Mittwoch, 30. März 2016

"Brutus, der Dorftrottel" von Kim Fielding

Der sanfte Riese

Brutus ist „anders“ und wird deswegen ausgegrenzt. Schon als Kind wurde er gehänselt und geschlagen. Das hat erst aufgehört, als er schließlich größer und stärker als alle anderen in seinem Dorf war. Besser behandelt wird er deshalb nicht und alle, einschließlich ihm selbst, halten ihn für dumm, gerade gut genug, um niedrige Knochenarbeit zu verrichten.
Als er – mehr durch Zufall – das Leben eines Prinzen rettet und dabei verletzt wird, fühlt der sich verantwortlich, holt ihn in den Palast und bietet ihm einen Job an. So findet sich Brutus als Wächter eines seltsamen Gefangenen wieder. Gray wird nackt und blind in einer kalten dunklen Zelle gefangen gehalten. Man hat ihn offensichtlich misshandelt und in schwere Eisenketten gelegt, ganz so, als würde man trotz seiner Behinderung jederzeit mit seiner Flucht rechnen. Ist er wirklich so gefährlich?

Brutus, der kaum jemals mehr hatte, als er zum schieren Überleben brauchte, genießt den bescheidenen Luxus, den seine neue Stellung mit sich bringt. Und er entdeckt plötzlich, dass er es nicht ertragen kann, wenn die Menschen um ihn herum leiden. Was hat Gray nur angestellt, dass man ihn so offensichtlich jeder menschlichen Würde berauben will? Es kann nicht nur daran liegen, dass er vom Tod anderer Menschen träumt, oder? Schließlich hilft das manchmal dabei, ein Leben zu retten …
Es dauert eine Weile, bis Brutus hinter ein Geheimnis kommt, das tief in der Vergangenheit begraben liegt und fast noch länger, einen Weg zu finden, der altes Unrecht beendet. Allerdings könnte es Brutus – und auch Gray – alles, einschließlich ihres Lebens kosten, diesem Pfad zu folgen. Ist die Freiheit das wirklich wert?

Brutus, der Dorftrottel“ ist das Bild, das ein Mann, der sich als überraschend sanft und schüchtern erweist, von sich selber hat, weil alle anderen ihn ständig so sehen. Brutus ist nicht einmal sein richtiger Name. Den lernt man, zusammen mit Gray, erst kennen, als Brutus schon einen weiten Weg zurückgelegt hat.

Kim Fielding hat ein Buch geschrieben, das überraschend ist. Unheimlich berührend. Total kitschig. Verboten romantisch. Es ist einfach wunderbar.

Die Sprache ist sehr einfach gehalten, aber genau das passt zu Brutus, dessen Stärke nicht in den Worten liegt und auch zu Gray, der am Anfang wegen seines Stotterns kaum in der Lage ist, sich auszudrücken. Es ist einfach wunderschön zu lesen, wie diese beiden geschundenen Seelen sich ganz langsam näher kommen. Während in anderen Büchern oft zuerst der Sex und dann die Liebe kommt, kann man hier als Leser miterleben, wie aus Pflichterfüllung langsam gegenseitiger Respekt, dann vorsichtige Freundschaft und schließlich mehr wird. Brutus, aber auch Gray, wissen zunächst kaum, das Sex und Liebe etwas miteinander zu tun haben können. Sie lernen das miteinander und manchmal kommt man sich fast wie ein Voyeur vor, wenn ihre scheue Annäherung beschrieben wird. Die vorsichtigen Zärtlichkeiten sind unheimlich berührend.

Kim Fielding verschweigt nicht, was zwischen den beiden Männern passiert, aber sie beschreibt es nicht mit expliziten Worten. Der Fokus liegt eindeutig auf den Gefühlen, die sich zwischen Brutus und Gray entwickeln.

Das Buch hat auch ganz klar eine zweite Ebene: Weder das Äußere eines Menschen, noch seine Abstammung zählen. Wichtig ist, was er aus sich macht, wenn er die Chance dazu erhält. Brutus könnte mit seinen Bärenkräften ein brutaler Unterdrücker sein, aber er folgt seinem sanften Herzen. Gray hat am eigenen Leib erlebt, wohin bitterer Stolz führen kann und dafür bezahlt. Weil die Charaktere und die Welt, in der die Geschichte spielt, detailreich und liebevoll geschildert sind, hat man nie das Gefühl, mit erhobenem Zeigefinger belehrt zu werden. Als Leser leidet und hofft man mit den beiden Männern darauf, dass sie ihr verdientes Glück finden.

Einfach ist das nicht! Das Buch wird bei aller Romantik mit jeder Seite spannender und man kann es kaum aus der Hand legen, bevor man weiß, ob Brutus (der sich schon lange bei seinem eigentlich Namen nennt, aber ich will nicht vorgreifen …) und Gray es schaffen, ihre Liebe zu bewahren und ihre Freiheit zu gewinnen. Brutus muss schließlich beweisen, wieviel Heldentum wirklich in einem sanften Riesen steckt …

Fazit: Ich liebe diese Geschichte. Sie ist etwas ganz Besonderes und ich habe sie ganz bestimmt nicht zum letzten Mal gelesen. Das hier ist romantische Fantasy vom Feinsten, erhält von mir mehr als 5 Punkte und eine Leseemepfehlung. Die Geschichte geht so richtig zu Herzen und lässt den Leser mit einem guten Gefühl zurück. Sanfte Riesen und blinde Zauberer vergisst man eben nicht so leicht wieder!

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 Hier kann man die Bücher von Kim Fielding kaufen:
- "Brutus, der Dorttrottel"
- "Ein Wolf in der Küche"
"Sprachlos"

Bildquelle: Dreamspinner-Press

Dienstag, 29. März 2016

"Ein Callboy kommt selten allein" von Ann Westphal

Kopfkino versus Realität

Bei Marc springt sofort das Kopfkino an, als er Sophie zum ersten Mal sieht. Leider ist er grade beruflich mit einer anderen Frau unterwegs und sie will mit Sicherheit nicht wissen, wozu er seine Fantasie benutzt …
Sophie hütet ihr Herz wie einen Schatz. Nach einer großen Enttäuschung glaubt sie nicht mehr wirklich an die Liebe und die Männer scheinen in ihr immer nur eine nette Affäre zu sehen. Wieso nur fühlt sie sich ausgerechnet von Marc angezogen, der in ihren Augen oberflächlicher nicht sein könnte. Seinen anrüchigen Nebenjob hat er anscheinend nur, weil er die Finger nicht von seinen teuren Hobbys lassen kann. Und von den Frauen. Zumindest dienstlich nicht …

Ein Callboy kommt selten allein“ ist – mal abgesehen von der eindeutig zweideutigen Anspielung – der zweite Teil der Callboy-Serie von Ann Westphal. Marc und Sophie lernt man schon im ersten Teil „Little ... einmal nur“ kennen und hier wird ihre Geschichte erzählt.
In der Realität scheint Marc ein Lebemann zu sein, der mehr Geld ausgibt, als er mit seinem regulären Job verdienen kann. Es wirkt schon fast berechnend, dass er als Callboy arbeitet, statt Affären zu haben. So genießt er gutes Essen, interessante Veranstaltungen und Sex in teuren Hotelzimmern. Statt dafür zu bezahlen, verdient er noch Geld damit.

Sophie ist, wenn auch ein wenig gezwungenermaßen, deutlich bescheidener. Sie hat einmal nach den Sternen gegriffen und ist tief gefallen. Daran hat sie immer noch zu knabbern, nicht nur finanziell. Ihr Verständnis für Extravaganzen ist mehr als begrenzt.

Erst ein Schicksalsschlag bringt Sophie und Marc näher zusammen und die beiden lernen sich nun unter völlig anderen Voraussetzungen neu kennen. Dieser Teil der Geschichte ist hauptsächlich aus Sophies Sicht erzählt, so dass man als Leser mit ihr zusammen nach und nach hinter Marcs Geheimnisse kommt.

