentraeumen.blogspot.de Buchvorstellung
22.2. juliassammelsurium.blogspot.de Figuren
23.2. beatelovelybooks.blogspot.de Setting
24.2. bambinis-buecherzauber.blogspot.de Interview
25.2. ulla-liebt-buecher.blogspot.de Edwardianische Zeit
26.2. likeagaydream.wordpress.com Homosexualität um 1900
27.2. sanarkai-weltderbuecher.blogspot.de Historische Gay Romance
28.2. lesekatzen.blogspot.de Protagonisteninterview


Nicht zu fehlen darf natürlich der link zum Blog der Autorin:
http://celiajansson.blogspot.de/


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Viel Spaß!

"Die Sturmfalken von Olbian" von Leann Porter



Aufbruch ins Ungewisse


Das Leben auf Kronnor ist nicht einfach für Halbsidhe, egal ob sie als Leibeigene wie die wilde Kaylin in der Burg arbeiten müssen oder der Sohn des Magoden sind. Jawed hat es doppelt schwer, weil er weder Mann noch Frau, sondern Sidhe-Metra ist und von allen als „Mädchenjunge“ verspottet wird. Nur zwei Dinge halten ihn aufrecht: Seine Träume von dem wilden Falkenmann, den er als Kind gerettet hat und das Kampftraining mit Kaylin bei dem Sklaven Grinser.

Als eine Delegation aus Olbian auf dem Weg zu den sagenumwobenen sankanischen Spielen in Kronnor halt macht, ändert sich alles. Kaylin schmuggelt sich mit einem abenteuerlichen Trick in die Gruppe von Sidhe, die nach Sanka gesandt werden und Jawed findet sich an der Seite des schweigsamen Caron als dessen verbundener Gefährte wieder. Wieso wollte der junge Mann ausgerechnet ihn und nicht eine seiner Schwestern ehelichen? Weiß er etwa von Jaweds geheimer Gabe?
Sanka, die goldene Stadt, ist ganz anders als Jawed und Kaylin es sich vorgestellt haben. Unabhängig voneinander müssen die beiden lernen, wem sie vertrauen können und wem nicht, wo ihre Stärken und Schwächen liegen und ob es für sie vielleicht nicht nur Freundschaft, sondern auch Liebe gibt. Einfach ist das nicht, weil eine grausame Mordserie die Stadt erschüttert und die Mächtigen, so freundlich sie auch im Privaten sein mögen, keinerlei Skrupel haben, jeden in ihrer Nähe nach seinen Fähigkeiten einzusetzen. Dabei nehmen sie wenig Rücksicht auf Gesundheit oder gar die Gefühle der Männer und Frauen …

Die Sturmfalken von Olbian“ von Leann Porter ist – um das vorwegzuschicken – eine der wunderbarsten Geschichten, die ich in letzter Zeit gelesen habe. Beim Dead Soft Verlag, der sie herausgebracht hat, glaubt man ja eigentlich sicher eine Gay-Story zu erhalten. Tatsächlich findet man die in dem Buch. Aber man findet noch auch noch sehr viel mehr!
Die Geschichte ist ein wunderbarer High-Fantasy-Roman, der nicht nur eine Welt voller farbenprächtiger, fremder Reiche und Städte entwirft, sondern auch ein Bild von interessanten und in sich schlüssigen Kulturen zeichnet. Natürlich ist selbst die beste „Welt“ langweilig, wenn sie nicht von interessanten Charakteren bevölkert wird, die das Herz berühren und den Leser dazu bringen, das Buch nicht mehr aus der Hand legen zu wollen.
„Die Sturmfalken von Olbian“ wird abwechselnd aus der Sicht von Jawed und Kaylin erzählt, die sich im Verlauf der Geschichte beide von unsicheren Jugendlichen zu selbstbewussten Erwachsenen entwickeln.


