Dienstag, 21. Juni 2016

"Dunkle Schatten" von Rhys Ford




Wie ein dunkler Rausch …

Kismet finanziert sich und seine Sucht mit Arbeiten in einem Tattoo-Studio. Eigentlich nimmt er Drogen, weil er in wachem Zustand alptraumartige Visionen von blutrünstigen Schatten hat, die ihn quälen. Es kann ja nicht ahnen, dass er keineswegs verrückt ist und tatsächlich übernatürliche Wesen sieht, die aus der Dunkelheit kriechen, um die Welt mit Chaos zu überziehen.
Zwischen der Welt der Menschen und der anderen, dunklen Seite gibt es nur eine zunehmend dünner werdende Grenze, die von den vier apokalyptischen Reitern bewacht wird. Der jüngste unter ihnen ist Colm, besser bekannt als Pestilenz. Obwohl noch unerfahren im Kampf, versucht er Kismet zu retten und merkt schnell, dass der junge Mann etwas Besonderes ist.
Aber wie passt ein Mensch in diesen ewigen Widerstreit hinein? Ist Kismet überhaupt ein Mensch?

Dunkle Schatten“ von Rhys Ford ist eine beklemmende Urban Fantasy Geschichte voller düsterer Gestalten und blutiger Kämpfe. Der Schwerpunkt der Geschichte liegt weniger auf der sich anbahnenden Romanze, als auf den Auseinandersetzungen mit dem Bösen. Manchmal kommt man sich als Leser selbst vor, wie in einem dunklen Rausch, hilflos gefangen zwischen der Hoffnung, dass die dunklen Schatten nicht real sein können und der der finsteren Ahnung, dass sie es doch sind.

Der Roman ist alles andere als leichte Kost. Während ich Bücher normalerweise entweder verschlinge, oder mir schon nach kurzer Zeit sicher bin, dass sie nicht weiterlesen möchte, habe ich „Dunkle Schatten“ immer wieder zur Seite gelegt, nur um dann doch wieder danach zu greifen, weil ich mich der finsteren Geschichte nicht entziehen konnte, bevor ich wusste, wie sie endet. Die Charaktere, die Rhys Ford erschaffen hat, fand ich unheimlich toll. Sie „Helden“ zu nennen widerstrebt mir trotzdem. Antihelden trifft es fast besser. Sie passen in die grausame, düstere Welt, die Ford um sie herum entstehen lässt.

Es fällt mir sehr, sehr schwer, die Story zu beurteilen. Eigentlich heißen vier Punkte: Gefällt mir. Das kann ich hier so nicht sagen. Ausnahmsweise bedeuten sie hier eher: Hat mich gepackt und nicht mehr losgelassen, nicht zuletzt, weil es wirklich toll geschrieben ist. Aber wenn ich gewusst hätte, auf was ich mich da einlasse … Keine Ahnung, ob ich das Buch dann jemals aufgeschlagen hätte.

Leseempfehlung? Für Leute mit schwachen Nerven ist das Buch mit Sicherheit gar nichts. Für Fans von erotischen Romanzen eignet es sich nur bedingt. Die von dunkler Fantasy werden es wahrscheinlich kaum aus der Hand legen können. Für mich war es eine echte Herausforderung.
Haben wollen? 

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P.S.: Nachdem ich im letzten post über "schlechte" Klappentexte gemeckert habe, sollte man auch mal ein positives Beispiel nennen. Rhys Ford hat für mich hier alles richtig gemacht, schließlich wollte ich das Buch unbedingt lesen und hab's dann auch gemacht. Falls der Klappentext von einem Verlagsmitarbeiter stammt, was ja laut den Kommis die Regel sein soll: Herzlichen Glückwunsch DSP Publications! Ihr habt tolle Mitarbeiter. 

Bildquelle: Dreamspinner

Sonntag, 19. Juni 2016

"Was würdest du tun ...?" oder was ich an Klappentexten wirklich hasse




"Was würdest du tun …?"

Wenn ich eines wirklich abgrundtief hasse, dann ein Klappentext, der mit den Worten “Was würdest du tun …?” anfängt.

Was ich gerade in diesem Moment eigentlich GERNE tun würde, weiß ich genau: Ich habe einen interessanten Buchtitel entdeckt, möchte nun eine spannende und / oder sinnliche Geschichte lesen und eine Weile Urlaub vom Alltag machen. Ich will gerade NICHT darüber nachdenken, was ICH machen würde / sollte / müsste. Ich möchte in eine fremde Welt versinken und erleben / erlesen wie jemand ANDERES sein Schicksal meistert.

Ich persönlich wähle meinen Lesestoff hauptsächlich nach dem Klappentext aus.

Eine nahezu totsichere Methode mich vom Lesen einer Geschichte abzuhalten, ist die Buchvorstellung mit „Was würdest du tun …?“ zu starten. *bäääähhhh* Danach höre ich in 99 von 100 Fällen sofort auf zu lesen und switche zum nächsten Buch.

Zum Weiterlesen und zum Schmökern in der Leseprobe (das mache ich grundsätzlich, bevor ich zuschlage) animiert mich ein kurzer, knackiger Klappentext. Der stellt mir im Idealfall die beiden Hauptprotas (schließlich lese ich in der Regel Romanzen) vor, vermittelt mir eine ungefähre Ahnung in welcher Zeit bzw. welchen Setting die Story spielt und deutet außerdem an, was das Kernproblem der Geschichte ist. Der Klappentext darf gerne mit einer Frage oder offen enden, schließlich soll er mich ja neugierig machen.

Für mich ist der Klappentext enorm wichtig. Eigentlich muss schon der erste Satz zünden. Ich ärgere mich, wenn er an eine völlig belanglose Frage verschwendet wird.