Für mich hat – auch bedingt durch Marcs Unfall – der zweite Teil der Serie nicht ganz die wunderbare Leichtigkeit, den die anderen Bücher aufweisen. Marc und Sophie müssen sich mit einer gehörigen Portion Dramatik und mit einigen Missverständnissen herumschlagen, bevor sie – hoffentlich – ihr gemeinsames Glück finden. Dass die Geschichte ein wenig ernster ist, heißt aber nicht, dass sie schlechter ist. Man kann und will das Buch nicht aus der Hand legen, bevor man weiß ob und wie Sophie und Marc es schaffen, sich zusammenzuraufen.

Interessanterweise schafft es Ann Westphal, dass neben ihren sexy Helden auch immer sympathische Heldinnen stehen. Während ich beim Lesen der Serie sonst immer vergnügt den Noch- oder Ex-Callboy (und im letzten Teil den „Engel“) anschmachte, habe ich eine Weile gebraucht, um mit Marc warm zu werden. Sophie dagegen ist mir schon in den ersten Seiten ans Herz gewachsen und ich musste unbedingt wissen, ob Marc sie überhaupt „verdient“ hat.

Fazit: Gelungener zweiter Teil einer erstklassigen Serie! Marc und Sophie erhalten von mir solide 5 Punkte und eine Leseempfehlung, die übrigens für alle Teile der Callboy-Reihe gilt.

Haben wollen? 
 Hier kann man das Buch von Ann Westphal kaufen: 
 "Ein Callboy kommt selten allein"

Übersicht über die Reihe:
Band 1: "Little ... einmal nur" (Tom und Caro)
Band 2: "Ein Callboy kommt selten allein" (Marc und Sophie)

Band 3: 
"Leo – Auftragslover küsst man nicht" (Leo und Jo)
Band 4: "Callboy gesucht - Engel gefunden" (Gabriel und Mona alias M)

Bildquelle: amazon

„Little … einmal nur“ von Ann-Westphal

Einmal ist noch lange nicht genug!

Was macht frau, wenn der wunderschöne, verwilderte Park gleich um die Ecke, in dem frau wunderbar entspannen und mit dem Hund spazierengehen kann, in einen gewinnträchtigen Gebäudekomplex verwandelt werden soll?
Caro geht auf die Barrikaden und schafft es, das halbe Viertel zu mobilisieren. Nur der sexy Jogger, mit dem sie dabei zusammenknallt, will sich dem Volksbegehren nicht anschließen, sondern macht sie mit dem ältesten Spruch aller Zeiten an: „Kennen wir uns nicht?“
Es dauert eine Weile, bis Caro herausfindet, wer der Mann wirklich ist, warum er tatsächlich kein Unbekannter ist und was er mit dem kleinen Park zu tun hat. Noch länger braucht sie, um hinter seine Geheimnisse zu kommen und für sich selbst zu klären, ob einmal kein Mal ist, noch lange nicht genug oder sogar der Anfang von „für immer“.

Little … einmal nur“ ist der erste Band der grandiosen Callboy-Serie von Ann Westphal. Man kann theoretisch jede Story für sich genießen. Will man aber gar nicht, wenn man einmal mit der Reihe angefangen hat, deshalb kann man sie auch gleich in der richtigen Reihenfolge lesen. Die Storys sind einfach klasse! Ann Westphal erzählt locker und mit viel Witz, wie die sexy Kerle mit dem interessanten Nebenjob ganz unprofessionell ihr Herz verlieren.

Den Anfang macht Tom, als er nach vielen Jahren seine alte Schulfreundin Caro wiedertrifft. Das sich die beiden nicht auf Anhieb erkennen, ist kein Wunder, weil sie sich doch sehr verändert haben. Als Leser spürt man aber sofort, dass der Funke überspringt. Die beiden finden sich nicht nur körperlich attraktiv, sondern liefern sich auch erstklassige Wortgefechte, die einen während der Lektüre dazu bringen, immer wieder laut zu lachen.

Bei allem Humor fehlt aber auch die Erotik nicht. Es macht einfach Spaß, mit Caro den attraktiven Tom anzuschmachten. Die Story ist mehr als einmal auch da richtig heiß, wo die beiden ihre Klamotten noch anhaben. Ann Westphal schafft es wunderbar, die Sinnlichkeit von Blicken, Gesten und winzigen Berührungen einzufangen und zu transportieren. „Little … einmal nur“ ist damit zweifellos heißer, als viele Bücher, die seitenweise explizit Techniken schildern, aber irgendwie kein Gefühl aufkommen lassen.

Tom und Caro sind keine Teenies mehr, sondern stehen mitten im Leben. Sie wissen eigentlich, wer sie sind und was sie wollen. Ihre Begegnung bringt unerwartet eine Leidenschaft in ihren Alltag, mit der sie so gar nicht mehr gerechnet haben. Schließlich müssen sie sich entscheiden, ob sie gemeinsam einen Neuanfang wagen. Es ist mitreißend zu lesen, ob und wie sie sich zusammenraufen.

Fazit: Leseempfehlung? Echt jetzt??? Aber selbstverständlich! Und um das klarzustellen: Die gilt für die gesamte Serie.
Tom und Caro erhalten aber trotzdem verdiente 5 Punkte ganz für sich alleine.
Ok. Und für Herrn Schrader. Der männerhassende Labrador entwickelt sich in der Serie zu einer Art Running Gag. Oder – positiv ausgedrückt – zu einem wiederkehrenden Helden. Er taucht, wie auch Tom und Caro nämlich immer wieder auf und das ist gut so. „Einmal nur“ ist bei dieser Serie definitiv deutlich zu wenig!

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 Hier kann man das Buch von Ann Westphal kaufen: 
 "Little ... einmal nur" 

Übersicht über die Reihe:
Band 1: "Little ... einmal nur" (Tom und Caro)
Band 2: "Ein Callboy kommt selten allein" (Marc und Sophie)

Band 3: 
"Leo – Auftragslover küsst man nicht" (Leo und Jo)
Band 4: "Callboy gesucht - Engel gefunden" (Gabriel und Mona alias M)

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"Alien Breed 7: Loner" von Melody Adams

Total hoffnungslos ...

Loner wird von Eden entführt und zu "Zuchtzwecken" auf eine russische Raumstation gebracht. Die Russen haben ebenfalls ein geheimes Hybrid-Programm, allerdings mischen sie menschliche DNA nicht mit Aliens, sondern mit Raubkatzengenen. Um "Nachzucht" zu erzeugen, soll Loner sich mit einem der so erzeugten Wesen paaren.

Ähm. Ja?
Eigentlich hatte ich mit den "Alien Breeds"ja schon abgeschlossen, aber die Ideen von Melody Adams reizen mich immer wieder: Ein Einzelgänger und eine einsame Schönheit, die sich auf den ersten Blick ineinander verlieben und einem Unrechtsregime trotzen ...
Hach! Das hat doch was, oder? So hatte ich den Klappentext von "Loner" interpretiert und das wollte ich eigentlich lesen. In Ansätzen gibt es diese Geschichte tatsächlich in dem Buch. Leider ist sie so unsensibel und platt erzählt, dass mir dafür fast die Worte fehlen.
ST879, die sich später "Hope" nennt, ist ihr Leben lang schrecklicher Gewalt ausgesetzt gewesen und muss auch immer wieder sexuellen Missbrauch ertragen. Das wird in etwa so lapidar geschildert, wie die Zusammensetzung ihres Abendessens. Es ist halt so. Kaum sperrt man Loner in ihre Zelle, verspürt sie ein "Prickeln im Unterleib" und lässt sich lustvoll befingern und mit der Zunge verwöhnen. Also, bitte!!!
Weil die Serie aber nun mal auf erotische Szenen setzt und normalerweise „aufs Ganze geht“, hat Loner einen feuchten Traum, der fast über ein ganzes Kapitel geht. Zärtliche Gesten, Trost oder Nähe werden dagegen kaum geschildert.
Weder Loner noch Hope bekommen auch nur die Chance ein Profil zu entwickeln, das sie dem Leser nahe bringt. Man muss auch nicht verstehen, warum sich die beiden ineinander verlieben. Die Autorin legt ihrem Helden sinngemäß die sabungsvollen Worte in den Mund: "Ist unsere Liebe Schicksal oder Bestimmung?"
Sorry, Loner! Das alles ist Zufall! Das Zusammentreffen, die Flucht, und besonders die Landung auf der Farm der ehemaligen Ärztin. (An der Stelle hätte ich das Buch echt fast in die Ecke geworfen. Dieser zufällige Zufall war echt einer zu viel!)