Den weiteren Weg geht mit Sicherheit Jawed. Er, der sich selber wegen seiner Anderartigkeit für ein Monster hält und seinen Körper hasst, lernt in Sanka endlich weitere Sidhe Metra kennen. Die Männer sind respektierte Kämpfer, zärtliche Geliebte und fürsorgliche Väter. Sie werden nicht verspottet, sondern geschätzt für das, was sie sind. Trotzdem braucht Jawed noch lange, bevor er sich auch nur vorstellen kann, das Caron ihn vielleicht doch nicht nur wegen seiner Heilerfähigkeiten ausgewählt hat. Denn auch Caron trägt ein paar Geheimnisse und Komplexe mit sich herum und ist nicht der Geschickteste, wenn es um offene Gespräche geht …

Kaylin dagegen weiß eigentlich genau, was sie will: Freiheit und eine Chance ihre Sidhe-Gabe im Umgang mit Tieren endlich beherrschen! Für ersteres war es nicht sehr schlau, sich selber mit einem Brandzeichen zu versehen, trotzdem schafft sie es schneller als erwartet in die berühmte Kampfarena von Sanka. Zwar nur als Knappe eines großmäuligen Trinkers, der sich selbst für den besten Kämpfer aller Zeiten hält, aber immerhin. Es dauert eine Weile, bis Kay merkt, das Thore auch richtig gute Seiten hat und außerdem … verdammt toll aussieht.

Das hört sich nach zwei Romanzen an, aber das Buch bietet viel mehr. Es erzählt glaubwürdig und berührend von alten Freundschaften, die durch nichts zu erschüttern sind, und von neuen Banden, die sich langsam bilden und allmählich immer fester werden.
Die Geschichte bringt den Leser dazu, laut zu lachen und lässt ihm die Tränen der Rührung in die Augen steigen. Nicht nur Jawed und Caron, Kay und Thore, sondern auch ihre Verwandten und Freunde werden so komplex und lebendig geschildert, dass man glaubt, an ihrer Seite durch die goldene Stadt zu schlendern, mit ihnen die lauten Kneipen, die prachtvollen Bäder und die verwinkelten Gassen zu durchschreiten.


Nur mit Hilfe ihrer Freundschaft und ihrer Freunde schaffen es Jawed und Kay schließlich zu entschlüsseln, was wirklich hinter den schrecklichen Morden steckt. Aber diese Erkenntnis und der Versuch den Mörder aufzuhalten, könnte sie alles kosten, nicht nur ihr eigenes Leben, sondern auch das der Menschen, die sie lieben gelernt haben.

Die Sturmfalken von Oblian“ entziehen sich erfolgreich jedem Versuch, das Buch in eine Kategorie einzuordnen. Es ist mehr als ein Fantasy-Roman, mehr als eine Romanze und deutlich mehr als ein Krimi. Es erzählt in wunderschönen Worten und Bildern von der Kraft der Liebe, ohne zu verschweigen, dass sie auch eine zerstörerische Komponente haben kann.
Selbst wenn es tatsächlich lebendige Sturmfalken in Oblian gibt, so scheinen sie mir doch auch gleichzeitig ein Symbol zu sein: Sie stehen dafür, sich wild, frei und furchtlos die Welt zu erobern. Das ist nicht ungefährlich und doch wundervoll. Mut und Ehrlichkeit werden am Ende (hoffentlich) belohnt.
Zum Schluss soll nicht unerwähnt bleiben, dass das Buch ein Plädoyer für Toleranz ist. Unterschiedliche Völker und Kulturen, Männer, Frauen und Metra können friedlich zusammenleben, solange sie einander respektieren und ihre Unterschiede nicht als Bedrohung, sondern als Bereicherung ansehen.