Kann sein, dass mir mit dieser strikten Einstellung einige richtig tolle Geschichten entgehen.

Aber mal ehrlich: Wieso sollte ich mich auf eine Story einlassen, deren Verfasser mir seine Protas nicht voller Stolz vorstellt und darauf vertraut, das sie mich verzaubern werden?


Ich will und werde auch in Zukunft glücklich in fremde Welten eintauchen, zufrieden in Büchern versinken und voller Freunde erkunden, was DIE HELDEN darin erleben.

Bei einem guten Buch vergesse ich völlig, was ich an ihrer Stelle tun würde ...


P.S.: Bin ich zu streng? Wie sehr ihr das?


Bildquelle: pixaby

"Ein Wolf im Schlafzimmer" von Kim Fielding

Geistvolle Fortsetzung …        

Dylan und Chris aus „Ein Wolf in der Küche“ sind sich mittlerweile sicher, dass sie zusammengehören. Blöd nur, dass sie es irgendwie nicht schaffen, sich das auch einmal zu sagen. Aber zeigen kann man(n) es sich ja …

Ausgerechnet mitten in einem äußerst erfreulichen heißen Spiel zu zweit taucht plötzlich eine dritte … - „Person“ ist jetzt irgendwie das falsche Wort – auf. Anscheinend sind Werwölfe nicht die einzigen Übernatürlichen Wesen auf der Welt. Doch wie wird man Geister, die man noch nicht mal gerufen hat, wieder los? Schließlich wollen die beiden ihre Zweisamkeit in Zukunft ungestört genießen …

Mit „Ein Wolf im Schlafzimmer“ ist Kim Fielding eine wirklich geniale Fortsetzung zu „Ein Wolf in der Küche“ gelungen. Wie schon im ersten Band stimmt die Chemie zwischen Dylan und Chris total und dieser Funke springt sofort auf den Leser über. Die beiden sind jeder für sich einfach klasse und gemeinsam unschlagbar. Es macht totalen Spaß, zu lesen, wie die beiden den jeweils anderen gnadenlos anhimmeln. Dabei sind sie beide keine Supermänner, sondern haben ihre kleinen Fehler und Eigenheiten, die sie aber nur umso liebenswerter machen. Kim Fielding erzählt die Geschichte mit viel Humor, Liebe zum Detail und einer unvergleichlichen Leichtigkeit.

Sowohl Dylan, als auch Chris haben immer noch mit Unsicherheiten zu kämpfen, was mit einem leichten Augenzwinkern, aber ohne Häme geschildert wird. Als Leser lacht man mit den beiden, nicht über sie, gerade deshalb macht die Geschichte so viel Freude.

Während der letzte Band sich auf das Kennenlernen der beiden Männer konzentrierte, suchen sie hier nun nach einer stabilen Grundlage für eine dauerhafte Beziehung. Mir gefällt unheimlich, wie sie sich gegenseitig ergänzen. Jeder hat seine Stärken und seine Schwächen. Wieder ist Dylans Wesen als Werwolf zwar ein wichtiger Bestandteil der Geschichte, aber nicht unbedingt ihr Kern. Kim Fielding hat eine sehr eigene und erfrischende Interpretation des Werwolf-Motives, das mir richtig gut gefällt.

(Kleiner Insider: Wer weiß, wie sehr ich Nalini Singh und ihre Gestaltwandler liebe, kann erahnen, was dieses Lob ausgerechnet in der Woche nach einer Neuerscheinung eben dieser Autorin bedeutet …)

Gut gefallen hat mir auch, dass die Nebenfiguren diesmal deutlich an Profil gewonnen haben. Sie sind wirklich in die Story integriert und tragen einen wichtigen Teil dazu bei, allen voran natürlich der ungebetene Gast … äh … Geist 
, der ein überraschendes Ziel verfolgt und damit einige Dinge in Bewegung setzt, mit denen keiner gerechnet hat.

Hab ich vor lauter Begeisterung noch was vergessen? Ja! Wenn die beiden Jungs nicht gerade beim ... unterbrochen werden, sind sie unvergleichlich heiß. Dabei spürt man deutlich, dass es nicht nur um die Technik geht, sondern wieviel Gefühl im Spiel ist. Das macht jede der Szenen zu etwas Besonderem.

Fazit:Ein Wolf im Schlafzimmer“ von Kim Fielding ist eine wirklich gelungene, „geistvolle“ Fortsetzung, die von mir auf jeden Fall 5 Punkte und einer vergnügte Leseempfehlung erhält. Man sollte aber vorher unbedingt den ersten Band der Reihe lesen, da die beiden Bücher aufeinander aufbauen.

Ich fand die Story so klasse, dass ich sofort nachgeschaut habe, ob es auf Englisch weitere Bände der Serie gibt. Gibt es. Ich hoffe, das sie möglichst schnell übersetzt werden und freu‘ mich schon drauf!!!


*räusper*
Ich hoffe die Verantwortlichen vom Cursed Verlag lesen das hier, verstehen diesen Wink mit dem Zaunpfahl und erfreuen mich und alle anderen Fans der Serie möglichst schnell mit der nächsten Übersetzung. 


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Die meisten liegen allerdings bisher nur in Englisch vor.
- "Ein Wolf in der Küche" (Good Bones 1)    zur Rezi *klick*
"Ein Wolf im Schlafzimmer“ (Good Bones 2) 
- "Bone Dry" (Good Bones bzw. The Bones Series 3), liegt bisher nicht auf Deutsch vor ... 
Bildquelle: Cursed Verlag

Freitag, 17. Juni 2016

"Alwyn Nordmann" von Adora Belle

Fantastisch recherchiert

Der junge umbrische Mönch Alwyn wird bei einem Wikingerüberfall zur lebenden Beute der Plünderer. Weit entfernt von seiner Heimat muss er sich unangenehmen Wahrheiten stellen. Fern der Heimat stellt er fest, dass lange nicht alles, das er für gottgeben und richtig hält, auch von den Nordmännern so gesehen wird. Die größte Herausforderung aber ist Alfgast, sein Herr.
Der große Wikinger weckt Gefühle in Alwyn, die für einen Mann nicht angebracht sind. Aber selbst wenn es eine Chance für sie geben würde, wie könnten sie jemals vergessen, dass sie Herr und Sklave sind.