Über die logischen Ungereimtheiten regt man sich schon gar nicht mehr auf, wenn man mal ein paar Bücher der Reihe gelesen hat. Die Stellen animieren eher zum Kopfschütteln. Hier fand ich die Frage interessant, warum es möglich ist, die Gene von zwei völlig unterschiedlichen Spezies zu mischen und so Hybriden zu züchten, die simple In-Vitro-Fertilisation (die übrigens eine Voraussetzung für die eben geschilderte Technik ist), aber danach nicht mehr praktiziert wird. Es gibt eine Maschine, die Loner ... seine kleinen Schwimmer abgeben lässt. Wenn es schon nicht In-Vitro klappt, dann vielleicht mit künstlicher Befruchtung? Das ist eine ziemlich alte und simple Methode. Stattdessen sperrt man zwei Wesen zusammen, die sich potentiell bis aufs Blut bekämpfen und wartet, ob sie nicht vielleicht Sex haben. (Kleiner SPOILER: Ein namenloser Alien Breed ist dabei schon ums Leben gekommen. Mich erstaunt, dass die Russen Hope, die sich als das einzig fruchtbare Wesen der Versuchsreihe erwiesen hat, der Gefahr von Verletzungen immer wieder aussetzen. SPOILER ENDE)
Die Erklärung, warum Hope einer für sie besonders demütigenden Praxis des Missbrauchs ausgesetzt ist, lautet "Empfängnisverhütung". Häh? Schon mal was von Lümmeltüten gehört? Wie auch immer das auf Russisch heißen mag ...

Fazit: Eines ist mir allerdings nun klar geworden: Es ist total hoffnungslos, darauf zu warten, dass sich aus den tollen Ideen in der Serie "Alien Breeds" irgendwann einmal gute Bücher entwickeln. Ich muss mir in Zukunft nicht mehr auf die Finger hauen, wenn ein neuer Band herauskommt. "Loner" gefällt mir gar nicht, erhält damit nur einen Punkt und definitiv keine Leseempfehlung.

Nach "Player", der mir auch schon nicht gefallen hat, war zumindest noch ein Funke Hoffnung da, dass es irgendwann mit der Serie bergauf geht. Den haben Loner und Hope jetzt endgültig ausgelöscht ...


Anmerkung:
Damit es nicht so aussieht, als würde ich die Bücher von Melody Adams nur kaufen, um sie dann öffentlich zu verreißen, hier kurz der Link zu zwei Geschichten, die mir ganz gut gefallen haben:

   (Erotische Romanze, hat mir gut gefallen, 4 von 5 Sternen)
- "Toy Boy
   (Sexy Kurzgeschichte, 5 von 5 Sternen)

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Dienstag, 22. März 2016

"Die Magie des Königs" von Dahlia von Dohlenberg

Spannender High-Fantasy-Roman

Ausnahmsweise hier einmal zuerst die Bewertung, weil ich „Die Magie des Königs“ von Dahlia von Dohlenberg nicht besprechen kann, ohne ein wenig zu spoilern:

Die Geschichte gefällt mir sehr, leider gibt es aber auch ein paar kleinere Kritikpunkte. Deshalb 4 von 5 Punkten und eine Leseempfehlung, die sich übrigens ausdrücklich mehr an Fantasy-Leser richtet, auch wenn das Buch an erster Stelle unter „Liebesromane“ gelistet ist. Natürlich spielt die Liebe eine große Rolle, der Kern des Buches ist aber in meinen Augen eine spannende High-Fantasy-Geschichte voller Intrigen und Kämpfe.

Ab hier SPOILER möglich:

Jeder Junge wird in einem bestimmten Alter auf Magie getestet. Die „Gezeichneten“ wurden früher getötet, heute noch müssen sie die „Schule der Reinigung“ besuchen und niemand hört je wieder von ihnen. Nur einer der Jungen erlebt eine besondere Ehre: Er wird zum König gekrönt und unterstützt von diesem Tag an das herrschende Königinnenhaus mit seinen Gebeten.
Prinz Cassian lebt ein einsames und zurückgezogenes Leben in einem eigenen Palast. Seinen Vater hat Cassian nie kennengelernt, seine Mutter, die Königin, weigert sich seit langem, ihn zu empfangen. Nur zu seiner Zwilligsschwester Ash hat er ein recht gutes Verhältnis, auch wenn sich ihre Leben immer weiter auseinanderentwickelt haben. Nun soll Cassian den Verlobten und designierten König für die Zeit der Verlobung beherbergen. Korais Anblick trifft ihn mitten ins Herz. Natürlich hat ihre Liebe keine Chance. Aber hat nicht auch Ash einen Liebhaber?
Cassian macht sich auf die Suche nach Antworten. Die Zeit drängt, denn Rebellen versuchen Korai zu töten und zu Cassians Entsetzen scheint der wenig dagegen zu haben.
Zur gleichen Zeit bemerkt Kriswyn, dass ausgerechnet ihr geliebter kleiner Bruder der Verlobte der Königin ist. Sie setzt alles daran, ihn zu befreien und riskiert dabei mehr als ein Leben. Zum Glück findet sie unerwartete Verbündete. Doch kann sie diesen wirklich trauen?
Die Geschichten zweier Familien verflechten sich untrennbar miteinander und könnten die Geschichte eines ganzen Reiches für immer verändern!

Die Magie des Königs“ erzählt eigentlich drei miteinander verwobene Liebesgeschichte, die jede für sich wunderschön und sehr berührend. Im Kern steht die von Cassian und Korai, doch auch die seiner Schwester Ash zu ihrem Leibwächter Mishai ist eigentlich sehr berührend. Leider bleibt die Kronprinzessin ein wenig blass, während Mishai eine tragende Rolle zukommt. Er macht – neben Cassian – die größte Entwicklung durch, wobei er seinem Charakter treu bleibt: Mishai sorgt mit ganzem Herzen für die Menschen die er liebt, auch wenn diese es ihm nicht immer danken.

Der interessanteste Charakter der Geschichte ist aber Korais wilde Schwester Kriswyn. Voller Zorn über den Vorfall, der ihr den Bruder genommen, die Mutter das Leben gekostet und den Vater dazu gebracht hat, sich von der Familie abzuwenden, fühlt sich Kriswyn nur an wenige Gesetze gebunden. Sie träumt davon mit ihrem besten Freund Yorik fremde Länder zu bereisen und füllt dafür ihre Kasse mit waghalsigen Diebstählen auf. Ihre Beziehung zu Yorik beinhaltet durchaus auch Sex, den teilt Kriswyn aber auch mit anderen. Deshalb ist sie erstaunt, als Yorik plötzlich eifersüchtig auf Rolain reagiert. Die drei finden eine überraschend einfache Lösung für ihr Problem, das mir sehr gefallen hat.

Soweit zum „Liebesroman-Anteil“ der Geschichte. Ansonsten werden eine Menge Geheimgänge erkundet, Pläne geschmiedet und Kämpfe ausgefochten. Intrigen müssen gesponnen und Geheimnisse enttarnt werden. Unerwartete Wendungen erschweren das Leben der Helden und ein finsterer Bösewicht zieht im Hintergrund die Fäden. Was ich hier mit zwei Sätzen lapidar zusammenfasse, nimmt ebenfalls einen großen Teil der Geschichte ein. Leider konnte ich manchmal die Ansätze nicht ganz nachvollziehen.