Fazit:
Wenn man meine Begeisterung für das Buch bis hierhin noch nicht gespürt hat, habe ich etwas falsch gemacht. An Leann Porter und ihrer tollen Geschichte liegt es jedenfalls nicht! Das Buch bekommt vom mir mindestens 10 Punkte, auch wenn ich leider nur 5 geben darf.
Leseempfehlung? Unbedingt. Wer mit Jawed und Kay ins Ungewisse aufbricht, wird in sich in einer mitreißenden und wundervollen Geschichte wiederfinden, die das Potential hat, sich für immer ins Gedächtnis des Lesers zu graben.

P.S.1: Ich war versucht, das Buch gleich noch einmal zu lesen, habe mich aber dann stattdessen entschlossen, mit „Die Rache des Sidhe“ weiter zu machen. Die Story spielt im gleichen Universum, kann aber völlig unabhängig von den "Sturmfalken" gelesen werden und ist ein klassischer Gay-Fantasy-Roman.

P.S.2: Ich hoffe, dass es weitere Storys aus diesem Universum geben wird. Auch wenn „Die Sturmfalken“ rund und in sich abgeschlossen sind, will ich mehr von dem Menschen und Sidhe lesen, die mir so ans Herz gewachsen sind. Wie hat der rote Galen eigentlich seinen Felin kennengelernt? Was hat Gared schon alles erlebt und wie geht es weiter mit ihm? Welche Abenteuer erwarten Thore und Kay auf ihrer Reise durch die Ebenen? Und werden Jawed und Carun wirklich …

 Nö. Selbst die Frage wäre ein echter Spoiler.
Nur eines muss ich noch loswerden: In dem Buch wird unter anderem ein Thema behandelt, um das ich sonst einen riesen Bogen mache, weil ich damit wirklich überhaupt nichts anfangen kann. Das hier ist das erste Mal, dass ich mich damit anfreunden konnte, weil es nachvollziehbar, sensibel, glaubwürdig und erstaunlich selbstverständlich ein Teil der Geschichte ist.

Haben wollen? 
 Hier kann man die Bücher von Leann Porter kaufen:
- "Die Sturmfalken von Olbian"
- "Die Rache des Sidhe"

Für Leute, die nicht auf Fantasy stehen, empfehle ich:
- "Cooler als Caipirinha"
Fleckenteufel und Drachentöter

Bildquelle: amazon

Samstag, 20. Februar 2016

"Valkyria – Teil I: Schwanengesang" von Clannon Miller

 Clannon goes Fantasy: Eine Saga beginnt!

Die Welt der Valkyria ist schon lange dem Untergang geweiht. Sie verstecken sich und ihren letzten Rückzugsort seit tausenden von Jahren unter einem magischen Schutzschilf vor den grausamen Thursen, die sie vernichten wollen. Als die Königin entführt wird und sie sich erst nach Monaten und hochschwanger zurück in ihre Burg retten kann, ist das Ende nahe. Nach ihrem Tod geht ihre Krone auf die erst dreizehnjährige Lili über, die sich einem Angriff auf ihre Burg stellen muss, um die verzweifelte Flucht ihrer Schwestern zu ermöglichen, zu denen nun auch die gerade erst geborene Kara gehört.

Die Mädchen – auch Lilli - landen auf der Erde, von ihnen „Spiegelwelt“ genannt, und versuchen, sich ein neues Leben aufzubauen. Doch die Schwestern sind nicht die Einzigen, die im Europa des einundzwanzigsten Jahrhunderts unerkannt unter die ahnungslosen Menschen gemischt haben. Obwohl es eigentlich keine „Brücke“ mehr zwischen den Welten geben dürfte, tauchen immer wieder Thursen auf, nordischen Sagengestalten und ihre eingeschworenen Diener scheinen erstaunlich lebendig zu sein und Lilli erblickt sogar einen Lichtalb, ein Wesen, das eigentlich seit dreieinhalb Jahrtausenden tot sein sollte.