Ich bin eigentlich kein Fan von Wikinger-Romanen, aber dieses Buch hat mich sofort interessiert und auch von der ersten Seite an gepackt. Adora Belle erzählt die Geschichte von „Alwyn Nordmann“ unheimlich authentisch und spannend. Auch wenn sie betont, dass der Roman nicht auf wahren Begebenheiten beruht, fühlt man sich sofort in die Vergangenheit zurückversetzt. Dabei wird kein romantisch verklärtes, sondern eine sehr realistisch anmutendes Bild der Zeit und der darin lebenden Menschen gezeichnet. Man schmeckt förmlich die kalte, salzige Luft oberhalb des Fjordes und riecht den Holzrauch des Kochfeuers.

Alwyn und Alfgast gehen jeder für sich, aber nicht immer gemeinsam, einen sehr weiten Weg. Dabei ist immer verständlich, was Alwyn antreibt, aus dessen Sicht die Geschichte erzählt wird. Ich muss ehrlich gestehen, dass ich Alfgast dagegen meist überhaupt nicht verstanden habe. Eigentlich war er mir unheimlich sympathisch, aber sein Verhalten wirkt oft unheimlich sprunghaft. Nicht nur Alwyn wusste lange gar nicht, was er von den Aktionen seinen Herren halten sollte …

Insgesamt ist die Geschichte in meinen Augen so sehr Romanze wie Entwicklungsroman. Wirklich fasziniert und begeistert hat mich das stimmige Setting.

Mein Fazit: Ich kann mich – wegen Alfgast – nicht ganz zwischen gefällt mir und gefällt mir sehr entscheiden. Insgesamt knappe 5 Punkte und eine Leseempfehlung. Zuckersüß ist diese Geschichte nicht, aber auch das passt perfekt zu der harten Zeit und dem rauen Land, in der sie spielt.

Ein bisschen ist die Story für mich wie ein Sommerfest mit einem heftigen Gewitterregen. Das ist zwar im ersten Moment ärgerlich, stört aber die Fete nicht wirklich und macht sie auf längere Sicht zu der, die man genau in Erinnerung hält.


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- "Alwyn Nordmann

Immer noch zu meinen Lieblingsbüchern von Adora Belle zählen übrigens:
"Lauryn   zur Rezi *klick*
- "Noah"    zur Rezi *klick*

Bildquelle: amazon

"713" von Gabriele Oscuro

Der weite Weg ans Licht

Die Sklaven in den Minen König Eskils wissen, dass sie das Tageslicht niemals wiedersehen werden. Ihre Erinnerung das Leben außerhalb sind vage und kaum greifbar. Erlösung von ihrem grausamen Schicksal bringt nur der Tod.
Doch auch für einen Minensklaven, der noch nicht einmal einen Namen hat, sondern mit einer Nummer gerufen wird, gibt es noch Überraschungen. Völlig unerwartet werden 713 und drei seiner Mitgefangenen von Rebellen befreit. Unter Tage hat die Männer und Frauen nichts auf ein eigenverantwortliches Leben vorbereitet, ganz im Gegenteil. Nun müssen sie nicht nur lernen, für sich zu sorgen und ihren Teil zur Gemeinschaft beizutragen, sondern auch, mit ihren eigenen Gefühlen und denen der anderen umzugehen.
713 stellt schnell fest, dass ein Leben als freier, wenn auch von den Schergen des Königs verfolgter, Mann, alles andere als einfach ist. Die Fesseln aus Eisen hat er schnell abgestreift, aber in der Sklaverei wurde auch seinen Geist in Ketten gelegt.
Nachdem er nun wieder das Licht der Sonne genießen darf, wird es Zeit etwas zu finden, das sein Herz erhellt …

Mit „713“ legt Gabriele Oscuro einen unheimlich berührenden und zugleich spannenden Fantasy-Roman vor, der den Leser auf eine emotionale Achterbahn schickt. Die abgrundtiefe Verzweiflung, die bei den Sklaven herrscht, obwohl sie ständig mit Drogen betäubt werden, weicht vorsichtiger Hoffnung, als die Rebellen sie befreien. Schnell wird allerdings klar, dass diese Freiheit auch unbekannte Gefahren und Risiken birgt.

Die Geschichte wird abwechselnd aus der Sicht von 713, der später natürlich den von ihm heiß ersehnten, eigenen Namen erhält, und Tomaz, einem seiner Befreier, erzählt. Die beiden haben von der ersten Sekunde an eine ganz besondere Beziehung zueinander. Ein Teil der Spannung in dem Roman erwächst daraus, woher diese rühren mag und ob sie trotz aller Widrigkeiten zueinander finden.

713 muss zuerst einmal seine eigenen, lange unterdrückten Gefühle und Wünsche kennenlernen. Wo ist der Unterschied zwischen Zuneigung, Begehren und Liebe? Das ist schwierig, wenn man ein Leben lang weder Vorbilder hatte, noch eigene Erfahrungen machen durfte.

Gabrielle Oscuro hat es wunderbar geschafft, den äußeren Rahmen an die Gefühlswelt ihres Hauptcharakters anzupassen: Die Geschichte beginnt im eisigen Winter, der aufziehende Frühling bringt erste, schwerwiegende Veränderungen und – wenn man das so sagen darf – unter dem Licht der Sommersonne wächst der ehemalige Sklave weit über sich selbst hinaus.