Um es vorwegzunehmen: Das Buch ist ein guter und spannender Fantasy-Roman, den ich gerne gelesen habe. Gerade deshalb hat mir aber an manchen Tiefe gefehlt und es sind ein paar Fragen offen geblieben. Trotz des Umfangs war einfach nicht genug Zeit. Immerhin müssen drei Liebensaffären erzählt UND eine Menge Geheimnisse gelüftete werden. Alleine die bittersüße Liebe zwischen Mishai und Ash hätte ein ganzes Buch verdient. Genauso ist es mit der scheinbar hoffnungslosen Anziehungskraft zwischen den beiden Außenseitern Cassian und Korai. Ihre Gefühle werden leider immer nur angerissen. Wahrscheinlich wirken Kriswyn, Rolain und Yorik aus dem gleichen Grund nach ein paar angfänglichen Irritationen schon fast sachlich. Gefühlt lösen ihr Problem so: „Bei uns passt keine Zweierkonstellation, machen wir halt mehr daraus! In Ordnung?“ - „Passt.“ - „Ja, klar.“

Hey!?! Nicht nur hier wollte ich viel, viel mehr wissen! Hier hätte ich so richtig gerne mitgelitten und mitgeliebt, statt durch den gefühlt 125sten Geheimgang zu schleichen, auch wenn das für den Fortlauf der Geschichte noch so notwendig war.

Die Welt, die Dahlia von Dohlenburg für ihren Roman geschaffen hat, ist unheimlich komplex und interessant. Auch davon hätte ich gerne mehr gelesen. Dabei habe ich aber noch Hoffnung. Vielleicht kommt ja irgendwann einmal ein Buch über die Abenteuer, die Kriswyn, Rolain und Yorik gemeinsam erleben, oder eines darüber, wie Ash und Mishai das Reich in eine neue Zeit führen.

Cassian und Korai haben am Ende der Geschichte ihr verdientes Glück gefunden, insofern ist die Geschichte nicht ganz falsch in der Kategorie „Romantische Literatur für Homosexuelle“. Ihre Beziehung ist ein wichtiger Teil der Geschichte, aber nicht alles, was das Buch zu bieten hat. Mit seinen verflochtenen Handlungssträngen würde ich es eher unter „Fantasy“ einordnen. Zwei der Charaktere sind halt zufällig schwul. Und? Das ist mit Sicherheit nicht der (einzige) Kern der Story.


Der liegt eher in der Frage ob es sinnvoller ist, Traditionen oder seinem Herzen zu folgen. Dabei ist durchaus nicht nur die Liebe gemeint, sondern auch ein Gefühl für „Richtig“ und „Falsch“. Im Fantasy-Anteil lassen sich spannende Parallelen zu aktuellen (Umwelt-)Problemen entdecken, die ruhig noch ein wenig vertieft werden könnten.

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 Hier kann man die Bücher von Dahlia von Dohlenburg kaufen: 
- "Die Magie des Königs"


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Samstag, 19. März 2016

"Keine Angst zu lieben. Seth & Greyson: Callie & Kayden 7" von Jessica Sorensen

Keine Angst zu labern …
Seth hat eine furchtbare Erfahrung gemacht. Bis in den Kern seines Seins getroffen, traut er sich nicht mehr, seine Zuneigung zum eigenen Geschlecht offen zu zeigen. Für Greyson ist das nicht leicht zu verstehen. Zu widersprüchlich sind die Signale, die Seth aussendet. Werden es die beiden schaffen, sich zu öffnen und sich ihre Zuneigung zu gestehen?

Mich interessiert die „Callie & Kayden“-Reihe von Jessica Sorensen schon eine Weile. In „Keine Angst zu lieben“ wird die Geschichte von zwei Nebencharakteren eingehender beleuchtet. Natürlich enthält die Story Spoiler zur Hauptgeschichte, schließlich ist dies Band 7 der Reihe. Mich stört das nicht, im Gegenteil ich wollte ja mehr über die Serie wissen.

Tatsächlich schafft es das Buch, neugierig auf Kayden und Callie, sowie auf Luke zu machen, die alle immer wieder auftauchen und einen wichtigen Teil von Seth Leben ausmachen. Leider hat mich der Erzählstil der Autorin nicht überzeugt. Die an sich gut angelegten und interessanten Charaktere gewinnen nicht wirklich an Tiefe. Obwohl abwechselnd aus der Ich-Perspektive von Seth und Greyson erzählt wird, bleiben sie dem Leser eigentümlich fremd. Man erfährt nicht mehr von ihnen, als jeder, der sich mit ihnen unterhält. „Reden“ ist übrigens das große Leitmotiv in der Geschichte. Gefühlt drei Viertel des Romans bestehen aus Dialogen (wahlweise hin und her geschickten Textbotschaften). Wahrscheinlich ist es weniger, aber der Eindruck verstärkt sich mehr und mehr, weil die Gespräche zwar nicht unwichtig sind, aber meistens auch nicht besonders tiefschürfend oder witzig. Die Jungs (und Mädels) labern herum, weil sie Angst haben, über ihre wirklichen Gefühle zu reden oder sie zu zeigen. Vielleicht die Autorin auch einfach nicht, wie sie die Emotionen anders zu Papier bringen soll …

Es gibt zum Beispiel eine Szene an Thanksgiving, die eigentlich unheimlich berührend sein könnte, aber fast nur durch Dialoge dargestellt wird, ganz so als wäre man in einem nacherzählten Hörspiel und nicht in einem Roman.

Bsp.: Zitat: „Das tut mir so leid, Seth. Ich wünschte, ich könnte bei dir sein … Aber ich bin unglaublich stolz auf dich.“
„Danke“ Ich sehe zum Fenster. Es fängt an zu schneien. „Ich fahre heute Abend noch zum College zurück.“
Zitatende

Hm. Was fühlt Seth da eigentlich gerade? Kommt das „Danke“ aus tiefstem Herzen und stehen ihm fast vor Rührung die Tränen in den Augen? Oder ist es eher ironisch, weil der Ratschlag von Greyson ihn erst in die Situation gebracht hat? Keine Ahnung …
Das ist natürlich nur EIN Beispiel und manches klärt sich in den späteren Gesprächen – Wo auch sonst? – noch auf.

Erst gegen Ende kommen dann doch ein paar wirklich schöne und zärtliche Momente zwischen Seth und Greyson, bei denen man nicht liest, was die beiden fühlen, sondern es auch wirklich spürt.

Fazit:Keine Angst zu lieben“ hat tolle Ansätze und sympathische Charaktere. Die Story macht neugierig auf die gesamte Reihe und eignet sich gut, den Stil von Jessica Sorensen kennenzulernen. Mich persönlich hat der aber leider nicht überzeugt.
Also: Kann man lesen, muss aber nicht sein. 3 von 5 Punkten und ehrlich gesagt von mir keine Empfehlung.

Die Story ist am ehesten noch für junge Erwachsene geeignet.

P.S.: Was mich echt gewundert hat, ist der offensichtlich freie Zugang zu Alkohol, den die Jungs und Mädels auch in der Öffentlichkeit haben, obwohl sie noch nicht 21 sind und die Serie in den USA spielt. Da die Autorin Amerikanerin ist, scheint es wohl doch für junge Leute leichter zu sein, an das Zeug zu kommen, als ich bisher angenommen habe.


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"Freistoß für den Trainer" von Paige Categan

Heiß und sexy!