Die eigentliche Geschichte beginnt fast achtzehn Jahre, nachdem Lilli zur Königin der Valkyria geworden ist. Einer Königin im Exil allerdings, der es außer an Feinden an so ziemlich allem mangelt. Sie verfügt weder über Land noch über Gefolgsleute, nur ein älterer Diener und die Amme, die sie und alle ihre Schwestern großgezogen hat, sind ihr geblieben. Zwar konnte sie ein ansehnliches Vermögen retten, aber die umfangreichen Archive und damit das Wissen ihrer Vorfahren sind verloren. Nun hecken auch noch die Schwestern hinter Lillis Rücken einen wahnwitzigen Plan aus, um endlich die letzte Brücke, die die Welten verbindet, in ihre Finger zu bekommen. Lilli rastet beinahe aus, als sie herausfindet, dass ausgerechnet Kara, für die sie genauso Mutter wie Schwester ist, sich freiwillig in die Gewalt eines Psychopaten begeben hat, der bekanntermaßen mit Waffen handelt und von dem gemunkelt wird, dass er reihenweise Jungfrauen ermordet. Entschlossen versucht Lilli ihre kleine Schwester zu retten und setzt damit Ereignisse in Gang, die niemand absehen konnte …

Ein neues Buch von Clannon Miller? Klar, dass ich das sofort lesen musste!

Bei der Autorin schlage ich blind zu, und war ein entsprechend wenig überrascht – im wahresten Sinne des Wortes – in einer Art Oper gelandet zu sein, mit Overtüre statt einem Prolog und „Akten“ statt Kapiteln. Außerdem erinnern die Heldinnen mich schwach an nordische Sagengestalten. Schwach, weil das normalerweise nicht unbedingt meine Welt ist …

Aber bevor ich auch nur wusste, wo mir der Kopf stand, hat die Geschichte mich – möglicherweise mittels der sagenumwobenen Brücke - mitten in eine spannende Handlung gezogen, die vor mythischen Anspielungen nur so wimmelt.

Das Buch schafft es mühelos, den Leser von Seite zu Seite mehr in ihren Bann geschlagen. Lilly und ihre Valkyria-Schwestern leben jetzt im Berlin der Neuzeit und die Story mischt munter SF- mit High- und Urban-Fantasy-Elementen. Das hört sich ziemlich abgedreht an. Ist es auch. Dazu kommt noch, dass Clannon Miller rotzfrech erzählt. Man schwankt ständig zwischen Lachen, Spannung und Faszination, wenn Kara Schwanengesang (!) wimpernklimpernd ihrer liebliche Stimme einsetzt, um erst ihren notgeilen Mathelehrer zu bezirzen, und dann … (Neee, zu sagen wen jetzt genau, wäre ein dicker Spoiler …) nun jemand, von dem man nicht erwartet hat, dass er auf klassische Musik steht, zu beruhigen. Genauso unterhaltsam ist es, zu lesen, wie Karas Schwester Liv Todesschrei ihre destruktiven Energien mit One-Night-Stands beschwichtigt oder mitzuverfolgen, wie Lilli versucht, ihre Verantwortung für eine acht junge Frauen, die nicht unterschiedlicher sein könnten, gerecht zu werden. Dass sie als Valkyria in den unmöglichsten Situationen Lust empfindet und sich ihre Triebe nicht immer darum kümmern, ob das Objekt der Begierde nun Freund oder Feind ist, macht Lillis Leben auch nicht einfacher. Entsprechend gibt es an unerwarteter Stelle ein paar wirklich heiße Szenen in dem Roman.

Wenn man sehr viel liest, ist es schwierig, Geschichten zu finden, die einen völlig überraschen. „Valkyria“ ist definitiv eine davon. Die Grenzen zwischen hell und dunkel sind lange nicht so eindeutig, wie es zu Beginn den Eindruck macht. Spätestens, wenn man als Leser anfängt, um das Leben der Bösen zu bangen und verzweifelt hofft, dass es irgendwie auch für sie ein Happy End geben könnte, ist man der Story rettungslos verfallen.