Wenn es einen Kritikpunkt an der Geschichte gibt, dann den: Diese Story ist in sich abgeschlossen. Aber ich hätte unheimlich gerne noch viel, viel mehr aus der Welt erfahren, die die Autorin geschaffen hat. Ich hoffe wirklich, dass es irgendwann eine Fortsetzung gibt und ich den liebgewonnenen (und auch den gut gehassten) Charakteren noch einmal begegne.

Fazit: Gefällt mir sehr, also 5 Punkte und eine Leseempfehlung für alle Freunde solider Gay-Romance-Geschichten und spannender Fantasy.



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Donnerstag, 16. Juni 2016

"Allegiance of Honor" von Nanili Singh (engl.)

Einzigartig, begeisternd, wunderschön!

Die Welt steht an der Schwelle zu einer neuen Zeit: Die einst schier unüberwindlichen Grenzen zwischen den Menschen, Gestaltwandlern und Medialen sind durchlässig geworden. Doch die neue Offenheit gefällt nicht allen. Hinterhältig soll der junge Friede und die Hoffnung auf eine bessere Zukunft für immer zerstört werden. Naya, die kaum einjährige Tochter von Lucas und Sasha, gerät als Symbol der neuen Zeit in den Fokus derer, die sich von der Vergangenheit nicht lösen können oder wollen. Womit die Verräter nicht rechnen, ist die Stärke der vielfältigen alten und neu geknüpften Bande um die Kleine. Ihre Familie, deren Freunde und Alliierten stehen Seite an Seite, um zu schützen, was sie endlich frei und offen lieben dürfen.

Allegiance of Honor“ ist ein ganz besonderes Buch, ein echtes Geschenk an alle Fans der Serie. Schon im Vorwort verrät Nalini Singh, dass sie ein Buch schreiben wollte, in dem alle Charaktere noch einmal zusammenkommen und ihren Auftritt haben. Das scheint bei der Fülle der Geschichten kaum möglich zu sein, vor allem wenn das Buch noch eine sinnvolle Rahmenhandlung haben soll …

Aber was soll man sagen: Nalini Singh und ihre Bücher übertreffen sich immer wieder selbst. Dieser Roman macht das Unmögliche möglich: Die dicht miteinander verwobenen Schicksale der liebgewonnen Helden werden so warm und lebendig gezeigt, dass man sich auch als Leser sofort willkommen fühlt.

Eigentlich erzählt das Buch nicht nur eine, sondern gleich vier (!) Geschichten: Der erste der Handlungsstränge dreht sich um die schon erwähnte Intrige, die Nayas Entführung zum Ziel hat. Hier ist es unheimlich interessant zu lesen, wie selbst die sanfte Sasha ihre wilde Seite entdeckt, als jemand ihrem Baby schaden will. Es ist einfach genial, wie Nalini Singh es schafft, auch altbekannten Charakteren eine neue Facette hinzuzufügen, ohne dass es unglaubwürdig wirkt.

Eine weitere Geschichte dreht sich um Leila, eine junge Angehörige des BlackSea Rudels, die gekidnappt wurde. Mit vereinten Kräften arbeiten Gestaltwandler, Menschen und vor allem die Pfeilgarde an ihrer Rettung. Wie dies schließlich gelingt, ist … nicht direkt ein Zufall, weil nur die intensive Vorarbeit aller das möglich gemacht hat. Ihr Retter dagegen ist eine echte Überraschung und der Beweis, dass Nalini Singh nicht eine einzige ihrer Nebenfiguren vergisst.

Die dritte Geschichte ist die von Xavier, der sich endlich aufmacht, seine verlorenen Liebe zu finden. Auf dem Weg zu ihr liest er noch einmal die Briefe, die er über die Jahre an Nina geschrieben hat, aber niemals abschicken konnte. Zusammen mit Xavier kann man sich als Leser noch einmal an den weiten Weg erinnern, den die Welt gemacht hat, seit eine verzweifelten Mediale und ein charmanter schwarzer Kater in menschlicher Gestalt sich zum ersten Mal begegnet sind.

Natürlich wird – und das ist die vierte Geschichte – endlich enthüllt, wie viele „Pubcubs“ sich in Mercys Bauch verbergen. Die bringen ihre Mutter und den stolzen Vater mit der Weigerung, endlich das Licht der Welt zu erblicken, fast zur Verzweiflung. Ihre Geburt wird aber dann mit einem rauschenden Fest gefeiert, zu dem die ganze Familie eingeladen werden soll.
Doch wer kommt auf die Gästeliste? SnowDancer und DarkRiver sind längst zwei Teile eines Ganzen geworden, aber auch andere Menschen, Mediale und Vergessene gehören untrennbar zu ihnen. Bande, so bunt und verschieden, wie die Individuen, die sie geknüpft haben, bilden ein starkes Netz, das gegen alle Widrigkeiten, die die Zukunft bringen könnte, halten wird.

Allegiance of Honor“ ist ein wundervolles Buch. Bei aller Spannung und Dramatik überwiegen die positiven Gefühle, die Liebe und die Freundschaft. Die Geschichte berührt und geht zu Herzen. Ich hatte mehr als einmal Tränen in den Augen, sei es vor Glück oder auch vor Trauer, als man Abschied von einen liebgewonnenen, alten Freund nehmen musste.

Eine Botschaft wird übrigens mehr als deutlich: Nicht Rasse, Geburt, Geschlecht oder Herkunft machen eine Menschen gut oder schlecht. Hass und Gier gibt es überall. Aber genauso findet man Güte, Herzlichkeit, Loyalität und Ehre in allen Gruppen.