Alexander zieht wegen eines Jobs von Berlin in ein kleines Dörfchen. Obwohl er geoutet ist, hat er sich vorgenommen, seine sexuelle Orientierung erst einmal für sich zu behalten. Das geht genau so lange gut, bis der den Trainer des Fußballvereins kennenlernt, bei dem er sich angemeldet hat. Fabio ist verboten heiß und nicht besonders zurückhaltend …

Ich gebe zu, dass mich Fußball und Storys in diesem Umfeld normalerweise nicht die Bohne reizen. Aber die Story war kostenlos und ich hatte ein wenig Zeit …

Zum Glück! „Freistoß für den Trainer“ von Paige Categan ist richtig klasse! Die Autorin schafft es auf ca. 20 Seiten einen erstklassigen erotischen Appetithappen zu präsentieren. Trotz der Kürze kann man sich die beiden Hauptcharaktere und sogar einige der Nebencharaktere gut vorstellen. Es macht Spaß, zusammen mit Alexander, der die Geschichte aus der Ich-Perspektive erzählt, den sexy Trainer ein wenig anzuschmachten und wenn es – wie im Klappentext versprochen – richtig zu Sache geht, springt der Funke über.

Fazit: Kurz. Knackig. Heiß!!! Unbedingt lesenswert. Von mir gibt es 5 Punkte und eine bedingungslose Leseempfehlung, die auch Leute einschließt, die mit dem Sport sonst so gar nichts anfangen können.

P.S.: Es gibt einen winzigen Wermutstropfen, der aber nicht direkt mit dieser Story zu tun hat. Die Gesschichte hat eine Fortsetzung, die ich eigentlich richtig gerne lesen möchte. Aber nicht solange ich für 20 Seiten 1,99 € (Stand: 19.03.2016) berappen soll. 


Schade. Richtig schade! Mir gefällt der Stil der Autorin sehr. Aber Leute, mal ganz ehrlich:
Für ein "normales Taschenbuch" mit ca. 400 Seiten bezahle ich ca. 10 €. Wenn ich das Buch ausgelesen habe und es mir gefallen hat, kann ich es ins Regal stellen, bis ich Lust auf einen Re-read habe. Sonst verkaufe ich es, verschenke es oder nutze es, um damit den Grill anzuheizen.
Ein e-book hat andere Vorzüge, aber bei aller Liebe: Wenn ich den Preis eines Taschenbuchs als Maßstab ansetze, dürfte ich für 20 Seiten nur ca. 50 Cent ausgeben. Wahrscheinlich hätte ich auch noch einen Euro hingelegt, aber irgendwo ist - in diesem Fall "leider" - Schluss.

P.S.2: Für mich ziemlich überraschend und so nicht geplant, hat amazon meine Rezi unter beiden bisher erschienenen Teilen gepostet. So kann man einem Titel natürlich auch 5-Sterne-Bewertungen verschaffen ...

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 Hier kann man die Bücher von Paige Catefan kaufen: 
- "Freistoß für den Trainer" (zurzeit kostenlos, Stand 19.03.2016)
- "Freistoß für den Trainer 2
(Bitte, bitte "Bescheid sagen, wenn es die Story mal für 99 Cent gibt oder die Autorin weitere Werke herausgibt. Danke!)

Bildquelle: amazon

Freitag, 18. März 2016

"Callboy gesucht - Engel gefunden" von Ann Westphal

Erotische (Wort-)Spielereien
Nachdem Mona alias M ihre drei besten … ähm „Pferdchen im Stall“ passt nicht so richtig und „Hengste“ hört sich falsch an. Die Jungs haben mehr zu bieten, als einen großen … *räusper*. Jedenfalls sucht Mona verzweifelt nach qualifiziertem … Personal, das die Wünsche ihrer anspruchsvollen Kundinnen befriedigt. Also alle Wünsche. Auch die …

Ach, Mann! In dem Buch geht es schließlich um die Chefin einer Escort-Agentur! Wie soll man da politisch korrekt bleiben? Vor allen Dingen weil Mona nicht nur einen tollen Nachfolger für Tom, Marc und Leo findet, sondern auch unversehens jemanden kennenlernt, der sie wortwörtlich berührt. Dabei weiß sie zuerst nicht einmal, wie der umwerfend gutaussehende Mann heißt, den sie immer wieder trifft.
Einmal ist Zufall, zweimal ist Glück (auch wenn Mona das anfangs ganz anders sieht), dreimal ist Schicksal, oder?

Mit „Callboy gesucht - Engel gefunden“ geht die Callboys-Serie von Ann Westphal in die vierte (und hoffentlich nicht letzte) Runde. Eigentlich verrät der Titel schon das Wesentliche: Mona sucht einen Callboy und findet einen Engel. Keinen mit flauschigen Federflügelchen und Pausbacken, sondern einen äußert männlichen mit tollem Muskeln, einem unwiderstehlichen Duft und – wie sich später herausstellt – einen Anwaltsdiplom.

Der Funke zwischen den beiden zündet sofort, auch wenn anfangs alles gegen sie zu sprechen scheint. Er springt auch mühelos über: Als Leser spürt man förmlich, wie die Luft zwischen Mona und Gabriel brennt.

Das Buch ist eine erotische Romanze und es gibt richtig heiße Szenen darin. Besonderen Spaß hat mir aber auch etwas anderes gemacht: Die witzigen und intelligenten Rededuelle, die sich die beiden Helden unentwegt liefern. Immer wenn sich Mona und Gabriel begegnen, sieht man förmlich die Engelchen und Teufelchen auf den Schultern der beiden sitzen und sticheln, bis der nächste verbale Schlagabtausch im Gang ist. Und man fühlt, dass sie sich extrem anziehend finden. Und sich deshalb am liebsten umgehend ausziehen möchten …

Ich finde es einfach klasse, dass sie die Erotik in diesem Buch nicht auf bloße Beschreibung von Techniken beschränkt. Die Wortspielereien zwischen Mona und Gabriel sind frech und zugleich unheimlich sinnlich. Es scheint wohl doch wahr zu sein: Intelligenz ist sexy! Natürlich beschränken sich die beiden nichts aufs Reden, aber bevor sie zur Sache kommen, passiert eine ganze Menge. Dabei werden Blicke, flüchtige Berührungen und selbst der Genuss eines Sushi-Röllchen plötzlich zum Vorspiel. Die Frage ist eigentlich nur noch, ob es um Sex oder Liebe geht.

Fans der Serie werden außerdem ihren Spaß daran haben, dass die bekannten Charaktere kleine aber feine Gastauftritte haben. Man kann zwar jeden Buch für sich lesen, aber wieso sollte man sich die tollen Geschichten um die andern heißen (Ex-)Callboys entgehen lassen?

Fazit: Leseempfehlung? Echt jetzt??? Klar! Diese Story erhält von mir wieder 10 von 5 möglichen Punkten. Sie ist kochend heiß und macht einfach Spaß.

P.S.: Achtung! Mini-SPOILER enthalten!
Was nun folgt ist Meckern auf allerhöchstem Niveau. Ich bin von der Geschichte wirklich begeistert! Die einzige Person, die für mich sehr eindimensional geblieben ist, war Gabriels Ehefrau Anne. Sie wirkt neben den unheimlich lebendigen Figuren sehr blass und ihre Motive habe ich nicht wirklich verstanden. Besonders die miese Intrige am Schluss war … naja …
Mona alias Miss Croft alias Nilgärtnerin und Gabriel (dessen Spitznamen der „Böse-Worte-Filter“ hier niemals zulassen würde …) sind aber ein so tolles Paar, dass sie diese kleine Schwäche mehr als wett machen. Die beiden hätten meiner Meinung auch ohne den Gegenpart von Anne funktioniert. Sie sind so facettenreich angelegt, dass man sofort versteht, warum sie eine Weile brauchen, um vor sich selbst zuzugeben, dass sie ihrer gegenseitigen Anziehung nichts entgegenzusetzen haben und einfach füreinander bestimmt sind. Ich könnte hier noch seitenweise von den tollen Szenen schwärmen. Mache ich aber nicht. Stattdessen schnappe ich mir lieber einen der anderen „Callboys“ für einen Re-Read und warte sehnsüchtig auf den nächsten …



Übersicht über die Reihe:
Band 1: "Little ... einmal nur" (Tom und Caro)
Band 2: "Ein Callboy kommt selten allein" (Marc und Sophie)

Band 3: 
"Leo – Auftragslover küsst man nicht" (Leo und Jo)
Band 4: "Callboy gesucht - Engel gefunden" (Gabriel und Mona alias M)

Haben wollen? 
 Hier kann man das Buch von Ann Westphal kaufen: 
- "Callboy gesucht - Engel gefunden"

Bildquelle: amazon


"Gefangen - Die Geliebte die Kommandanten" von Ann Westphal

Dunkel und sinnlich

Nadja stirbt fast vor Angst, als man sie in das Zimmer von Sergei bringt. Er ist der Kommandant des Straflagers, in dem man sie gefangen hält, weil gegen das Regime protestiert hat. Sind ein heißes Bad, gutes Essen und ein warmes Bett es wert, seine Geliebte zu werden? Sergei überrascht Nadja in mehr als einer Hinsicht …

Während die anderen Bücher, die ich bisher von Ann Westphal gelesen habe, mit Humor und einer gewissen Leichtigkeit punkten, ist die Atmosphäre in der Kurzgeschichte „Gefangen – Die Geliebte des Kommandaten“ am Anfang sehr dunkel. Nadjas Angst und Verzweiflung sind mehr als deutlich.