Bis ich dieses Buch aufgeschlagen habe, wusste ich nicht einmal was ein „Einherier“ ist. Jetzt fühle ich mich selbst ein wenig wie einer, auch wenn ich kein gefallener Krieger bin, der mit einem Kuss wieder zum Leben erweckt wurde. Doch wie diese Männer habe ich keinen freien Willen mehr: Ich MUSS wissen, wie die Geschichte um Lilli und ihre Schwestern, um Wolf und Gunnarson, um die Raben, die Lichtalben, die Thursen und die anderen magischen und nichtmagischen Gestalten weitergeht.

Das liegt vor allem daran, dass Helden wie Schurken mit jeder Zeile, die man liest, an Tiefe gewinnen. Lillis Sorge um ihre Schwestern ist von der ersten Seite an offensichtlich. Wie weit sie aber geht, um die Menschen zu schützen, die sie liebt, wird erst nach und nach klar. Besonders gefallen haben mir die Stellen, an denen z.B. Liv und Anda aus ihrer Sicht erzählen, was Lilli für sie getan hat. Dinge, die auf den ersten Blick grausam und ungerecht wirken, erscheinen plötzlich in einem völlig anderen Licht, wenn man die Zusammenhänge begreift.

Mein Fazit:
Valkyria“ ist kein einfaches Buch. Die Geschichte ist spannend, komplex und manchmal sogar ein wenig sperrig, weil gut und böse nicht immer klar zu trennen sind. Aber sie zieht den Leser in einen magischen Bann und entlässt ihn nicht mehr daraus. Die Aussicht auf zwei Folgebände, von denen einer schon bald erscheinen soll, lassen mich Clannon Miller den wirklich fiesen Cliffhanger verzeihen, mit dem der erste Band endet.

Leseempfehlung? Ja, klar!!! Diese Saga hat jetzt schon Suchtpotential!

5 Sterne gibt es auch wieder. Und eine Warnung: Das Buch ist zwar mit seinen knapp 400 Seiten ein wenig „schmäler“ als die meisten anderen von Clannon Miller, aber wenn man abends anfängt … ist die Nacht vorbei, bevor man es zur Seite legen kann.



Haben wollen? 
 Hier kann man die Bücher von Clannon Miller kaufen: 
- "First Night - Der Vertrag
- "First Day - Die Mission"
- "Pygmalion - perfekt unverliebt"

 "Back and Beyond 


"Harvestine

- "Valkyria - Teil 1: Schwanengesang"
- "Valkyria - Teil 2: Wolfszauber

Hier für die Neugierigen schon mal ein Auszug aus dem Klappentext von "Wolfszauber":
Im Prinzip ist Lili eine waschechte Königin. Leider ist ihr nicht nur ihr Königreich abhandengekommen, sondern auch ein paar ihrer Schwestern.
Lilis Leben ist in der Tat ein wenig kompliziert.
Selbst wenn man außer Acht lässt, dass sie ganz aus Versehen den geheimnisvollen Gunnarson geheiratet hat, ihre Verbündeten ein fettes Kopfgeld auf sie ausgesetzt haben und sie zudem noch mit dem Fenriswolf verschwägert ist.
Als sie jetzt mit einer kleinen Kampftruppe in ihre Heimat reist, um ihre Schwester aus der Gefangenschaft der gefürchteten Feinde zu befreien, muss sie feststellen, dass dort nichts so ist, wie sie es erwartet hat, und alles anders kommt, als sie plante.

Kleiner Insider: Ich sage nur "Kimi". Und kann es echt kaum erwarten ...

Rezis zu allen Büchern findet man hier im blog unter dem tag "Clannon Miller". Die Leseempfehlung gilt uneingeschränkt für jede der Geschichten.
Übrigens: Auch wenn "Pymalion" zur "Redhead"-Serie zählt, so ist das Buch doch eher mit "First Night" und "First Day" zu vergleichen. 

Bildquelle: amazon