Man kann dieses Buch als den wunderschönen, farbenprächtigen, vorläufigen Höhepunkt einer großartigen Sage sehen und wird sich bestens damit .nterhalten. Aber man kann aus ihm auch ein leidenschaftliches Plädoyer für Frieden, Freiheit und Freundschaft sehen, die ohne einander nicht möglich sind.

Fazit: Jedes Mal, wenn ich denke, besser geht es nicht mehr, toppt Nalini Singh meine Erwartungen. „Allegiance of Honor“ sprengt für mich das Bewertungschema komplett. Für Fans der Serie ist das Buch nicht nur ein Muss, sondern pure Freude.

Wer die Geschichten bisher nicht kennt, sollte spätestens jetzt einsteigen. Wenn man keine Angst vor Spoilern hat, kann man mit diesem Buch anfangen, das wirklich noch einmal einen Blick auf alle Paare zulässt. Ansonsten: Von Vorne anfangen und sich glücklich schätzen, das es so viele Bücher zu entdecken gibt.

Denn wir immer bei Nalini Singhs Geschichten aus der Welt der Gestaltwandler und Medialen, schlägt man das Buch nach der letzten Seite zu und will am liebsten sofort wieder in die nächste Story eintauchen. Gut, dass es schon in diesem Jahr noch zwei weiter Bände gibt, die Kurzgeschichten enthalten.

So. Ich könnte noch ewig weiter schwärmen, aber erstens will ich niemandem das Vergnügen nehmen, die vielen liebvollen und herzerwärmenden Szenen selbst zu entdecken, und zweitens MUSS ich das Buch jetzt noch einmal lesen, weil ich wirklich nicht genug davon bekommen kann …

Eines noch ganz zum Schluss:
Auch diese Buch wird nicht das Letze der Serie sein (Hurra!!!). Es gibt noch ein paar Bedrohungen im Hintergrund, die unsere Helden vor neue und schwierige Aufgaben stellen werden. Ich freue mich schon unendlich darauf, sie bei der Suche nach Lösungen zu begleiten. 


Auf Englisch erscheinen in diesem Jahr noch gleich drei "neue" Bücher von Nalini Singh. Zuerst kommt Anfang August die Novelle "Secrets at Midnight", in der Mercys Bruder Bastien sein Glück findet. Die Story ist allerdings schon in "Night Shift" erschienen und liegt auch bereits auf Deutsch vor. Hier heißt sie "Versprechen der Dunkelheit" (zur Rezi geht es hier *klick*). Am 23. August kommt mit "Wild Embrace" eine Sammlung von neuen Kurzgeschichten dazu, auf die ich mich schon unheimlich freue. Unter anderem erfährt man mehr über Dezi, Kenji und Dorian. Bei einer Geschichte wird einer der Hauptcharas nicht genannt. Ich habe einen Verdacht und bin ein wenig überrascht, weil ich bei dem Mann immer an ein ganz anders Paaring gedacht habe.

Am ersten November erscheint mit "Archangels Heart" ein weitere Band aus der Reihe "Guild Hunter" / "Gilde der Jäger".


"Allegiance of Honor" erscheint unter dem Titel "Der letzte Schwur" am 09.12.2016 auf Deutsch, wie immer im Verlag Egmont LYX. Ich bin auf die Übersetzung ehrlich gespannt!


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- "Allegiance of Honor"
"Der letzte Schwur"





 Übrigens: Ich konnte es nicht abwarten und habe das Buch am Erscheinungstag mit diesem Titelbild gekauft.

Das oben gezeigte Cover ist von einem anderen Verlag. Dieses Buch ist zwei Tage später erschienen.

Bildquelle: amazon


Samstag, 11. Juni 2016

"Fifth Club - Doppeltes Spiel" von Kat G. Marcuse

Harter Sex und heiße Herzen

Als Gavin und Ruben sich das erste Mal beruflich treffen, geraten sie sofort aneinander. Und zwar nicht auf die angenehme Art und Weise. Beide wären nicht unglücklich, einander nie wieder zu sehen. Allerdings hat das Schicksal, wieder einmal tatkräftig unterstützt von Kenneth Hunt, dem Besitzer des exklusivsten SM-Klubs der Stadt, ganz andere Pläne.

Nur ein paar Stunden später muss sich Ruben entscheiden, wie nahe er Gavin an sich heran lassen will. Ein perfides Spiel beginnt, bei dem gleich zwei Herzen in Flammen aufgehen, obwohl nicht alle Karten auf dem Tisch liegen ...

In der Reihe „The Club“ hat bisher T.C. Jayden den Leser mit kleinen, erotischen Leckerbissen der etwa härteren Art verwöhnt. Darin ist auch Kat G. Marcuse unglaublich gut, deshalb scheint es fast logisch, dass sie eines der sinnlichen Abenteuer beisteuert, bei denen sich stets Lust und Schmerz mischen.

Da man die Geschichten unabhängig voneinander lesen kann, sind Vorkenntnisse nicht nötig. Der Leser begegnet zwar immer wieder Kenneth und dessen Lover Mike, die einzelnen Storys haben aber ganz unterschiedliche Hauptcharaktere und bauen nicht aufeinander auf.

Mein Fazit: Lustvolle 5 Punkte und eine Leseempfehlung.


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Donnerstag, 9. Juni 2016

"Guarded" von Kim Fielding (engl.)

Wer schützt und wer wird beschützt?