Da die Geschichte aus der Ich-Perspektive erzählt wird, sieht man als Leser Sergei konsequent durch Nadjas Augen. Zuerst unmerklich verändert sich ihr Blickwinkel. In die Angst mischt sich Neugier, in das Misstrauen die vorsichtige Zuversicht, dass er sich ihr niemals gegen ihren Willen nähern wird. Obwohl die Story so kurz ist, geht sie unter die Haut. Man kann Nadjas Wandel von Angst zu körperlicher Anziehung gut nachvollziehen.

Die erotischen Szenen sind sehr sinnlich, wenn auch bittersüß, weil über den beiden die allgegenwärtige Bedrohung des „Regimes“ schwebt. Ich werde natürlich nicht verraten, wie die Geschichte endet. Aber ich gebe ihr mindestens 5 Punkte und eine Leseempfehlung.


Haben wollen? 

 Hier kann man das Buch von Ann Westphal kaufen: 
- "Gefangen - Die Geliebte des Kommandanten"

Übersicht über die Callboy-Reihe:
Band 1: "Little ... einmal nur" (Tom und Caro)
Band 2: "Ein Callboy kommt selten allein" (Marc und Sophie)

Band 3: 
"Leo – Auftragslover küsst man nicht" (Leo und Jo)
Band 4: "Callboy gesucht - Engel gefunden" (Gabriel und Mona alias M)

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"Valkyria – Teil II: Wolfszauber" von Clannon Miller

Im Prinzip???

Lili steckt tiefer in Schwierigkeiten, als je zuvor in ihrem Leben. Statt ihre Feinde zu besiegen, ist sie nun magisch an den undurchsichtigsten von ihnen gebunden. Auf der (recht kurzen) Positivliste steht, dass Gunnarson ihr helfen will, ihre verschwundenen Schwestern wieder zu finden. Und das der Sex mit ihm weltenerschütternde gut ist, sollte man auch erwähnen. Auf der Negativliste steht … nein, das würde ewig dauern und definitiv den Rahmen sprengen. Beherzt macht sich Lili daran, ein Problem nach dem anderen zu lösen und muss dazu erst einmal mit einer kleinen Truppen von Verbündeten (und Gunnarson!) zurück in ihre eigene Welt reisen. Überrascht stellt sie fest, dass dort alles ganz anders ist, als sie es sich vorgestellt hat. Eine Kette von aberwitzigen Ereignissen stellt sie plötzlich vor eine unglaubliche Wahl. Gibt es so etwas wie eine „wahre Königin“ wirklich?
Derweil sind ihre in der „Spiegelwelt“ (also in Berlin) zurückgebliebenen Schwestern sich alles andere als einig. Während Kara zu ihrem Versprechen und damit zu Wolf Lohenstein steht, behauptet Almys, dass Lili nicht zurückkehren wird und beansprucht die Krone der Valkyria für sich. Nicht nur die Berserkerin Liv hat ihre Zweifel. Es scheint so, als ob auch die modernen Einherier sich nicht blind ihrem Trieb ergeben wollen, den Valkyria zu folgen. Almyt sucht sich Verbündetet, mit denen Lili niemals einverstanden gewesen wäre, und bereitet einen Kampf vor, den ihre Schwester so nie wollte. Ist alle wirklich alle Hoffnung verloren?
Die Grenzen zwischen „gut“ und „böse“ verlaufen mal wieder alles andere als gerade …

Ich habe voller Spannung auf dieses Buch gewartet und bin nicht enttäuscht worden: „Valkyria 2 – Wolfszauber“ von Clannon Miller hält, was der erste Teil verspricht: Es ist die fulminate Fortsetzung einer Geschichte, die sich nicht zu Unrecht als „Saga“ bezeichnet.

Lachen muss ich allerdings darüber, dass der Klappentext ausgerechnet mit den Worten „Im Prinzip“ anfängt. Wenn es in diesem Buch ein Prinzip gibt, dann nur dieses: Es ist völlig unkonventionell. Schon der abgedrehte Genre-Mix aus SF, Fantasy, Urban-Fantasy und erotischem Roman dürfte eigentlich nicht funktionieren. Tut er aber ganz ausgezeichnet und macht außerdem Lust auf mehr. Die Charaktere wachsen einem schnell ans Herz und machen Lust darauf, ihr Schicksal weiter zu verfolgen. Ich sage hier übrigens bewusst nicht, dass ich mir für diesen oder jene ein eigenes Buch wünsche. Die Leben der Männer und Frauen sind eng miteinander verflochten. Ich will nicht nur wissen, ob und wie sie ihr Glück finden, sondern auch wie es mit denen weitergeht, die ihr persönliches Happy End schon erlebt haben. (^^ Ich verrate hier natürlich nicht, wer genau das ist!)

Clannon Miller hat ein Händchen dafür, Humor mit Aktion und Erotik so zu mischen, dass ihre Bücher unverkennbar werden. Man kann sie einfach nicht zur Seite legen, entweder weil es gerade so spannend ist, oder weil es gerade so unglaublich heiß ist. Da die Valkyria einen natürlichen Appetit auf Sex haben, gehen sie erfrischend unverkrampft mit dem Thema um. Es macht richtig Spaß, ein Buch zu lesen, in dem die Frauen sehr selbstbewusst sagen (und machen) was sie wollen, statt dauernd an sich und ihrer Sexualität zu zweifeln.

Überraschenderweise punktet die Geschichte aber auch mit leisen, wunderschönen Szenen. Es gibt zum Beispiel eine ganz besondere Stelle, die so zu Herzen geht, dass sie bestimmt niemand vergessen wird, der sie einmal gelesen hat.

Bei „Valkyria 1 – Schwanengesang“ habe ich noch angemerkt, dass das Buch nicht immer einfach zu lesen sei. Viele der Ideen sind einfach völlig neu und man muss sich erst ein Mal zurecht finden. Mit „Valkyria 2 – Wolfszauber“ bin ich voll in der von Clannon Miller erschaffenen Welt angekommen, habe meinen Spaß mit den einzigartigen Helden und freue mich jetzt schon darauf, dass es im nächsten Jahr weiter gehen wird. Diese Saga mit ihrem ungewöhnlichen Genre-Mix und tollen Charakteren bietet jede Menge Potential …

Fazit: Ich gebe für „Wolfszauber“ mehr als 5 Punkte und auf jeden Fall eine Leseempfehlung. Allerdings sollte man unbedingt vorher den ersten Band gelesen haben, da die beiden Bücher direkt aufeinander aufbauen.