Volos arbeitet als Wächter im Palast seines Königs. Im letzten Krieg hat er hart für sein Land gekämpft, obwohl sein Vater der verfeindeten Nation angehörte. Volos Ruf ist trotz seiner Abstammung untadelig, alleine Prinz Berhanu scheint ihn deswegen zu hassen …

Kim Fielding schreibt normalerweise wunderschöne, eher sanfte Geschichten. Gewalt wird zwar nie verschwiegen, macht aber nie den eigentlichen Kern der Story aus. Das ist zwar auch in „Guarded“ nicht der Fall, hier werden allerdings eine Szenen geschildert, die ziemlich hart sind. Auch der Sex zwischen Volos und Berhanu ist zunächst alles andere als sanft.
Ich bin immer noch nicht ganz sicher, was ich von der Story zu halten habe. Einerseits hat sie eine sehr klare und eindeutige Botschaft: Nicht die Abstammung macht einen Menschen aus, sondern sein handeln. Die Szenen, in denen es darum geht, sind sehr eindringlich und wunderbar ausgearbeitet.

Weniger gefallen hat mir, wie die Beziehung zwischen Volos und Berhanu geschildert wird. Es gibt auch hier sehr berührende Momente, aber die Motive der beiden Männer sind manchmal schwer nachzuvollziehen.

Fazit: Ich kann der Story nicht mehr als 3,5, aufgerundet 4 Punkte geben. Auch mit einer Leseempfehlung halte ich mich eher zurück. Die Grundidee finde ich eigentlich klasse, die Umsetzung ist hier aber weniger gut gelungen. Vielleicht hätte die Story mehr Raum gebraucht …

Wer noch ein wenig mehr wissen möchte, findet weiter unten ein paar weitere Details. Sie können allerdings SPOILER enthalten!

Volos, aus dessen Sicht die Geschichte erzählt wird, ist ein wirklich toller Charakter, den man als Leser sofort mag und dessen Handlungen und Motive man – bis auf eine Sache - gut nachvollziehen kann. Nicht ganz klar wird nämlich, warum dieser gestandene Mann, der durch die Hölle und zurück gegangen ist, sich ausgerechnet in den ihm gegenüber absolut unausstehlichen Prinzen verliebt. Nur wegen dessen körperlicher Schönheit? Das passt nicht zu Volos. Er hat zuviel gesehen und ertragen, um Wert auf Äußerlichkeiten zu legen. Was Volos an einem Mann findet, der ihn richtiggehend mobbt, erschließt sich nicht.

Zu seinem Charakter dagegen passt ausgezeichnet, dass er sich allein auf eine Rettung-Mission mit sehr zweifelhaften Ausgang begibt, die ihn sein eigenes Leben kosten könnte. Seine Ehre ist ihm wichtig. Dass er dabei auch die Heimat seines Vaters kennenlernt und wieder Frieden mit seiner Abstammung schließen kann, war ihm nicht klar und ist einfühlsam beschrieben.

Volos befreit Berhanu in einer tollkühnen Aktion und unter Einsatz seines Lebens aus den Händen brutaler Entführer, die ihn nicht nur gequält, sondern auch missbraucht haben.

Ob ein Opfer darauf ausgerechnet so reagiert, wie Berhanu? Keine Ahnung. Hier hätte die Story sich in meinen Augen viel mehr Zeit nehmen sollen, die Motive des Prinzen klarer zu machen. Zunächst scheint er einfach weiterhin ein Ar*** zu sein. Seine Wandlung – man könnte auch sagen, er wird endlich erwachsen – wird nur angedeutet, weil er sich in dieser Zeit von Volos fernhält.

Zusammenfassend gesagt: Echt klasse fand ich fast alle Ideen hinter der Story und die meisten Charaktere, allen voran Volos. Ein wenig vermiest hat mir das Lesevergnügen, dass ich mit dem verwöhnten Prinzen Bernhanu nicht so richtig warm geworden bin.

Wieso der Titel „Guarded“ absolut passend ist, erschließt sich übrigens im Laufe der Geschichte. Der Grundgedanke ist wunderschön und hätte deutlich mehr Raum vertragen können. Er ist aber einer der Gründe, warum ich das Buch trotz aller Kritikpunkte mag und weshalb ich mich für Volos freue, dass Berhanu sich schließlich zu ihm bekennt.

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- "Guarded"

Auf Deutsch liegen unter anderem vor:
- "Brutus, der Dorttrottel" (Fantasy)
- "Ein Wolf in der Küche" (Urban Fantasy)
"Sprachlos" (zeitgenössische Romanze)

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Dienstag, 7. Juni 2016

"Sutphin Boulevard" von Santino Hassell


Schonungslos offen, knallhart und unheimlich erotisch

Michael und Nunzio kennen sie sich schon seit zwanzig Jahren und haben eine Menge gemeinsam: Beide kommen aus einer völlig kaputten Familie, sind in einem Viertel von New York aufgewachsen, dass unaufhaltsam ins soziale Abseits driftet, haben gerade so ihren Abschluss geschafft und arbeiten nun sogar an der gleichen Schule als Lehrer. Sie sind allerbeste Freunde – allerdings ohne „gewisse Vorzüge“. Bis in einer brütend heißen Nacht etwas geschieht, dass ihre Beziehung für immer verändert ...

Ich habe „
Sutphin Boulevard von Santino Hassell kurz angelesen, war sofort völlig fasziniert und konnte das Buch keine Sekunde mehr aus der Hand legen. Die Geschichte wird mit einer Intensität erzählt, die schier unglaublich ist. Man erlebt als Leser das Geschehen aus der Sicht von Michael und spürt gleich zu Beginn die drückende Schwüle der Sommernacht, die erotische aufgeheizte Atomsphäre der Clubs und die warme, tiefe Vertrautheit, die Michael und Nunzio füreinander empfinden und die ein winziger Funke zu einem leidenschaftlichen Feuer werden lässt. Was dann folgt, ist allerdings nicht nur eine hocherotische Romanze zwischen zwei unglaublich heißen Männern, sondern auch die schonungslose Beschreibung einer Abwärtsspirale, aus der es kein Entrinnen zu geben scheint.