Valkyria Teil I
Haben wollen? 
 Hier kann man die Bücher von Clannon Miller kaufen: 
- "Valkyria - Teil 1: Schwanengesang"
- "Valkyria - Teil 2: Wolfszauber

Erotische Romanzen:
- "First Night - Der Vertrag
- "First Day - Die Mission"
- "Pygmalion - perfekt unverliebt"

 "Back and Beyond 

"Harvestine

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Donnerstag, 10. März 2016

"Black Dagger 26: Entfesseltes Herz" von J.R. Ward


Abschiede, Trauer und unerwartete Wendungen
Immer noch hängt die Drohung seines vorhergesagten Schicksals über Trez: Die s’Hisbe besteht darauf, dass er der Prinzessin zugeführt wird. Aber seine Gedanken drehen sich alleine um seine wunderschöne Geliebte Selena. Obwohl ihr Tod immer näher rückt, kann er sich sein Leben ohne sie nicht vorstellen. Gibt es wirklich keine Rettung? Trez und Selena versuchen, die Zeit die ihnen bleibt, gemeinsam zu genießen.

Sein Bruder iAm dagegen hat bei der Suche nach einem Heilmittel für Selene etwas gefunden, mit dem er niemals gerechnet hat: Er, dessen Herz sich niemals für eine Frau oder einen Mann erwärmt hat, verliebt sich unsterblich in eine geheimnisvolle, verschleierte Dienerin und erlebt mit ihr zum ersten Mal in Leben, was Liebe sein kann.
Als ausgerechnet der Scharfrichter der Königin sie zusammen erwischt, stellt sich iAm auf einen Kampf ein. Umso überraschter ist er, dass der Mann ihnen erst einmal hilft. Noch ahnt er nicht, wer seine Geliebte wirklich ist und wie aussichtslos ihre Liebe damit scheint.

Schon in „
Gefangenes Herz“, dem ersten Teil der Geschichte um die beiden Schatten, hatte ich das Gefühl, niemals ein so trauriges Buch aus dem Universum der Black Dagger gelesen zu haben. „Entfesseltes Herz“ ist aber noch dunkler. Natürlich gibt es auch hier wunderschöne, sehr zärtliche und einige erotische Szenen, aber Trez und iAm scheinen wirklich keine Chance auf Glück zu haben. Während man als Leser mit Trez fiebert, wieviel Zeit ihm und Selena noch bleibt, glaubt man zu sicher zu wissen, dass iAms Liebe überhaupt keine Chance hat. (Natürlich hofft man trotzdem!)

Das Buch konzentriert sich, vor allem im letzten Drittel, sehr auf die beiden Brüder, auf ihre Beziehung zueinander und die zu ihren Frauen. Dieser Teil ist wirklich traurig, dramatisch und nicht immer einfach zu lesen.

J.R. Ward hält sich diesmal mit anderen Handlungssträngen ein wenig zurück, lenkt aber geschickt das Augenmerk ein wenig auf Rhage, mit dem etwas nicht zu stimmen scheint. So bereitet sie wohl den nächsten Band vor, in dem es erneut um den großen Krieger, seine Bestie und seine geliebte Mary gehen soll. Natürlich berührt Rhage das Schicksal von Trez und Selena in besonderem Maße. Schließlich hat er etwas Ähnliches mit Mary erlebt. Ihm wird erneut bewusst, dass er ohne die Gnade der Jungfrau der Schrift nun alleine wäre.

Außerdem gibt es einige Szenen (und eine Leseprobe am Ende des Buches) die auf „Kuss der Dämmerung“ vorbereiten, den ersten Band der Serie „Black Dagger Legacy“, der sich mit der nächsten Generation der Krieger befassen wird. Man lernt Craeg kennen und erfährt ein wenig mehr über Paradiese. Die beiden sollte man sich merken!

Assail hat wieder nur einen Kurzauftritt und … Neee. Das wäre ein echter Spoiler. Aber er setzt etwas in Gang, mit dem ich nicht gerechnet habe und dass auf die Black Dagger massive Auswirkungen haben könnte. Kriegswolken zeihen am Horizont auf …

Die seltsame Beziehung zwischen Xcor und Layla erlebt eine entscheidende Wende. Ist sie damit am Ende? Xcor muss sich entscheiden, was er in Zukunft mit seinem Leben macht.

Entfesseltes Herz“ ist sehr traurig und emotional. Alles scheint „den Bach runter“ zu gehen und es gibt nur wenige, kleine Glücksmomente (und einen großen) in dem Buch. Für mich haben die „Black Dagger“ längst den Sprung zu einer komplexen Saga gemacht. Es dreht sich schon längst nicht mehr darum, jedem Bruder seine Frau (oder seinen Mann) zur Seite zu stellen und nach dem HE alle glücklich bin ans Ende der Zeit leben zu lassen. Die Brüder und ihre Freunde sind längst zu einer großen Wahlfamilie verschmolzen, die einander in guten und schlechten Zeiten beistehen. Es ist nur folgerichtig, dass auch die dunklen Kapitel in ihrem Leben erzählt werden.

Diese Geschichte hier berichtet von solch finsteren Stunden. Aber sie schildert auch, wie sich alle zusammen bemühen, daraus das Bestmögliche zu machen. Als Trez glaubt, ganz alleine auf der Welt zu sein, stehen alle zu ihm. Auch iAm begreift, dass er und sein Bruder unmerklich eine neue Familie gefunden haben. Eine, die sich nicht über Blut definiert, sondern aus freiem Willen treu zueinander steht. Das sind die ergreifensten Szenen in der Geschichte!

Fazit: Von mir gibt es diesmal sehr traurige 5 Punkte. Das Buch ist unheimlich berührend und macht nur Sinn, wenn man die Serie und vor allem „
Gefangenes Herz“ kennt.

P.S.: Wie immer an dieser Stelle der Hinweis, dass man sich nicht von „Band 26“ abschrecken lassen sollte, mit der Reihe anzufangen. Die „Black Dagger“ sind eine der besten Serien im Bereich Urban Fantasy, die es gibt. Wenn man das sechsundzwanzigste Buch schließt, noch einmal tief Atem holt und dann umgehend nachschaut, wann der nächste Band erscheint, spricht das für sich, oder?

Übrigens: Wer einmal „reinschnuppern“ will, hat in diesem Jahr die Chance, sozusagen einen Seiteneinstieg zu machen. Mit „Kuss der Dämmerung“ fängt ein neuer Handlungstrang im großen „Black Dagger“-Universum an. Auf Deutsch erscheint das Buch Anfang Mai.
Ganz an die düster-erotische Stimmung der Original-Serie kommt der Ableger zwar meiner Meinung nach nicht heran, er ist aber nicht desto Trotz lesenswert.


Haben wollen? 

 Hier kann man die Bücher 
von J.R. Ward kaufen: 

- "Gefangenes Herz“ (Band 25)
- "Entfesseltes Herz" (Band 26)

- "Kuss der Dämmerung“ (Black Dagger Legacy, Band 1)
(Neugierig? Hier geht es zu der Rezi der englischen Ausgabe: *klick*)

Bildquelle: amazon





Mittwoch, 9. März 2016

"Raze - Bis zum Tod" von Tillie Cole

Unsterbliche Liebe, Gewalt und … ganz viele Zufälle

Raze kann sich an ein Leben vor seiner Zeit in dem “Gulag” genannten Untergrundgefängnis nicht erinnern. Er hat keinen Namen, keine Gefühle und keine Hoffnungen mehr. Schon von Kindesbeinen an wurde er mit brutaler Gewalt und Drogen zu einem brutalen Kämpfer gedrillt. Nur wer im Käfig seine Gegner erbarmungslos tötet, darf weiterleben. Als Raze bei einem Aufstand entkommen kann, treibt ihn ein einziger Gedanke an: Der Name, den er in die Wand seiner Zelle geritzt hat und der unbedingte Wille, sich an diesem Mann zu rächen.
Womit er niemals gerechnet hat, ist Kisa. Sie durchbricht die Mauer um sein Herz und seinen Verstand und weckt Gefühle in ihm, die die Schatten seiner Erinnerungen wecken. Dabei scheint sie zu seinem schlimmsten Feind zu gehören! Raze muss noch einmal in den Käfig steigen, doch diesmal kämpft er nicht nur um sein eigenes Leben.

Mit „Raze“ von Tillie Cole erhält man ein Buch eines im Amerikanischen verbreiten Genres, das man mit „Dunkle Erotik“ übersetzen kann. Wer den Klappentext gelesen hat, weiß, dass dies hier keine rosarote Romanze sein wird. Der Hinweis auf die „Untergrundkämpfe auf Leben und Tod“ bereiten außerdem darauf vor, dass Blut und Gewalt ein Teil des Buches sind. Nachdem ich es gelesen habe, ordne ich die geschilderten Sitten bei der russischen Mafia mal dem Bereich „Urban Fantasy“ zu, aber auch das ist nicht der Knackpunkt an der Geschichte. Wenn man ein Buch aus diesem Genre aufschlägt, weiß man, dass es keine Wohlfühlstory ist und man zum Lesen starke Nerven braucht.

Raze“ hat Zutaten, aus denen ein richtig gutes Buch werden könnte: Die Autorin kann schreiben. Sie präsentiert einen psychopatischen Bösewicht, der auch über Leichen geht, und einen zerrissenen, gequälten Helden, der sich nicht einmal an seinen Namen erinnert, sowie eine unsterbliche Liebe, die schon im Himmel geboren zu sein scheint. Das ist übrigens die praktische Erklärung für eine ganze Reihe von unglaublichen Zufällen, ohne die die Story schon nach den ersten Kapiteln unweigerlich zu Ende wäre. Dazu kommt dann aber bedauerlicherweise eine Heldin, die zwar hübsch, aber leider, leider so eindimensional ist, dass es beim Lesen schon fast wehtut.

Mehr darüber zu verraten, wird ein paar Spoiler enthalten, deshalb zuerst die Bewertung, dann die Details.

Um es noch einmal ausdrücklich zu sagen: Wer sich über die Mischung von Gewalt und Sex in einem Buch aufregt, ist bei „Raze“ sowieso an der falschen Adresse und sollte die Finger ohnehin von „Dunkler Erotik“ lassen. Aber selbst unter Berücksichtigung des Genres gefällt mir die Geschichte weniger, je länger ich darüber nachdenke.

Deshalb nur 2 Punkte und keine Leseempfehlung.

Übrigens: Es scheint noch mehr Geschichten um die Käfigkämpfer zu geben. Eine Chance werde ich Tilli Cole und ihren gequälten Helden noch geben. Hoffentlich finde ich beim nächsten Buch dann auch eine Heldin, die diesen Namen verdient.

Ab hier SPOILER möglich:

Die Idee von dem Untergrundkämpfer, der keine Erinnerung an seine Vergangenheit hat und immer wieder gezwungen ist zu töten, um zu überleben hat ihren Reiz. Raze ist ein klassischer „Tortured Hero“, dem man, außer seiner Fähigkeit zu kämpfen, alles genommen hat, sogar seinen Namen. Die Befürchtung, seine Nummer, die ja auch auf dem Cover deutlich zu sehen ist, hätte eine bestimmte Bedeutung, bewahrheitet sich übrigens nicht. Wahrscheinlich (hoffentlich!) weiß die Autorin nicht einmal, wofür dieser Zahlencode in gewissen Kreisen steht.

In Raze Charakter gibt es leider einen Bruch. Von frühester Kindheit an verbindet ihn eine Seelenverwandtschaft, die im Himmel geboren zu sein scheint, mit jemandem. Das wird immer wieder betont. Mir erscheint es bei diesem Hintergrund irgendwie unlogisch, dass an dem düsteren Ort, zu dem man ihn bringt, sein einziger Gedanke Rache ist, er aber die angeblich unsterbliche Liebe, die er empfunden hat, vergisst. Sucht er niemals Trost in seinen Erinnerungen solange er sie noch hat? Versucht er nicht verzweifelt, sie zu bewahren? Das ist fast so unglaublich, wie die Tatsache, dass er seine komplette Gefangenschaft in der gleichen Zelle verbringt. Oder ritzt er jedes Mal das Motiv, das ihn antreibt, zusammen mit dem Namen seines Feindes und dem Ort, an dem er ihn finden kann, von neuem in die Wand? Ist Hass in ihm so viel stärker als Liebe? Wieso schreibt er Kisa Namen nicht auch auf? Zufall? Oder ist das einfach nur praktisch für die Story? Hm …

Jedenfalls führt ihn sein Weg zurück nach Brooklyn. Dieser Stadtteil der Riesenmetropole New York muss deutlich kleiner sein, als man so denkt, schließlich läuft ihm fast direkt nach seine Ankunft Kisa (zufällig?) über den Weg und er darf / kann / muss sie prompt retten. Das könnte vielleicht aber auch an ihrer unsterblichen, leider im Moment unterdrückten Verbindung liegen, die Kisa anschließend dazu bringt, ihrem Retter nicht nur zu danken, sondern ihm gleich eine unglaublich hohe Geldsumme zu schenken, die (zufällig?) im Tresor ihres Arbeitgebers herumliegt und nicht vermisst wird. (Wer hätte gedacht, dass die russische Mafia so nachlässig in der Buchführung ist?).

Dass Raze‘ schlimmster Feind Alik nun (diesmal nicht zufällig!) Kisas Verlobter ist – ok, von irgendeinem Drama muss die Geschichte ja leben und Aliks Motiv sind für einen völlig gestörten Charakter sogar überraschend gut nachzuvollziehen. Sogar dass er als Sohn eines Mafiabosses und dessen designierter Nachfolger immer wieder in den Käfig steigt und dort Kämpfe austrägt, die bis zum Tod gehen, ist plausibel erklärt. Zufällig ist das derselbe „Sport“, den auch Raze betreibt. So ein Zufall aber auch!

Wer wirklich nicht nachvollziehbar handelt, ist Kisa. Nach dem Verlust ihrer großen Liebe lässt sie sich von Alik völlig vereinnahmen, misshandeln und immer wieder … nehmen? Sie wehrt sich nie, wenn er sich ihr aufzwingt und bleibt angeblich bei ihm, das sich so in der russischen Mafia gehört und weil sie „die Stimmen in seinem Kopf“ beruhigt. Immer wieder wird bis ins kleinste Detail geschildert, wie brutal Alik zu ihr im Bett ist und wie sehr sie das hasst.

Was soll das? Selbst im Genre „Dunkle Erotik“ sollte ein Funke Gefühl dabei sein. Vielleicht ist diese Abgestumpftheit aber das, was Kisa am Ende rettet. Eher zufällig (!) überlebt sie Aliks Totalausraster, nachdem er sie mit Raze beobachtet hat. Obwohl sie körperlich angeschlagen ist, scheint sie mental gut damit klar zu kommen. Das seelische Trauma wird nicht einmal mehr erwähnt, zu verarbeiten gibt es bei ihr anscheinend nichts.

Kisas Beziehung zu Raze könnte herzzerreißend sein. Doch die immer wieder beschworene „Seelenverwandtschaft“ ist einfach nur praktisch und lässt ihre Beziehung nach 12 Jahren mehr oder weniger einfach da wieder anfangen, wo sie aufgehört hat. Entwicklungen sind gar nicht nötig. Am meisten geärgert hat mich, dass Kisa für Raze am Ende genau das ist, was sie auch für Alik war. Es ist fast schon makaber, dass sie für die beiden Männer eine Art Kuscheldecke zu sein scheint, die die ach so starken Kämpfer benutzen, um besser schlafen zu können.

Kisa bleibt so eindimensional, weil sie sich nur über die Männer in ihrem Leben definiert, egal ob es ihr Vater ist oder ob es Alik und Raze sind.

Bei allem Verständnis für den gequälten Helden Raze, den ich wirklich mochte, hätte ich ihm nicht nur eine Kuscheldecke, sondern eine echte Partnerin gewünscht, die über Selbstachtung und Feuer verfügt.


Trotzdem haben wollen?
 Hier kann man die Bücher von Tillie Cole kaufen. Bisher liegt allerdings nur "Raze" auf deutsch vor.
Raze - Bis zum Tod“ 

Bildquelle: amazon