Überraschenderweise weiß man als Leser genau, was Michael tun müsste, um ihr zu entkommen, erlebt aber auch hautnah mit, wie er die Augen vor offensichtlichen Wahrheiten verschließt, bis es nicht mehr anders geht. Das Buch moralisiert nicht und versucht auch nicht, Verständnis zu für etwas zu wecken, dass man mit klarem Kopf ohnehin nicht verstehen kann. Es erzählt, ohne zu werten.

„Ich will nur nicht ruinieren, was wir schon haben“ erklärt Michael an einer Stelle. Er realisiert nicht, dass sich Gefühle nicht auf Dauer konservieren lassen, sondern auch von der Veränderung leben.

Sutphin Boulevard könnte unheimlich deprimierend sein. Ist es aber nicht. Das Buch atmet förmlich, so lebendig ist es. Es geht tief unter die Haut, berührt und „regt auf“. Die erotische Spannung kocht immer wieder über und die erotischen Szenen treiben den Blutdruck des Lesers genauso hoch, wie der Zorn über die Schwierigkeiten, mit denen sich Michael und Nunzio herumschlagen müssen, sei es in ihren Familien oder im Job.

Diese Geschichte wird keinen Leser gleichgültig lassen. Entweder man liebt sie, oder man hasst sie abgrundtief und wirft sie voller Wut in die Ecke. Sie entzieht sich übrigens erfolgreich dem Versuch, sie in eine Kategorie einzuordnen: Darf ein Sozialdrama kochend heiß sein? Eine Milieustudie hocherotisch? Eine Romanze beklemmend realistisch? „Sutphin Boulevard“ ist das alles, bloß eines nicht: Mainstream. Die Story ist in mehr als einer Hinsicht ungewöhnlich, unglaublich gut geschrieben und eines der interessantesten Bücher, die ich seit langer Zeit gelesen habe.

Fazit: Fünf Punkte reichen mir hier auf keinen Fall und ich persönlich finde wirklich, das Buch sollte jeder unbedingt lesen. Mir ist allerdings auch bewusst, dass dieser Roman den Leser weit aus seiner üblichen Wohlwühlzone herausführt. Deshalb lege ich jedem ans Herz, unbedingt zumindest in die Leseprobe hineinzuschauen. Vielleicht geht es demjenigen ja dann wie mir: Mich haben schon die ersten paar Seiten und der ungewöhnliche, tolle Schreibstil von Santino Hassell so in ihren Bann gezogen, dass ich „
Sutphin Boulevard nicht mehr aus der Hand legen konnte, bis ich wusste, ob und wie Michael und Nunzio am Ende tatsächlich zueinander finden. Ihre Geschichte geht mir immer noch im Kopf herum und wird mich so schnell nicht verlassen.

P.S.: Neben den beiden Männern hat die Story noch einen weiteren, heimliche Hauptdarsteller: Man lernt den Alltag in New York weitab der Touristenzentren und der glamourösen Fassaden rund um den Central Park kennen. Während man die Geschichte liest, wandert man mit Michael und Nunzio durch die ewig lauten und bedrückenden Häuserschluchten, fährt mit ihnen in versifften und überfüllten U-Bahnen und erlebt die Stadt, die niemals schläft, mit den Augen eines Einheimischen.


Trotzdem haben wollen?
 Hier kann man die Bücher von Santino Hassell kaufen. Bisher liegt allerdings nur der erste Band der Serie auf Deutsch vor. Ich bin schon unheimlich gespannt auf die anderen Bücher. Im Moment kann ich mit kaum vorstellen, dass der Autor diese Intensität halten kann. Er hat mich allerdings in dem vorliegenden Roman schon mehrfach überrascht.
Sutphin Boulevard 

Anmerkung: Das Buch ist wirklich keine leichte Kost und wird die Geister spalten. Es lohnt sich auf jeden Fall, sich auch die Rezis von "Laberladen" und "Gaylesen" mal anzuschauen.


Bildquelle: amazon

Montag, 6. Juni 2016

"Die 100: Heimkehr" von Kass Morgan

Solide und spannende Fortsetzung
Die 100 haben sich auf der Erde gut eingelebt und sind dabei ein gutes Stück erwachsener und selbstständiger geworden. Schließlich mussten sie sich Herausforderungen stellen, die so im Weltall einfach nicht vorkommen. Eine der größten Überraschungen war, dass die Erde nicht so menschenleer ist, wie alle geglaubt haben.
Außerdem droht eine Gefahr, die sozusagen aus den eigenen Reihen stammt: Ausgerechnet Rhodes, der skrupellose Vizekanzler macht sich mit einer großen Truppe auf zur Erde. Welche Pläne hat er und was bedeutet diese für die Jungs und Mädels, die sich ihm offen widersetzt haben?

Ich habe die ersten beiden Bände der Serie „Die 100“ von Kass Morgan auf Englisch gelesen und war richtig neugierig, ob und wie die vielen losen Fäden in dieser Fortsetzung zusammengeführt werden. Dabei entwickeln sich die Bücher und die TV-Serie in meinen Augen immer weiter auseinander, so dass man auf keinen Fall hin und her springen oder Rückschlüsse von dem einen zum anderen fassen kann.

Was im TV problemlos funktioniert, ist der Perspektivwechsel zwischen mehreren handelnden Personen. Im Buch muss man sich bewusster darauf einlassen. Danach allerdings macht es mittlerweile für mich einen Teil des Reizes der Serie aus. Es macht es außerdem leichter den verschiedenen Handlungsfäden zu folgen, die erst nach und nach zusammengeführt werden.

An der Serie hat mich von Anfang an gereizt, dass sie über viele, sehr starke weibliche Charaktere verfügt. Glass, die in der Verfilmung ja gar nicht vorkommt, aber auch Clarke, Oktavia und Sasha beeinflussen das Geschehen und nehmen ihr Schicksal selbst in die Hand. Sie lassen sich von den Jungs nicht unterkriegen, sondern stehen gleichberechtigt neben ihnen.

Dabei kommt aber die Romantik keinesfalls zu kurz. Mir gefällt vor allem die Beziehung zwischen Clarke und Bellamy, die ein tolles Paar sind. Dabei hat die Beziehung durchaus Höhen und Tiefen, wie immer, wenn zwei so starke Charaktere aufeinandertreffen.

Ein zentrales Thema der Serie ist für mich die Frage nach den moralischen Grundsätzen, die immer wieder aus verschieden Blickwinkeln beleuchtet wird. Was ist wichtiger? Das Überleben des Einzelnen oder das der ganzen Gruppe? Und wo ist die Grenze, die man nicht überschreiten darf, egal ob für einen Einzelnen oder für die gesamt Gruppe? Übrigens erliegt die Autorin auch nicht der Versuchung, einfach eine ganze Gruppe zu „dämonisieren“. Man findet gute und schlechte Menschen in allen Gruppierungen und Schichten.

Insgesamt hat mir auch dieser Teil wieder gut gefallen, also 4 Punkte und eine Leseempfehlung.

Fans der TV-Serie sollten übrigens unbedingt bei den Büchern unbedingt mit Band 1 anfangen, da sich die Charaktere und die Handlung nicht decken. Beide haben ihre eigenen Schwerpunkte und teilweise decken sich nicht einmal die Hauptcharaktere. Es stimmt einfach nicht, dass man hier „Das Buch zur Serie“ erhält, wie auf dem Cover behauptet wird. Allerdings lohnt es sich durchaus, beide unabhängig voneinander zu genießen!



Haben wollen? 

 Hier kann man die Bücher von Kass Morgan kaufen: 
Die 100" (Band 1)
Die 100: Tag 21" (Band 2)
Die 100: Heimkehr" (Band 3)

Weil ich die TV-Serie auch toll fand, hier noch der link zu den entsprechenden DVDs:
- „Die 100" (Staffel 1)

Bildquelle: amazon

Samstag, 4. Juni 2016

"Warm und köstlich" von Julia Leijon

(Leider) eher kühl und träge

Robin findet in seinem Dasein als Vampir wenig Sinn. Die endlose Zeit, die ihm zur Verfügung steht, verleitet ihn dazu, alle Dinge auf die lange Bank zu schieben und zu einem Schatten zu werden. Erst als er Martin, den Besitzer des Coffee Shops „Warm und Köstlich“ entdeckt, erwacht er langsam aus seiner Lethargie. Zu Robins Überraschung bemerkt Martin ihn nicht nur, trotz seiner vampirischen Fähigkeit, mit der Umgebung zu verschmelzen, sondern fühlt sich von ihm genauso angezogen, wie es umgekehrt der Fall ist. Aber wie können ein Vampir und ein Mensch eine Beziehung führen?

Zum Kauf des Buches hat mich das wunderschöne Titelbild und schließlich auch der Titel verlockt:
Warm und köstlich hört sich für mich unheimlich sinnlich an. Auch der „Ruf“ der Vampire ist ja heutzutage eher dunkel-erotisch als kühl und gefährlich. Julia Leijon hat – auf den ersten Blick - mit Robin eine weitere interessante Variante geschaffen: Den traurigen Einzelgänger, der nicht wütend mit seinem Schicksal hadert, sondern fast aufgegeben hat. Der warmherzige und auf ruhige Art lebensbejahende Martin gibt den perfekten Gegenpart dazu ab.

Leider gibt es bei der Geschichte von Julia Leijon einen Haken: Die beiden Charaktere sind so ruhig und undramatisch, dass sich in dem Buch einfach keine wirkliche Spannung aufbaut. So faszinierend der Gedanke auch am Anfang ist, eine ganz neue Facette des alten Vampir-Themas kennenzulernen, sie schläft spätestens dann langsam ein, wenn Sätze wie dieser kommen: „Sie (Martin und Robin) blieben lange wo sie waren und machten einfach träge auf dem Sofa herum.“

Die Idee, Robin nicht heißblütig und als eher trägen Charakter anzulegen, funktioniert so gut, dass man ihm seine Gefährlichkeit kaum abnimmt. Gleich zu Anfang wird außerdem betont, dass er einen Menschen nicht töten muss, um zu überleben. Übrig bleibt ein sehr anmutiger und hübsch aussehender, ewig junger Mann, dem man irgendwann einen gepflegten Tritt in den Allerw*** verpassen möchte, damit er endlich mal in die Pötte kommt.

Dem sanften und freundlichen Martin gelingt es durch seine unendliche Geduld schließlich auch, Robin zurück ins Leben zu holen, aber irgendwie hätte ich Martin einen Partner gewünscht, der ihn für seine verkorkste Kindheit und Jugend mit Feuer und Leidenschaft entschädigt.

Nun ja. Vielleicht ist die relative Ruhe, genau das, was die beiden Männer brauchen. Man bekommt eben als Leser nicht immer, was man will.

Fazit:Warm und köstlich“ hat meinen persönlichen Geschmack trotz der interessanten Ansätze nicht wirklich getroffen. Man kann das Buch lesen, ich selbst konnte es aber auch immer wieder völlig problemlos zur Seite legen. Es ist nicht schlecht, aber es hat mich auch nicht mitgerissen oder begeistert. Damit erhält es von mir solide 3 Punkte und eine eher zurückhaltende Empfehlung.

Übrigens: Die Story hat gut angelegte und liebevoll ausgestaltete Nebencharaktere, was ich normalerweise sehr zu schätzen weiß. Aber es liegt in der Natur der Sache, dass die Nebendarsteller alleine eine Geschichte nicht retten können.


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